
Normen, wo früher keine waren. Private Schönheitskliniken versprechen ihren Kundinnen Lustgewinn und "Scheidenverjüngung".
Schöne Lippen, große Brüste, der perfekte Po? Die Schönheitschirurgie hört da schon längst nicht mehr auf. Inzwischen gehen Frauen immer radikalere Schritte und setzen sogar ihre Gesundheit aufs Spiel. "Intimchirurgie" heißt der neue Trend, der aus den USA nach Europa kam. Während ÄrztInnen von einem geringen Risiko sprechen und ihre Kassen füllen, warnen andere ExpertInnen vor gefährlichen Folgen.
"Reine Körperverletzung"
Die Liste an Möglichkeiten für Intim-OPs ist lang: neben der Schamlippenverkleinerung die Schamlippenvergrößerung, Absaugen des Fetts am Schamhügel, Reduzierung der Klitorisvorhaut, Verengung der Vagina oder Kollagenspritzen unter die G-Fläche, was zu einem Anschwellen der Fläche und damit zur Steigerung des sexuellen Lustempfindens führen soll.
"Das ist alles reine Körperverletzung", sagt Heidi Besas, Geschäftsführerin von Forward-Germany, der "Foundation for Women's Health, Research and Development". Als psychologische Beraterin beschäftigt sich Besas mit dem neuen Trend und gerät immer stärker in Rage, je länger sie über das Thema spricht. Verständnis hat sie für die Frauen, die sich derartigen Eingriffen unterziehen, nicht. "Da wird ein Schönheitsideal der modernen, kapitalistischen Welt suggeriert. Und man glaubt, Schönheit sei mit Geld und chirurgischen Eingriffen zu kaufen."
Luststeigernd für den Mann?
Der Verein Forward-Germany beschäftigt sich in erster Linie mit dem Thema Genitalverstümmelung. Geschäftsführerin Besas erkennt diese eigentlich religiös oder kulturell verankerten Riten ohne medizinische Gründe auch in den Schönheits-OPs - nur mit dem Unterschied, dass es Frauen in der westlichen Welt freiwillig machen. "Eine Genitalverstümmelung ist in dem Moment vorhanden, wenn etwas weggenommen wird - also auch, wenn die Labien verkleinert werden", erklärt Besas, die zudem bezweifelt, dass die Frauen dies wirklich für ihr eigenes Wohl machen lassen. "Ich vermute, dass es letztlich die Lust des Mannes steigert."
Zuwachsraten von 30 Prozent
ÄrztInnen, die die Eingriffe anbieten, sehen die OPs gelassen. Die Risiken seien gering, dauerhafte Folgeschäden seien nicht bekannt. Die Münchner Privatklinik Sensualmedics sieht sich als das europäische Kompetenzzentrum für plastische und wiederherstellende Chirurgie im weiblichen Intimbereich. Nach eigenen Angaben führt es in einem Jahr 600 intimchirurgische Eingriffe durch; die jährliche Zuwachsrate liege bei 30 Prozent. Zu den Risiken der OPs zählt die Klinik zwar unter anderem Wundheilungsstörungen und Entzündungen, Narbenbildungen und Sensibilitätsstörungen mit herabgesetzter sexueller Empfindlichkeit. Es könnte zu Schmerzen beim Gehen, Sitzen, Sport und beim Sex kommen. Dennoch spricht auch hier keiner von einem größeren Risiko. "Wird die Operation von einem erfahrenen Intimchirurgen durchgeführt, sind die Risiken relativ gering", sagt Kliniksprecher Bernhard Lunkenheimer. Offiziell darf jedoch sogar jede/r chirurgisch ausgebildete Arzt/Ärztin das Messer im Genitalbereich anlegen. Eine besondere Fortbildung wird nicht gefordert.
