"Koran setzt auf Gleichberechtigung"

25. Juni 2008, 11:16
  • Artikelbild: Zur Person Die in Pakistan geborene Riffat Hassan ist die führende Frauenforscherin in den Islamwissenschaften. Sie hat eine Professur für Islamische Studien an der Uni Louisville (Kentucky) inne. Derzeit nimmt Sie in Wien an der vom Außenministerium veranstalteten Tagung "Interreligiöser Dialog aus der Genderperspektive" teil. - Foto: STANDARD
    Zur Person

    Die in Pakistan geborene Riffat Hassan ist die führende Frauenforscherin in den Islamwissenschaften. Sie hat eine Professur für Islamische Studien an der Uni Louisville (Kentucky) inne. Derzeit nimmt Sie in Wien an der vom Außenministerium veranstalteten Tagung "Interreligiöser Dialog aus der Genderperspektive" teil.

Im Koran finde sich keine Passage, die besage, dass Männer den Frauen überlegen seien, sagt Islamwissenschafterin Riffat Hassan

STANDARD: Sie forschen über Feminismus im Islam. Das mag für viele widersprüchlich klingen.

Hassan: Ich habe den Koran studiert, um zu sehen, was er eigentlich über Menschenrechte generell und über die Rechte von Mann und Frau sagt. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass der Koran auf Gleichberechtigung setzt. In diesem Sinne bin ich eine feministische Theologin.

STANDARD: Wo lesen Sie diese Egalität aus dem Koran heraus?

Hassan: Ich habe die drei Thesen untersucht, auf die sich die Annahme stützt, dass Männer den Frauen überlegen sind. Das ist die Geschichte von der Erschaffung der Frau aus der Rippe des Mannes, die Vertreibung des Mannes aus dem Paradies wegen einer Frau und die These, wonach die Frau nicht nur aus dem Mann, sondern für ihn geschaffen wurde. Diese Ideen sind eigentlich dem Christen- und Judentum gemein, wurden aber in die islamische Tradition aufgenommen. Im Koran ist aber nur von der Erschaffung des Menschen die Rede, nicht zuerst Mann und dann Frau. Frauen werden auch nicht für den Rauswurf aus dem Paradies verantwortlich gemacht. Ich sage damit nicht, dass Diskriminierung gegen Frauen in muslimischen Kulturen nicht existiert, sondern, dass es einen Unterschied zwischen den Lehren des Koran und der Realität in muslimischen Gesellschaften gibt.

STANDARD: Aber die Diskriminierung von Frauen wird in manchen islamischen Ländern religiös argumentiert.

Hassan: Die großen Religionen basieren alle auf Texten, die im Kontext einer patriarchalischen Gesellschaft entwickelt wurden. Die Menschen, die diese Texte interpretiert haben, waren Männer. Warum ist Diskriminierung in muslimischen Ländern verbreitet? Weil Menschen zwar oft sagen, Religion sei ihnen das Wichtigste. In Wahrheit ist aber ihre Kultur, ihre patriarchalische Kultur, viel wichtiger für sie.

STANDARD: Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen dem Islam und dem Westen?

Hassan: Ich bin oft erstaunt darüber, dass nur wenige meiner Studenten in den USA wissen, wie sehr Muslime zur Entwicklung der westlichen Zivilisation beigetragen haben, einfach deshalb weil sie so lange in Europa waren. Trotzdem gab es seit dem siebenten Jahrhundert Europäer, die Muslime als Feinde betrachtet haben. Die Beziehungen zwischen Muslimen und Europäern sind heute dennoch besser als zwischen Muslimen und Amerikanern. Europäer wissen mehr über den Islam. Die USA sind zwar offener, weil sie ein Einwanderungsland sind. Aber nach 9/11 hat sich die Situation verändert. Muslime werden seither besonders in den US-Medien gerne als große Gefahr dargestellt. (Das Interview führte András Szigetvari, DER STANDARD, Print, 25.6.2008)

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Cipf1 
19.11.2009 15:21

Gnädigste verkennen die Tatsachen. Nicht die Schrift ist die Basis. Die Auslegung machts, die Auslegung.
Nicht umsonst hat sich die römische Kirche dagegen gewehrt, dass die Bibel in Volkssprache - und somit von jedermann lesbar - veröffentlicht wird.
Diese "Vermittlertätigkeit", bzw. dieses "Monopol der Exegese" ist auch einer der Gründe für den Kampf zwischen Sunniten und Schiiten. So wie im christlichen Glauben.
Bescheuerte (alte) Männer!!!! Allesamt.

