Was tun bei Ess-Attacken?

Dagmar Buchta, 21. Mai 2008, 07:00
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    der standard
    Immer mehr essen als einer(m) gut tut als typisches Zeichen von Adipositas

Gabriele Haselberger, Expertin bei intakt, erklärte gegenüber dieStandard.at, was bei Binge Eating Disorder und Adipositas getan werden kann

Immer zuviel essen oder anfallsartig riesige Mengen hochkalorischer Nahrungsmittel verschlingen. Adipositas, umgangssprachlich Fettsucht genannt, und Binge Eating Disorder (BED) erhalten in der medialen Berichterstattung über Ess-Störungen zu wenig Beachtung. Dabei sind beide Krankheitsbilder weit verbreitet und sogar im Steigen begriffen.

Obwohl Adipositas und BED hinlänglich ihrer Ursachen und ihrer psychischen als auch physischen Auswirkungen auf die Betroffenen - Kontrollverlust, Schamgefühle, Isolation, Übergewicht etc. - Ähnlichkeiten aufweisen, gilt Fettsucht nach der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD - 10) nicht als diagnostische Ess-Störung.

Gabriele Haselberger, Bewegungsanalytikerin und Mitarbeiterin vom Therapiezentrum intakt, erörterte im Gespräch mit Dagmar Buchta, wie die beiden Krankheitsbilder aussehen und welche Maßnahmen ergriffen werden können, um wieder gesund zu werden.

Was ist typisch für Adipositas?

Bei Adipositas (lat. adeps = fett) bzw. Fettleibigkeit, Fettsucht, Obesitas (selten Obesität; im Englischen fast nur "obesity") handelt es sich um starkes Übergewicht, das durch eine über das normale Maß hinausgehende Vermehrung des Körperfettes mit krankhaften Auswirkungen gekennzeichnet ist. Während von Übergewicht ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 27 gesprochen wird, liegt eine Adipositas ab einem BMI von 30 vor, wobei drei Schweregrade unterschieden werden. Indikatoren für den Anteil von Körperfett und dessen Verteilung sind der Bauchumfang und das Taille-Hüft-Verhältnis. Bei dieser Erkrankung wird beständig zuviel gegessen, es handelt sich um sogenanntes "Grasen", um ständiges auf der Suche sein nach Nahrung.

Woran erkennt man Binge Eating Disorder?

Eine Erkrankung an Binge Eating Disorder liegt dann vor, wenn mindestens an zwei Tagen in der Woche Ess-Attacken auftreten und zwar über einen Zeitraum von sechs Monaten. Dabei werden große Mengen hochkalorischer Nahrungsmittel zumeist in kurzer Zeit gegessen, aber anschließend - im Gegensatz zu Bulimie - nicht erbrochen. Als weitere Symptome gelten besonders schnelles Essen, Essen ohne Hunger. Aufgrund von Gefühlen der Schuld, Scham oder Peinlichkeit wird allein gegessen; danach treten Gefühle von Ekel, Schuld oder Depressionen auf. Die Ess-Attacken werden zunehmend als belastend empfunden.

Mehr noch als alkoholkranke Menschen verstehen es Binge-Eater geschickt, die Erkrankung selbst vor nahen FreundInnen oder Familienangehörigen zu verbergen. Im anglo-amerikanischen Raum gibt es die "Overeaters Anonymous", die davon ausgehen, dass Nahrung genauso Abhängigkeit erzeugen kann wie Alkohol oder andere Drogen, und mit einem ähnlichen 12-Punkte-Programm wie die Alkoholiker-Gruppen arbeiten. Übrigens sind anders als bei Magersucht oder Bulimie bei Binge Eating Disorder auch viele Männer betroffen - etwa 35 Prozent der PatientInnen.

Welche Ursachen und Auslöser gibt es?

