
Etwa 300 "LebensschützerInnen" nutzten den Tag vor der Festspieleröffnung, um gegen Abtreibungen am Salzburger Landeskrankenhaus zu demonstrieren.


Salzburg - "Das ist heute keine Demonstration, das ist ein Gedenkzug. Lassen Sie sich nicht von Passanten in Gespräche verwickeln, versuchen Sie nicht, andere Menschen zu überzeugen, das ist heute nicht unser Thema." - Die Stimme aus dem Lautsprecher begleitet die Vorbereitungen am Salzburger Domplatz. Hinter der Jedermann-Tribüne laden zwei grauhaarige Männer weiße Holzkreuze aus einem Lieferwagen mit Münchner Kennzeichen. Etwa 300 TeilnehmerInnen, vorwiegend über 60 Jahre alt, formieren sich in Zweierreihen hinter einer Holztafel mit einem Gemälde der schwangeren "Maria von Guadalupe". Einige haben Bilder von Embryos und Säuglingen mit.
"1000 Ungeborene jeden Tag"
Im Internet war schon Wochen vorher für den "1000-Kreuze-Marsch" am Freitagnachmittag in Salzburg mobilisiert worden. Ähnliche Veranstaltungen gibt es schon seit einiger Zeit in England und Deutschland. Die Botschaft der Aufmärsche ist klar: "1000 Ungeborene jeden Tag", verkündet ein Spruchband in Rot auf Schwarz, das quer über den Demonstrationszug gespannt ist. Weniger klar ist, wie die VeranstalterInnen - der Münchner Verein "EuroProLife" - auf die Zahl 1000 kommen. In Salzburg fanden sie aber ohnehin mit etwa 200 Kreuzen das Auslangen.
"Unkultur des Todes"
Der Marsch setzt sich in Begleitung von einer Handvoll PolizistInnen in Bewegung, am Festspielhaus vorbei, an der Salzach entlang bis zum Landeskrankenhaus im Stadtteil Mülln. Am Gehsteig an der Einfahrt knien die KreuzträgerInnen nieder. "Wir bitten stellvertretend für all jene, die sich für eine Unkultur des Todes einsetzen, um die Bekehrung der Herzen, für alle Abtreiber, für alle schwangeren Mütter in Not, für alle Verwundeten durch Abtreibung, für die Politiker knien wir uns nieder und sprechen im Geiste mit Jesus zusammen am Kreuz: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun", hallt es aus dem Lautsprecher.
Landeshauptfrau als Feindbild
Im Landeskrankenhaus gibt es auf Initiative der Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) seit 2005 jeden Samstag für bis zu 15 Frauen die Möglichkeit, in einer Außenstelle des Wiener Ambulatoriums "Gynmed" einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen. Burgstaller ist seither eines der Lieblingsfeindbilder von AbtreibungsgegnerInnen. Auf der Website gloria.tv (Motto: "the more catholic the better"), die unter anderem einen Videoaufruf für den Marsch in Salzburg publizierte, kursiert ein Video, in dem Bilder von Burgstaller mit solchen toter Embryos zusammengeschnitten sind. Im Hintergrund erklingt das Wienerlied "Die oide Engelmacherin". gloria.tv ist in Moldawien registriert, was rechtliche Verfolgung deutlich erschwert.
Laun lässt sich nicht beeindrucken
Auf dem Rückweg vom Landeskrankenhaus, am Müllner Steg, treffen die AbtreibungsgegnerInnen auf eine kleine Gegenkundgebung. Einige Jugendliche halten ein Plakat mit dem Text "Hätte Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben". „Das ist ja ekelhaft!", entfährt es einem älteren Herrn mit weißen Haaren. Ansonsten gibt es an diesem Nachmittag keine echten Zusammenstöße. Salzburgs Weihbischof Andreas Laun, der am Marsch teilnimmt, wird mit "Laun muss weg!" begrüßt. Er gibt sich unbeeindruckt.
