Künstliche Befruchtung: Auch Polens Konservative riskieren Kampf mit Kirche

12. Juni 2008 12:23

Öffentliche Finanzierung wieder Thema - Episkopat sieht in IVF "maskierte Version" der Abtreibung

Warschau - Die polnische Regierung will in der Frage der künstlichen Befruchtung offenbar doch einen Konflikt mit der Kirche riskieren. Jaroslaw Gowin von der rechtsliberalen Regierungspartei "Bürgerplattform" (PO) sagte der Zeitung "Dziennik" (Donnerstagsausgabe), er trete für einen Teilzuschuss aus dem Gesundheitsfonds für Frauen ein, die sich dieser Behandlung unterziehen wollen. Gowin ist Vorsitzender des Bioethik-Ausschusses im Warschauer Parlament.

Ähnlich äußerte sich nun die Gleichstellungsbeauftragte der Regierung Elzbieta Radziszewska (PO). "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kirche sich darüber beklagen wird, dass Polen kein Glaubensstaat ist", erklärte Radziszewska. Ihrer Ansicht nach kommt der Protest vieler Kirchenvertreter gegen die künstliche Befruchtung daher, dass diese "sich in der Materie nicht so genau auskennen".

Kritik an Kehrtwende 

Die beiden PolitikerInnen gehören dem konservativen Flügel in der PO an und hatten früher eine Unterstützung der In-Vitro-Fertilisation abgelehnt. Dementsprechend sarkastisch kommentierte die Opposition die Kehrtwende. "Um seine Position in der PO zu behaupten, würde er alles Mögliche befürworten, in Kürze vielleicht auch die Euthanasie", sagte Zbigniew Girzynski von der rechtskonservativen Partei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) über Gowin.

Kirche ortet "raffinierte Abtreibung"

Als Gesundheitsministerin Ewa Kopacz (PO) im November die öffentliche Finanzierung der künstlichen Befruchtung forderte, löste sie damit in der Kirche Entrüstung aus. Von einer "Art raffinierter Abtreibung" sprach das Episkopat in einer Stellungnahme an das Parlament. "Die Abtreibung und ihre maskierte Version - die Befruchtung in vitro - sind ein Werk des Teufels", schrieb der Vorsitzende des Episkopats, Jozef Michalik, in einem Brief zur Fastenzeit.

Noch im Jänner hatte Premier Donald Tusk gesagt, dass eine staatliche Finanzierung der In-Vitro-Fertilisation wegen "mangelnder Finanzmittel" nicht möglich sei. Die damalige Ernennung Gowins zum Leiter eines neuen Regierungsrates für Bioethik war ebenfalls als Signal gedeutet worden, dass sich Tusk auf die katholische Kirche zubewegt. (APA)

die rote baronin
08.05.2008 18:14

Wenn in vitro-Befruchtungen das Werk des Teufels sind, was sind dann die daraus entstandenen Kinder?
Gibt es hier ein krichliches Dogma?

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