
Die Luftraumüberwachung ist ein Paradebeispiel für exakten, heiklen und grenzüberschreitenden Datenaustausch. Positionsdaten und Informationen müssen zwischen aneinandergrenzenden Korridoren akkurat an Fluglotsen übermittelt werden, deren Arbeitsplätze nicht nur durch einen Gang getrennt sind. Die Fehlertoleranz des Systems liegt bei null.
Für Eva Kühn, Leiterin der Arbeitsgruppe Space Based Computing (SBC) an der Technischen Universität Wien, ist der Verkehrssektor ein Bereich, in dem der XVSM-Space künftig zum Einsatz kommen könnte. XVSM steht für "Extensible Virtual Shared Memory" und ist eine Softwarekomponente, die einen gemeinsamen virtuellen Datenraum sowie Zugriffe darauf umsetzt. So sollen Zeit, Risiko und Kosten gespart werden. Für die Anwendung in der Flugsicherung hat die Spezialistin für Distributed Programming mit Frequentis und der Austria Control wichtige Weichen im Projekt "Flight Information Sharing Network" gestellt.
Seit 15 Jahren entwickelt die Informatikerin Lösungen, die es Menschen an weit voneinander entfernten Computern leichter machen sollen, Daten gemeinsam zu bearbeiten und zu verwalten. Inzwischen funktioniert das quer über die Betriebssysteme und mit vielen mobilen Endgeräten. Ihre Dissertation zum Thema Multi-Datenbanksysteme wurde mit einem Heinz-Zemanek-Preis ausgezeichnet. Mit einem Kurt-Gödel-Stipendium finanzierte Kühn ihr Sabbatical am Indiana Center for Databases der Purdue University und setzte dort ihre Forschungsarbeiten fort.
"Das Thema Parallelverarbeitung ist für jemanden wie mich, der Beruf und eine Familie mit zwei Kindern zu managen hat, immer spannend gewesen. Eigene Erfahrungen haben den komplexitätsreduzierenden Datenspace sicher inspiriert", so die 48-Jährige. In ihrer männerdominierten Domäne werden häufig Karriereverläufe als Maßstab herangezogen, die nie durch Mehrfachbelastung geprägt wurden. "Wenn man wirklich den Frauenanteil in Spitzenpositionen erhöhen will, muss man hier noch viel verbessern", meint Kühn.
Das von ihr konzipierte XVSM-Modell stellt gewohnte Strukturen auf den Kopf. Weg vom "Kommandoton" einer Architektur mit übergeordnetem Server und untergeordneten Clients, hin zu gleichberechtigten und autonomen Peers, die ihren eigenen Datenraum selektiv teilen. "Der Datenraum wird gemeinsam aufgespannt, für Effizienz und Ausfallsicherheit auch mehrfach. Jeder Peer bestimmt selbst, welche Daten wem zur Verfügung gestellt werden sollen."
Der ge- und verteilte Datenraum ermöglicht die Zusammenarbeit in Echtzeit. Eine deutsche Versicherung hat das System getestet, mit dem Ziel, Infos per Funknetzwerk an ihre Außendienstmitarbeiter zu bringen, die sehr häufig offline sind. Für konstante Weiterentwicklung in der Community sorgt auch der Open-Source-Zugang der Software. "Wir wollen XVSM als Standard etablieren", sagt die Wienerin - deren Lieblingsfach immer Mathematik war. (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Printausgabe 28.05.2008)
Webtipp:
www.complang.tuwien.ac.at/eva
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Kann passieren. Für Mitleser: das war ein einstmals heftig gehyptes, von Fr. Kühn geleitetes TU-Spinoff-Unternehmen.
Diese Spaces-Geschichten geistern schon seit Jahrzehnten herum (zumindest seit Gelernters Linda), heben aber kommerziell nicht ab. Spaces lösen zwar manche Probleme sehr elegant, machen aber viele Aufgaben mühsamer als mit konventionellen Methoden.
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