In "Stichwortgeberinnen" werden Vorbilder für Frauen vorgestellt und einem "konservativen Feminismus" das Wort geredet
"Die "konservative Frauenpolitik", es gibt sie - folgt man den HerausgeberInnen des Buches "Stichwortgeberinnen", das im Juni im ÖVP-Verlag „Noir" erschienen ist. Porträtiert werden darin 14 herausragende Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, die allesamt mit einer konservativen Agenda im weitesten Sinn ausgestattet sind.
"Spannender Begriff"
Zuletzt trat der "konservative Feminismus" ja in Deutschland in Erscheinung, als Familienministerin Ursula von der Leyen ihn als "spannenden Begriff" für ihre eigene politische Linie zur Diskussion stellte. Mit den ausgewählten Lebensläufen im Buch "Stichwortgeberinnen" wollen die HerausgeberInnen nun dem wenig akzentuierten Begriff Leben einhauchen: Maria Schaumayer, Österreichs erste Nationalbankpräsidentin, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, Ursula von der Leyen, die neoliberale Vordenkerin Ayn Rand und US-Außenministerin Condoleezza Rice zählen ebenso zu den Porträtierten wie Erika Weinzierl und Schwester Maria Restituta. Was eint alle diese Frauen?
Für Christian Moser, der das Buch gemeinsam mit Carmen Wappel konzipiert hat, liegt der rote Faden bei der Auswahl in den eigenständigen Lebenswegen, die die porträtierten Frauen gegangen sind. "Die Auswahl ist bewusst heterogen, aber sie alle können als Vorbilder für Frauen verstanden werden," erklärt er gegenüber dieStandard.at Dass dabei sehr unterschiedliche politische und moralische Vorstellungen nebeneinander stehen, stört demnach nicht.
Rosa Faden
Wenngleich die porträtierten Frauen nicht immer direkt auf Emanzipation oder ihre Stellung als Frau in der Gesellschaft Bezug nehmen, ergibt sich für die aufmerksame LeserIn doch ein rosa Faden, was das Menschenbild dieser Vorbilder betrifft. Viel ist von Leistung die Rede, von Leistungsbereitschaft und dem Glauben in die eigenen Fähigkeiten. Maria Schaumayer lehnt Frauenquoten etwa als "leistungsfeindlich" ab, auch wenn sie sonst Fördermaßnahmen für Frauen begrüßt.
Meint konservativer Feminismus also, dass Frauen alles erreichen können, wenn sie nur genug Leistung und das nötige Selbstvertrauen mitbringen? Moser will die strukturelle Dimension von weiblicher Diskriminierung nicht ignorieren, aber: "Den strukturellen Zwängen können Menschen mit Eigenständigkeit ein Stück weit entfliehen. Das beweisen ja die Lebensläufe dieser Frauen." Außerdem sei der Leistungsbegriff im Buch sehr weit gefasst, also nicht nur auf Geld und Karriere bezogen: "Wenn Frauen entscheiden, ins Kloster zu gehen oder nur für ihre Familie dazusein, dann ist das in unseren Augen genauso eine Leistung," so Moser.
Den Druck nehmen
Frauen den Druck zu nehmen, in allen gesellschaftlichen Feldern "top" zu sein, also neben der perfekten Karriere auch noch die liebende Mutter und Ehefrau geben zu müssen, sei dabei entscheidend. Ob dieser Anspruch allerdings durch die Auflistung herausragender Persönlichkeiten erfüllt werden kann, bleibt fraglich.
"Stichwortgeberinnen" bietet eine leicht lesbare Innenansicht über Vorbilder im konservativen Gewand. Ein stärkerer Fokus auf Geschlechterbilder hätte die Lektüre bereichert zur Klärung der Frage, was "konservativer Feminismus" eigentlich sein soll. Das partnerschaftliche Geschlechterverhältnis, wie im Vorwort als Charakteristikum angeführt, kann es nicht allein sein ... schließlich ist es den anderen Feminismen auch nie um die Unterwerfung der XYler gegangen. (Ina Freudenschuß, dieStandard.at, 29.6.2008)
Stichwortgeberinnen
14 Porträts erfolgreicher Frauen aus Politik und Wirtschaft
edition noir
Wien 2008
ISBN: 978-3-9502494-9-1