Der gebürtigen Russin war es schon 1890 durch "allerhöchste kaiserliche Entschließung" möglich, zu praktizieren - Buch und TV-Porträt
Salzburg - Gemeinhin gilt Gabriele Possanner, die 1897 in Wien eine Praxis
eröffnete, als erste Ärztin in Österreich. Die Historikerin Sabine Veits-Falk vom
Salzburger Stadtarchiv hat sich jedoch in einer neu erschienen Biografie mit einer anderen Medizinerin und deren Pionierinnenrolle beschäftigt: Rosa Kerschbaumer-Putjata arbeitete schon 1890 als Augenärztin in der Stadt Salzburg.
Sondererlaubnis, bevor Frauen überhaupt noch studieren durften
85 Jahre nach dem Tod der
gebürtigen Russin hat Veits-Falk das Leben der Ärztin erstmals umfassend
aufgearbeitet, die schon sieben Jahre früher als Possanner in der
gemeinsam mit ihrem Mann gegründeten Augenklinik in der Stadt
Salzburg praktizieren. "Sie durfte mit einer Sondererlaubnis von
Kaiser Franz Josef ab 1890 - zehn Jahre bevor Frauen in Österreich
zum Medizinstudium überhaupt zugelassen wurden - ihren Beruf
ausüben", erklärt Veits-Falk.
Bewegtes Leben
Kerschbaumer-Putjata wurde 1851 in Russland geboren. Sie studierte
in Zürich und Bern Medizin, promovierte 1876 und spezialisierte sich
auf Augenheilkunde. Mit ihrem Mann Friedrich Kerschbaumer gründete
sie eine private Augenheilanstalt in der Schwarzstraße in Salzburg.
Ab 1890 konnte sie aufgrund der "allerhöchsten kaiserlichen
Entschließung" die 60-Betten-Klinik allein leiten. Sie trennte sich
von ihrem Mann und führte die Heilanstalt selbstständig weiter. 1896
verließ sie Salzburg und ging nach Russland zurück, wo sie in St.
Petersburg an der medizinischen Akademie unterrichtete und von 1897
bis 1903 auf Augenheilkunde spezialisierte Wanderkliniken entlang der
Transsibirischen Eisenbahn betrieb. Ab 1903 leitete sie eine
Augenklinik in Tiflis. Danach kehrte sie für einige Jahre nach Wien
zurück, um 1911 nach Amerika auszuwandern, wo sie 1923 in Los Angeles
starb.
Sich für andere Frauen eingesetzt
"Sie hat sich immer auch für die Rechte und die
Bildungsmöglichkeiten von Frauen eingesetzt", so Veits-Falk. So hat sie in ihrer Klinik junge
Medizinerinnen, die in der Schweiz studiert hatten, angestellt. Auch
in der Forschung war Kerschbaumer-Putjata präsent. 1900 erschien in
Leipzig ihr Buch "Das Sarkom des Auges".
In die lokale Salzburger Medizingeschichte ist
Kerschbaumer-Putjata eingegangen, weil sie durch ihre Tätigkeit viel
zur Bekämpfung der Blindheit in diesem Bundesland beigetragen hatte.
Kostenlose Versorgung
"Salzburg hatte damals die höchste Zahl an Blinden in der
Habsburgermonarchie", weiß Veits-Falk. Dies war zu dieser Zeit eine
Alterserscheinung, die aber schon im 19. Jahrhundert gut behandeln
konnte. Nach der Eröffnung der Augenklinik sanken die Blindenzahlen
in Salzburg rasch - auch weil die Ärztin viele PatientInnen kostenlos
versorgte. (APA/red)
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Die Biografie Rosa Kerschbaumer-Putjata
(1851-1923) vom Salzburger Stadtarchiv ist im Buchhandel erhältlich.
Schau
- Seit Samstag, 15. März, ist im Haus der Stadtgeschichte (Glockengasse 8, Salzburg) eine Ausstellung über die erste Ärztin Österreichs zu sehen.