Marie Sandoz
08.07.2008 11:26
Fälschung der Tatsachen ist dieser Artikel, sonst nix.

Auch im Christentum strampeln sich die Frauen seit über 100 Jahren ab - und haben kaum Erfolge.

LadyDoolittle 
03.07.2008 07:45
Auch in der Bibel kann ich nichts über die Vorherrschaft der Männer lesen

Es gibt keinen Beweis, dass Jesus die Frauen als minderwertiger angesehen hat, ganz im Gegenteil.

Er hatte nach Berichten der Apostel nur männliche. Das läßt sich aber durch die gesellschaftliche Struktur und im Judentum erklären. Die Thora und der Talmud wurden von Rabbinern geschrieben und der Inhalt wurde von Rabbinern festgelegt, und entsprechen der damaligen patriarchischen Gesellschaft.

Marie Sandoz
08.07.2008 11:23
Schon einmal die Bibel gelesen?

Die Frau schweige in der Öffentlichkeit! (Paulus)

LadyDoolittle 
08.07.2008 12:13
Die Frau schweige in der Öffentlichkeit!

Erbitte Quellenangabe!!



Kapitel zwölf bis in die erste Hälfte von Kapitel 15:

Ein Drittel der namentlich Angesprochenen sind Frauen. Ein Anzeichen für die wichtige Rolle, die Frauen in der frühen Kirche Roms spielten.

Marie Sandoz
08.07.2008 12:51
1. Kor. 1, 34

Mulier taceat in ecclesia. Das Wort ecclesia heißt schlichtweg Versammlung, Volksversammlung, d.h. Frauen haben in der Öffentlichkeits nix zu melden.

Und über das Alte Testamament, immerhin ein heiliges Buch auch der Christen, wollen wir erst gar nicht reden.

Frauen waren im Christentum immer wichtig, weil Frauen eben wichtig sind. In der katholischen Kirche und im Islam sind sie aber noch immer Menschen zweiter Klasse.

Marie Sandoz
08.07.2008 14:37
Verzeihung, es ist 1,14,34

Ich hab mir noch einmal das griechische Original angeschaut: hai gynaikes en tais ekklesiais sigatosan. Die Frauen sollen in der Versammlung schweigen.

"ekklesia" ist die " (durch einen Herold) einberufene Versammlung" (zu ekkaleo) und bezog sich auf politische Versammlungen. Erst im Laufe der Geschichte des Christentums hat es die Bedeutung "Kirche" angenommen.

Cipf1 
19.11.2009 15:18

Also ich glaubs ihnen ja - dachte aber immer, das Original sei aramäisch???

fibiundchillie
30.06.2008 12:23

Ein sehr guter Thread zu einem der üblichen mittelmäßigen islam-ist-durch-nichts-zu-toppen-nur-die-ausführung-ist-murx-Artikel.

Pygar 
29.06.2008 18:44

In meiner Religion sind die Frauen den Männern überlegen. Das sind sie zwar generell, aber in der Gesellschaft ist das noch nicht so ganz in die Gehirne der konservativen, alten Männer durchgedrungen.

Mister Clever
13.07.2009 14:06

Was heißt überlegen?
Männer und Frauen haben unterschiedliche Eigenschaften, die ja auch dafür gedacht sind sich zu ergänzen.
Dont try to be an apple, if you are a banana. You'll always be a second rate apple.
Problematisch wird es, wenn Frauen so tun als wären sie Männer, weil sie sich in ihre eigene Geschlechtsrolle und die Aufgaben ihres Geschlechts als minderwertig betrachten.
Frauen müssen akzeptieren das sie eben Frauen sind und nicht versuchen Mann zu spielen. Außer vielleicht im Fasching.

