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Wo andere der Ekel packt, schaut sie erst recht hin: Alles, was kreucht oder fleucht, krabbelt oder läuft wird genau unter die Lupe genommen, jede Spur verfolgt, jeder Winkel untersucht. "Ich hab schon als Kind jeden Käfer eingesammelt und die Schönheit der Insekten bewundert", lacht Schädlingsbekämpfungsmeisterin Marianne Jäger. "Mittlerweile bin ich ein richtiger Insektenfreak geworden - ich rette bis heute jede Biene und jedes Krabbeltier, das am Weg liegt."
Das KammerjägerInnen-Dasein liegt in der Familie: Marianne Jäger hat den heute achtköpfigen Betrieb von der Mutter übernommen, diese ihn wiederum vom Großvater, der nach der Wirtschaftskrise der 1920er-Jahre den Banker-Beruf an den Nagel hängte und sich ein sichereres Einkommen suchte. Zu seinen Grundaufgaben zählte damals die Bekämpfung von Nagetieren im städtischen Bereich. Heute gebe es vier große Aufgabenbereiche, erklärt Jäger: "Am bekanntesten ist der Vorratsschutz - das geht von Bettwanzen über Ameisen, Küchenschaben, bis eben zu Ratten und Mäusen. Holz- und Bautenschutz betrifft zum Beispiel Dachstuhlsanierungen nach Käferbefall oder Hausschwämme. Den Pflanzenschutz teilen wir uns mit den GärtnerInnen und Begasungen kommen vor allem bei alten Kirchen, aber auch in Museen, Schiffscontainern oder Lagerhallen zum Einsatz.""
Rattenjagd
Marianne Jäger hat sich auf den Vorratsschutz spezialisiert. "Alles, was so rund ums Haus herum kriecht und fliegt, das betreue ich." Wie schon ihr Großvater widmet sie sich besonders der Jagd auf Ratten und Mäuse: "In Wien gibt es eine eigene Rattenverordnung, die den Hauseigentümer verpflichtet, zwischen drei- und sechsmal pro Jahr eine Rattennachschau durchführen zu lassen. Dabei suchen wir im Keller nach Trampelpfaden und kontrollieren den Kanal, die Regenabläufe und die Mülltonnen auf Schäden. Und wenn es Ratten gibt, dann beködern wir sie." In Wien werde man allerdings selten fündig, denn: "Wien ist eine der bestkontrolliertesten und rattenfreisten Städte in Europa. Wenn wir heute hier eine Ratte sehen ist das im Vergleich zu anderen Großstädten eine Sensation. Ich schätze, wir haben nicht einmal eine pro Einwohner - in Hamburg zum Beispiel sind es geschätzte zehn Tiere pro Person."
Kleine und große KundInnen
Neben den 2800 fixen Wiener Häusern berät und betreut Marianne Jäger auch kleine und große PrivatkundInnen mit Schädlingsproblemen aller Art: "Das geht von Kleidermotten im Kasten bis zur Kontrolle auf Vorratsschädlinge in den Lebensmittelspeichern großer Firmen." Ihren Beruf beschreibt sie als sehr abwechslungsreich: "Ich sehe am selben Tag dasselbe Problem bei Leuten mit sehr wenig Geld und bei solchen mit sehr viel Geld - die Insekten oder Schädlinge machen vor niemandem Halt: Einen Hund mit Flöhen können sie beide haben, nur die Bekämpfungsmaßnahmen sind je nach Geldbörse unterschiedlich. Da gilt es, die optimale Lösung für beide Seiten zu finden." Leider komme es auch immer noch vor, dass sich Tiere aus mangelnder Hygiene in Wohnungen halten oder sie befallen: "Da rufen mich dann aber meistens die Nachbarn oder die Hausverwaltung."
Einsatz mit allen Mitteln
Um dem Ungeziefer gezielt zu Leibe rücken zu können müssen Marianne Jäger und ihre MitarbeiterInnen auch über deren Lebensweise gut Bescheid wissen: "Wer wann wieviele Eier ablegt, wie schnell sie sich entwickeln, bei welchen Temperaturen, wo leben sie gerne, mögen sie Licht oder nicht - ich muss wissen, mit wem ich es zu tun habe, um die richtigen Wirkstoffe und Techniken in der richtigen Umgebung einzusetzen." Beispiel Küchenschabe: "Die kann man ködern, die kann man spritzen, nebeln, stauben oder den Wirkstoff lackieren." Hat ihr Großvater noch auf eine Handvoll Wirkstoffe zurückgreifen können, so seien es heute "ein ganzer Katalog voll". Sie selbst arbeitet nicht nur mit chemischen, sondern auch mit biologischen Schädlingsbekämpfern, so genannten Nützlingen - etwa "Schlupfwespen gegen Motten, Fadenwürmer oder Bodenbakterien für den Garten."
