Ganz schön tief - in der Hochkultur

von Beate Hausbichler  |  21. Juli 2008, 17:51
  • Artikelbild: Veronica Ferres als Buhlschaft... - Foto: Foto: AP/ ANDREAS SCHAAD

    Veronica Ferres als Buhlschaft...

  • Artikelbild: und Nina Hoss. - Foto: APA / Hans Klaus Techt

    und Nina Hoss.

Die Salzburger Festspiele halten es mit dem "Jedermann" gern traditionell - Fürs Auge muss aber was Frisches her - Kommentar

Am 27. Juli ist es wieder soweit, ein weiteres Mal - seit 1920 - wird es bei den Salzburger Festspielen die Premiere von "Jedermann" geben. Immer gleich das Stück, seit 2002 der immer gleiche Hauptdarsteller Peter Simonischek, immer gleich auch das Publikum, das das Stück teilweise schon mitsprechen kann. Klingt langweilig - ist es wahrscheinlich auch.

Nur eine Sache soll und kann Pepp in die Hochkultur-Lethargie bringen: Die Rolle der Buhlschaft. Wenigstens irgendetwas Frisches, Fesches soll dem Festspielpublikum geboten werden.

Auch wenn sich man/frau nicht für das Spektakel in Salzburg interessiert, ist ein Entkommen der alljährlichen Freude über "die neue Buhlschaft" nicht garantiert. Die Schauspielerinnen, die die Buhlschaft spielen, werden meist im ein- bis zwei Jahresrhythmus ausgetauscht. Insgesamt gab es, inklusive der Heurigen, 29 Buhlschaften. Jedermänner nur 14.

Letztes Jahr war es Marie Bäumer, davor zwei Jahre Nina Hoss, heuer ist es Sophie von Kessel. Über die große Aufmerksamkeit wunderte sich auch letztes Jahr Marie Bäumer: "Die Größe der Rolle und die Aufmerksamkeit, die sie bekommt, stehen in keinem Verhältnis". Die Aufmerksamkeit gilt auch nicht wirklich der Rolle, vielmehr wendet man sich im Zusammenhang mit der Rolle der Geliebten des Jedermanns Fragen wie "Wie wichtig ist es als Buhlschaft, sexy zu sein?" oder "Welches Kleid wird die neue Buhlschaft tragen?" zu.

"Wild und jung"

Alibihalber wird auch danach gefragt, wie denn die jeweilige Schauspielerin die Buhlschaft anlege. Hier scheint es auch für die Schauspielerinnen selbst das Einfachste zu sein auf Stereotype zurückzugreifen: Vielleicht als "junge, wilde Frau", oder die "Verkörperung von Natur und schierem Leben", so Bäumer letztes Jahr.

Zudem wird auf diese Schauspielerinnen als Personen all das projiziert, was sie in der Rolle darstellen. So nicht bei Peter Simonischek. Er spielt in "Jedermann" einen reichen Mann, der dem Tod (vorläufig) von der Klinge springt, um sich Gott wieder zu- und von seinen materialistischen Werten abzuwenden. Dennoch wird Simonischek in Interviews nicht ständig zu seinem Verhältnis zu Kapitalismus oder Religion befragt.

Während es ihm erspart bleibt, jedes Jahr als "Geldsack" - den er im Stück verkörpert - inszeniert zu werden, werden die Schauspielerinnen in Interviews gern zu Kleidern, "Weiblichkeit", Sinnlichkeit und Erotik befragt. Über "die Neue" Sophie von Kessel meinte der Schauspielchef Oberender, sie sei "sinnlich, weich, warm und intelligent", und sie sei trotz blonder Haare und blauer Augen mehr wie ein "cooles Model als eine Jedermann-kompatible dralle Blondine". Ganz schön tief - in der Hochkultur. (beaha, dieStandard.at, 21.7.2008)

 

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17 Postings
Dr.mumunator
06.01.2009 10:09
Wenn ma sunst nix hot

über des ma si aufregen konn, göll?

el diletanto
29.12.2008 20:55

bitte... "Frisches, Fesches", "jung, wild" --> jetzt tuts net so als wär die neue buhlschaft immer irgendeine 17-jährige... die gute frau Sophie von Kessel is 40 jahre alt...

oder sollt lieber die Ott die buhlschaft spieln? sind die emanzen in dem land dann glücklicher?

rinius ante portas 
03.09.2008 17:03
"man/frau" --- Ganz schön tief - in der Hochkultur!

Vielleicht sollte die Autorin, die meint, in ihrem Kommentar "man/frau" benutzen zu müssen, sich doch mal darüber informieren, was das Wort "man" überhaupt für eine Bedeutung bzw. Herkunft hat: Das Wort kommt nämlich von dem althochdeutschen "Manus", was schlicht weg Mensch heißt.
Oder will uns die Autorin sagen, dass es Menschen und Frauen gibt?
Dann sind Frauen wohl keine Menschen?

