Nachlese

Trend zu mehr Abtreibungen bei Mädchen?

11. Juni 2008, 18:35

Das Wiener Institut "pro:woman" präsentierte fragwürdige Zahlen zu Abbrüchen in Österreich - Geschäftsleiterin Graf fordert mehr Aufklärung, Gynäkologe verweist auf "schwedisches Paradox"

"Immer mehr jugendliche Frauen führen eine Abtreibung durch". Mit dieser aufrüttelnden Meldung schlug das Institut "pro:woman" am Mittwoch in einer Pressekonferenz Alarm und ein bisschen wohl auch die Werbetrommel für ihre eigene Einrichtung. Unter dem provokanten Titel "Schwangerschaftsabbruch - die neue Verhütungsmethode?!" versammelte das Ambulatorium für Sexualmedizin und Schwangerenhilfe am Wiener Fleischmarkt den Sexualpädagogen Wolfgang Kostenwein und den Gynäkologen Peter Bistoletti, um über Verhütungsverhalten von Jugendlichen, Präventionsmaßnahmen und die Situation in anderen europäischen Ländern zu informieren.

Geschäftsführerin Elke Graf präsentierte Zahlen, wonach im Zeitraum von 2005 bis 2007 der Anteil der 14 bis 19-jährigen Mädchen, die im Institut einen Schwangerschaftsabbruch durchführen ließen, von vier auf elf Prozent gestiegen ist. "Dies entspricht einer Verdreifachung", so Graf, die seit 2006 dem Institut vorsteht.

Mangelhafte Datenlage

Über die Repräsentativität dieser Zahlen lässt sich allerdings streiten, denn die Datenlage über Abbrüche in Österreich ist äußerst mangelhaft. Es gibt keine österreichweite Erhebung, deshalb werden auch nur freiwillige Aufzeichnungen von einzelnen Instituten zu Hochrechnungen herangezogen. Laut solchen Schätzungen liegt die jährliche Zahl der Abbrüche in Österreich zwischen 30.000 und 35.000. Bei den 15- bis 19-Jährigen werden die Abtreibungen auf 17,5 pro 1.000 Frauen geschätzt.

Was den dreifachen Anstieg betrifft, so kann dieser also nur für "pro:woman" behauptet werden. Zudem weigerte sich Graf, den Umstand mit absoluten Zahlen zu bestätigen. Auf Anfrage von dieStandard.at betonte die Geschäftsführerin lediglich, dass die Abbrüche im Institut in den letzten drei Jahren in etwa konstant geblieben seien. Konkrete Zahlen seien nicht zur Veröffentlichung vorgesehen.

Mangelhaftes Verhütungsverhalten

Graf präsentierte weiters Ergebnisse aus der Befragung mit den betroffenen Mädchen: So hätten nur 46 Prozent der befragten Mädchen verhütet. 38 Prozent jener, die auf Verhütung verzichtet haben, gaben an, sicher gewesen zu sein, dass sie zum Zeitpunkt des ungeschützten Geschlechtsverkehrs nicht fruchtbar gewesen wären. Weitere 22 Prozent hatten ungeplanten Sex und daher keine Verhütungsmethode eingeplant. Acht Prozent der Frauen wollten nicht verhüten, bei weiteren drei Prozent wollte der Sexualpartner auf ein Kondom verzichten. Um diesem "mangelnden Bewusstsein" entgegenzutreten fordert das Institut mehr Geld aus der öffentlichen Hand, um das Aufklärungssystem auf eine "nachhaltige und zeitgemäße Basis zu stellen."

Genügend Information

Wolfgang Kostenwein vom Institut für Sexualpädagogik verwies darauf, dass es bei Aufklärung nicht um reine Information ginge, schließlich wüssten die allermeisten Jugendlichen über die verschiedenen Möglichkeiten der Verhütung bescheid. Allerdings würde dieses Wissen oft nicht auf den eigenen Körper angewendet werden können: "Die Informations- und Handlungsebene bei Jugendliche laufen oft parallel. Als SexualpädagogInnen müssen wir erreichen, dass es hier Verbindungspunkte gibt", so Kostenwein, der seit vielen Jahren in der Sexualpädagogik tätig ist. Er verwies zudem auf die mangelnde gesellschaftliche Unterstützung, was den barriere- und kostengünstigen Zugang zu Verhütungsmitteln für Jugendliche betrifft.

