"Ich wünsche mir, dass die KundInnen umdenken"

19. Juni 2008, 07:00
  • Für Catherine Schrott persönlich geht nichts über "ein würziges, saftiges Brot mit Butter und ein Glas Milch."
    foto: diestandard.at/lechner
    Für Catherine Schrott persönlich geht nichts über "ein würziges, saftiges Brot mit Butter und ein Glas Milch."
  • Noch bei der Abschlussfeier versuchte eine Lehrerin, Schrott den Berufswunsch auszureden: "Sie meinte, ich sei zu Höherem berufen, ich könne doch jetzt nicht Bäckerin lernen."
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    Noch bei der Abschlussfeier versuchte eine Lehrerin, Schrott den Berufswunsch auszureden: "Sie meinte, ich sei zu Höherem berufen, ich könne doch jetzt nicht Bäckerin lernen."
  • "Die Lehrzeit war mit die schönste Zeit meines Lebens", sagt die Bäckermeisterin heute. Mittlerweile sei Bäckerin und Bäckermeisterin zu sein keine Seltenheit mehr: "Als ich mit dem Beruf begonnen habe, war ich das einzige Lehrmädel in Wien."
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    "Die Lehrzeit war mit die schönste Zeit meines Lebens", sagt die Bäckermeisterin heute. Mittlerweile sei Bäckerin und Bäckermeisterin zu sein keine Seltenheit mehr: "Als ich mit dem Beruf begonnen habe, war ich das einzige Lehrmädel in Wien."
  • Irgendwann wird es kein hangeflochtenes Mohnstriezerl mehr geben, sondern nur mehr eckige Laberl, die über die Maschine geformt werden, meint Schrott.
    foto: diestandard.at/lechner
    Irgendwann wird es kein hangeflochtenes Mohnstriezerl mehr geben, sondern nur mehr eckige Laberl, die über die Maschine geformt werden, meint Schrott.
  • Die KundInnen erwarten, dass sie jederzeit alles bekommen. "Das bedeutet aber, dass auch am Abend noch alles da sein muss und auch irrsinnig viel überbleibt."
    foto: diestandard.at/lechner
    Die KundInnen erwarten, dass sie jederzeit alles bekommen. "Das bedeutet aber, dass auch am Abend noch alles da sein muss und auch irrsinnig viel überbleibt."

Bäckermeisterin Catherine Schrott blutet das Herz angesichts der Tonnen von täglich weggeworfenen Backwaren - ein dieStandard.at-Porträt

Knusprig braun und herrlich duftend liegen Brot, Semmerln und Golatschen in den Körben und auf den Blechen hinter der Glasscheibe. Im Geschäft läuft der morgendliche Betrieb, im Café laufen Unterhaltungen bei Frühstück, Kaffee und Kuchen. Nur in der Backstube ist längst Feierabend. "Gute Nacht", wünscht Catherine Schrott ihrem Mann, der sich soeben auf den Heimweg macht. Mit ihm führt die Bäckermeisterin seit 18 Jahren die gemeinsame Bäckerei im 15. Bezirk. Der Betrieb mit 50 MitarbeiterInnen ist seit 1885 in Familienbesitz, es wird produziert, zugeliefert und mittlerweile gibt es drei Filialen in Wien: "Es ist ein irrsinnig schöner Beruf, weil er so produktiv ist und weil man jeden Tag genau weiß, was man gemacht hat", schwärmt die Bäckerin. "Es riecht gut, es schmeckt gut, es sieht wunderschön aus und man fühlt sich so erfolgreich, wenn die Autos vollbeladen hinausfahren und alles fertig in der Auslage liegt."

Die Liebe zum Backen, die war bei Catherine Schrott schon immer da: "Ich habe schon als Kind gerne gebacken, vor allem Süßes - zu jedem Geburtstag habe ich Torten und Kuchen gemacht und mein ganzes Taschengeld in Rohstoffen angelegt." Als sie mit 15 dann die Gelegenheit bekam, in einer richtigen Bäckerei Weckerln zu backen, war klar: "Das will ich machen." Die Eltern waren einverstanden - wenn sie vorher die Matura macht. Noch bei der Abschlussfeier versuchte eine Lehrerin, ihr den Berufswunsch auszureden: "Sie meinte, ich sei zu Höherem berufen, ich könne doch jetzt nicht Bäckerin lernen." Doch von ihrem Ziel abbringen ließ sich die frisch gebackene Maturantin keineswegs - auch, wenn sich die Lehrstellensuche zunächst als äußerst schwierig erweisen sollte: "Damals, 1988, gab es für Frauen noch ein Nachtarbeitsverbot und deshalb waren Frauen in Backstuben äußerst selten. Ich musste einen Betrieb finden, der auch eine Garderobe und Toiletteanlagen für Frauen hat."

