"Alle Last, aber keine Rechte"

Redaktion, 5. Dezember 2002, 11:41
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    "Ob Kinder oder keine, bestimmen wir alleine" lautete ein Slogan der Frauenbewegung. Dem ist nach wie vor nicht so.
Obwohl das Gesetz der Fristenregelung seit 1975 Abtreibungen bis zur 16. Woche (gerechnet nach dem ersten Tag der letzten Regel) gestattet, wird es in Österreich den Frauen in Krisensituationen durch Schwangerschaft nicht leicht gemacht: "Frauen mit ungewollter Schwangerschaft sind einer großen Willkür ausgesetzt", so das Hauptstatement des Gynäkologen Christian Fiala bei der Podiumsdiskussion "Ob Kinder oder keine, bestimmen ...?", die Mittwoch Abend im Atrium der Österreichischen Beamtenversicherung auf Initiative des Österreichischen Frauenrings über die Bühne ging.

Kein Anspruch auf Behandlung

Die Möglichkeit, eine ungewollte Schwangerschaft zu unterbrechen sei in Österreich kein Problem mehr, meinen viele. Und irren. Denn nach wie vor gibt es zuwenig Ambulatorien wie die Wiener Kliniken Mairo-Lucina und Fleischmarkt und nicht in allen Krankenhäusern werden Abtreibungen durchgeführt. Nachdem ÄrztInnen nicht zum Eingriff verpflichtet werden können, ergibt sich die Situation, dass in manchen Spitälern die Möglichkeit eben nicht besteht. Das wiederum führt zu einem sogenannten "Abtreibungstourismus", der Frauen beispielsweise aus dem Burgenland nach Wien oder Niederösterreich "reisen" lässt. Zusätzlich weigern sich die meisten ÄrztInnen, Abbrüche nach der 12. Woche vorzunehmen (obwohl 16 wochen legal sind), wodurch 100 bis 200 Frauen jährlich von Österreich nach Holland fahren. Es besteht also kein Anspruch auf Behandlung.

Divergierende Kosten

Dasselbe Dilemma findet sich bei der Kostenfrage: Weder gibt es eine Preisregelung - die Kosten für den Eingriff bewegen sich in etwa zwischen 350 (Ambulatorien) und 936 (Krankenhäuser) Euro, noch werden die Preise zur Orientierung veröffentlicht und schon gar nicht werden die Kosten (z.B. von der Krankenkasse) übernommen. Ein Beispiel der Erschwerung sei auch der berühmte Streit um die Abtreibungspille Mifegyne (dieStandard.at berichtete), die wie Fiala erläuterte, nur in Krankenhäusern erhältlich und anwendbar sei. Und dies 14 Jahre nach der Markteinführung in Frankreich.

Je mehr Bevormundung, umso mehr Abbrüche

Die Frauen haben zwar die "gesamte Last der Reproduktion zu tragen, aber keine Rechte", so Fiala. Das alte Vaterrecht herrscht also noch! Doch je mehr die Frauen bevormundet werden, ihnen also der Zugang zu Verhütungsmitteln erschwert oder unmöglich gemacht wird, desto mehr Schwangerschaftsabbrüche gibt es. Holland hat mit 6,5 Prozent die niedrigste Abtreibungsrate bei einem Verhütungs-Prozentsatz (Pille) von 49 Prozent. In Österreich beträgt die Rate geschätzte 18 bis 24 Prozent (Verhütung 31 Prozent), die USA haben mit 22,9 Prozent die meisten Abbrüche bei der geringsten Verhütungsrate von 16 Prozent.

Wie weit diese Tendenz ideologisch korreliert, wies Fiala anhand einer Gegenüberstellung von AbtreibungsgegnerInnen und -befürworterInnen aus. Erstere (Pro Life, Lebensschützer) würden selten verhüten und hätten eine hohe Rate an späten Abtreibungen sowie eine hohe Müttersterblichkeit. Letztere (Pro Choice) verhüten oft und haben folglich eine niedrige Rate an Abbrüchen, Spätabbrüche seien extrem selten und auch die Müttersterblichkeit demnach sehr gering. Folglich müsste eigentlich diese Gruppe als "pro life" bezeichnet werden.

