Macht und Moral

5. Februar 2008, 07:00
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Carola Meier-Seethaler plädiert in ihren "Essays zur Aufkündigung patriarchaler Denkmuster" für eine Abkehr von Geschlechterpolaritäten - ein Buchtipp

"Seit Jahrzehnten ignoriert die intellektuelle Machtelite die feministische Kulturkritik und weigert sich, deren enormen Bestand an wissenschaftlichen Untersuchungen zur Kenntnis zu nehmen."

In ihren scharfsinnigen Essays gibt die Philosophin und Psychotherapeutin Carola Meier-Seethaler Antworten auf die Frage, warum wir heute einen Backlash in der Geschlechterfrage erleben und weshalb der Feminismus trotzdem ein voller Erfolg war und ist. Meier-Seethaler plädiert für eine nachhaltige Kurskorrektur in Richtung konstruktiver Lösungen. Sie erläutert, warum nur der Abschied von den Geschlechterpolaritäten und anderen dualistischen Denkmodellen (Schwarz-Weiß, Ost-West, Licht-Dunkel, Politik-Spiritualität) uns aus dieser patriarchalischen, rassistischen, ja menschenfeindlichen Misere führen kann.

Ihr Blick auf die emotionale Vernunft lässt sie eine Neudefinition von Rationalität und Irrationalität fordern. Tugend solle nicht am Modell des tapferen Kriegers, sondern an der sozialen Kompetenz, der Sorge für sich und die anderen festgemacht werden. Besonders erhellend ist der Text zur Erkenntnis aus der Entwicklungspsychologie, wonach im menschlichen Dasein die Erfahrung der Solidarität derjenigen der Rivalität vorausgeht. Die Erklärungen der Autorin, warum Emotionalität die gemeinsame Wurzel von Ethik und Religion ist, und die geistreichen Antworten auf die Frage, ob es eine wertfreie Wissenschaft gibt, entlarven manch herrschenden Mythos. Dass der Kerngedanke jeder patriarchalen Mythologie und Philosophie in der Diffamierung weiblicher Symbolfiguren und weiblicher Lebensführung besteht, ist für Carola Meier-Seethaler nicht von der Hand zu weisen.

Aktuelle Gesellschaftspolitik

In ihrer Essay-Sammlung bezieht die 80-Jährige Stellung zu aktuellen gesellschaftspolitischen Diskursen: den irrationalen Hintergründen der liberalen Wirtschaftstheorie, der Gewalt männlicher Jugendlicher, dem ambivalenten Verhältnis unserer Gesellschaft zur Sexualität, aber auch zu der Kontroverse um die so genannte Matriarchatsforschung. Überlegungen zur Psychopathologie der Grausamkeit diverser Machthaber würden die Feigheit der so genannten Helden und Herrscher aufzeigen: Meier-Seethaler meint, dass ein stabiles Selbstwertgefühl es kaum nötig gehabt hätte, einen höheren Wert gegenüber dem weiblichen Geschlecht unablässig zu behaupten und durch theoretische Spekulationen und praktische Unterdrückungsmechanismen zu zementieren.

Carola Meier-Seethaler betont, dass "wirkliche" Kommunikation, die über bloße Information hinausgeht, nur stattfindet, wenn auch emotionale Erfahrungen und wertgetönte Urteile ausgetauscht werden. Ihr Buch macht Lust auf Denken, auf Handeln und auf Kommunikation. (Ruth Devime, dieStandard.at, 5.2.2008)

Carola Meier-Seethaler.
Macht und Moral.
16 Essays zur Aufkündigung patriarchaler Denkmuster.
Xanthippe Verlag, Zürich 2007.
254 Seiten / 19,60 Euro.
ISBN 978-3-905795-00-4.

Zur Person
Carola Meier-Seethaler, geboren 1927 in München, studierte Philosophie und Psychologie und absolvierte eine Ausbildung zur Psychotherapeutin. Nach leitender Tätigkeit an Erziehungsberatungsstellen heiratete sie und übersiedelte in die Schweiz, wo sie ab 1978 eine eigene psychotherapeutische Praxis betrieb. Die Autorin ist verwitwet und hat zwei Töchter und zwei Großkinder.