6.000 Euro für "Scheidenverjüngung"
Die Preise, die die Patientinnen für die Operationen bezahlen müssen, sind gesalzen: Die G-Flächen-Intensivierung ist bei der Münchner Privatklinik mit einem Preis ab 1000 Euro noch die günstigste Variante. Für eine Scheidenverjüngung durch Gewebe- und Muskelstraffung muss die Kundin dann schon über 6000 Euro locker machen. Und all das für ein hohes Gesundheitsrisiko: "Mir kann niemand erzählen, dass das ein risikoloser Eingriff ist", sagt Petra Bentz vom Feministischen Frauen-Gesundheitszentrum (FFGZ) in Berlin. "Die OP findet schließlich in einem unheimlich nervenreichen Gebiet statt."
Zudem kritisiert sie das Streben nach einem Schönheitsideal. "Viele denken, so ein Eingriff müsste sein", erklärt Bentz. Dabei gebe es eigentlich keine Norm im Intimbereich. "Keine Frau weiß, wie Frau in dem Bereich auszusehen hat. Es gibt so eine große Vielfalt - eine wahnsinnige Bandbreite, die die Natur ausgebreitet hat." Nach Bentz' Meinung wissen die meisten Frauen gar nicht, wie schön sie eigentlich sind. "Stattdessen haben sie das Gefühl, dass das, was sie da zwischen den Beinen haben, ekelig ist."
Besas von Forward-Germany argumentiert in die gleiche Richtung. Außerdem gibt sie zu bedenken: "Sexualität beginnt im Kopf. Und es kommt auch auf die Sensibilität des Partners an. Wenn man in der Beziehung nicht bereit bin, den eigenen Körper und den des Partners zu entdecken, bringt mir die beste G-Punkt-Aufspritzung nichts." (Nadine Michel, dieStandard.at, 4.2.2010)
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und ich hoffe, bakd wird das (selbst-)bewusstsein der frauen ein größeres sein (und da müssen unbedingt medien, umfeld, freundInnen, familie dazu beitragen), sodass die frauen/mädchen merken, dass sie nicht "gefallen" müssen oder "perfekt" sein müssen.
doch so lange den frauen suggeriert wird, dass sie "schön" zu sein haben - um dem mann - der das zentrum unserer patriarchalen gesellschaft ist - zu gefallen, ist das alles nicht so leicht.
bewusstseinsschaffung für die patriarchalen strukturen in denen wir leben und in denen sich 99% der frauen aufgrund ihrer sozialisation etc "freiwillig" unterordnen...
verstehen kann ichs. zum "vaginaideal" tragen v.a. die pornos bei.
da pornos zunehmend auch von frauen konsumiert werden (und unter "pornos" meine ich den weißen-heteroporno event.auch mit lesbischen szenen, der von männern für männer gemacht wird - rund 95% aller pornos die es gibt), da sind zum großteil die "standardvaginas" zu sehen. kleine schamlippen, "knackig", symmetrisch...
jetzt gibts neben dem "zu sehenden" frauenkörperideal (figur generell, haare, gesicht, nägel etc) auch das "vaginaideal" - eine fortfühung des ersten.
Ich finde es total arg, aber genauso wie ich das körperideal arg finde für das 90% der frauen (oder viell.weniger? oder mehr?) sich abrackern...
ich frage mich, wann die penischirurgie mal so nen aufschwung hat.
sobald man medinzinisch so weit ist, daß eine vergrößerung kein problem mehr darstellt.
die jetzige option mit einer operation den teil des gliedes, der sich innerhalb des körpers befindet, nach außen zu versetzen ist dumm, weil man dannach zwar ein paar cm mehr hat aber der schniedel immer noch den gleichen durchmesser und deshalb aussieht wie eine viel zu dünne bratwurst.
Mich würde interessieren, wieviele Posterinnen schon eine Geburt hinter sich haben (ich nicht - ungeplanter Kaiserschnitt).
Von den Normalgebärenden in meinem Bekanntenkreis (davon etliche mit mehreren Kindern) berichten viele von Beeinträchtigungen im Intimbereich durch ihre Geburten (z.B. verheilte Dammschnitte und -risse machen sich bei Wetterumschwung auch noch nach Jahren bemerkbar etc.) - und da legt sich frau freiwillig unters Messer um sich dieses Risiko gegen Geld zu holen? Oder vielleicht hegt frau in einigen Fällen die Hoffnung, Geburtsverletzungen zu "reparieren"?