Gar nicht gern sieht sie es, wenn die Kunden sie bei dauerhaftem Befall erst dann anrufen, "wenn gar nix mehr geht": "Viele Leute haben das Gefühl, sie müssen weiß Gott was tun und greifen wild zu irgendwelchen Produkten aus dem Fachmarkt - in Folge entwickeln die Schädlinge dann oft eine Resistenz und man erreicht genau das Gegenteil: Sie bleiben erst recht."
Hobby-Entomologin
Als kostenlose Sonderleistung bietet Jäger ihren KundInnen das Bestimmen von im Haus gefundenem Getier an. Jedes Insekt, das sie nicht auf Anhieb bestimmen kann, sei für sie ein Anreiz: "Ich lass mir schon seit vielen Jahren alles schicken und krieg regelmäßig Schachterln mit Viecherln drin. Diese lustigen Tiere schau ich mir dann unter dem Mikroskop an - manche haben sich nur zufällig ins Haus verirrt, viele Insekten wie der Schimmelkäfer zeigen aber auch einen Befall an. Die Absender müssen sich dann nicht um die Käfer kümmern, sondern primär um die Feuchtigkeit im Haus. Wenn man weiß, wo die Tiere herkommen, kann man also schon im Vorfeld was tun und braucht nicht erst mit der chemischen Keule anrücken."
Nachwuchsprobleme
Zum Spektrum der Firma gehört auch die Reinigung von Dachböden, die stark mit Taubenkot verschmutzt sind, fachlich unterstützt von Jägers Ehemann, einem Human- und Veterinärdesinfektor - den sie, als Ehrenmitglied des Desinfektorenverbandes, bei einem von ihr gehaltenen Vortrag über Vorratsschutz kennenlernte. Neben den Praxis-Einsätzen ist Jäger nämlich in der Fortbildung tätig, leitet MeisterInnen-Vorbereitungskurse und nimmt -Prüfungen ab. Bei jungen Menschen hält sich das Interesse an schädlichem Getier allerdings in Grenzen - die Branche habe Nachwuchsprobleme: "Derzeit gibt es fünf Lehrlinge in ganz Österreich - viele Eltern wollen nicht, dass ihr Kind in eine "Giftbranche" geht. Die meisten KollegInnen sind deshalb Um- und QuereinsteigerInnen, viele davon Techniker, die sich selbstständig machen wollen - oder man hat den Betrieb, so wie ich, geerbt." Was den Frauenanteil betreffe, so sei der zwar nicht hoch, aber sie sei auch nicht die einzige Schädlingsbekämpferin: "Allein in Wien sind derzeit vier Meisterinnen tätig, drei davon mit eigenem Betrieb." Die wichtigste Voraussetzung für den Beruf: "Keine Angst vor Spinnen und Mäusen!" Und: "Bereitschaft zum eigenständigen Arbeiten, denn zu den Einsätzen geht man meistens allein."
Hoch hinaus und tief hinunter
Die schönsten Einsätze sind für Marianne Jäger solche in alten Gebäuden und Gewölben: "Spannend ist all das, was man normalerweise nicht sieht und wo man sonst nie mehr hinkommt: Etwa wenn man in der Inneren Stadt unter dem eigentlichen Keller noch zwei Kellergeschoße findet oder verlassene Dachböden - versteckte Winkel, von denen kaum mehr jemand weiß." Weniger angenehm hingegen seien so genannte "Entwesungen" - das Säubern von Wohnungen nach einem Todesfall oder nach Delogierungen. "Das ist aber nicht grauslich - es sterben viele Menschen in ihren Wohnungen, manche davon leider einsam und deshalb werden sie nicht sofort gefunden."
Graust ihr eigentlich überhaupt noch vor irgendwas? "Kaum, aber doch: Am Grausigsten ist ein Eiskasten, der seit drei Wochen ohne Strom ist - das ist immer noch ein Erlebnis, den zu öffnen." (Isabella Lechner/dieStandard.at, 24.4.2008)
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gleichzeitig alle Ritzen und Löcher im Kasten nach möglichen Puppen absuchen.
Auch bei den Kleidermotten ist für den Bekämpfungserfolg wesentlich, dass Sie die Stellen finden, wo sich die Biester verpuppen.
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