Wer war Simone de Beauvoir? - Das "Porträttheater" brachte 75 Minuten Einblick in das Leben bedeutender Frauen
Ein
zersplitterter Spiegel, ein oranges Tuch, eine Schreibmaschine: Mit wenig
Ausstattung, aber viel Symbolkraft gestaltet sich das neue Stück des "Portraittheater" über Leben und Denken Simone de Beauvoirs. Nach "Hannah.
Verstehen. Ein Dialog mit Hannah Arendt" 2006 ist dies das zweite Projekt der
Drei-Frauen-Theatergruppe, die es sich zum Ziel gemacht hat, "herausragende
Frauen, ihre Wirkung oder Bedeutung in der Öffentlichkeit besser sichtbar zu
machen".
"sich entwerfen können –
Ein Simone de Beauvoir Update" ist eine 75-minütige Collage aus Autobiografischem,
Zitaten und Aussagen von und über Simone de Beauvoir, beleuchtet im Spiegel
zeitgenössischer Kommentare und gesellschaftlicher Trends. Anita Zieher
verkörpert in dem Ein-Personen-Stück die große Schriftstellerin und Philosophin,
lässt sie in Monologform kritisieren, zweifeln, erkennen: "Es ist eine Art
Blitzeinführung in das Leben Simone de Beauvoirs", sagt sie, "das Publikum soll
Lust bekommen, mehr über diese Frau zu erfahren. Gleichzeitig wollen wir
zeigen, wie hochaktuell ihre Thesen und Ideen auch heute noch sind." Im
Mittelpunkt steht dabei das von Beauvoir hoch gehaltene "Sich-entwerfen-können": "Simone de Beauvoir betrachtete diese Fähigkeit als Fähigkeit
zur Freiheit, die sie als Person gelebt hat - die gelebte Erfahrung ist stets Grundlage
für ihr Philosophieren gewesen. Gesellschaftliche Konstrukte sind aber heute
wie damals Barrieren für diesen Selbstentwurf."
Einen Bogen spannen
Regisseurin Brigitte
Pointner spannt einen Bogen über das gesamte Leben und Werk Beauvoirs, über
Beruf und Beziehung, von der Kindheit bis ins Alter, unterstrichen von Symbolen,
die immer wieder in die "Handlung" einfließen: Das orange Tuch hebt die
Bedeutung bestimmter Situationen hervor, wird einmal zum Banner, als Symbol für
Kampf und Freiheit, einmal zur Krawatte, dann zum um die Stirn geschlungenen
Kopftuch, dem "Markenzeichen" Simone de Beauvoirs. Scherben eines Spiegels
symbolisieren Lebensbruchlinien, das verzerrte Bild von Personen, das "Widerspiegeln"
in anderen. Pointner faszinieren an Beauvoir vor allem deren späte
Selbsterkenntnis über die Frauenwelt und ihr Mut, ihre Gedanken frei zu äußern: "Sie hätte es leicht haben können, aber sie hat sich fürs Kämpfen entschieden. Sie
hat nicht nur im Elfenbeinturm philosophiert, sondern sie ist, um mit Hannah
Arendt zu sprechen, das 'Wagnis der Öffentlichkeit' eingegangen."
Den Bogen in die Hand nimmt Musikerin Margarete Deppe und unterstützt
die Textpassagen mit von ihr komponierten Violoncello-Klängen,
dazu kommen eingespielte Stimmen weiterer Personen; moderne Musik aus der
Konserve schafft die Verbindung von Gestern und Heute.
Frauen sichtbar machen
Gegründet hat sich das
Portraittheater 2005. Neben dem Anspruch, bedeutende Persönlichkeiten zu
portraitieren, will die Gruppe auch Frauen auf der Bühne sichtbarer machen: "Es
gibt weniger Frauen- als Männerrollen und Frauen stehen auf der Bühne weniger
im Mittelpunkt, wir wollen sie sichtbarer machen. Wir beschränken uns dabei aber nicht auf die
Präsentation bekannter Frauengestalten, es kann auch eine Frau wie Du und Ich
mit einer spannenden Lebensgeschichte sein." Wichtig bei den Produktionen ist ihnen
besonders das Lachen, denn: "Wir wollen nicht nur belehren und das Publikum
fordern, sondern den ZuschauerInnen auch Unterhaltung bieten und Lust machen
auf Theater."
Finanziert werden die
Projekte derzeit ausschließlich über die Auftritte der Gruppe, mit der Hoffnung
auf künftige Förderungen. Auch für Veranstaltungen kann man das Portraittheater
buchen, wenn dort eine bestimmte Frauengestalt im Mittelpunkt seht: "So könnten
wir auf einem PhysikerInnen-Kongress zum Beispiel Marie Curie porträtieren." Nach
Hannah Arendt, deren Porträtierung beim Publikum sehr großen Anklang fand, und
Simone de Beauvoir hat die Theatergruppe auch bereits eine neue Frau im Visier
für ein neues Stück: die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner.
(Isabella Lechner, dieStandard.at/10.Jänner 2007)