
Der aussichtslosen finanziellen Situation ihrer Freundin ist es zu verdanken, dass die aus einer wohlhabenden Fabrikantinnenfamilie stammende Marianne Hainisch (geb. Perger) in ihrem politischen Bewusstsein aufgerüttelt worden ist. Denn für die Freundin, deren kranker Mann die Familie nicht ernähren konnte, war - obwohl sie mehrere Sprachen sprach - keine Erwerbsmöglichkeit zu finden: "Unsere Arbeiterinnen konnten sich und ihre Kinder ernähren (...) Warum konnten wir Bürgerlichen nichts erwerben? (...) Nun wurde mir plötzlich klar, dass bürgerliche Mädchen für den Erwerb vorbereitet werden müssten. Ich war tief ergriffen und wurde an diesem Tag zur Frauen-Vorkämpferin".
Initiatorin der gymnasialen Mädchenbildung
Sie verfasste eine Rede mit dem Titel "Zur Frage des Frauenunterrichts", die sie am 12. März 1870 bei der Generalversammlung des Wiener Frauenerwerbsvereins "bebend", wie sie später sagte, vortrug. Darin forderte sie die Errichtung von Mädchenklassen in einem Wiener Realgymnasium bzw. eines eigenen Mädchengymnasiums. Das Auditorium jubelte und Marianne Hainisch wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Doch wie der Großteil der (männlichen) Bevölkerung waren die Entscheidungsträger davon überzeugt, dass Mädchen einen der "Fraueneigenart" angepassten Unterricht erhalten müssten. Da sich die meisten bekannten Professoren gegen die Zulassung der Frauen zum Studium aussprachen, waren sie auch gegen die Vorbedingung Gymnasium.
Leitfigur der Frauenbewegung
Hainisch ließ sich nicht entmutigen. Um die Einwände der Gegner zu widerlegen, hielt sie 1875 den Vortrag "Die Brotfrage der Frau". Das Weiterkämpfen von Hainisch führte zur Ausbreitung der Bewegung. Nach und nach wurden Frauenvereine gegründet, beispielsweise der 1888 von Maria Boßhardt gegründete "Verein für erweiterte Frauenbildung" und der von Auguste Fickert, Marie Lang und Rosa Mayreder geleitete "Allgemeine Frauenverein", mit denen Marianne Hainisch aufs Engste zusammenarbeitete. Erst 1892, also ganze 22 Jahre (!) nach dem ersten Antrag Marianne Hainischs, öffnete das erste Gymnasium für Mädchen in der Rahlgasse des sechsten Wiener Gemeindebezirkes seine Pforten.
Gründerin der Österreichischen Frauenpartei
Obwohl sie ihr wichtigstes Ziel, die Mädchenbildung voranzutreiben, erreicht hatte, kämpfte sie für die Rechte der Frauen, vor allem für das Stimmrecht, weiter. Noch im selben Jahr (1892) schloss sie die meisten Frauenvereine zum "Bund österreichischer Frauenvereine" zusammen. Bereits 90-jährig gründete sie im Dezember 1929 eine eigene Frauenpartei (ÖFP), die sich als "Friedenspartei" verstand. In den Grundsätzen werden die konservativen Werthaltungen der bürgerlichen Frauen sichtbar. Unter dem "Natur der Frau"-Konstrukt von "Mütterlichkeit", "Friedfertigkeit" und "Sittlichkeit" sollten Frauen als Friedensträgerinnen fungieren. Andererseits wurden auch progressive Forderungen - Streichung des Abtreibungsparagrafen 144, Reformierung des Eherechtes und Aufhebung des Zölibats für Lehrerinnen gestellt - die sich mit jenen der Sozialdemokratinnen deckten. Die ÖFP wurde im Zuge der Parteizwangsauflösungen von 1935 zum politisch unwirksamen Verein "Österreichische Frauenschaft" umgebildet.
