Das Projekt "Mädchen am Ball" will Bewusstsein bei jungen Fußballerinnen schaffen. Die Projektleiterinnen im dieStandard.at-Interview
Fußballspezifische Projekte schießen derzeit nur so aus dem Boden. Auch einige, die sich mit Frauenfußball beschäftigen, sind darunter. Etwa ein Projekt von "Kick Kultur", das wiederum aus der von der österreichischen Bundesregierung unterstützten Initiative "2008 - Österreich am Ball" hervorgeht. "Kick Kultur" will sich der Verbindung von Kultur und Fußball widmen. Die Kulturvermittlerin Stefanie van Felten, Schauspielerin und Theaterpädagogin Elisabeth Krön und eine Gruppe von zehn- bis fünfzehnjährigen Kickerinnen arbeiten rund um das Thema "Mädchen am Ball". Die Erfahrungen der jungen Fußballerinnen, Interviews, sowie Auseinandersetzungen mit der Geschichte des Frauenfußballs, sollen in die kreative Arbeit an einem Hörspiel einfließen.
dieStandard.at: Wie seid ihr zu diesem Projekt gekommen?
Stefanie van Felten: Als Hobbyfußballerin hat mich diese Ausschreibung natürlich sehr interessiert. Ich dachte, das möchte ich machen, Hobby und Beruf verbinden!
Elisabeth Krön: Stefanie hat mich angesprochen, ob ich das mit ihr gemeinsam machen möchte. Wir haben auch im Multimedialabor im Kindermuseum schon gemeinsam Trickfilme und Hörspiele gemacht.
dieStandard.at: Warum arbeitet ihr gerade mit dieser Gruppe von Mädchen aus dem Burgenland?
Stefanie van Felten: Es war relativ schnell klar, dass wir das Thema Geschlecht und Fußball thematisieren wollen, ebenso, dass wir das Projekt ausschließlich mit Mädchen machen wollten.
Weibliche Vorbilder
Elisabeth Krön: Wir sind eher durch Zufall draufgekommen, dass das Burgenland relativ viel Frauenfußballaktivitäten hat. Die Frauenfußballbeauftragte, Christina Windisch, die eine tolle Spielerin ist und zweimal Fußballerin des Jahres war, trainiert dort mit einer Mädchenfußballgruppe schon seit fünf Jahren.
dieStandard.at: Ein richtiges Fußallerinnenvorbild also.
Stefanie van Felten: Ja. Die fußballspielenden Mädchen sind sonst oft Fans von Männer-Teams oder männlichen Spielern. Sie haben meist keinen Kontakt zu Frauenfußball.
dieStandard.at: Wie wollt ihr das mit eurem Projekt ändern?
Elisabeth Krön: Es ist sicher wichtig, dass die Mädchen sehen, dass ihr Spiel in einen größeren Rahmen eingebettet ist. Wenn sie unter anderem sehen, da gibt es ein öffentliches Interesse, wie etwa eine Pressekonferenz oder eine Weltmeisterschaft, dann bewirkt das sicher etwas.
Stefanie van Felten: Ich habe versucht Kontakt mit verschiedenen Fußballverbänden aufzunehmen, um jemand Bekannten ins Burgenland zu holen. Ich habe auch beim deutschen Fußballbund (DFB) angefragt, der dann wiederum mit "Österreich am Ball" Kontakt aufnahm, sie haben dann gemeinsam eine Pressekonferenz organisiert und uns und die Mädchen eingeladen. Erfreulicherweise hat auch Steffi Jones zugesagt nach Wien zur Pressekonferenz zu kommen, die am 25. April stattfand. Steffi Jones ist die Präsidentin des Organisationskomitees der WM 2011, außerdem war sie Spielerin im deutschen Nationalteam.
Elisabeth Krön: Wir wollten aber nicht, dass die Mädchen, die maßgeblich dieses Projekt mitgestalten, bei der Pressekonferenz sozusagen nur als Staffage auftreten. Deshalb haben wir gesagt, dass wir einen Fußballplatz hier in Wien organisieren müssen, wo auch ein Training stattfinden kann. Das hat dann auch geklappt.
Stefanie van Felten: Es war mir auch wichtig, dass zwischen Steffi Jones und den Mädchen wirklich ein Gespräch stattfindet und dass auch das gemacht wird, was die Mädchen wollen, nämlich spielen.
dieStandard.at: Wie war das Training?
Stefanie van Felten: Jones hat eine TrainerInnenausbildung, sie hat sichtlich Spaß daran, zu trainieren und es hängt offensichtlich auch ihr Herzblut daran. Obwohl es in Strömen geregnet hat, wollten die Mädchen gar nicht aufhören zu spielen, obwohl alle bald waschelnass waren.