Peter Bistoletti, der jahrzehntelang in Schweden als Gynäkologe praktiziert hat, gab zu bedenken, dass ein relativ liberales Abtreibungsgesetz und die kostenfreie Abgabe von Verhütungsmitteln an Jugendliche nicht unbedingt zu einer geringeren Abtreibungsrate führen würde. So liegt in Schweden die Jugendlichen-Rate bei 25 (von 1000 Mädchen), was wesentlich mehr ist als die in Österreich geschätzten 17,5.

Zielführender Vorstoß?

Fraglich bleibt, ob der Vorstoß bei Jugendlichen tatsächlich zu einer niedrigeren Abtreibungsrate führen kann, beläuft sich ihr Anteil an Abbrüchen bei "pro:woman" doch auf niedrigen elf Prozent. Auch im Landeskrankenhaus Salzburg, wo seit 2005 Abtreibungen geführt werden, ist die Zahl der betroffenen Jugendlichen vergleichsweise niedrig: Dort lag er 2006 bei 16 Prozent. "Auch für 2007 ist nicht erkennbar, dass zunehmend mehr junge Frauen in Salzburg oder anderen Einrichtungen in Wien, Linz oder Vorarlberg einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen", betont Petra Schweiger vom Salzburger Frauengesundheitszentrum ISIS und der GynmedAmbulanz am Salzburger Landeskrankenhaus gegenüber dieStandard.at

Jene Bevölkerungsschicht, die hingegen am meisten Abtreibungen durchführen lässt, sind Frauen über 20 Jahre, über 50 Prozent davon haben bereits ein oder mehrere Kinder, wie aus der Statistik des Landeskrankenhauses Salzburg hervorgeht. "Bessere Aufklärung", wie von "pro:woman" gefordert, würde sich demnach vor allem in diesem Segment mit einer Senkung der Abtreibungsrate bezahlt machen. (Ina Freudenschuß, dieStandard.at, 11.6.2008)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 152
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presonic
01
17.6.2008, 17:01

die statistik einer einzigen einrichtung in einem land in dem es keine statistiken zu dem thema gibt.
nicht besonders aussagekräftig, v.a. weil andere einrichtungen genau das gegenteil behaupten.

Lady Prudence of Fairfax
04
14.6.2008, 22:58

wenn (junge) frauen nicht ständig se*ualisiert würden und ihre anerkennung beim anderen geschlecht nicht primär von ihrer präsentation als se*ualobjekt abhinge, wäre der druck so früh wie möglich "würstchen-verstecken" spielen zu müssen vielleicht nicht so groß.

darf man das wort se* hier wirklich nicht schreiben?

Genderwahnsinn0
10
25.6.2009, 23:02

Bei 30.000 Ermordeten im Jahr sind diese Witzchen absolut nicht angebracht!

Rosa Stahl
23
16.6.2008, 11:49

die Se*ualisierung fängt schon bei den Kindern in Kindegarten und Volksschule an.

abau
00
18.6.2008, 03:08

Inwiefern?

Gefräßige Gebärmutter
01
23.6.2008, 10:32
Aufklärung.

Gefällt Frau Stahl nicht.

jaygurudeva
00
15.6.2008, 17:19

- das ist etwa gleich wie wenn ein autohersteller sagt: wenn ihr unsere autos der qualität wegen kauft, dann brauchen wir keine nackten frauen mehr fürs plakat.

ich geb dir natürlich bis zu einem gewissen punkt recht - aber ich denke das ganze ist eine wechselwirkung, die nicht rein von den männern ausgeht.

natürlich haben wir männer die einfachere position, wenn es darum geht, sich vor der verantwortung für ihre taten zu drücken - und es ist erschreckend auf welche art und weise oft druck auf frauen ausgeübt wird: von "schwanger braucht nicht werden..." bis ärgerem...
Ich habe oft den eindruck, dass es vielen egal ist, wenn sie se*uell ausgenutzt werden....

Lady Prudence of Fairfax
13
16.6.2008, 00:41

ich finde viel mehr autohersteller sollten so denken. ;o)

ob es ihnen nichts ausmacht ist fraglich...viele haben nur über ihre sexualität "anerkennung" erfahren, von einer überbewertung männlicher aufmerksamkeit ganz abgesehen.
ich denke, dass hat viel mit der sozialisierung der geschlechter zu tun. in unserer gesellschaft ist die männliche sexualität omnipräsent (von viagra spams bis zu den barbusigen in tageszeitungen usw.). die lust des mannes ist vordergründig. weibliche sexualität wird meist als objektgerichtet dargestellt, sie dient der befriedigung des mannes und nicht der befriedigung der eigenen (weiblichen) lust. tja und da beginnt das ganze elend...

