New York Times kritisiert "verrückte Kampagne" der US-Regierung
Washington - Ein "heimlicher Krieg gegen Kondome" werde von
der US-Regierung geführt, heißt es in einem kritischen Kommentar von
Nicholas Kristof in der "New York Times". In den vergangenen Jahren
hätten konservative Gruppen rund um US-Präsident George W. Bush den
"Kondomen den Krieg erklärt". Dazu führten sie eine "selten verrückte
Kampagne", die aber im Falle ihres Erfolgs Millionen Aids-Tote
weltweit verursachen könnte.
Fundamentalistische christliche Gruppen behaupteten in e-mails,
dass Kondome kleine Poren hätten die für die noch kleineren
Aids-Viren durchlässig seien - obwohl Elektronenmikroskope keine
solchen Poren finden könnten. Diese "Desinformations-Kampagne" solle
offenbar den Nutzen von Kondomen in Zweifel ziehen. In Texas gebe es
bereits Radio-Spots, in denen der Schutz vor sexuell übertragbaren
Krankheiten durch Kondome offen bestritten werde. Auf der Web-Site
des US-Zentrums für Seuchenkontrolle (CDC) sei Information über
Kondome entfernt und durch einen Hinweis ersetzt worden, dass diese
"möglicherweise nicht funktionieren".
Besonders tragische Folgen habe diese neue Politik für jene
Entwicklungsländer, die durch die Verbreitung von Aids besonders
betroffen seien. Derzeit spende die USA jährlich nur mehr 300
Millionen Kondome - gegenüber 800 Millionen zum Ende der Amtszeit von
Ex-Präsident George Bush, dem Vater des jetzigen Präsidenten, vor
etwa zehn Jahren. In Botswana, einem der Länder mit der höchsten
Aids-Rate, wo 39 Prozent der Erwachsenen infiziert seien, bekäme ein
erwachsener Mann im Durchschnitt nur mehr ein Kondom pro Jahr von
internationalen Spendern.
"Wir müssen verstehen, dass Kondome genauso wenig zu Sex führen
wie Regenschirme mehr Regen verursachen", heißt es in der "New York
Times". Und dann müssten die Amerikaner dafür sorgen, dass auch Paare
in Botswana mehr als ein Kondom pro Jahr bekämen. (APA)