"An diesem Tag wurde ich zur Frauen-Vorkämpferin"

von Redaktion  |  22. Mai 2008, 07:00
  • Artikelbild: Marianne Hainisch
Geboren 1839 in Baden bei Wien
Gestorben 1936 in Wien - Foto: Archiv
    Marianne Hainisch
    Geboren 1839 in Baden bei Wien Gestorben 1936 in Wien

Marianne Hainisch war die Gründerin der bürgerlichen Frauenbewegung im 19. Jahrhundert und der ersten österreichischen Frauenpartei - ein Porträt

Der aussichtslosen finanziellen Situation ihrer Freundin ist es zu verdanken, dass die aus einer wohlhabenden Fabrikantinnenfamilie stammende Marianne Hainisch (geb. Perger) in ihrem politischen Bewusstsein aufgerüttelt worden ist. Denn für die Freundin, deren kranker Mann die Familie nicht ernähren konnte, war - obwohl sie mehrere Sprachen sprach - keine Erwerbsmöglichkeit zu finden: "Unsere Arbeiterinnen konnten sich und ihre Kinder ernähren (...) Warum konnten wir Bürgerlichen nichts erwerben? (...) Nun wurde mir plötzlich klar, dass bürgerliche Mädchen für den Erwerb vorbereitet werden müssten. Ich war tief ergriffen und wurde an diesem Tag zur Frauen-Vorkämpferin".

Initiatorin der gymnasialen Mädchenbildung

Sie verfasste eine Rede mit dem Titel "Zur Frage des Frauenunterrichts", die sie am 12. März 1870 bei der Generalversammlung des Wiener Frauenerwerbsvereins "bebend", wie sie später sagte, vortrug. Darin forderte sie die Errichtung von Mädchenklassen in einem Wiener Realgymnasium bzw. eines eigenen Mädchengymnasiums. Das Auditorium jubelte und Marianne Hainisch wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Doch wie der Großteil der (männlichen) Bevölkerung waren die Entscheidungsträger davon überzeugt, dass Mädchen einen der "Fraueneigenart" angepassten Unterricht erhalten müssten. Da sich die meisten bekannten Professoren gegen die Zulassung der Frauen zum Studium aussprachen, waren sie auch gegen die Vorbedingung Gymnasium.

Leitfigur der Frauenbewegung

Hainisch ließ sich nicht entmutigen. Um die Einwände der Gegner zu widerlegen, hielt sie 1875 den Vortrag "Die Brotfrage der Frau". Das Weiterkämpfen von Hainisch führte zur Ausbreitung der Bewegung. Nach und nach wurden Frauenvereine gegründet, beispielsweise der 1888 von Maria Boßhardt gegründete "Verein für erweiterte Frauenbildung" und der von Auguste Fickert, Marie Lang und Rosa Mayreder geleitete "Allgemeine Frauenverein", mit denen Marianne Hainisch aufs Engste zusammenarbeitete. Erst 1892, also ganze 22 Jahre (!) nach dem ersten Antrag Marianne Hainischs, öffnete das erste Gymnasium für Mädchen in der Rahlgasse des sechsten Wiener Gemeindebezirkes seine Pforten.

Gründerin der Österreichischen Frauenpartei

Obwohl sie ihr wichtigstes Ziel, die Mädchenbildung voranzutreiben, erreicht hatte, kämpfte sie für die Rechte der Frauen, vor allem für das Stimmrecht, weiter. Noch im selben Jahr (1892) schloss sie die meisten Frauenvereine zum "Bund österreichischer Frauenvereine" zusammen. Bereits 90-jährig gründete sie im Dezember 1929 eine eigene Frauenpartei (ÖFP), die sich als "Friedenspartei" verstand. In den Grundsätzen werden die konservativen Werthaltungen der bürgerlichen Frauen sichtbar. Unter dem "Natur der Frau"-Konstrukt von "Mütterlichkeit", "Friedfertigkeit" und "Sittlichkeit" sollten Frauen als Friedensträgerinnen fungieren. Andererseits wurden auch progressive Forderungen - Streichung des Abtreibungsparagrafen 144, Reformierung des Eherechtes und Aufhebung des Zölibats für Lehrerinnen gestellt - die sich mit jenen der Sozialdemokratinnen deckten. Die ÖFP wurde im Zuge der Parteizwangsauflösungen von 1935 zum politisch unwirksamen Verein "Österreichische Frauenschaft" umgebildet.

Marianne Hainisch starb am 5. Mai 1936 in Wien. (dabu/dieStandard.at, 22.05.2008)

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ernst-rosmer 
24.06.2008 16:46

aus dem ersten satz folgt: das ganze ist eine bewegung für frauen, die sich zu gut dafür sind, zu arbeiten wie arbeiterinnen.

liegt natürliuch auch an den männern, die sie sich erheiratet haben und die sich ihrerseits zu gut waren für die arbeit von arbeitern.

wir haben es also nicht mit einer frauenbewegung zu tun, sondern mit einer oberschichtsbewegung. an seinen ansprüchen merkt man das dem feminismus noch heute an. er will, aber das nicht selbst produzieren, was er will.

(daraus leitet sich ab, dass die umsetzung des programms von valerie solanas vorerst noch aufgeschoben wird.)

Hardtruthsoldier
26.05.2008 15:38
"An diesem Tag wurde ich zur Frauen-Vorkämpferin"

naja, jede hat mal einen schlechten tag.

a grünes stricherl 
22.05.2008 22:56
weil wir grad dabei sind ..

warum genau gibts keine frauenpartei?

Clochard 
23.05.2008 09:38
weil im grunde alle parteien frauenparteien sind,

von den effen mal abgehen, aber die sind (noch) unwählbar.

Rosa Stahl
22.05.2008 10:28

"natur der Frau" - "Mütterlichkeit, Sittlichkeit"....

.... das ist aber nicht das, was sich so viele heutige selbsternannte Vorkämpferinnen der Frauen wünschen.

readymate
22.05.2008 15:40
Grundsätzlich

wird man immer durch Selbstermächtigung zum(r) VorkämpferIn und ist daher unter allen Umständen "selbsternannt" - was also kein Makel ist, wie Sie's vielleicht gern hätten...!

Was die von Ihnen offenbar vermissten "Werte" betrifft, so hat sich das Rad der Geschichte und der sozialen Entwicklung seither um ein paar Umdrehungen weitergedreht und auch die Nomenklatur an die veränderte Selbstwahrnehmung von Frauen und ihren Lebensproblemen in einer modernen Gesellschaft angepasst...!

.

Valentina Stein
10.10.2002 21:21

DANKE, Marianne!

Drosselbart, König
22.05.2008 15:33
Duzen ist unhöflich!

so fidji
12.10.2002 14:46
ja ,

vielen dank =)

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