Bericht der SPÖ-Abgeordneten Wurm angenommen: Abbruch soll in
allen Mitgliedsstaaten straffrei werden
Straßburg - Die Parlamentarische Versammlung des Europarates
hat sich mehrheitlich für ein "Recht von Frauen auf Abtreibung" in
allen 47 Mitgliedsländern ausgesprochen. Die ParlamentarierInnen forderten
laut Kathpress am Mittwoch in Straßburg, der Schwangerschaftsabbruch
müsse in allen Mitgliedsstaaten straffrei gestellt werden - auch in
jenen, wo dies bisher nicht der Fall war.
Die Parlamentarische Versammlung billigte mit 102 Ja-Stimmen,
69-Nein-Stimmen und 14 Enthaltungen den Antrag der österreichischen
sozialdemokratischen Parlamentarierin Gisela Wurm. Änderungsanträge
wurden durchgängig mit einer Zweidrittelmehrheit abgelehnt.
Autonomie respektieren
Die Europarats-ParlamentarierInnen plädierten dafür, Frauen eine
effektive Ausübung ihres "Rechts auf risikofreie und legale
Abtreibung innerhalb angemessener Fristen" der Schwangerschaft zu
ermöglichen und die "Autonomie" der Wahl der Frauen zu respektieren.
Sie verlangen Sexualaufklärung und unbeschränkten Zugang zu
Verhütungsmitteln, um die Zahl unerwünschter Schwangerschaften zu
reduzieren.
Dass in vielen Ländern "zahlreiche Einschränkungen" den Zugang zu
"risikofreien, erschwinglichen und angemessenen
Schwangerschaftsabbrüchen" erschweren, löse "Besorgnis" aus, hieß es
in der Resolution der Mehrheit. Auch in Staaten, in denen Abtreibung
legal sei, seien die Bedingungen nicht immer erfüllt, um Frauen
Zugang zu ihrem "Recht auf Schwangerschaftsabbruch" zu gewährleisten.
KritikerInnen missen Rechte ungeborener Kinder
Vor allem RednerInnen aus Irland, Polen und Malta wandten sich gegen
den Bericht. Sie machten unter anderem geltend, das Lebensrecht
ungeborener Kinder komme in dem Bericht überhaupt nicht vor.
Unterschiedliche Traditionen der Europarats-Staaten würden nicht in
Betracht gezogen.
Kontra
Die BefürworterInnen meinten dagegen, Abtreibungsverbote verhinderten
nicht Schwangerschaftsabbrüche, sondern führten nur zu riskanteren
Abtreibungen. Mehrere RednerInnen warfen der katholischen Kirche und
anderen Religionsgemeinschaften vor, neue Einschränkungen beim
Schwangerschaftsabbruch durchsetzen zu wollen. (APA)