Gegenkundgebung im Zentrum
Eine Kundgebung für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch findet zeitgleich auf dem Alten Markt im Zentrum statt. Ein Plakat mit der Silhouette einer Schwangeren verkündet: "Könnten Männer schwanger werden, wär Abtreibung längst ein Grundrecht." Ein anderes rechnet vor, dass 77 Prozent aller Anti-Abtreibungs-KämpferInnen Männer seien. Nachsatz: "100 Prozent davon werden nie schwanger sein."
Monatliche "Vigil" vor dem Krankenhaus
Eine der etwa 15 AktivistInnen am Alten Markt ist Niki. Sie beobachtet die Proteste gegen die Abtreibungen im Landeskrankenhaus schon länger, sagt sie. Jeden ersten Samstag im Monat würden sich vor dem Spital zehn bis zwanzig AbtreibungsgegnerInnen zu einer "Vigil" versammeln. Dabei komme es "immer wieder" vor, dass jungen Frauen, die auf dem Weg ins Krankenhaus seien, "Bilder von zerstückelten oder abgesaugten Embryos" gezeigt würden. Abtreibung müsse aus ihrer Sicht "ein Grundrecht werden", sagt sie: "Es gibt sicher viele Frauen, die das einmal in ihrem Leben machen mussten, aus welchen Gründen auch immer. Das soll ihnen freistehen und sie sollen so gut wie möglich betreut werden." (Markus Peherstorfer, dieStandard.at, 27.7.2008)
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es geht um das recht jeder frau ihre familienplanung zu gestalten und über ihren körper zu bestimmen. eine frau, die ungewollt schwanger wurde, braucht keine ethischen gründe, um die schwangerschaft abzubrechen. es ist schlicht und ergreifend ihr recht. punkt.
Verzeihen Sie es mir, wenn ich Ihre Wertposition zur Familienplanung hinterfrage, aber ist eine Familie nicht gerade durch das Vorhandensein von Nachkommenschaft charakterisiert?
Planen sollte ausserdem immer proaktiven Charakter haben, nicht post actionem stattfinden. Familienplanung im negativen Sinn können Sie nur durch Enthaltsamkeit und ggfls. Verhütung im eigentlichen Sinn erreichen. Nach einer Zeugung ist es keine Planung mehr, sondern ein destruktiver Eingriff.
in absprache mit einem partner. bei ungewollten schwangerschaften, die hier das thema sind, sind allerdings selten partner vorhanden. und es sind nach wie vor die frauen, die die kinder kriegen - in diesem sinne bedeutet familienplanung, darüber zu bestimmen, ob und wann ein kind in die welt zu setzen ist. die welt sähe anders aus, lebten auf ihr nur kinder, die gewollt, erwünscht und geliebt würden. ich brauche die vielen greueltaten an kindern, erst kürzlich auch wieder in nö. breit getreten nicht zu zitieren, denke ich.
...gibt es nicht, niemals!!!
Nur moralisch kann man rechtfertigen, dass Tiere getötet werden oder Menschen im Krieg und so weiter.
Moralisch kann man wohl auch die Abtreibung rechtfertigen, vor allem wenn man das Töten im Krieg moralisch rechtfertigt.
Moralisch kann auch man auch jegliche strafbare Handlung rechtfertigen, die anstehenden Strafen (stehen im Strafgesetzbuch) sind sozusagen die Rechtfertigung bzw. eine Bezahlung der Schuld oder so ähnlich.
Ihre Sicht der Dinge ist eine von abstrusen Religonen gefärbte Sicht, die keineswegs den Menschen als Individuum anerkennt, obwohl wir das sind.
mfg
Diese strategie (tits-for-tats) macht kein sinn mit foeten. Ich habe ja kein vorteil davon, foeten zu schützen, ich bin ja schon geboren. Der grosse vorteil von "was du nicht willst.." ist dass man eine produktive gesellschaft mit zusammenarbeit erreicht, wo es möglich ist wohlstand aufzubauen. Aber das verändert nichts an der tatsache, dass eine andere strategie mir persönlich mehr vorteile bringen könnte, wie zB bei abtreibung.
