Magersucht und weibliches Begehren

Dagmar Buchta, 30. April 2008, 07:00
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    fischer verlag

Caroline Knapp analysiert in ihrem Buch "Hunger" wie es kommt, dass Frauen heute zwar relativ gleichberechtigt sind, Essstörungen jedoch zunehmen - ein Buchtipp

"Warum fällt es Frauen so schwer, auch nach Jahrzehnten des Geschlechterkampfs ihre Wünsche, ihre wahren Bedürfnisse anzuerkennen und ohne Schuldgefühle zu leben?" heißt es auf dem Einband des Buches "Hunger" von Caroline Knapp.

Noch nie zuvor war die äußere Erscheinung einer Frau derart desaströs im Fokus des gesellschaftlichen Interesses wie das heute Faktum ist. Daran konnten auch die feministischen Bewegungen nichts ändern. Im Gegenteil: Je mehr offene - wenn auch klemmende und quietschende - Türen für Frauen in den letzten vierzig Jahren erkämpft worden sind, umso hartnäckiger erweisen sich die Widerstände, die ihnen entgegenknallen und umso rigider äußern sich die Vorgaben ihre Optik und ihren Habitus betreffend. Auch wenn dieser rollback oft auf verschiedenen Ebenen und recht subtil stattfindet.

Wenn Frauen Anerkennung und Erfolg wollen, dann müssen sie sich auch optisch dem idealisiertem Bild anpassen. Und das bedeutet, sie müssen sich "verdünnisieren". Caroline Knapp schreibt, dass seit der Zeit, als Frauen in verschiedenen Lebensbereichen schon viel erreicht hatten, der gesellschaftliche "Druck, den Körperumfang zu verringern, erst so richtig einsetzte". Noch vor 25 Jahren hat das Gewicht von Models um acht Prozent unter dem der Durchschnittsfrau gelegen, heute um 25 Prozent. Damals trugen Mannequins noch Kleidergröße 40, heute höchstens 34.

Die Autorin wusste allzugut, wohin sie ihren Blick richten musste, um Ergebnisse zu Papier bringen zu können, die in der mittlerweile unübersichtlich gewordenen Flut an Literatur zum Thema Ess-Störungen in dieser Zusammenschau selten anzutreffen sind.

Labyrinth überzogener Ansprüche

Caroline Knapp, jahrelang selbst magersüchig und noch rechtzeitig dem Tod entkommen, analysierte - immer in Einbringen ihrer eigenen schmerzlichen Erfahrungen - das immense Ausmaß der kulturellen Begrenzungen und der Kontrolle des weiblichen Hungers. Eines Hungers, der über das Verlangen nach Nahrung in Form von Essen weit hinausgeht. Sie zeigt, dass es vielmehr noch um Liebe, Sinnlichkeit, Selbstverwirklichung und Anerkennung geht, wenn Mädchen und Frauen sich dazu entschließen, ihren Körper durch Hungern und/oder Erbrechen zu schädigen, um einen "Weg" aus dem Labyrinth überzogener Ansprüche an die Weiblichkeit - Bescheidung, Schönheitskult, Perfektionismus, Fremdbestimmung etc. - zu finden. Wege, die in die Krankheit führen und die Probleme verstärken.

Von Anbeginn der überlieferten Geschichte ist weibliches Begehren in all seinen Fassetten zuerst in kleine erlaubte Häppchen zerstückelt und dann in als unbedenklich eingeschätzter Dosis, kontrolliert worden. Kein Wunder also, wenn nach jahrtausendelanger verordneter Diät, was Triebe, Sehnsüchte, Leidenschaften ... sowohl auf seelischer als auch physischer Ebene betrifft, der Hunger wieder und wieder versucht, zu seinem Recht zu kommen. Und darum kann Hungern niemals eine Lösung sein.
(dabu/dieStandard.at 30.04.2008)

Caroline Knapp:
Hunger
Über Magersucht und weibliches Begehren
Fischer TBV 2006
ISBN 978-3-596-17120-0
Euro 10,30

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 148
1 2 3 4
dahina
01
21.5.2008, 11:58
geschmacklos...