Schönste Zeit des Lebens

Schrott hatte Glück: Sie fand einen Bäcker, dem ihre Beharrlichkeit gefiel - und bei dem sie in der Nacht lernen durfte, auch wenn's eigentlich verboten war. "Die Lehrzeit war mit die schönste Zeit meines Lebens", sagt die Bäckermeisterin heute. Mittlerweile sei Bäckerin und Bäckermeisterin zu sein keine Seltenheit mehr: "Als ich mit dem Beruf begonnen habe, war ich das einzige Lehrmädel in Wien. Mittlerweile ist das Nachtarbeitsverbot gefallen, der Beruf ist körperlich weniger anstrengend, weil man nicht mehr so viel heben und tragen muss und es gab eine Zeit lang auch Förderungen für Betriebe, die Mädchen aufgenommen haben. Vor allem in den westlichen Bundesländern sind die Bäckerinnen jetzt sogar schon in der Überzahl." Für Schwangere gelte nach wie vor das Nachtarbeitsverbot: "Es stellen aber gerade die Großbäckereien auch schon auf Tagesschichten um, es wird also für Frauen immer leichter."

"Umgekehrter" Rhythmus

Der klassische Arbeitsbeginn in einer traditionellen Backstube ist zwischen halb elf Uhr abends und ein Uhr früh. Dann wird rund sieben Stunden unter ziemlichem Druck produziert. "Das ist viel körperliche Arbeit, mittlerweile passiert aber auch schon viel mit Maschinen, vor allem das Rühren, Kneten, Portionieren, Walken. Um fünf Uhr müssen dann die Autos mit der Ware raus und um acht Uhr spätestens ist für die NachtarbeiterInnen in der Backstube Schluss." Der "umgekehrte" Arbeitsrhythmus habe sie nie gestört - im Gegenteil: "Ich liebe diese azyklischen Zeiten: dass man heimgeht, wenn die anderen in die Arbeit gehen. Manche Menschen, die den BäckerInnenberuf ausüben, fühlen sich isoliert, weil sie abends nicht lange weggehen können. Mir macht es mehr Spaß, spazieren zu gehen und Sport zu betreiben und das ist nicht an den Abend gebunden." Dabei hat ihr ausgerechnet ein abendlicher Kino-Treff das private Glück gebracht: "Eine Freundin hat damals gesagt: 'Du, ich habe da einen Freund, der ist auch Bäcker ...' - so haben mein Mann und ich uns kennengelernt."

Schreibtisch statt Backstube

Heute ist Catherine Schrott Mutter von zwei Burschen, 14 und 17 Jahre alt, und sitzt als Chefin "leider viel zu oft" im Büro, um "den administrativen Kram" zu erledigen: "Diese Berge von Papier, das mag ich gar nicht. Ich stehe viel lieber in der Backstube und produziere, aber da komme ich leider nur noch selten dazu." Ihr Arbeitstag beginnt in der Regel um fünf und endet gegen eins, sechs Tage in der Woche, "wodurch wir leider kein Wochenende haben." Die Arbeitszeiten seien aber ein großer Vorteil bei der Kinderversorgung gewesen; eine Tagesmutter oder Extra-Betreuung hätte die Familie nie gebraucht: "Die Kinder sind sehr eigenverantwortlich aufgewachsen und alleine in die Schule gegangen, waren aber rund um die Uhr versorgt. Wir essen auch heute noch gemeinsam zu Mittag und haben, wie sie kleiner waren, die Nachmittage zusammen im Freien verbracht." Viele Bäckerväter würden ihre Kinder durch die Nachtarbeit mehr sehen als die meisten Väter: "Sie kommen am Vormittag nach Hause, holen die Kinder vom Kindergarten, spielen mit ihnen, bevor sie zur Arbeit müssen." Früher seien sie und ihr Mann mit den Kindern mittags und abends schlafen gegangen: "Jetzt kommen die Kinder heim, wenn wir schlafen gehen", lacht sie.