Dieser Kommentar zeigt einmal mehr, welche seltsamen Blüten Dummheit hervorbringt. Zumindest sollte die Autorin soviel Weitblick besitzen, dass sie - wenn schon, denn schon - "mann/frau" schreibt. Das ändert dann aber auch nichts daran, dass diese ganze "pseudo-korrekte Gendersprache" hochgradiger, meist nur peinlicher Unsinn ist.

Rosie Bauer
31.12.2008 11:34

Dein Kommentar bringt vor lauter Dummheit leider nichteinmal eine seltsame Blüte hervor...

Beiddenker
01.01.2009 12:02
Naja, zumindest Ihr Posting wurde hervor gebracht und ...

... das ist mehr, als nur eine seltsame Blüte.

rinius ante portas 
31.12.2008 12:12

Wer keine Argumente hat, wird mal eben beleidigend, hm?

pick dame
01.01.2009 11:22

"hochgradiger peinlicher unsinn" ist nicht beleidigend? und dein eigener unsinn wird nicht wahrer, nur weil er in diesem forum täglich 30 mal gepostet wird.
ein hoch der gendergerechten sprache.

rinius ante portas 
01.01.2009 18:41

Natürlich kommt das Wort "man" aus dem althochdeutschen manus, also von Mensch!
Und tatsächlich trägt dieser ganze Unsinn mit der "gendergerechten" Schreibweise bisweilen merkwürdige Züge; einige Ihrer Glaubensgenossinnen (sic!) meinen ja sogar, man müsse MenschInnen schreiben, du wahrscheinlich auch, hm?

Mac Smith
23.07.2008 10:47
Ich muß überlesen haben, daß eine der Schauspielerinnen zur Teilnahme gezwungen wird/wurde.

Anders macht der Artikel aber leider keinen Sinn.

QUOD LICET BOVI NON LICET JOVI 
22.07.2008 19:20

Das ist auch irgendwie eine Frage der Höflichkeit:

"Frau Hoss, ihre Befähigung zur Buhlschaft hüpft mir ja förmlich ins Auge!"

...kann man noch als Kompliment missverstehen, während...

"Herr Simonitschek, sie werden dem alten Sack, den sie spielen, von Jahr zu Jahr ähnlicher."

...obwohl inhaltlich völlig korrekt, keinen geeigneten Interviewansatz darstellt.


Hubert Hawkins
22.07.2008 14:39
Tod von der Schippe

Wenn man behauptet, Jedermann springe dem Tod von der Schippe, dann hat man das Stück nicht gesehen oder nicht verstanden.

Dass sich reiche alte Knacker jüngere Geliebte leisten scheint mir noch das zeitgemäßeste an dem Stück. Und man kann rein biologisch länger ein alter Knacker sein als eine junge Geliebte.

seebas
22.07.2008 12:57

grundsätzlich ist es schon gut, die buhlschaft sexy zu besetzen - so soll es sein. die peinlichkeit und der skandal ist die niveaulosigkeit der notgeilen (orf)berichterstattung, die hier kritisch aufgezeigt wird.

ernst-rosmer 
21.07.2008 18:49

schlage gender-korrekte inszenierung vor: die buhlschaft kann von einem 60-jährigen männlichen fettsack verkörpert werden, der reiche mann von einem girlie im madonna-stil, der teufel von einem sechs-jährigen knaben mit amor-flügeln und die mutter von einem ziegenkäseförmigen roboter mit froschstimme. dann gibts keine stereotypen zuschreibungen mehr und das publikum kann unbelastet von seinen eigenen vorurteilen hofmannsthal wahre intentionen genderkorrekt genießen.

Endgegner 
22.07.2008 15:57

omg /golfclap

pretty1
22.07.2008 08:18
Progressiv, progressiv !! Cool !

nina hagen von tronje
22.07.2008 12:24
dasselbe gefühl beschlich mich

bei Ostermayers "hamlet" von Avignon, gesehen auf arte.... dort war es so, schien mir (leider hab ich nicht länger als 3x 5 minuten ausgehalten - deswegen wage ich nicht auf dem richtigen thread zu posten).

nina hagen von tronje
22.07.2008 01:03
seichtigkeit mit leichtigkeit.

die oberflächlichsten, nichtssagendsten und vorhersehbarsten interviews (mit den plattesten reduktionen auf vorurteile und stereotypien) wurden/werden - in der überzahl - ausgerechnet von welchem geschlecht geführt?

interessant auch noch für welche zielgruppenmedien?

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