...dazu finde ich die google-anzeigen zum artikel....

Frodo Der Hobbit
01
tellerrand

wie sehen die statistiken in asien aus?
viele ihrer kulturen legen noch viel mehr wert auf die schönheit der frau als hier.
philippinische mainstream TV shows zeigen ein ziemlich gesundes, kurviges frauenbild.
auch die männer sind zu freundlichem, bescheidenen verhalten angehalten, ausser der jeweilige boss oder clanchef. und alle gegenüber älteren.
gender equity statistik -filipinos ganz weit im vorderfeld!
es gibt zwar statt magersucht eine "weisswerdesucht" samt passender maschinerie, aber inzwischen revoltieren die jugendlichen auch gegen das.

die idee, dass es mit der gleichberechtigung bei den weissen nicht so weit her ist, könnte schon eine spur zu den eßstörungen legen.

Wr. Bezirksrätin 83
 
00
Zustimmung!

vor allem zum letzten Satz..

deiml
00
der frei wille wurde ihnen also schon bei der geburt ausgetrieben.

soso. wenn ich erhlich sein soll, kommt mir der gedankengang dermaßen abstrus daher. die kirche ist die kirche und was die mit magersucht zu tun hat ist mir schleierhaft. und sie sagen ja dass frauen "sich eher verdünnisieren als dass sie daran glauben den erfolg zu verdienen". ich will jetzt wissen warum ihrer mn dem so ist?

mit dem hungern will man mmn irgendetwas kompensieren: mangelndes selbstwertgefühl, vernachlässigung, stellung in der ges...

es sind doch ähnliche gründe weswegen jungs und männer dauernd prügeln.

Wobei es doch ein paradoxon ist dass die ges. immer fetter wird während andererseits immer mehr menschen an magersucht leiden.

presonic
00
25.5.2008, 16:07

die gesellschaft wird nicht "fetter".
etwa 12% der österreicher leiden an adipositas, etwa 10% der österreicher leiden an untergewicht.
80% sind also völlig normal. (daten aus statistik.at)

mit der kirche hat der schlankheitswahn das gemeinsam, dass nicht wissenschaftlich argumentiert wird, sondern dass es sich um einen glauben handelt.
hier ein schöner bericht dazu. http://www.pm-magazin.de/de/heftar... kelid=1227

presonic
14
bitte nicht vergessen: unsere religiösen wurzeln

wir leben in einer gesellschaft, in der die religion (75% sind noch immer katholisch!) frauen nur menschen 2. klasse darstellen.
je demütiger und gefälliger frauen hier sind, desto eher gehört ihnen das jenseitige himmelreich.
ich kenne genügend frauen, die NUR wegen ihrer ELTERN noch immer nicht aus diesem verein ausgetreten sind. wir sind zu gefälligen wesen erzogen. der freie wille wurde uns schon als kind ausgetrieben.
magersüchtige frauen suchen oft nach dem sinn im leben. viele wissen nicht, was sie eigentlich wollen vom leben und viele fühlen sich nicht wert, ihre ziele zu erreichen. sie verdünnisieren sich eher, als dass sie daran glauben, dass man erfolg auch verdienen kann.