Ich jedenfalls bin Wunsch-Sectio- und Intim-OP-kritisch und finde die ganze Sex-Hysterie lächerlich bis tragisch - so gern ich Sex auch hab'.
wo kam die ganze Diskussion eigentlich her und wer hat sie ins Leben gerufen?? Wir Frauen selbst? Oder hat wirklich ein Mann mal seiner Frau vorgeschlagen sich enger machen zu lassen? Ich werds wohl nie erfahren! Ich finde es allerdings sehr bedenklich, dass Frauen so manipulierbar sind! Nein, traurig find ich das!
dass eine reiche erwachsene frau glaubt, durch rumgeschnipsel an sich selbst, ihren gatten davon abhalten zu können, sie wegen einer jüngeren zu verlassen. und irgendwann sickert diese unart dann in den mainstream durch, und gilt dann fast schon als normale körperpflege.
Ob es jetzt mehr Frauen in Partnerschaften, oder mehr "alleinstehende" Frauen sind, die sich zurechtschnitzen lassen. Ob es bei bestehenden Partnerschaften darum geht, die junge Konkurenz aus zu stechen und den Partner nicht zu verlieren, steht auch nicht wirklich fest.
Kaum zu glauben, Sie durchschauen mal auf Anhieb was ich meine. ;-)
Nur sollte man dann nicht bezweifeln, dass sie es "für ihr eigenes Wohl machen" oder vermuten, dass es "letztlich die Lust des Mannes steigert". Wenn sich die alten Ladys zurechtschnitzen lassen, damit sie sich einen jungen Adonis angeln können. ;-))
Ich denke sogar, dass das der Hauptgrund dafür ist. Frischfleisch wollen und nix bieten können funktioniert wohl nicht so richtig. ;-))
Eh scho wissen, wer es halt so notwendig hat ...
Normalerweise ist die OP da ja eher erst zweite Wahl.
Eine Weile lang suchen sie sich halt Männer nach Werkzeuggröße aus ;-) und erst wenn das nicht mehr reicht ... ;-)
Naja, und zitternde Plastikstangerln gibts auch in Überlebensgröße. ;-)
Ich halte nicht so besonders viel von solchen Operationen.
Aber dieses Problem ist ja nicht auf Frauen beschränkt, unter Männern gibt es anscheinend ähnliche Störungen. Man muss sich ja nur Diskussionen in Internetforen über Talgdrüßen am Hodensack/Penis und über Hornzipfel ansehen um die weit verbreitete Unsicherheit diesbezüglich zu erkennen.
Anscheinend sind eben viele Menschen nicht in der Lage, diese normalen Veränderungen als eben solche anzusehen und befürchten, dass diese abstoßend und eklig sind. Die Darstellungen von "Idealbildern" in Pornos ist da leider auch nicht besonders hilfreich.
"Jedermann hat gerade so viel Eitelkeit, als es ihm an Verstand fehlt." Nietzsche
Im Grunde genommen nur eine weitere Schönheitsoperation, die gleichen Reaktionen gab es vor Jahrzehnten bei Brustvergrößerungen:
Jedes Menschlein, das so etwas nötig hat, ist entweder schwer deformiert, oder einfach psychisch krank.
Detto für sonstige Veränderungen des Äußeren: Makeup, Antiagingcremes und sonstigen Maskeraden. Wer sich manchmal "besser/schöner/geiler" fühlen will, kein Problem (Vergnügen steht wohl jedem Menschen zu ...), wer sich täglich schminkt/verzweifelt in den spiegel sieht *luftzwischendenohren*
Aber so eine Penisverlängerung hätte schon was ... was ich mit 7 Metern wohl alles anstellen könnte?
Vorschläge bitte.
Siehe zB Schmucknarben bei afrikanischen Stämmen oder Teller/Pflöcke in der Unterlippe bei südamerikanischen Indigenen.
Mit dem Unterschied, dass es "bei uns" wohl doch eher nicht zu einer Ächtung bzw einem Ausschluss aus der Gemeinschaft führen wird, wenn man sich solchen Normen nicht unterwirft. Gewisse Nachteile (beruflich, bei der Partnersuche ...) sind aber sicher möglich.
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