"Das ist sehr vielschichtig", erklärt Gabriele Haselberger. "Oft kann auch bei dieser Ess-Störung eine erste Diät als restriktives Essverhalten ein Einstieg sein. Meistens sind es traumatische Erlebnisse, das Gesprächsklima zwischen den Eltern untereinander und den Kindern etc. Es geht auch darum, welche Rolle das Essen in der Familie spielt, ist es ein Kommunikationsmittel, fungiert es als Tröster oder welche Funktion wird ihm zugeordnet..." Es handle sich um eine ganze Reihe von somato-psycho-sozialer Faktoren, die zusammenspielen können.

Hilfreich sei jedenfalls, meint Gabriele Haselberger, wenn Essen als sinnliches Erlebnis wahrgenomen werden könne: "Riechen, schmecken und sehen in einer entspannten Ess-Atmosphäre". Und wenn andere Möglichkeiten des Stress-Abbaus gefunden werden. "Übergewichtige sind mehr als nur ihr Gewicht! Sie sind Menschen mit Gefühlen, mit Interessen, Leidenschaften, Ängsten, Träumen, Fähigkeiten". Daher sei das Vermeiden von Diäten und restriktivem Essverhalten, die bekanntlich für Ess-Attacken förderlich sind, und regelmäßige Nahrungsaufnahme wesentlich.

Welche ersten Schritte sind möglich?

Als erstes geht es darum herauszufinden, in welchen Situationen die Ess-Attacken auftreten. Welche Gefühle gehen den Anfällen voraus? Gibt es Auslöser? Die Betroffenen können für sich abklären, welcher Hunger eigentlich dahinter steckt. "Ist es tatsächlich Hunger auf Nahrungsmittel, oder geht es um einen schwelenden Konflikt, um bestimmte Gefühle wie Traurigkeit, Wut, Erschöpfung, Stress, Langeweile etc., die mit dem Essen kompensiert werden sollen", so Haselberger, und "wäre beispielsweise ein heißes Schaumbad angebrachter als eine Ess-Attacke, oder ein gutes Gespräch mit einer Freundin oder eine Runde Laufen im Park, um überschüssige Energien abzuführen etc... ". In diesem Vorfeld kann das Führen von Essensprotokollen helfen, die unkontrollierten Essanfälle genauer zu erforschen, die möglicherweise ein Symptom bzw. eine Lösungsstrategie für das dahinter Stehende darstellen.

Wo kann Hilfe gesucht werden?

Wer es alleine nicht schafft, sollte sich um Unterstützung umschauen. Scham der Betroffenen darüber, unfähig oder zu lasch zu sein, seien nicht angebracht, meint Gabriele Haselberger. Vielmehr sei es wichtig, sich zu trauen und Hilfe anzunehmen. "Ein möglicher erster Schritt kann sein, sich einmal im Internet auf Websites, in Foren und Hotlines zu informieren und die Angebote von Selbsthilfegruppe zu studieren. Verschiedene Beratungsinstitutionen und Therapiezentren wie intakt bieten auch Email-Beratung an. Wenn dann der Entschluss gefasst wird, etwas zu tun, ist es wichtig, wie bei anderen Ess-Störungserkrankungen auch, den gesundheitlichen Status abzuklären und parallel dazu psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, um die Ursachen hinter den Essanfällen zu klären. Und vielleicht ist es notwendig, eine andere Haltung zu sich und zu seinem Leben zu entwickeln. Und dazu gehöre eben auch, die Lebensgewohnheiten, die sich eingeschliffen haben, zu überdenken, neu anzuschauen und neuen Lebensmut zu entwickeln".