Lord Chaos
01


Ich glaube nicht, dass die Religion heute noch einen relevanten Einfluss hat. Dazu glaubem dem Verrein einfach nicht mehr genug Menschen.
Aber für Frauen war in unseren Breiten seit mindestens 2 Jahrtausenden die einzig mögliche Karriere, abgesehen von Nonne/Äbtissin bzw in extrem seltenen Fällen adelige/grossbürgerliche Erbin/Regentin, die der Ehefrau bzw Konkubine. Und dafür war/ist Schönheit eine wichtige Bedingung. ich glaube nicht, dass derart alte Verhaltensmuster innerhalb weniger Jahrzehnte abgelegt werden können.

presonic
01

unsere religiösen wurzeln sind auch in unserer gesetzgebung verankert. wir können uns davon nicht einfach durch "austritt" befreien.
ist meine meinung.
die kulturelle und gesellschaftliche entwicklung ist natürlich nicht unwichtiger. ich hab diesen aspekt nur geschrieben, weil er zu oft vergessen wird.

Lord Chaos
01


Wo werden Frauen noch vom Gesetz benachteiligt? In der österreichischen Verfassungs- und Gesetzestheorie herrscht absolute Gleichberechtigung, diese kann frau auch jederzeit einklagen. Nur in der Praxis, beruhend auf Traditionen, Lebensformen, Marktgesetzen, usw kommt es noch immer zu Diskriminierung von Frauen.

Aber das führt vom Thema weg. Was ich ausdrücken wollte, ist dass Frauen seit langer Zeit darauf gedrillt werden schön sein zu wollen, und dieser Effekt schwächt sich durch die Emanzipation nicht ab. Ganz im Gegenteil er beginnt langsam auch auf die Männer überzugreifen.

Durch die wesentlich grössere Freiheit des Individuums (darauf basiert auch die Emanzipation) wird zb der Druck am Beziehungssektor einfach grösser.

Lukas Neubauer
 
03
Austreten

Alle austreten aus diesem "Verein", spart nicht nur Geld, das dann gespendet werden kann, sondern gibt denen wenigstens auch zu denken.

jumpingjack flash
21

das wär super - in wirklichkeit wird denn oft nix gespendet, der egoismus wächst und regelmässige reflexionen, ausgelöst durch minimale besinnung bei predigt und oder tägl. gewissenserforschung fehlen gänzlich. auch das beziehungsleben wird durch den austritt nicht besser - ch hoffe bei ihnen ist das alles ganz anders und sie spenden regelmässig.

Lord Chaos
00


Könnten Sie mir bitte den Zusammenhang zwischen einem Kirchenaustritt und einem besseren Beziehungsleben erklären?

Was hat ein kirchenbesuch mit Besinnung bzw Gewissenserforschung zu tun? Ich habe mir als Jugendlicher bei den Pflichtgottesdiensten maximal aufs Hirn gegriffen bei dem bodenlosen Unsinn welcher da vom Altar her schallte.

jumpingjack flash
00

keine ahnung - das müsen sie die fragen die von der "hölle ehe" sprechen und diese als alleinerfindung der katholischen kirche zusprechen. läuft grade eine diskussion auf diestandard.
ists dort wo gottlos gahandelt wird besser? - hab ich bisher noch nicht gemerkt. sie etwa?

Lord Chaos
00


Wenn man das ganze 'bis auf das der Tod Euch scheidet' Gelabere und einige überkommene Traditionen weglässt ist es kein Problem sich zu trennen solange man sich nicht hasst. Eine 'Beziehungshölle' wie des öfteren von Geschiedenen berichtet ist mir jedenfalls unbekannt.

So gesehen ist die gesamte christliche Ehe-, Beziehungs- und Sexualmoral einer harmonischen Beziehung mehr als abträglich.

jumpingjack flash
00

bei mir ists genau umgekehrt 8kenn allerdings im meinem umfeld sehr viele glückliche langzeitehen) - da sind grade die die keinen vertrag auf lebenszeit abgeschlossen haben die mit den grossen proble´men - oft natürlich selber schuld weil sie dann an sowas wie treue und längere beziehung glauben - und sich dann wundern wenn der partner nebenbei wen hat, oder von einem tag auf den anderen verschwindet - dabei ist das ohne versprechen von anfang an klar dass jeder das darf.

