
Veronica Ferres als Buhlschaft...

und Nina Hoss.
Am 27. Juli ist es wieder soweit, ein weiteres Mal - seit 1920 - wird es bei den Salzburger Festspielen die Premiere von "Jedermann" geben. Immer gleich das Stück, seit 2002 der immer gleiche Hauptdarsteller Peter Simonischek, immer gleich auch das Publikum, das das Stück teilweise schon mitsprechen kann. Klingt langweilig - ist es wahrscheinlich auch.
Nur eine Sache soll und kann Pepp in die Hochkultur-Lethargie bringen: Die Rolle der Buhlschaft. Wenigstens irgendetwas Frisches, Fesches soll dem Festspielpublikum geboten werden.
Auch wenn sich man/frau nicht für das Spektakel in Salzburg interessiert, ist ein Entkommen der alljährlichen Freude über "die neue Buhlschaft" nicht garantiert. Die Schauspielerinnen, die die Buhlschaft spielen, werden meist im ein- bis zwei Jahresrhythmus ausgetauscht. Insgesamt gab es, inklusive der Heurigen, 29 Buhlschaften. Jedermänner nur 14.
Letztes Jahr war es Marie Bäumer, davor zwei Jahre Nina Hoss, heuer ist es Sophie von Kessel. Über die große Aufmerksamkeit wunderte sich auch letztes Jahr Marie Bäumer: "Die Größe der Rolle und die Aufmerksamkeit, die sie bekommt, stehen in keinem Verhältnis". Die Aufmerksamkeit gilt auch nicht wirklich der Rolle, vielmehr wendet man sich im Zusammenhang mit der Rolle der Geliebten des Jedermanns Fragen wie "Wie wichtig ist es als Buhlschaft, sexy zu sein?" oder "Welches Kleid wird die neue Buhlschaft tragen?" zu.
"Wild und jung"
Alibihalber wird auch danach gefragt, wie denn die jeweilige Schauspielerin die Buhlschaft anlege. Hier scheint es auch für die Schauspielerinnen selbst das Einfachste zu sein auf Stereotype zurückzugreifen: Vielleicht als "junge, wilde Frau", oder die "Verkörperung von Natur und schierem Leben", so Bäumer letztes Jahr.
Zudem wird auf diese Schauspielerinnen als Personen all das projiziert, was sie in der Rolle darstellen. So nicht bei Peter Simonischek. Er spielt in "Jedermann" einen reichen Mann, der dem Tod (vorläufig) von der Klinge springt, um sich Gott wieder zu- und von seinen materialistischen Werten abzuwenden. Dennoch wird Simonischek in Interviews nicht ständig zu seinem Verhältnis zu Kapitalismus oder Religion befragt.
Während es ihm erspart bleibt, jedes Jahr als "Geldsack" - den er im Stück verkörpert - inszeniert zu werden, werden die Schauspielerinnen in Interviews gern zu Kleidern, "Weiblichkeit", Sinnlichkeit und Erotik befragt. Über "die Neue" Sophie von Kessel meinte der Schauspielchef Oberender, sie sei "sinnlich, weich, warm und intelligent", und sie sei trotz blonder Haare und blauer Augen mehr wie ein "cooles Model als eine Jedermann-kompatible dralle Blondine". Ganz schön tief - in der Hochkultur. (beaha, dieStandard.at, 21.7.2008)
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Vielleicht sollte die Autorin, die meint, in ihrem Kommentar "man/frau" benutzen zu müssen, sich doch mal darüber informieren, was das Wort "man" überhaupt für eine Bedeutung bzw. Herkunft hat: Das Wort kommt nämlich von dem althochdeutschen "Manus", was schlicht weg Mensch heißt.
Oder will uns die Autorin sagen, dass es Menschen und Frauen gibt?
Dann sind Frauen wohl keine Menschen?
Dieser Kommentar zeigt einmal mehr, welche seltsamen Blüten Dummheit hervorbringt. Zumindest sollte die Autorin soviel Weitblick besitzen, dass sie - wenn schon, denn schon - "mann/frau" schreibt. Das ändert dann aber auch nichts daran, dass diese ganze "pseudo-korrekte Gendersprache" hochgradiger, meist nur peinlicher Unsinn ist.
Natürlich kommt das Wort "man" aus dem althochdeutschen manus, also von Mensch!
Und tatsächlich trägt dieser ganze Unsinn mit der "gendergerechten" Schreibweise bisweilen merkwürdige Züge; einige Ihrer Glaubensgenossinnen (sic!) meinen ja sogar, man müsse MenschInnen schreiben, du wahrscheinlich auch, hm?
Das ist auch irgendwie eine Frage der Höflichkeit:
"Frau Hoss, ihre Befähigung zur Buhlschaft hüpft mir ja förmlich ins Auge!"
...kann man noch als Kompliment missverstehen, während...
"Herr Simonitschek, sie werden dem alten Sack, den sie spielen, von Jahr zu Jahr ähnlicher."
...obwohl inhaltlich völlig korrekt, keinen geeigneten Interviewansatz darstellt.
Wenn man behauptet, Jedermann springe dem Tod von der Schippe, dann hat man das Stück nicht gesehen oder nicht verstanden.
Dass sich reiche alte Knacker jüngere Geliebte leisten scheint mir noch das zeitgemäßeste an dem Stück. Und man kann rein biologisch länger ein alter Knacker sein als eine junge Geliebte.
schlage gender-korrekte inszenierung vor: die buhlschaft kann von einem 60-jährigen männlichen fettsack verkörpert werden, der reiche mann von einem girlie im madonna-stil, der teufel von einem sechs-jährigen knaben mit amor-flügeln und die mutter von einem ziegenkäseförmigen roboter mit froschstimme. dann gibts keine stereotypen zuschreibungen mehr und das publikum kann unbelastet von seinen eigenen vorurteilen hofmannsthal wahre intentionen genderkorrekt genießen.
die oberflächlichsten, nichtssagendsten und vorhersehbarsten interviews (mit den plattesten reduktionen auf vorurteile und stereotypien) wurden/werden - in der überzahl - ausgerechnet von welchem geschlecht geführt?
interessant auch noch für welche zielgruppenmedien?
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