Zum Glück als Mädchen geboren

Dagmar Buchta, 15. Juli 2008, 17:37
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    Geboren am 14. Juli 1858 in Manchester
    Gestorben am 14. Juni 1928 in London

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    Emmeline Pankhurst ist mehrmals verhaftet worden.

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    Die Suffragettenführerin bei einer Rede 1908

Dieser Tage hätte die berühmte englische Suffragette Emmeline Pankhurst ihren 150. Geburtstag gefeiert - ein Porträt

Emmeline Pankhurst schreckte vor nichts zurück und nahm vieles in Kauf, wenn es um die Durchsetzung von Frauenrechten gegangen ist. So scheint es jedenfalls aufgrund des überlieferten Materials. Sie störte Wahlkampagnen konservativer Politiker, belagerte den Sitz des Premierministers, verfasste Petitionen für das Frauenwahlrecht, forderte gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit genauso wie Gleichberechtigung für Frauen im Ehe- und Scheidungsrecht. Und sie schwang Aufsehen erregende Reden. Politisches Engagement, das an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert extrem außergewöhnlich und mutig gewesen ist.

Freiheitsstrafen waren die Antwort des rigigen männerbündischen Systems. Emmeline Pankhurst war fünfzig, als sie zum ersten Mal wegen Störung der öffentlichen Ordnung inhaftiert worden ist. In der Folge passierte ihr das noch öfter, manchmal sogar vorsorglich.

"Women's Social and Political Union"

1903 gründete sie gemeinsam mit ihren Töchtern Christabel und Sylvia ihre eigene "Women's Social and Political Union". "Die Pankhursts ... sind wohl die einzige Dynastie, die der Feminismus hervorgebracht hat", schreibt Luise F. Pusch im "Berühmte Frauen Kalender 2008". Und zählt auch den um vierundzwanzig Jahre älteren Ehemann Emmelines, den Anwalt Richard Pankhurst, dazu. Denn auch dieser gilt als Verfechter des Frauenwahlrechts. Geheiratet haben sie 1879 und dann  fünf Kinder bekommen.

Der Keim für ihren ausgeprägten Gerechtigkeitssinn wurde schon früh gesät. Als sie sechs Jahre alt war, hörte sie ihren Vater sagen: "Wie schade, dass sie nicht als Junge geboren wurde. "Dabei waren beide Elternteile durchaus liberal, führten mit ihren FreundInnen heftige politische Debaten, auch über die Rollen der Geschlechter. Emmelines Mutter nahm sie zu Versammlungen mit, gab ihr die "Zeitschrift für Frauenwahlrecht" zu lesen und bald bezeichnete sich Emily - sie war gerade vierzehn geworden -  selbst als Suffragette.

Ab ihrem fünfzehnten Lebensjahr besuchte sie die Ecole normale in Paris, wo sie neben Sprachen  auch Unterricht in Chemie und Buchhaltung erhielt, was damals für Mädchen absolut ungewöhnlich gewesen ist. Emmeline fühlte sich sehr wohl in dieser fortschrittlichen Schule, und die Lehrerinnen und Mitschülerinnen bestärken sie in ihren feministischen Ideen. Mit der Überzeugung, nur das Frauenwahlrecht könne die sozialen Missstände beseitigen, kehrte sie nach England zurück. Sie war der Meinung, Frauen können Elend sehen, das Männer übersehen: Von ihren Herren geschwängerte und dann auf die Straße gesetzte Dienstmädchen, die als ledige Mütter keine Arbeit mehr finden,   Ehefrauen unter der Vormundschaft des Mannes und vieles mehr ...

Als Richard Pankhurst starb, blieb sie mit einem Schuldenberg zurück. Sie veruchte, der Geldnot mit einer Boutique Abhilfe zu verschaffen. Danach nahm sie eine Stelle als Standesbeamtin an, um die vier Kinder - einer der Söhne war an Diphterie gestorben - zu ernähren. Doch in jeder freien Minute kämpfte sie weiterhin für das Frauenwahlrecht. 

Zäsur mit dem Ersten Weltkrieg

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs kam es zu einer Zäsur. Emmeline hietl es für ihre patriotische Pflicht, alle Kräfte dem "Vaterland" zur Verfügung zu stellen. So vereinbarte sie einen "Waffenstillstand" zwischen den Frauen und der Regierung.

Die Zeit danach wird in den Biografien sehr undurchschaubar und unterschiedlich beschrieben und es sieht danach aus, als ob ihr Leben eine Wende genommen hätte. Im Jahr 1917 gründete sie eine neue Partei, die "Women's Party", die feministische Programmpunkte mit faschistischen wie "Rassereinheit" verband. Sie hielt Vorträge in den USA und Kanada und beteiligte sich an einer Kampagne gegen Geschlechtskrankheiten. Zurück in England trat sie der konservativen Partei bei und wurde als Kandidatin aufgestellt. 

Emmeline Pankhurst konnte die Einführung des Frauenwahlrechts zwar noch erleben, aber nicht mehr davon Gebrauch machen. Sie starb einen Monat vor ihrem 70. Geburtstag in London.
(dabu/dieStandard.at 16.07.2008)

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14 Postings
Amy4
01
12.4.2009, 21:40
Zum Glück als Mädchen geboren

Was für eine phantastische und mutige frau! Auch diese vielen frauen der ersten frauenbewegung hatten immensen mut und courage.
"Die militanz der männer hat durch die jahrhunderte die welt mit blut getränkt, und für diesen Horror, diese Zerstörung sind sie mit denkmälern, großen gesängen und epen belohnt worden. Die militanz von frauen hat nur das leben derjenigen bedroht, die diesen gerechten kampf gekämpft haben. Nur die zeit wird offenbaren, welcher lohn den frauen zugeordnet werden wird." Emmeline Pankhurst

Der Hasenflüsterer
00
19.7.2008, 02:53
Ist das die Urgroßmutter der Panks? Also der Pankinnen?

angie bernold
01
16.7.2008, 17:08
Und wenn sie nicht gestorben wäre...