Vernetzte militante Abtreibungsgegnerschaft

Doch das Erstarken konservativer Kräfte in diesem Land lässt vorläufig nichts Gutes hoffen. Zum einen existieren seit der Wenderegierung (dieStandard.at berichtete) Vorstöße zur weiteren Erschwerung des Zugangs zum Abbruch, zum anderen weitet sich der Terror der militanten AbtreibungsgegnerInnenschaft immer weiter aus (siehe Berichte auf dieser Seite). Ausgehend von der amerikanischen Vatergesellschaft Human Life International (HLI), 1981 von Paul Marx gegründet, besteht mittlerweile auch in Europa (Pro Life, Pro Vita, Jugend für das Leben, Ja zum Leben) ein flächendeckendes Netz an militanten (teils rechtsextremen) Organisationen, die mit dem Vatikan verknüpft sind, wie eine Vertreterin des Aktionskomitees für das Selbstbestimmungsrecht der Frauen (Info: Email) eindrücklich ausführte.

Was tun?

Um den Belästigungen durch AbtreibungsgegnerInnen vor den Kliniken Einhalt zu gebieten, bedarf die Polizei einer gesetzlichen Grundlage. Dazu ist ein Gesetzesvorschlag für eine Bannmeile erst kürzlich formuliert worden, merkte die Verfassungsjuristin Brigitte Hornyik an. In Frankreich und den USA gäbe es bereits derartige Verbote.

Desweiteren wird gefordert, die Rechtslage umzukehren. Denn Abtreibung ist grundsätzlich strafbar, die Fristenregelung die Ausnahme; also eine prinzipielle Straffreiheit fordern bzw. die Überlegung, die Abtreibung gänzlich aus dem Strafrecht herauszunehmen - nach dem Motto: Was hat das Selbstbestimmungsrecht der Frau im Strafrecht zu suchen? Und zu guter Letzt die Kostenübernahme durch die öffentliche Hand. (dabu)

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Posting 1 bis 25 von 189
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4simo
00
20.6.2006, 17:39
es handelt sich um

eine regelung, sonst nichts, es ist daher auch die fristenregelung!^

erich loewy
 
00
25.4.2005, 20:39
Perönliche Morals Vs Allgemeine Ethik

Die Frage der Abtreibung ist genau die zwischen persönlicher Moral und allgemeiner Ethik. Für manche (meist aus religiösen Gründen) ist Abtreibung für ihre persönliche Moral nicht zu zu lassen. Daß heißt aber nicht daß sie ihrer Nachbarin die von einer anderen Kultur/Religion kommt dies verbieten zu können. Allgemeine Ethik versucht Standpunkte die für alle religiösen Ansichten Respekt haben aber die gemeinsame Nenner herauszuklauben versucht. Ein Arzt kann nicht gezwungen werden gegen seine oder ihre persönliche Moral zu handeln kann aber den Patienten auch nicht gefangen halten sonder muß sie eben zu einem anderen Arzt schicken.

Dr. Erich H. Loewy
Professor of Bioethics (emeritus)
University of California, Davis

ehloewy@ucdavis.edu

mk105
00
24.1.2005, 21:04

übrigens, selbst wenn man zum fleischmarkt geht, braucht man erst eine überweisung vom hausarzt,
und der schreibt nur nach "psycho" gespräch.
... außer man lässt sich einen termin bei einem frauenarzt empfohlen vom fleischmarkt geben, der kann mitunter wochen brauchen, bis er einem einen termin gibt, und dann kann die frist schon um sein!

jumpingjack flash
00
12.1.2005, 00:01

also eine reise vom burgenland nach wien als terrorismus zu bezeichnen ist wohl nur im gänzlich imobilen österreich möglich. wichtiger wäre da schon die flächendeckende, eventuell zeitaufendigere seelische nachbetruung wie sie z.b. am fleichschmarkt angeboten wird. wie wärs mir hausabtreibungen (wegstrecke = 0), oder einem abtreibungsbus der durch österreich tourt?

allein im weiten All,bei uns ist immer Maskenball..
00
29.10.2006, 14:13

wenn sie wirklich meinen, daß österreich auf dem weg richtung iran oder afghanistan ist, dann würde ich dir den kauf einer burka oder eines kartoffelsackes raten, und ab mit dir in eines der beiden länder. oder moment mal! warum nur eines? zuerst das eine, dann das andere, da würdest du sicher schneller eines besseren belehrt werden, ob österreich wirklich in einer liga mit diesen ländern steht oder nicht...

also?