Marianne Hainisch starb am 5. Mai 1936 in Wien. (dabu/dieStandard.at, 22.05.2008)
Zum 70. Todestag der deutschen Malerin Elfriede Lohse-Wächtler, die 1940 nach einem jahrelangen Martyrium vergast worden ist
200. Todestag der gläubigen, zehnfachen Mutter und treuen Ehefrau, die durch ein Treffen mit Napoleon den Staat rettete
Mit der Neuauflage des ersten Romans der jüdischen Autorin liegt ein sowohl politisch als auch literarisch wesentliches Zeitdokument vor
FemBio, die weltweit größte Datenbank mit Biographien bedeutender Frauen, verrät Fakten, die in anderen Quellen oft unerwähnt bleiben
Deutsche Volksschauspielerin und Kämpferin für Frauenrechte wäre heuer 100 Jahre alt geworden
Keine Intellektuelle ist so umstritten wie sie: Mary Daly, Philosophin, Theologin und unbarmherzige Kritikerin des Patriarchats wird 80 - ein Porträt
190. Geburtstag der berühmten Krankenpflegerin und Autorin eines der zentralen Texte des englischen Feminismus'
Am 26. April wäre die österreichische Autorin 80 Jahre alt geworden - Ein Porträt mit Büchertipps
US-Wegbereiterin des Feminismus, Journalistin und Autorin ist 76 und kein bisschen müde - Porträt zum Geburtstag
Mit ihrem Werk "Sexus und Herrschaft" avancierte Kate Millet 1970 zum Superstar der zweiten Frauenbewegung. Doch mit ihrer Berühmtheit konnte sie nur schlecht umgehen
Abigail Smith-Adams kämpfte im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg für Frauen - Ein Porträt
Maria Montessori, erste Ärztin Italiens, revolutionierte mit ihrer Erziehungsmethode die Entwicklungspädagogik weltweit - ein Geburtstagsporträt
Claudia Cardinale, schillernde Diva des italienischen Kinos, feiert am 15. April ihren 70er - ein Porträt zum Geburtstag
Die sozialistische Wegbereiterin der Frauenbewegung sprach vor neunzig Jahren als erste Frau im Hohen Haus
Vivienne Westwood feierte am 8. April ihren 67. Geburtstag - Ein Porträt der britischen Designerin und "Königin des Punk" - mit Ansichtssache
Eva Pawlik, Europameisterin im Eiskunstlauf, Eisrevuestar und erste Sportkommentatorin des deutschsprachigen Fernsehens, soll posthum zu höchsten internationalen Ehren gelangen
Anna Boschek hat die erste Phase der politischen Organisierung von Frauen entscheidend geprägt - Ein Porträt zur Erinnerung
Bei ihrem Bemühen weibliche Lust, Verhütung und Abtreibung zu enttabuisieren, stieß die Frauenrechtlerin und Autorin Marie Stopes zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf enorme Widerstände - ein Porträt
Die Sozialdemokratin Amalie Seidel organisierte den ersten Arbeiterinnen-Streik in Wien - Ein Porträt
Siebenfache Mutter und Familienministerin in einer Person - Ursula von der Leyens Doppelrolle irritiert nicht nur die Konservativen - Ein Porträt zu ihrem 50. Geburtstag
Der gebürtigen Russin war es schon 1890 durch "allerhöchste kaiserliche Entschließung" möglich, zu praktizieren - Buch und TV-Porträt
Dieser Tage hätte die berühmte englische Suffragette Emmeline Pankhurst ihren 150. Geburtstag gefeiert - ein Porträt
Österreichs große Dame der Entwicklungspolitik und Ökumene zeichnet sich bis heute durch Weltoffenheit und Einsatz für benachteiligte Frauen aus
Die Wiener Autorin und Kleidersammlerin Elfriede Gerstl setzt dem "Mangel trotzig die Fülle" entgegen - Porträt
Ida Minerva Tarbell, Vorreiterin des schonungslosen Enthüllungs-Journalismus, hätte kürzlich ihren 150. Geburtstag gefeiert
"Nur im Dienst der Forschung" will die italienische Wissenschafterin Rita Levi-Montalcini stehen - Ein Porträt zu ihrem 100. Geburtstag
Susan Sontag - Autorin, Philosophin und US-Parade-Intellektuelle - wäre am 16. Jänner 75 Jahre alt geworden - ein Porträt
Lydia Cacho Ribeiro schreibt in Mexiko gegen Kinderpornografie und Korruption an - und setzt dafür ihr Leben aufs Spiel
Shirley Temple, Kinderstar der 30er-Jahre, feiert am 23. April ihren 80er- In späteren Jahren war sie politisch aktiv - ein Porträt zur Erinnerung
Vor bösen Rollen scheute sie nie zurück, im Gegenteil - Am 5. April wäre US-Schauspielerin Bette Davis 100 Jahre alt geworden - Ein Porträt
Ihre Romane gelten als Wunder der Erzählkunst - Am 5. Oktober feierte sie ihren 90. Geburtstag - Ein Porträt
Hinter dem "Fall" in den "Studien zur Hysterie" von Breuer und Freud verbirgt sich die Frauenrechtlerin Bertha Pappenheim
Einengungen waren ihr ein Gräuel - Die Schauspielerin Eleonora Duse
Monique Wittig: Ein Porträt der umstrittenen französischen Schriftstellerin und Philosophin
Die französische Schauspielerin und Unterstützerin des "Manifests der 343", hat am 23. Jänner 2008 ihren 80. Geburtstag
Charlotte Wolff, jüdische Ärztin, Psychologin und Autorin: Eine unkonventionelle Frau i
aus dem ersten satz folgt: das ganze ist eine bewegung für frauen, die sich zu gut dafür sind, zu arbeiten wie arbeiterinnen.
liegt natürliuch auch an den männern, die sie sich erheiratet haben und die sich ihrerseits zu gut waren für die arbeit von arbeitern.
wir haben es also nicht mit einer frauenbewegung zu tun, sondern mit einer oberschichtsbewegung. an seinen ansprüchen merkt man das dem feminismus noch heute an. er will, aber das nicht selbst produzieren, was er will.
(daraus leitet sich ab, dass die umsetzung des programms von valerie solanas vorerst noch aufgeschoben wird.)
wird man immer durch Selbstermächtigung zum(r) VorkämpferIn und ist daher unter allen Umständen "selbsternannt" - was also kein Makel ist, wie Sie's vielleicht gern hätten...!
Was die von Ihnen offenbar vermissten "Werte" betrifft, so hat sich das Rad der Geschichte und der sozialen Entwicklung seither um ein paar Umdrehungen weitergedreht und auch die Nomenklatur an die veränderte Selbstwahrnehmung von Frauen und ihren Lebensproblemen in einer modernen Gesellschaft angepasst...!
.
Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.