Theologie ist weiblich

14. Mai 2008, 12:37
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    foto: orf
    Maria Moser, ORF-Redakteurin, sieht die Geschlechterfrage aus theologischer Sicht.

Maria Moser, ausgezeichnet mit dem Gabriele-Possanner- Förderpreise, hinterfragt den Opferbegriff feministisch-ethisch

Maria Katharina Moser war schon als Kind sehr religiös und ging gern in die Kirche. Inspiriert von einem Buch über große und kleine Heilige - ein Geschenk zur Erstkommunion -, wollte sie unbedingt eine Heilige werden. Als ersten Schritt wertete sie den Dienst als Ministrantin, der Mädchen im Eferding der 1980er-Jahre noch verweigert wurde.

Ein biografischer Knackpunkt, "weil ich mich für Gott und die Kirche begeisterte und gleichzeitig bemerkte, dass etwas mit der Geschlechterfrage nicht stimmt". Diese Erfahrung vertiefte sich bei der Katholischen Jugend und mündete schließlich im Studium feministischer Theologie. Für ihre Dissertation erhielt sie 2007 einen der drei Gabriele-Possanner-Förderpreise.

Die 34-Jährige beleuchtet in ihrer Doktorarbeit, ob und wie der Opferbegriff feministisch-ethisch neu formuliert werden kann: "Die grundlegende Frage ist, aus welcher Perspektive und in welcher Sprache Ungerechtigkeits- und Gewalterfahrungen, die Frauen machen, thematisiert werden."

Das ethische Problem besteht für sie darin, "dass die Figur des Opfers in Sprache und Darstellung die betroffenen Frauen in den Erfahrungen gefangen halten kann, sie darauf festlegen und reduzieren kann".

Die Dissertation bot der DOC-Stipendiatin Gelegenheit für einen weiteren Studienaufenthalt auf den Philippinen, die sie erstmals 1997 im Rahmen des Projekts "Sandiwaan" bereiste, ausgerichtet von der Wiener Theologischen Fakultät mit einer befreiungstheologisch orientierten Ordenshochschule in Manila (ICTC). In dem Erfahrungsaustausch zwischen Ostasien und Österreich wurden Globalisierung und Gerechtigkeit nicht nur theoretisch abgehandelt, "wir sind in die Realität der Menschen in Armut eingetaucht. Das berührt, das treibt um, das prägt", so die Oberösterreicherin.

Über die Auszeichnung des Wissenschaftsministeriums freut sich die Krimi- und Filmliebhaberin deshalb besonders, weil "mir sichtlich ein Stück Vermittlung feministisch-theologischer Ethik in die Gesellschaft hinein gelungen ist. Und ein Stück interdisziplinäre Forschung."

Seit November 2007 arbeitet Maria Moser als ORF-Redakteurin beim Religionsmagazin Orientierung. Gemeinsamkeiten gibt es genug: Weder in der Forschung noch beim Rundfunk, "hat man je ausgelernt".

Neugier und Flexibilität

Das macht beides für sie auch spannend. Neugier und Flexibilität ist wichtig, und in der Auseinandersetzung mit Religion gehören zudem - einander ergänzend - religiöse Musikalität und ein kritischer Geist dazu: "Man darf Religion nicht grundsätzlich daneben finden. Sonst kann man kein entsprechendes Interesse entwickeln. Gleichzeitig muss man sie auch kritisch hinterfragen."

Die Kirche muss in der Welt von heute stehen, die Zeichen der Zeit lesen und auf sie antworten, so das zweite Vatikanische Konzil. "Die Geschlechterfrage ist so ein Zeichen der Zeit. Was die Theologie dazu denkt, muss für die Gesellschaft insgesamt relevant sein", so Maria Moser. (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Printausgabe, 14.5.2008)

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