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14 Postings
nick morgenland
 
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>Meier-Seethaler meint, dass ein stabiles Selbstwertgefühl es kaum nötig gehabt hätte, einen höheren Wert gegenüber dem weiblichen Geschlecht unablässig zu behaupten und durch theoretische Spekulationen und praktische Unterdrückungsmechanismen zu zementieren.<

gilt das auch spiegelbildlich, aktuell meine ich?

nick morgenland
 
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"religiöse" ideologien


für manche (karrieren und menschen) ist der feminismus ein voller erfolg gewesen. es gibt positives vorzuweisen. von den fehlschlägen und opfern wird aber sehr selten gesprochen. das erinnert an die selbstkritikfähigkeit des kommunismus der 1950er-jahre, des aktuellen neoliberalismus und auch bestimmter religionsgemeinschaften (über die jahrtausende hinweg). kann mich nicht erinnern, einen artikel gelesen zu haben, in dem gestanden ist: da sind wir aber zu weit gegangen. wer es (von außen kommend) wagt, kritik zu äußern, ist (bei den wählbaren parteien) politisch erledigt ("heilige inquisition") oder in den medien. die welt, die hoffentlich einmal kommen wird, betätigt sich humanistisch (und nicht feministisch oder maskulistisch).

Gerhard Kramler
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10.2.2008, 14:16
Die Tugend der tapferen Krieger ist ...

nomen est omen, für tapfere Krieger gemacht. Die das Kriegshandwerk mit einer gewissen persönlichen Erfüllung ausführen wollen.
Nachdem es nicht so viele Berufssoldaten gibt heutzutage, ist auch der Anwendungsbereich dieser Tugenden entsprechend eingeschränkt.
So ähnlich würde eine wertfreie wissenschaftliche Perspektive darauf aussehen, denke ich mir.

kmmm
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na wo sind denn die emanzitäten (wollt schon fast sagen emanzitussen),

die sich sonst über jede heisse luft aufregen, beim anblick des 'busenblitzer'-bildes unter 'kultur'. gar keine schnöden kommentare ?

... und das im standard ! ...

fire eater
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ham's ihnen verlaufen?

Markus M.
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Solange es so viele FeministInnen gibt,

die glauben, dass eine "wissenschaftliche Untersuchung" darin besteht, Streitschri-, aeh, "Studien" von Gleichgesinnten zusammenzufassen, zu rekombininieren, weiterzuerzaehlen, etc., werden sie von der "intellektuellen Machtelite" (wir wissen schon, damit sind wir machtluesterne Patriarchen gemeint) auch weiterhin nicht ernstgenommen werden. Empirische Sozialforschung ist halt nicht so die Sache der meisten FeministInnen, denn da muesste man ja seine Gedankenwelt mit der Realitaet abgleichen. Viel zu muehsam.

halt die goschn
 
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husch, husch zurück ins Körbchen. Wenn sie was konstruktives zum Thema beitragen können (nähere Beschäftigung mit gender studies wäre empfehlenswert), dann dürfens auch wieder heraus.

Toni Laddorfer
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Aufhebung der Polarisierung der Geschlechter?

Durch Polarisierung - ein Begriff aus der Physik- kommt es zur Anziehung zwischen den Geschlechtern. Gleiche Pole stossen sich, wie man weiss, ab.
Gleichmacherei zwischen den Geschlechtern ist ein Charakteristikum der modernen westlichen Gesellschaft........
Mir scheint, dass die Dame ein ambivalentes Verhaeltnis zur Exualitaet hat.

anders and
 
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Wir leben also in einer "patriarchalischen, rassistischen, ja menschenfeindlichen Misere".
Wenn das kein "Schwarz-Weiß-Denken" ist!

halt die goschn
 
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"Wir leben also in einer "patriarchalischen, rassistischen, ja menschenfeindlichen Misere".
Wenn das kein "Schwarz-Weiß-Denken" ist!"

Oftmals stimm das, leider.

Terence Lennox
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so wie ich lese..

..ist das nicht zwingend ein zitiat...

+ + + + gehirntier mit denkhusten + + + +
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...eine kluge frau, ein literarischer leckerbissen, eine gute buch empfehlung, kurz und spontan, danke.

a.jones
10

like ur nick! :)

halt die goschn
 
10

Danke für diesen geistreichen Artikel.
























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