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Nach sieben Jahren als selbstständige Trainerin im Bereich Arbeitspsychologie wollte Anita Thaler den Dingen auf den Grund gehen. Gut für das "Interuniversitäre Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur (IFZ)", dass sie 2004 ihrer Neigung nachgab "sich in ein Thema zu vergraben" und seither das Team des zur Alpen-Adria-Universität Klagenfurt gehörigen IFZ Graz verstärkt.
Abweichung von der "Norm Mann"
Mit einem Psychologie- und einem Pädagogikabschluss der Karl-Franzens-Uni in der Tasche und viel Erfahrung als Projektleiterin in einem IT-Entwicklungsteam forscht die promovierte Grazerin seither zum Thema "Technik und Geschlecht". Mit ihrer Spezialisierung bewegt sie sich "auf einem schmalen Grat". Es gilt Ungerechtigkeiten und Mechanismen aufzuzeigen. Wo aber Frauen in der Minderheit sind, verstärkt das Nachfragen die Tendenz, sie als Abweichung von der "Norm Mann" zu sehen.
Sexismus in politisch korrekter Form
Im EU-Projekt "Prometea" geht es um Karrieren in der Technikforschung, "die in allen europäischen Ländern nach wie vor vergeschlechtlicht sind". Aus den Gruppendiskussionen mit Männern und Frauen in 13 Ländern wird deutlich, dass diese unterschiedlichen Lebenssituationen beiden Geschlechtern bewusst sind. Anita Thaler befragt stets Männer und Frauen, welche Einstellung zur Gleichstellung der Geschlechter sie haben und wie sie diese im konkreten Fall leben. Die 33-Jährige hält es für wichtig, "nicht so zu tun, als hätten bloß Frauen ein Geschlecht".
Die Komplexität menschlicher Verhaltensweisen interessiert sie - besonders die Brüche: Diskrepanzen zwischen verbal vermittelten Einstellungen und tatsächlichem Handeln, das Auseinanderklaffen von harten Fakten und dem Empfinden der herrschenden Verhältnisse. Oder wie bei von oben verordneter Geschlechtergerechtigkeit Sexismus nicht verschwindet, sondern in politisch korrekter Form weitergeführt wird.
Quoten einführen statt zu lamentieren
Die Psychologin arbeitet an mehreren drittmittelfinanzierten Projekten parallel und produziert so laufend Forschungsergebnisse. "Ich finde, als Wissenschafterin sollte man Wissen schaffen, und damit meine ich, es anderen zugänglich machen." Das tut sie mit Vorträgen, einer Fülle von Publikationen und auch in der Lehre. Dabei kommt ihr entgegen, dass Schreiben für sie "eine Flow-Tätigkeit ist", die Raum und Zeit vergessen lässt. Die optimistische Realistin weiß, dass Wissenschaft und Wirtschaft mit Macht verwoben sind, die niemand gerne abgibt. Eine völlig geschlechtergerechte Gesellschaft gibt es nirgendwo, aber nachahmenswerte Beispiele: Etwa anstatt lange über zu wenige Managerinnen zu lamentieren, eine Quote einzuführen und zu sehen, dass das funktioniert.
Frauen mit Interesse an Technik empfiehlt sie eine gute Ausbildung und sich dann eine Organisation mit Frauen in Technik und Management zu suchen, weil sie so vermutlich "ihre Energie auf die Arbeit und nicht auf Kompetenzgerangel und Machtspielchen konzentrieren können". Was sie noch bräuchte, wäre mehr projektunabhängige Zeit, "um ein langfristiges Schreibvorhaben, wie die Habilitation, realisieren zu können".
Privates
Anita Thaler reist gern, interessiert sich für Landschaften und Architektur, genießt gutes Essen, feiert Feste, wandert und werkt mit ihrem Lebensgefährten im eigenen Garten. Gern hat sie Wasser um sich, egal ob im Badeteich oder im Aquarium. (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Printausgabe 02.01.2008)
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doppelt so gut ist sicher eine übertreibung, aber es stimmt definitiv, dass eine frau sich mehr beweisen muss, und an ihr eher (angebliche) mängel gefunden werden als an männern. ein beispiel zur unterschiedlichen wahrnehmung: wird ein mann wütend, wird das eher als positiv aufgenommen ("der kann sich durchsetzen, wenn was nicht passt"), wird eine frau wütend, wird das als unangenehm oder unpassend aufgefasst. hab selbst bei einem meiner arbeitgeber erlebt, der prinzipiell frauen gegenüber negativ eingestellt ist, wie er dementprechend seit er seinen chefposten dort hat, mehr schlechtere männer einstellt, sicher in der überzeugung, sie wären besser, nur weil ihm "die männliche art" offenbar sympathischer ist.
Vielleicht verstehe ich da was falsch, aber alle bisherigen (vorgeschlagenen) Quotenregelungen waren genau das - eine Quote an Frauen/Männern/Weißen/Schwarzen/Behinderten/..., die nicht unterschritten werden darf - egal wie qualifiziert die einzelnen Bewerber sind.
blödsinn. frauenquoten im öffentlichen dienst in österreich und deutschland heißen, dass bei gleich gut qualifizierten bewerbern die frau eingestellt werden muss. allerdings kommt gerade bei höheren positionen einiges zusammen, wodurch nie eindeutig beurteilt werden kann, wer nun besser qualifiziert ist. wenn zB ein bewerber für eine stelle, in der 75 personen zu leiten sind, bereits 5 jahre lang 50 leute geleitet hat, jemand anders 1 jahr lang 100 leute, und beide sehr gut waren, wer ist dann besser qualifiziert? will man die erste person, heißt es, Sie weise schon mehr erfahrung auf, will man die zweite, heißt es, die erste hat noch nie so viele leute geleitet, die zweite hingegen sogar mehr.
50% "männliches" Denken und 50% "weibliches" Denken sind gefragt. Ein Mann, der z. B. einige Zeit bei den Kindern zuhause blieb und deren Betreuung organisierte, wird vermutlich mehr "weibliches" Denken mitbringen, als eine niemals Kinder betreuende Enkelin eines Ex-k. u. k.-Beamten.
Wie stufen wir homosexuelle Beziehungen ein?
100% männlich, 100% weiblich oder doch 50:50?
Durch solche Mann-Frau-Quoten entstehen eigentlich Berufsverbote und Diskriminierungen für ganze Familienverbände, während andere Familienverbände doppelt bevorzugt werden :-/
Eine unabhängige und weisungsungebundene Kommission prüft die Jobvergabe.
In der Privatwirtschaft gibt's bereits diese Möglichkeit.
Auf der einen Seite gibt's das Gleichbehandlungsgesetz und auf der anderen Seite die Anwältinnen für die Gleichbehandlung, die die Umsetzung bei Bedarf prüfen können.
Mit anderen Worten: Geschlechtergerechtigkeit ist schwierig bis kaum zu erreichen, aber solange Frauen bevorzugt werden, ist das schon ok.
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