Ja, die Frau Pankhurst "hätte ihren 150. Geburtstag gefeiert"...
...wenn nicht was? ...wenn sie nicht mit 69 Jahren gestorben wäre...?

Statt sie im Konjunktiv feiern zu lassen, könnte man auch schreiben: Wir feiern heute ihren 150. Geburtstag. Klingt auch besser.

Aber diese an Karl Valentin erinnernde Witz-Phrase mit "hätte gefeiert..." hat sich offenbar endgültig durchgesetzt.

Markus H.
 
04
16.7.2008, 11:46

"Emmeline Pankhurst schreckte vor nichts zurück und nahm vieles in Kauf, wenn es um die Durchsetzung von Frauenrechten gegangen ist. Sie störte Wahlkampagnen konservativer Politiker, belagerte den Sitz des Premierministers, verfasste Petitionen für das Frauenwahlrecht ... "

Es stimmt, diese Dame hat vor nichts zurückgeschreckt. Die Freiheitsstrafe erhielt sie übrigens als Drahtzieherin eines Bombenanschlags.

Heute würde man die Dame einfach unter Terroristin einordnen.

ruzika
30
16.7.2008, 15:25
mit ihrem schluss mögen sie vielleicht recht haben.

"heute" ist man aber "einfach" schon ein terrorist, wenn man die falschen leute trifft und dabei das handy ausschaltet.

Markus H.
 
04
16.7.2008, 16:19

Brandstiftungen, Bombenanschläge und Anschläge auf öffentliche Einrichtungen sind schon ein ganz klein bisserl was anderes!

dermartino
01
16.7.2008, 07:06

sehr interessant. Ich hab von der Frau noch nie gehört, obwohl ich in dem Zusammenhang schon ein paar Namen gehört habe... aber immer nur die Linken, weil meine diesbezügliche Information halt aus linken Kreisen kommt. Da muss ich glatt mal nachfragen, was sie von Frau Pankhurst halten. Ich selbst bin kein glühender Feminist, sonst würde ich sie wohl kennen.

Jane Lane
 
11
16.7.2008, 12:51
BITTE

Frag "die Linken" - und zwar alle auf einmal! XD

dermartino
00
16.7.2008, 19:22

das wird schwierig... ich seh aber auch nach nochmaligem Durchlesen nicht, wo ich geschrieben hab, dass ich mich auf "die Linken" beziehe. Meine Info bezüglich Feminismus kommt aus linken Kreisen.. nicht mehr, nicht weniger

merz1
 
00
16.7.2008, 23:15

ja genau böse böse emmelie...das gehört ja auch mal richtig gestellt, wo kommen wir denn hin wenn alle ünterdrücken auf die pauke-verzeihung-mit der bombe hauen würden. dabei sind wir ja sooo offen, menschen die diskriminiert werden...und bitte beschwerden in zukunft nur im parfümierten briefumschlag mit kaffespende...ups...bin ich sarkastisch? oder gar ein terrorist? bitte tausendmal um entschuldigung...wie konnt ich nur

ernst-rosmer
 
02
17.7.2008, 16:54

der lebenslauf der dame hört sich nicht gerade wie der eines benachteiligten kindes aus diskriminierten bevölkerungskreisen an.

übrigens: die meisten bombenbauer stammen aus "besseren familien" und beziehen irgendwoher nicht selbst erarbeitetes geld, mit dessen hilfe sie ihren luxuriösen anschauungen anhängen können. wer selbst in der wertschöpfungskette front, mag das system verfluchen und gegen es ankämpfen, kennt aber den schmerlichen wert der arbeit zu gut, um einfach mal so was in die luft sprengen zu wollen.

das sind alles verantwortungslose luxusphantasien überversorgter prinzessinnen (und prinzen).

merz1
 
10
18.7.2008, 21:09

na allerhand wie sie sich in dem punkt auskennen. ich muß sagen-ich hab nichts gegen ein revoluzzer prinz oder prinzesschen. die dame war im feministin und eben nicht gegen die abschaffung von klassifizierung im bezug auf ökonomische bedingungen aktiv...

ernst-rosmer
 
00
19.7.2008, 13:13

eben: es geht nicht um gerechtigkeit, gleiche rechte für alle o.ä., sondern um die selbstverwirklichung der sowieso schon besser gestellten.

dafür kann frau natürlich sein. nur möge es dann bitte mit offenen, ehrlich worten auch so bezeichnet werden: mehr rechte für die bessergestellten! dann weiß der rest der menschheit wenigstens bescheid.

merz1
 
00
23.7.2008, 11:53

ja das stimmt-oft setzten sich menschen vorallem dort ein wo sie selbst diskriminiert werden. ihrer bitte die eigene position in hierarchisierungen offen zu legen wird bsw teilweise im rahmen der cultural studies rechnung getragen. weil es eben leider einen großen unterschied macht ob jmd bsw "weiß" oder "schwarz", "mann" oder "frau", hetero oder schwul usw ist. ihre kritik an weißen feministischen frauen der mittelschicht, wurde längst artikuliert-von schwarzen frauen. für die mehrfachverschränkung von identitäten bietet sich der begriff intersectionalität an. "wir" sind immer eine mehrfachverschränkung diverser identitäten die einem ständigen wandel unterzogen sind.

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