Rosa Stahl
02
16.6.2008, 11:52

mir ist die ganze hiesige Umgebung zu se*ualisiert. Und zwar hinsichtlich Männlein UND Weiblein. Werbung, sujets, Plakate, Filme, Kleidung... es gibt kein Thema, bei dem einem nicht Ti**en, Är*che, Pimmel, Anzüglichkeiten.... entgegenspringen.

Se* ist eine wunderschöne Sache. Und zwar dann, wenn sie privat bleibt.

Mac Smith
47
13.6.2008, 12:18
"..denn die Datenlage über Abbrüche in Österreich ist äußerst mangelhaft."

Warum nur?
Warum gibt es nicht zumindest eine anonyme Meldepflicht, und sei es nur eine quantitative?
Wer hat Angst davor (außer Presonic, die erkennen müßte, daß in Ö relativ zur Bevölkerungszahl ca. 3 mal soviel Abgetrieben wird wie in D)?

abau
00
18.6.2008, 03:10

Woher hast du denn die Zahlen?

Quellenangabe?

Im Übrigen: Wieviele "Pflichten" (ich empfehle dir mal nachzulesen, was das schön Wort Pflicht tatsächlich heißt - ein Tipp: es hat nichts mit ZWANG zu tun) willst du denn noch haben?

presonic
03
15.6.2008, 19:42

der große held hat gesprochen, der ohne zu zählen weiß, dass in Ö 3x mehr abgetrieben wird als in D! muahahahahahaha.

Mac Smith
02
16.6.2008, 13:01
Heldin

Ö: ~8,2 Mio EinwohnerInnen, ~30.000 (vorsichtig geschätzt, siehe Artikel) Abtreibungen
D: ~83 Mio EinwohnerInnen, ~120.000 Abtreibung

Verhältnis EinwohnerInnen (Ö:D): ~1:10,1
Verhältnis Abtreibungen (Ö:D): ~1:4

Genderwahn
22
16.6.2008, 19:34
Bitte keine Grundrechenarten verwenden!


Das verwirrt hier viele.

presonic
00
16.6.2008, 14:33
:-)

in deutschland gibts aber auch keine statistik darüber.
wenn man die schweizer statistik umlegt (auf frauen von 14-60) auf österreich kommt man auf gut 24.000 abtreibungen pro jahr.

Black Widdow
02
15.6.2008, 10:53
Woher beziehen sie diese "Erkenntnis"?

presonic
01
15.6.2008, 19:45

wohl aus dem unendlich großen reich der phantasie....

Lady Prudence of Fairfax
01
14.6.2008, 22:35

ich dachte es gäbe keine verlässlichen daten über die anzahl der abbrüche? auf welchen fakten basiert dann der vergleich Ö - D?

was denken Sie ist der grund für diese statistische lücke? ich hab so das gefühl, Sie haben eine theorie dazu...würde mich interessieren.

presonic
02
15.6.2008, 19:44

es gibt auch keine zahlen. weder für D noch für Ö. das einzige land, das offizielle zahlen dazu hat, ist die schweiz.

Lady Prudence of Fairfax
01
16.6.2008, 00:22

das dachte ich auch, aber Mac Smith wirkte so "wissend"... ;o) aber dann ward nichts mehr von ihm gehört...orakelt vermutlich noch in den imaginären zahlen.

presonic
00
16.6.2008, 10:21

oder versucht grad, alle österreichischen frauen einzeln zu befragen. ;-) deswegen dauerts so lange. ;-)

SchätzeFrauen
16
12.6.2008, 18:15
Die spinnen die Römer..

Diese Firma macht Werbung für Abtreibung (z.b. in "heute") und ist dann ganz erstaunt dass vemehrt abgetrieben wird.
Die wollen uns versch...

Gernot Schandl
11
12.6.2008, 17:06
Gefahr für Frauen?

Als Abtreibungen in Österreich noch nicht straffrei waren, waren merkliche Komplikationen in Folge einer Abtreibung gleichbedeutend mit einer Gefängnisstrafe für den Abtreiber/die Abtreiberin.
Die höheren Sterberaten in Ländern, in denen Abtreibung bestraft wird, haben vielmehr mit den allgemeinen medizinischen Rahmenbedingungen dieser Länder zu tun.

wolkenberg
00
13.6.2008, 10:51

und für die frauen, nicht zu vergessen.

Susanne Winkinger
1610
12.6.2008, 16:56
Weniger Abtreibungen gibt es durch mehr Enthaltsamkeit und Verantwortung für ungeborenes Leben.

Mehr Abtreibungen durch das Verteilen von Verhütungsmitteln und unkeuschen Lebenswandel.

Klingt altmosdisch, ist aber so.

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