Uganda überlegt Todesstrafe für Homosexuelle

12. Dezember 2009, 07:00

"...dass so etwas im 21. Jahrhundert geschieht": Die Empörung über Gesetzentwurf, aber auch die generelle Homophobie in Afrika ist groß

Kampala - Manchen Homosexuellen in Uganda könnte die Todesstrafe drohen. Angehörige und FreundInnen müssten mit sieben Jahren Gefängnis rechnen, wenn sie sie nicht verraten. VermieterInnen hätten Haftstrafen zu befürchten, wenn sie Homosexuellen Wohnraum vermieten. Das sieht ein Gesetzentwurf vor, der derzeit in Uganda erörtert wird und international zunehmend Empörung auslöst.

"Frage des Sichtbarwerdens"

BürgerrechtlerInnen sehen darin eine Anstachelung zur Homophobie und eine Gefahr für die Bemühungen zur Aids-Bekämpfung. Für sie steht der Entwurf im Rahmen einer heftigen Gegenreaktion in ganz Afrika darauf, dass sich Homosexuelle nicht mehr verstecken wollen. "Das ist eine Frage des Sichtbarwerdens", glaubt David Cato, der zum Aktivisten wurde, nachdem man ihn vier Mal zusammengeschlagen und zwei Mal festgenommen, als Lehrer hinausgeworfen und in der Presse geoutet hatte. "Wenn wir offen auftreten und unsere Rechte einfordern, machen sie Gesetze gegen uns."

Strafen für Homosexuelle und ihr Umfeld

VertreterInnen der Bewegung befürchten, dass der Entwurf wahrscheinlich beschlossen werden wird. Doch noch wird darüber beraten, und Änderungen sind durchaus noch möglich, bevor eine Abstimmung angesetzt wird. Die derzeitige Version sieht die Todesstrafe für HIV-infizierte aktive Homosexuelle sowie bei gleichgeschlechtlicher Vergewaltigung vor. Auch "SerientäterInnen" könnte sie drohen, wobei der Begriff allerdings nicht näher definiert ist.

Auf homosexuelle Handlungen an sich stünde lebenslange Haft. Beihilfe oder Begünstigung würde mit sieben Jahren geahndet. Dasselbe Strafmaß träfe jeden, der Homosexuellen eine Wohnung oder ein Haus vermietet. Personen mit religiösem, politischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichem Einfluss, die einschlägige Gesetzesverstöße nicht bei den Behörden melden, müssten mit drei Jahren Gefängnis rechnen.

Angst vor "Rekrutierung" von Schulkindern

Dagegen wächst international Protest. Zwei Demonstrationen fanden vorigen Monat in den USA statt, für Donnerstag eine in London. Der Abgeordnete David Bahati, der den Entwurf eingebracht hat, forderte zu "konstruktiver Kritik" auf mit dem Ziel, die Vorlage zu verbessern. Er beharrt aber darauf, dass Homosexuelle mit strikten Maßnahmen daran gehindert werden müssten, Schulkinder zu "rekrutieren". "Die Jugendlichen an den höheren Schulen machen alles aus dem Westen und aus Amerika nach", glaubt der Lehrer David Kisambira. "Eine ganze Reihe von Schülern sind zu Homosexuellen gemacht worden. Man hört, dass es Gruppen von Leuten gibt, die Geld von irgendwelchen Homo-Organisationen in Industrieländern bekommen, um Jugendliche für homosexuelle Handlungen anzuwerben."

"Gesetz stachelt Angst an"

Die Vorlage sei dermaßen mangelhaft formuliert, dass man schon für eine einfache Umarmung ins Gefängnis wandern könne, befürchtet indes der Menschenrechtler Frank Mugisha. "Dieses Gesetz stachelt den Hass an", sagt er. "Wir machen Uganda zu einem Polizeistaat. Es wird die Menschen zum Selbstmord treiben."

Die Frage der Todesstrafe werde wahrscheinlich überprüft werden, meinte der für moralische Fragen zuständige Minister James Nsava Buturo. Das Gesetz sei aber notwendig, um ausländischen Einflüssen entgegenzutreten. Homosexualität "ist in Uganda nicht normal".