Selbsthilfegruppen für Adipositas:
Adipositas SHG Wien I
Betreut von Elisabeth Jäger
Wiener Hilfswerk
Nachbarschaftszentrum 12
Am Schöpfwerk 31, 1120 Wien
Treffen jeden dritten Mittwoch im Monat um 19.00 Uhr

intakt Therapiezentrum
für Menschen mit Essstörungen
Grundlgasse 5/8, 1090 Wien
www.intakt.at

Gesundheitsplattform Niederösterreich
www.gfnoe.at/

 

 

Kommentar posten
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Eva Meyer
00
20.7.2008, 13:32
na ja, wenn man auf dem "Freßtrip" ist, ist das schon schlimm und

schwer das wieder unter Kontrolle zu bringen
wenn ich merke, daß ich mehr essen möchte, als ich Hunger habe, dann trinke ich zwischdurch einfach wieder ein großes Glas Wasser, das hilft fast immer

Frau Techne
03
Was schon stimmt: Artikel über Anorexie werden NIE mit einem Bild von einer todesnahen 40-kg-Magersüchtigen illustriert (nicht dass ich das sehen müsste...). Bei Menschen mit Binge Eating Disorder ist man da schon weit weniger zurückhaltend ...

... und zeigt die wirklich Dicken/Fetten am liebsten bei der Nahrungsaufnahme.

Chili73
 
00
19.7.2008, 13:24
Also...

...Bilder von Dicken, die essen, finde ich ok, um das Problem zu ilustrieren. Es werden auch sehr dürre Mädchen gezeigt, wenn es um Anorexie geht.

Ein Foto von einer todesnahen 40kg-Magersüchtige wäre dann vergleichbar mit einem Foto von Manuel Uribe... oder noch ärger?
s.a. www.daylife.com/photo/0eph9IReCafNJ

Lilith Boessse
 
00
29.5.2008, 12:54
interessant,

die bilder auf dieser seite - die übergewichtigen und magersüchtigen.

es gibt millionen von menschen auf dieser erde, die wirkliche probleme mit dem essen haben, weil sie nix zu essen haben.

wir haben im übermaß, und auch/trotzdem probleme.

was läuft da?

xv22
00
23.6.2008, 10:13

In anderen Ländern stirbt man an Infektionskrankheiten, und bei uns forscht man an Mitteln gegen Krebs - was läuft da?

Die Welt läuft da...

presonic
00
29.5.2008, 18:10

rassismus in den eigenen reihen. diesmal werden nicht die mit anderer hautfarbe oder religion ausgegrenzt, sondern menschen mit großem gewicht.

Unruhestifter
83
29.5.2008, 19:41
Beherrschen Sie sich halt, müßen ja nicht reinschaufeln wie ein Mähdrescher!

Disziplinlose Menschen sind erfolgloser - das darf Sie nicht wundern.

besserwisser103
00
..troll...

xv22
00
23.6.2008, 10:14

Also Sie würd ich auch gern mangels Beherrschung ausgrenzen

presonic
01

wenn sie nur so selbstkritisch wären und sich selber beherrschen würden und nicht zu jedem kommentar irgend einen unsinn posten würden.....

fire eater
00
30.5.2008, 09:08

oh, ein leistungsträger....

presonic
01
25.5.2008, 13:06

hier ein schöner artikel zum gesundheits- und schlankheitsterror
http://www.pm-magazin.de/de/heftar... kelid=1227

Lord Chaos
02
28.5.2008, 10:51


Wenn ich mir Ihre Posts so durchlese könnte ich glauben dieser 'Terror' würde Ihr gesamtes Leben bestimmen.
Wo liegt eigentlich das Problem?

Susi Stattnam
05
28.5.2008, 10:55
ich habe auch ein Problem damit, wenn ständig

von dicken Leuten die Rede ist, denen öffentlich permenant irgendwelche negativen Attribute um den Hals gehängt werden duerfen, weil eben die nuerotische pitzelige Nahrungsaufnahme bis zur Selbstverweigerung in Mode ist.

presonic
00
29.5.2008, 18:08

interessant zu ihrem posting die anzahl an postings in foren, in denen es um "esssucht" geht und die anzahl an postings, in denen es um magersucht und co geht.

