"Eunuchen sind Männer"

Redaktion
4. Februar 2003, 19:24

Indisches Gericht entschied gegen ihre Besetzung in Frauenämter

Jabalpur/Indien - Ein indisches Gericht hat am Montag entschieden, dass Eunuchen keine für Frauen reservierten Ämter anstreben dürfen. Eunuchen seien Männer, urteilte das Oberste Gericht der Provinz Madhya Pradesh.

Streit ums Bürgermeisteramt

Kamla Jaan, der erste Eunuch, der in Indien eine Wahl gewonnen hat, darf demnach sein Amt als Bürgermeister der Stadt Katni nicht antreten. Der Posten war für Frauen vorgesehen, um deren politische Mitwirkung zu stärken. Jaan kündigte an, er werde den Obersten Gerichtshof anrufen.

Eunuchen stehen auf der untersten Stufe der Indischen Kastengesellschaft. Sie leben von Trinkgeldern, die sie für Tanzauftritte bei Hochzeiten, das Segnen neugeborener Babys und andere Zeremonien erhalten. Die meisten indischen Eunuchen wurden schon als Babys kastriert, damit sich ihre Körper möglichst weiblich entwickeln. Sie selbst betrachten sich als Frauen.

Wahlsiege für Eunuchen

Kamla Jaan war 1999 zum Entsetzen des politischen Establishments zur "Bürgermeisterin" gewählt worden. "Sie" hatte als Unabhängige kandidiert und errang einen Überraschungssieg, weil viele WählerInnen die als korrupt geltenden etablierten Parteien leid waren. Jaans Erfolg löste eine Serie von Wahlsiegen von Eunuchen aus. Drei wurden in Gemeindeverwaltungen verschiedener Städte gewählt, und vor zwei Jahren schaffte es erstmals ein Eunuch ins Provinzparlament von Madhya Pradesh. (APA/AP)

Share if you care
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.