presonic
00

alleine, sein geld nicht an diesen kapitalistenverein zu verschwenden, ist grund genug. (auch wenn ich 10000 andere gründe für den austritt hatte und mir das geld herzlich wurscht war)

presonic
00

ja, man bekommt dann einen brief vom herrn schönborn, der einen fragt, warum man den diesen tollen verein unbedingt verlassen will....
denken tut da trotzdem keiner. immerhin sind 75% der österreicher noch vereinsmitglieder. da gehen sich die pfarrers-, bischofs- und kardinals-"gehälter" schon noch aus....

ich gehöre schon zu den glücklichen religionsfreien menschen. :-D

lilith
00
10.7.2008, 11:20
hehe den habe ich auch bekommen

..da war so eine Art Fragebogen dabei (offenbar betreiben die Katholen marktforschung) Um sie zu ärgern und ihre daten zu verfälschen habe ich angegeben, ich wäre ausgetreten weil "die Kirche sich vom wahren Glauben wie zb ein Bischof Laun repräsentiert" entfernt habe, und überhaupt verweichliche und sich zusehr dem Zeitgeist öffne. Hat mir eine diebische Freude bereitet dieser Brief *eg*

presonic
00
15.7.2008, 19:29

mah, das hab ich nie gemacht, obwohl ich auch so einen fragebogen bekommen hab.
kann mir deine freude vorstellen. ;-)))
wenn ich aber die ehrlichen gründe für meinen austritt formuliert hätte, wär ein dinA4 blatt bei weitem nicht genug gewesen.

Gerhard Gilnreiner
 
12
Zitat:

"Wenn Frauen Anerkennung und Erfolg wollen, dann müssen sie sich auch optisch dem idealisiertem Bild anpassen. Und das bedeutet, sie müssen sich "verdünnisieren"."

Solche sind nicht reif für die Gleichberechtigung - im Gegenteil - schaden den Frauen insgesaamt. Oder? Gleichberechtigung braucht Leistung und nicht krankhafte Selbsgefälligkeit. Oder?

Jetzt werde ich Prügel beziehen. Macht nix!

presonic
02

nein. sie werden keine prügel beziehen. sie haben das problem grundätzlich ja erkannt.
nur ich glaube, der kopf vieler frauen ist schon emanzipiert, aber das herz noch nicht.
wir können eine gesellschaft nicht über 2 generationen völlig verändern. unsere mütter sind noch immer nicht so weit, dass sie ihren töchtern genug selbstvertrauen mit auf den weg geben.
frauen sind oft erst in ihren 30-40er-jahren so weit, dass das herz zum kopf passt. viele schaffen´s dann raus aus dem funktionieren-gefallen-angepasstsein-labyrinth.

fuchstritt
00

niemand "entschließt sich" eine krankheit zu bekommen

Priscillah
16
ich hab...

...keine ahnung wer den gesellschaftlichen druck zum dünnsein ausübt. die männer sind es jedenfalls nicht.
die stehn nämlich auf frauen. ich will immer fünf kilo abnehmen seit ich kein kleines mädchen bin. es ist mir in der ganze zeit kein mann untergekommen der mich in meiner diät unterstützt oder sie für nötig befunden hätte.

presonic
32

nicht die männer?
sehen sie sich mal magazine, musikvideos, hollywoodfilme etc. an. - vielfach von männern gemacht, vielfach von männern gecastet. dicke frauen bekommen keine rollen. es ist so simpel wie wahr.

Lord Chaos
00


Vielfach von Frauen gemacht, von Frauen gecasted und von Frauen konsumiert........
Dies ist ein Problem der Gesellschaft. Wenn Sie versuchen es entlang der Konfliktlinie Frauen-Mönner zu analysieren bzw lösen werden Sie scheitern. Genau deshalb sind Feministinnen vom Problem so irritiert, mit ihren Erklärungsansätzen (die immer vom gegensatz Frau - Mann ausgehen) kann es nicht erklärt werden.

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