Diese Auffassung teilen viele DurchschnittsbürgerInnen. "Ich meine, dass das Gesetz gut und notwendig ist, aber ich finde nicht, dass Homosexuelle getötet werden sollten", sagt etwa der Ladenbesitzer John Mwanguzi. "Sie sollten für ungefähr ein Jahr eingesperrt und verwarnt werden, das nie wieder zu tun. In Uganda ist die Familie in Gefahr, weil sich die Lasterhaftigkeit so entsetzlich schnell ausbreitet."

Verbote und Gewalt auch in anderen afrikanischen Staaten

Uganda ist nicht das einzige Land, das Gesetze gegen Homosexuelle erwägt. In Nigeria, wo gleichgeschlechtliche Liebe schon jetzt mit dem Tode oder mit Haft bestraft werden kann, werden Strafverschärfungen für die Förderung von Homosexualität erwogen. Burundi hat gerade gleichgeschlechtliche Beziehungen untersagt, Ruanda hat es vor.

In Kenia ist Homosexualität verboten. Allerdings hat die Regierung gerade zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung eine Befragung nach der sexuellen Orientierung in Auftrag gegeben und damit anerkannt, dass es sie gibt. Als aber kürzlich ein kenianisches schwules Paar in London heiratete, kochte die Volksseele und die Familien der beiden wurden belästigt.

In Südafrika, das als einziges afrikanisches Land die Homosexuellenehe anerkennt, fallen Gruppen von Vergewaltigern zwecks "Umerziehung" über Lesben her. Voriges Jahr wurde eine 19-jährige lesbische Sportlerin von einer Bande vergewaltigt, gefoltert und ermordet.

"...dass so etwas im 21. Jahrhundert geschieht"

Dem Gesetzentwurf in Uganda ging ein Besuch von VertreterInnen erzkonservativer amerikanischer Glaubensgemeinschaften voran, die Homosexualität für widernatürlich halten und ihre "Heilung" durch Gebet und Therapie propagieren. Minister Buturo spielte ihren Einfluss herunter und betonte, der Gesetzentwurf sei Ausdruck des Volkszorns über "abstoßende" Praktiken.

AktivistInnen wie Cato dagegen halten Schwulenfeindlichkeit für eine importierte Erscheinung, die auf die frühen MissionarInnenzurückgehe. Er befürchtet, dass das Gesetz - wenn auch mit Änderungen - durchkommt. "Das ist so ein Rückschlag. Aber ich hoffe, wir kommen darüber hinweg", sagt er. "Ich kann nicht glauben, dass so etwas im 21. Jahrhundert geschieht." (APA/AP)

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Terence Lennox
01
13.12.2009, 17:47
hier fehlt eindeutig..

..interkultureller dialog. wir können von ihnen auch viel lernen. kultur zb..

sul oinen
01
13.12.2009, 17:26

Solche Gesetztesentwürfe entstehen immer nur durch Unwissen und Angst... Aufklärung wäre hier das wichtigste (zum Beispiel dass Aids nicht nur durch Homosexuelle übertragen wird,...)

Pygar
 
01
13.12.2009, 22:07

Das würde ich umformulieren: Solche Gesezesentwürfe akzeptieren viele Menschen nur durch Unwissen und Angst.

Die Politiker, die solche Gesetze machen sind in der Regel nicht per se dumm und rückständig, sondern verfolgen ihre eigenen, schändlichen Ziele.

Heilige Hostie
00
13.12.2009, 13:47
Wahnsinn

Todesstrafe!! Haben die nicht genug andere Delikte und Probleme da "unten"?

Little Willy
52
13.12.2009, 14:14
Die haben ziemlich viel AIDS

Am Schwarzen Kontinent hat das die Alterspyramide nachhaltig beeinflusst, da sterben viele schon in jungen Jahren. Ob eine solche Abschreckung OK ist?

Ar Mutschgerl
04
13.12.2009, 17:56
Aids wird in Afrika durch heterosexuellen Verkehr übertragen

Das wissen Sie bereits, aber Tatsachen stören bekanntlich Ihr dumpfes, homophobes Weltbild.