Konkurrenz Supermarkt

Was auch ihre Bäckerei zu spüren bekomme, seien die Konkurrenz aus den Supermärkten und der "Kampf um die Wirtschaftlichkeit": "Irgendwann wird es kein hangeflochtenes Mohnstriezerl mehr geben, sondern nur mehr eckige Laberl, die über die Maschine geformt werden. Wir kämpfen natürlich noch darum, indem wir uns spezialisieren - bei uns gibt es Schusterlaberl, Kümmellaberl, Salzstangerl und wir produzieren biologische Vollkornprodukte direkt vom Getreide weg, das wir selbst im Haus mahlen -, aber der Trend bei den Großbäckereien geht der Wirtschaftlichkeit halber in die andere Richtung." Natürlich gingen damit auch Geschmack und Backtradition immer mehr verloren, denn: "Die Kunden kaufen das, was ihnen preiswert erscheint - und das muss nicht immer das sein, was wirklich gut schmeckt: Großpackungen und lange haltbare Produkte werden oft vorgezogen. Es gibt aber auch viele Kunden, die sehr dankbar sind, dass es uns gibt."

Cornflakes statt Butterbrot

Für sie persönlich geht nichts über "ein würziges, saftiges Brot mit Butter und ein Glas Milch." Das Brot als Grundnahrungsmittel werde aber immer mehr durch Alternativprodukte verdrängt: "Es ist leichter, in der Früh Cornflakes und Milch auf den Tisch zu stellen, als Messer, Butter, Brot, aufzudecken. Außerdem wird viel außer Haus gegessen, den Kindern wird in die Schule kaum mehr ein Jausenbrot mitgegeben."

Produzieren für den Müll

Das Herz blute ihr, wenn sie an die vielen Tonnen von Backwaren denkt, die täglich allein in Wien als Überschuss weggeschmissen werden: "Die Kunden erwarten, dass sie jederzeit alles bekommen. Das bedeutet aber, dass auch am Abend noch alles da sein muss und auch irrsinnig viel überbleibt: Selbst wenn bei uns nur ein Stück pro Artikel da ist, sind dreihundert Stück über. Ich würde mir wünschen, dass die Konsumenten da umdenken - es ist doch ewig schad' drum. Die Kunden zahlen das ja auch mit: Die Stücke sind um ein Drittel teurer, wenn man nur dafür arbeitet, dass die Regale voll sind." Im eigenen Betrieb werde zwar nichts verbrannt oder weggeworfen - der meiste Überschuss gehe an Bedürftige und den Tiergarten Schönbrunn -, aber: "Der Bäcker, der in der Nacht geschuftet und die Produkte erzeugt hat, kommt in der nächsten Nacht, sieht diese Berge an übrigem Essen und fühlt sich unnötig, weil er weiß, er hat ein Drittel seiner Arbeitszeit für Retourware gearbeitet." (Isabella Lechner/dieStandard.at, 19.6.2008)

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Wenn das Angebot da ist ...

... braucht man sich über Nachfrage nicht wundern.
Ich persönlich finde es grotesk, um 17.55 Uhr volle Regale vorzufinden, bloß weil Kunden selbst um diese Zeit aus dem geasmten Sortiment wählen wollen.

Mittlerweile ist auch das Angebot am Abend nicht mehr so groß. Und die Leute auch schon gut umerzogen. Gleichzeitig schimpfen wie viel Brot weggeschmissen wird und abends noch eine mega Auswahl an ganz frischem Brot haben wollen geht halt nicht. Das verstehen die durchaus. Aber sie dürfen anrufen und sich ihr Liebslingsbrot reservieren lassen.

So sollte es sein!

Völlig richtig

Verschenken oder verfüttern müßte doch drin sein.

Zuviel des Guten ist auch zuviel wenn es gut zu essen ist!

Das Wegschmeißen bei den Produzenten ist leicht zu beheben: Ab 16 Uhr gibt es saftigen Rabatt.

Das erlaubt die Kammer nicht - Kammer abschaffen!

Netter Artikel..
Ich würde gern mehr bezahlen für wirklich leckere Sachen. Und beim Gedanken an maschinell gefertigte Mohnstriezerl kommt auch keine Freude auf..
Übrigens ist in den türkischen Bäckereien (zumindest in den guten..) auch alles frisch :)
Hmm Börek..
Das Schlechte an so einem Artikel ist der Gusto, den frau um diese Uhrzeit bekommt.. zum Glück hat alles zu! *g*

Doch, da war vor einiger Zeit eine werbung von einer großen Bäckereikette (ank..oder so) , dass die bis am Abend alles vorrätig haben oder sonst kriegt man was gratis oder so.

Arg...

Hat sie wirklich KundInnen gesagt?

sagen Sie

bzw., etc., usw., uawg, mfG?