Das Hörspiel
Elisabeth Krön: Aber der Besuch von Steffi Jones und das dadurch entstandene Medieninteresse war ja nicht das primäre Ziel von "Mädchen am Ball".
Stefanie van Felten: Die künstlerische und kreative Auseinandersetzung, sowie die Produktion eines Hörspiels waren die eigentliche inhaltliche Arbeit, es soll dann auf der Homepage von "Österreich am Ball" zur Verfügung stehen. Bevor wir in diese kreative Arbeit übergegangen sind, wollten wir von den Mädchen wissen, was sie von Frauenfußball kennen, die eigenen Erfahrungen besprechen, welche Reaktionen gibt es von Jungs oder Eltern. Fragen, die von der Situation als Fußballspielende ausgehen sollten. Mit diesem Material sind wir dann zur kreativen Arbeit übergegangen. Ein paar haben Theater gespielt, eine andere Gruppe hat das Hörspiel entwickelt und eine dritte Gruppe hat rhythmisch -musikalisch gearbeitet. Die Arbeit aller Gruppen wird dann ins Hörspiel integriert.
Elisabeth Krön: Eine Theaterszene handelt davon, dass die Mädchen die Vision entwickeln, dass Frauen und Männer gemeinsam in einem Team spielen. Interessant war, dass sie spontan einen Trainer oder Schiedsrichter spielen wollten. So wie ich früher, ich wollte auch immer dominante Männerrollen spielen. Verständlich wäre es natürlich, wenn sie einfach mal in eine völlig neue Rolle schlüpfen wollen. Ein anderer Grund kann aber sein, dass sie spontan einfach nicht daran denken, eine Trainerin oder eine Schiedsrichterin zu spielen. Als ich sie erinnerte, dass es auch Trainerinnen und Schiedsrichterinnen gibt, sie aber gerne auch diese Berufe als Männer darstellen können, war sofort klar: Nein, wir wollen eine Schiedsrichterin oder Trainerin spielen!
Verbot von Frauenfußballvereinen
Stefanie van Felten: Die Mädchen haben auch auf der Straße Leute zum Thema Mädchen und Fußball interviewt, auch diese Erfahrungen spielten dann in der kreativen Arbeit eine Rolle.
Elisabeth Krön: Wir haben uns mit der Geschichte des Frauenfußballs beschäftigt. Interessant ist, dass es 1895 in England ein Frauenfußballspiel mit 10.000 ZuschauerInnen gegeben hat. Es hat in den zwanziger Jahren einen richtigen Boom gegeben.
Stefanie van Felten: Kurz darauf wurde es dann aber sogar verboten einen Fußballverein für Frauen zu gründen, auch in Österreich. Es war also nicht möglich in dem großen Fußballverbund eine Frauensektion zu gründen. Mit diesem geschichtlichen Wissen ausgestattet, haben sich die Mädchen selber Fragen für diese Interviews überlegt.
dieStandard.at: Welche Perspektiven haben Mädchen, die Profifußballerin werden wollen?
Stefanie van Felten: Du kannst vom Frauenfußball nicht leben, selbst die deutschen Weltmeisterinnen haben nebenbei noch einen Brotberuf. Die Mädchen, die an unserem Projekt teilnehmen, spielen vorwiegend aus Spaß. Allerdings: Zuerst war es nur ein Mädchen, das sich eine Karriere als Profifußballerin vorstellen konnte, nach dem Training mit Steffi Jones haben dann aber schon mehrere ihr Interesse daran bekundet.
dieStandard.at: Was glaubt ihr, wie es nach der EM mit dem Thema Frauenfußball weitergeht?
Stefanie van Felten: Es ist schön, dass es jetzt mal so eine Welle gibt und je nachdem, wie die EM verläuft, wird es dann Mädchen geben, die auch spielen wollen. In Deutschland gab es nach der WM einen Schub. Aber diese geballte Öffentlichkeit für das Thema Frauen und Fußball wird sicher nach der EM abfallen.
dieStandard.at: Auf welche Vereine stehen denn die Mädchen?
Stefanie van Felten: Also nicht auf die Nationalmannschaft, die würde ja schließlich immer verlieren, meinten die Mädchen. Sie halten sich eher an lokale Vereine. Der Enthusiasmus ist natürlich auch an den Erfolg gekoppelt. Das macht sicher auch die Welle im deutschen Frauenfußball aus, die wurden ja sogar zweimal Weltmeisterinnen. (Beate Hausbichler, dieStandard.at, 4.5.2008)