Jeanne Moreau: "Ich hätte selbst zum Opfer werden können"

23. Jänner 2008, 07:00
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    david giles
    Jeanne Moreau: Aufnahme von 1996

Die französische Schauspielerin und Unterstützerin des "Manifests der 343", hat am 23. Jänner 2008 ihren 80. Geburtstag

"Ich habe mein Leben bekommen wie der Bauer sein brachliegendes Feld. An mir liegt es, das Unkraut auszureißen, die Steine einzusammeln, den Boden zu verbessern - und die Zeit ist knapp bemessen!" Jeanne Moreau, die am 23. Jänner ihren 80. Geburtstag feiert, hat ihr Feld sichtlich gut bestellt. Über 125 Filme hat die Französin bisher gedreht. Darunter viele Werke, die in die Kino-Geschichte eingegangen sind - wie beispielsweise "Jules und Jim", "Das Tagebuch einer Kammerzofe", "Fahrstuhl zum Schafott" und zuletzt "Die Zeit, die bleibt".

Obwohl sie enorme Verwandlungsfähigkeit ihr eigen nennen kann, blieb das Klischée der "Femme fatale" stets an ihr haften. In den meisten Rollen verkörperte sie die starke, unabhängige und verführerische Frau. Vor allem ersteres war und ist sie auch im realen Leben. Einer ihrer Regisseure, Joseph Losey, meinte: "Sie ist eine Frau, die sich einer Unzahl von Hindernissen gegenüber sieht und sie überwindet, indem sie all ihre Fähigkeiten einsetzt".

Emanzipation und Romantik

Der Blick auf die Frauen, sagte Jeanne Moreau einmal, die für Louis Malle, Luis Bunuel, Roger Vadim, Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders, Peter Brook und Orson Welles vor der Kamera stand, sei sehr männlich gewesen und habe der "Emanzipationsromantik" der 60er- und 70er-Jahre entsprochen. Trotz dieser Kritik habe sie sich selbst nie für eine Frauenrechtlerin gehalten.

Und dies obwohl die Moreau eine wegweisende feministische Aktion unterstützt hat. Im April 1971 beteiligte sie sich nämlich am "Manifest der 343" (auch "manifeste des salopes", Schlampen-Manifest genannt), der Selbstbezichtigungskampagne berühmter Frauen, die abgetrieben hatten, in "Le Nouvel Observateur", um gegen die repressive Gesetzgebung zum Schwangerschaftsabbruch zu protestieren. "Die damaligen Abtreibungsgesetze waren ein Skandal. Viele Frauen starben an den Folgen illegaler Eingriffe. Ich hätte selbst zum Opfer werden können, ich hatte zwei Abtreibungen hinter mir", sagt sie heute.

Geboren am 23. Jänner 1928 als Tochter einer Tänzerin und eines Nachtlokalbesitzers, in Paris, nahm sie gegen den Willen des Vaters Schauspielunterricht und erhielt bereits 1947 ihre erste große Rolle an der Comédie Francaise. Daraufhin ging es immer weiter aufwärts. Heute kann Jeanne Moreau auf viele Auszeichnungen stolz sein. Unter anderem erhielt sie im Jahr 2000 den Goldenen Bären für ihr Lebenswerk. Bescheiden ist sie dennoch geblieben: "Die Hauptsache ist zu leben. Je mehr die Jahre vergehen, umso besser". (dabu)

Chris_SM
04
29.1.2008, 10:27
Eine ganz große

Jules und Jim, Die Braut trug schwarz, beide von Truffaut, sowie Fahrstuhl zum Schaffot von Malles, gehören zu meinen absoluten Lieblingsfilmen, auch wegen Jeanne Moreaus grandioser Erscheinung. Sie verkörperte nicht das willige Sex-Püppchen a la Bardot oder Monroe, sondern starke, eigenwillige Frauen.

Ihre Stärke bestand auch darin, dass sie fast ausschließlich "anspruchsvolle" Filme drehte, und mit den innovativsten Regisseuren ihrer Zeit zusammenarbeitete, neben den bereits erwähnten, auch mit Antonioni, und zuletzt mit Ozon.

Männliche Filmemacher haben selbstverständlich eine männlichen Blick auf die Dinge. Und Filmemacherinnen gab und gibt es kaum.
Das kann man nicht den Männern vorwerfen sondern den Frauen...



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