Marie Sandoz
08.07.2008 14:39
Was ist das für eine Religion?

Das "Evangelium des Pythagoras"?

Gosp der Weise
27.06.2008 12:04

Warum ist Kokain verboten, aber die Religion legal?

Timagoras 
27.06.2008 13:26
weil

a) an religion wesentlich mehr menschen wesentlich mehr geld verdienen, und
b) wesentlich mehr regierende von religion abhängig sind, als von kokain ...

a grünes stricherl 
09.07.2008 10:23
bei manchen drängt sich der gedanke auf dass sie von beidem abhängig sind

Besian Kosova   
25.06.2008 18:49
Bibel, Koran und gesetz...

Ich denke dass die frauen sind gleichberechtigt im Bibel und Koran, aber gesetzlich, sie haben die chance zu dominieren in diese Welt, warum sie nutzen nicht sein intelligenz ?!!!

a grünes stricherl 
30.06.2008 13:35
wo genau steht das denn?

Kendall Von Tharn
26.06.2008 09:40

wieso steht dann was anderes im AT/NT und quran?

el diletanto
25.06.2008 18:18

ich glaub mit dem koran kann man auch alles in mindestens 2 verschiedene richtungen erklären - irgendwie wie bei der relativitätstheorie...

gerhard maierhofer 
25.06.2008 18:30

die relativitätstheorie ist eindeutig in ihren aussagen.
(sonst wär sie auch nicht experimentell überprüfbar)

bitte keine seriösen wissenschaften mit religionen auf eine stufe stellen ;-)

was stimmt ist das man unterschiedliche zugänge zur herleitung verwenden kann.

Name d. Redaktion bekannt
25.06.2008 16:48
Heiliger Koran, Sure 4, Vers 34

Die Männer stehen den Frauen in Verantwortung vor, weil Allah die einen vor den anderen ausgezeichnet hat und weil sie von ihrem Vermögen hingeben. Darum sind tugendhafte Frauen die Gehorsamen und diejenigen, die (ihrer Gatten) Geheimnisse mit Allahs Hilfe wahren. Und jene, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet: ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie! Wenn sie euch dann gehorchen, so sucht gegen sie keine Ausrede. Wahrlich, Allah ist Erhaben und Groß.

tiuri 
02.07.2008 01:40
feministInnen im islam würden entgegnen:

dass es im koran stellen gibt, die wörtlich zu nehmen sind und manche stellen eben nicht, die dann geschichtliche hinweise sind.

ich denke mal, dass es sich hierbei um eine geschichtliche stelle handelt. denn in dieser sure 4 geht es zumindest ca. bis vers 43 um frauen und vermögen. geregelt ist hier das erben und die verwaltung genauso wie die erlaubnis oder das verbot zu heiraten in der damaligen gesellschaft.

kurz: die herrschaft der männer über die frauen ist in der damaligen gesellschaft dadurch legitimiert worden, weil männer diejenigen waren, die das geld verwalteten. die frauen von ihnen abhängig waren. ein stück weit delegitimiert diese sure diese tradition, gleichzeitig kann sie aber seine zeit nicht vollständig überwinden.

seebas
25.06.2008 18:58

ja, aber das heißt nicht, dass eine gleichberechtigte partnerschaft unmöglich ist.

Timagoras 
26.06.2008 01:05
"ja, aber das heißt nicht, dass eine gleichberechtigte partnerschaft unmöglich ist"


es heißt auch nicht, dass ein glückliches leben in Tschetschenien, Afghanistan, Birma, Simbabwe, im Irak oder in Gaza unmöglich ist.

trotzdem würde ich nicht freiwillig mein durchschnittsleben in mitteleuropa gegen ein durchschnittsleben dort tauschen wollen ...

MarioV 
26.06.2008 15:19

Aber wie ist das mit dem Leben in einem reichen Golfstaat wo ausländische Hilfskräfte die Arbeit erledigen und die Scheichs weil sie nicht wissen wohin mit dem Geld ihren Untertannen die Telefonrechnungen bezahlen und wo Polizisten einem die Windschutzscheibe putzen?

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