Lethawae
03
13.12.2009, 17:47

Ich will dich ja nicht mit Argumenten verwirren, aber in Afrika ist HIV ein heterosexuelles Problem.

Little Willy
00
16.12.2009, 20:55
Ja. Jetzt.

1010001010001010010
16
13.12.2009, 02:07

ich kanns nicht begreifen, warum sich menschen anmassen über andere zu bestimmen, wer mit wem (auf beidseitig-freiwilliger basis) ins bett gehen darf.

anton burger
63
13.12.2009, 05:10
richtig,

aber leider tummeln sich auch haufenweise paedophile in diesen kreisen und fuer diese typen ist der vorgeschlagene strafrahmen gerade passend. Auf der anderen seite befuerworte ich homosexualitaet in solchen laendern und sollte gefoerdert werden, damit man den bevoelkerungszuwachs etwas bremsen kann.

Lethawae
13
13.12.2009, 16:13

So liberal denkende Menschen wie dich im 21. Jahrhundert zu treffen ist immer wieder erfrischend.

anton burger
00
14.12.2009, 15:48
genau das, was

vielen fehlt - der sinn fuer realitaet.

Die Typen von oben
11
13.12.2009, 15:40

wie geht's Ihnen!?

Datenmeer
23
13.12.2009, 14:00

<...in diesen Kreisen> Also, wie das schon klingt; zur Info die meisten Pädophilen sind heterosexuelle Männer!

Little Willy
00
16.12.2009, 20:55
Aber nicht doch, Sie Schelm ...

Gusti Rentner
13
13.12.2009, 01:06
DIE TODESSTRAFE GEHÖRT W E L T W E I T ABGESCHAFFT !

mirror
01
13.12.2009, 01:00
Todesstrafe und Gefängnis für Diskriminierende!!

Laßt´s mir ja die Leute in Ruh´, die ganz natürlich auf gleichgeschlechtlich abfahren! Werdet´s endlich Menschen!

Anschauungsunterricht Leben
12
12.12.2009, 21:10
Man möchte Sanktionen für solche Länder fordern

Wenn die Leute dort nicht schon gestraft genug wären durch die durch die Ausbeutung durch westliche Firmen und der Weltbank verschuldete wirtschaftliche Misere...

Quintus Beckloeffel
11
12.12.2009, 20:16
"Minister Buturo spielte ihren Einfluss herunter."

D.h. in Wirklichkeit ist der Einfluss größer als behauptet, wie der Artikelschreiber sicher mit Studien belegen kann?!

Der Wählerwille
 
175
12.12.2009, 19:07
krank .. schon wieder ein überwiegend islamisches land dass sich durch derlei massnahmen negativstdenkbar hervortut

NUAZO
12
13.12.2009, 12:47

was hat das mit dem islam zu tun. christen sind um nichts besser.

Pygar
 
00
13.12.2009, 22:11

Das stimmt zwar grundsätzlich, aber da die Christen-Religion etwas älter ist, hat sie sich weiter entwickelt.

Natürlich hetzen auch immer wieder Christen-Führer gegen Homosexualität, allerdings kämen die Christen mit einer solchen Menschenfeindlichen Gesetzesinitiative kaum durch. In Uganda ist die Gefahr allerdings ernst und akut.

Authority
21
13.12.2009, 12:26
trollig

roma753
03
13.12.2009, 09:06

85% christen, davon 45 % katholisch, der einzige grund warum es in europa anders läuft, ist der, dass sie nicht mehr so können wie sie wollen, und sie sind die letzten die ein recht dazu haben den islam anzugreifen.
ich hab kein problem mit religionsfreiheit aber es wäre an der zeit, die anderen damit in ruhe zu lassen. diese intoleranz ist einfach zum .......

Pygar
 
01
13.12.2009, 22:14

Ich bin für totale Religionsfreiheit.

Wenn allerdings Menschen, die einer bestimmten Religion angehören in deren Namen andere Menschen belästigen, Gesetze basierend auf dieser Religion aufzwingen und ähnliches zeigt das die Intoleranz dieser Religion.

Und gegen Intoleranz kämpfe ich auf jeden Fall. Daraus resultiert, dass ich generell alle monotheistischen Religionen dieser Tage ablehne!

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