Hat sie wirklich Kundinnen gesagt?

bei den von ihnen genannten Abkürzungen weiß ich, was man beim Sprechen sagen würde... aber bei "KundInnen"?? Manche sagen da wirklich "Kundinnen" was ich als Mann dann auch diskriminierend finden darf, oder?

schaun sie

ich kenne Leute die virtuell schreiben und virtüll sagen (ohne Scheiß) -
wenn manche nicht in der Lage sind aus geschriebenen KundInnen gesprochene Kunden und Kundinnen oder Kundinnen und Kunden zu machen dann ist das auch nicht das Problem des geschriebenen Wortes sondern entspricht der Unwillig- oder Unfähigkeit der SprecherInnen

Sie dürfen sich in allem diskriminiert fühlen wenn Sie meinen - ich gehöre nicht zu den Menschen die mittels Brühlmeier argumentieren - sie hätten sich mitgemeint zu fühlen weil nämlich nur das generische und nicht das biologische Geschlecht eindeutig definiert ist.

danke für die Aufklärung... ich hoffe ich muss nicht Herrn oder Frau Brühlmeier kennen, um hier mitdiskutieren zu können... das "mitgemeint"-Argument stammt ja eben wirklich von einem Satz, den ich wo mal gehört habe, wo eine Dame meinte, sie will eben auch immer die weibliche Form dabei haben, weil sie sich sonst "mitgemeint" fühle...

Ich weiß natürlich, was die die Bäckerin gemeint und vermutlich gesprochen hat, aber ich finde diese Buchstabenschöpfungen falsch, hässlich und unnotwendig... soviel Zeit, dass wir "Kundinnen und Kunden" lesen können, sollten wir schon noch haben... wenns nicht geschrieben wird, ist das nur auf die Faulheit der Schreiberinnen und Schreiber zurückzuführen...

:-) wenn sie länger mitdiskutieren

wird ihnen brühlmeier irgendwann mal zu hals heraushängen

Ich sehe dass nicht so dramatisch - eben weil wir ja sowieso ein schreibfaules Volk sind (siehe die Abkürzungen die wir jeden Tag geschrieben verwenden)

und jeden tag kommen neue dazu - ich erinnere nur an die netiquette - mit lol, rofl fg usw. (:-))

Warum ausgerechnet ein binnen I oder Schrägstrich hässlich sein soll, während wir immer neue Kürzel dazuerfinden verschließt sich mir leider.

weil das Binnen-I mit dem moralischen Zeigefinger daherkommt und jeden, der es nicht verwendet, quasi als Diskriminierer daherkommen lässt.... typisch PC eben...

Dann....

...schreibens das I einfach klein und fühlen sich halt auch davon gemeint.....

das wäre wohl genau falsch

Ich kann das nicht nachvollziehen!

Egal ob Bi, Ho, Bäcker, St., Ank., Ma, … findet man ab ca. 18h bei weitem nicht mehr alle Produkte. Wenn dann nur mehr zwei drei Brote im Regal liegen ist meistens nicht mehr für mich dabei. Ich gehe jetzt immer in der Mittagspause Gebäck kaufen.
Wie da 1/3 überbleiben soll ist mir rätselhaft und halte ich für ein Gerücht.

gerücht

ich denke bei bäckereien ist das problem nicht so groß. volle regale, auch am abend, sind großteils bei den großen supermarktketten anzutreffen, da diese überschüssige ware, die sie zurücksenden, meist gutgeschrieben bekommen.

Volle Regale auch am Abend!?!

Wer von uns Konsumenten erwartet auch am Abend volle Regale? Es ist doch kein Problem auf einen Alternativartikel auszuweichen, oder mal zu verzichten, wenn eine Ware schon ausverkauft ist.
Das ist allemal besser als wie geschrieben, 1/3 der Ware weg zu werfen.
Bitte bedenken: in anderen Ländern hungern Menschen.

Ich hab mir eine Küchenmaschine gekauft und mach mir mein Brot selber... ist keine Hexerei...

Das geht aber ohne Maschine besser.
Ich weiß nicht, wie die neuen Modelle sind, aber ich hatte einmal eine, die konnte nur kurz gehen lassen, und es war nicht möglich, eine lange Gehzeit einzustellen. Damit konnte man praktisch nur Germweißbrot machen.

habe auch keine guten Erfahrungen mit Brotbackmaschine....

da ist das Hände waschen leichter als die Maschine zu reinigen... stimme Ihnen zu.

Ich hab einen Brotbackautomaten

nach 2:20 ist das Brot fertig - 20 Minuten kneten, dann Knethaken rausnehmen, ca. 1 Stunde gehen und ca. 1 Stunde backen.

Und wie geht ein Roggenbrot?

Das braucht ja länger. Kann man das einstellen?

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