Kiki Einhorn
10
17.3.2005, 23:46
nun, die Tötung von Leben

sollte niemals der Willkür einer Person gestattet sein.

little tiny farts
 
00
20.3.2008, 15:42
Frage: gilt das zb. auch für Gelsen?

Cass
01
16.6.2005, 18:54
Nun, die Fremdbestimmung über den weiblichen Körper...

...darf niemals gestattet sein!

Wolfs Mutter
01
19.3.2005, 17:34
Es kann

nur "getötet" werden, was eigenständig lebt. Wie stehts sonst mit dem Recht auf Leben für dich? Gelsen erlaubst du dich zu beißen? Fürs Sonntagsschnitzel darf ma ruhig a Sau schlachten? Salate haben ja ursprünglich auch mal gelebt...

Die alle hängen nicht an einer Herz-Lungenmaschine namens "Mutter", die nix mitzureden haben soll ob sie als Herz-Lungenmaschine funktionalisiert werden will, oder was?

hermannar
00

ein kleines neugeborenes lebt aber auch nicht eigenständig, ein alter mensch auch nicht!
und menschen mit tieren zu vergleichen überlasse ich ihnen

erich loewy
 
00
Was man voraus sehen kann

Uch bin mir nicht bewußt--wäre aber gerne mit Literaturangaben dafür dankbar--daß die kath. Kirche je daß Abtreiben erlaubt ausser falls sie die Doktrine de Doppeleffekt verwendt um einen mit Krebs befallenen Uterus zu entfernen. Die Doktrine ist, m.E., eine Heuchelei. Man nimmt den UIterus mit Krebs heraus (und man weiß daß eine Schwangerschaft besteht) aber man wollte ja nur daß. Das sich entwickelte Kind wollte man sicher nicht abtreiben--aber werkwürdiger Weise wurde es damit getötet!!?? Selbst im Gesetz ist man nicht nur was man direkt macht sondern auch für daß was man mit größter Wahrscheinlichkeit weiß das geschehen wird.

Dr. Erich H. Loewy
Prof & F'dg Chair, Bioethics (emeritus)
U of CA, Davis
ehloewy@ucdavis.edu

jumpingjack flash
10
11.1.2005, 23:39
grosser irrtum

von der offiziellen kirche (katholische wie auch evangelische) kann gesagt werden, dass natürlich im abwägungsfall die frau zu retten ist. weiters sollen weder frauen noch kinder zu schade kommen. massgebend ist letztlich ein lieber gütiger gott. ich nehme an sie sprechen von sekten ausserhalb dieser religionsgemeinschaften die gegen die ofizielle meinung der amtskirchen handeln.

little tiny farts
 
00
20.3.2008, 15:47
Was, Sie wollen "abwägen", ob eine Frau, die zur Geburt gezwungen wird, dabei zu Schaden kommt?

DunsScotus
00
21.2.2005, 23:03
Leider täuschen Sie sich: "Als rechtmäßige Weise, die Kinder zu beschränken, sind die direkte Unterbrechung...

einer schon begonnenen Zeugung und insbesondere die direkte Abtreibung - auch wenn zu Heilzwecken vorgenommen - uneingeschränkt zu verwerfen" [Enz. Humanae vitae 14 (DH Nr. 4476)]. "Was aber die medizinische und therapeutische Indikation ... anbetrifft, so sagten Wir ..., wie sehr uns der Mutter erbarmt, der aufgrund der Pflicht der Natur schwere Gefahren für die Gesundheit, ja für das Leben selbst drohen; aber was für ein Grund könnte jemals gelten, ... die direkte Tötung eines Unschuldigen zu entschuldigen?" [Enz. Casti conubii (DH 3720)]. Humanae vitae wurde allerdings niemals dogmatisiert. Was Evangelium vitae zur med. Ind. sagt, muss ich allerdings gestehen, weiss ich nicht.

Kiki Einhorn
00
17.3.2005, 23:45
dürfen Gesetze nicht mehr hinterfragt werden?

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