"essucht" wird wahrgenommen (durch die medien verstärkt) und magersucht verdrängt.

Susi Stattnam
03
30.5.2008, 14:30
liegt ja schon in der tatsächlichen Krankheit versteckt:

Magersuechtige versuchen sich "aus dem Staub" zu machen, "nicht mehr da zu sein". Binge Eater - soweit ich es gehört habe - wollen "endlich wahrgenommen werden", "ihren Platz finden".

Dass aber Menschen mit mehr als einer Karotte zum Mittagessen öffentlich immer dermassen dargestellt werden inklusive verzerrter Bildermanipulation ist richtig. Das ist eine Hetze aus Angst vor dem Selbstbewusstsein jener Menschen, die sich eben nicht durch Medienpanik und Besserwisserei zum Angleichen an die starren Gesellschaftsstrukturen beeinflussen lassen.

presonic
00

die formen an essstörungen können ineinander übergehen.... weswegen die krankheitsbilder nicht ganz eindeutig festgelegt werden können (es gibt viele, die erst an BED leiden, dann die erste diät beginnen, und über die magersucht in die bulimie gleiten.... schrecklich...)

völlig richtig. menschen, die sich öffentlich sattessen, werden diskriminiert (wenn sie dick sind sowieso, und wenn sie dünn sind, wird ihnen sofort mit neid entgegengetreten "wirst schon sehen, irgendwann wird das bei dir auch ansetzen")

lustig übrigens, wie unruhestifter schon wieder blöd kommentiert. der scheint auch zu posten, wenn er vom thema gar keine ahnung hat....

Hibiskus
00

ich sehe das ähnlich.
in der arbeit trau ich mich schon fast nichts mehr essen, da ein kollege der nie etwas in der firma isst, stänkert. er meint "das rumfressen" ekelt ihn an, ich soll nur schauen. irgenwann sei ich dann furchtbar fett... ich hab schon ein regelrechtes trauma. im schwimmbad hab ich bereits ein schlechtes gewissen wenn ich ein eis esse. dabei bin ich nicht mal dick.

presonic
00

genau das mein ich damit. der schlankheitswahn macht auch schon schlanke menschen krank.

ich hab neulich wo gelesen, dass weiße amerikanische frauen mehr angst davor haben, dick zu sein, als krebs zu haben!

lassen sie sich ihre freude und lust am essen nicht vergällen!
genuss hat was mit lebensfreude zu tun. wenn man ihn verliert, verliert man lebensfreude. das blöde ist: man muss sich oft gegen energieräuber wehren.
ich frag mich grad, welches ess-problem ihr kollege hat. denn wenn ihn essen anekelt, hat er definitiv ein gröberes problem.

Unruhestifter
30
Die "Angst vor Essen" hat Sie immer noch ganz schön im Griff.


Dachte Sie wären geheilt.

presonic
00

ah, und schon wieder ein kommentar ohne inhalt.

Unruhestifter
00
Wie meinen Sie das?

Unruhestifter
11
30.5.2008, 15:38
Und wenn schon eine Diät beginnen dann bei...

...abnehmendem Mond, weil...na Sie wissen schon...

presonic
00
28.5.2008, 13:49

ich habe nicht mal selbst ein problem damit. ich sehe nur dauernd, dass menschen rund um mich durch die diskriminierung (fette sind faul, maßlos, unsportlich, hässlich, selbst schuld, träge, verfressen, etc.) sehr leiden.
gut essen heißt heute bereits "sündigen". die todsünden der kirche wurden unreflektiert auf dicke übertragen.

früher waren´s die leute mit anderer hautfarbe, mit anderer religion, die diskriminiert wurden, heute sinds menschen mit dem "falschen" gewicht.

steht mit einer faust
04
25.5.2008, 12:27

i versteh eines net. einerseits wird im artikel behauptet, man will leuten mit esstörungen helfen und andererseits bringt man dann so ein dicken-diskriminierendes bild dazu.

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