Was ist der Unterschied zwischen "Ich will das Kind nicht" und "Ich will meinen Mann nicht"? Ich habe für beides zuvor Aktionen gesetzt, um sie zu erhalten (Verkehr, Heirat). Wenn wir davon ausgehen, dass sowohl Verkehr als auch Hochzeit freiwillig stattgefunden haben, sehe ich hier keinen Unterschied.
Krasser wird es bei den Eltern: Denn hier fällt sogar das Argument weg, dass ich sie mir zugelegt hätte. Mit denen bin ich zwangsbeglückt worden. Niemand hat mich gefragt, ob ich sie möchte, und ich habe nie auch nur irgendeine Aktion gesetzt, um sie zu bekommen.
Weg damit? Töten?
ihre Kirche in Jerusalem errichten, und töteten dafuer ohne mit der Wimper zu zucken hundert Tausende. Jetzt frömmeln sie auf einmal.
Von der Hexenverbrennung und Hexenverfolgung zur Verbreitung der heilgen Religion ganz zu schweigen.
Und wenn dem Papst das Leben so heilig ist, weshalb werden dann Kondome untersagt, gerade in Ländern, wo Aids Verbreitung sehr hoch ist? Aber nein, es ist ja viel einfacher vom bequemen Heimatland Frauen zu quälen und ihnen zu erklären, der null ueberlebensfähige Zellhaufen von ein paar Wochen wäre schuetzenswert.
Wieso soll ein Zellklumpen kein Kind sein? Sie sind ja auch ein Zellklumpen und doch zugleich ein erwachsener Mensch. Solange Sie kein Kriterium angeben können, wieso gerade der ungeborene Zellklumpen getötet werden darf und der erwachsene nicht, geht Ihre Bemerkung ins Leere.
dass zu Ihrem Körper auch: funktionstuechtige Nervenbahnen, eigenständiger Stoffwechsel, eigenständiger Blutkreislauf, eigenständige Sinnesorganbefähigung existieren. Wenn das eine oder andere ausfällt, gibt es noch die Möglichkeit, Sie kuenstlich zu erhalten. Wenn KEINES davon ausgereift funktioniert, dann sind Sie im Holzpyjama. Und zwar ganz ganz schnell. Und dann sind Sie, wie Sie sich selbst beschreiben, tatsächlich nur mehr ein Zellhaufen. Da hilft es nicht einmal mehr, sich als 'Parasit' in ein anderes Menschenbäuchlein einzunisten und anzuschliessen.
1. Es gibt ein unterscheidungskriterium, weil ich unterschiedliche gefühle gegenüber geborenen und nicht-geborenen habe.
2. wieso muss ich überhaupt unterscheiden können? Ich habe nie gesagt dass es falsch ist, geborene umzubringen. Ich bin nicht der moralabsolutist von uns. Dieser premiss stammt von dir, nicht von mir.
...einem erzkonservativen, fundamentalistischen Bischof kann glauben, dass ein Abtreibungsverbot mit keine Abtreibungen gleichzusetzen ist.
Abtreibungsverbote bewirken nur, dass illegal und dubiosen Umständen abgetrieben wird.
So wie es jetzt läuft ist es gut, die Frauen werden betreut und beraten.
Niemals würde ich zur Abtreibung raten allerdings sollte dies das Recht jeder Frau sein.
mfg
Ihre Vergleiche zeigen eindeutig die Stellung der Frau, die Sie fuer Sie einnimmt: das eine Mal Sklavin des Zellhaufens (keine ueberlebensfähige Nervenbahnen, keine ueberlebensfähige Organbildung, keine ueberlebensfähige Hirnentwicklung, etc. etc. etc. - und vor allem: alles davon auf ein Mal) und im anderen Fall Sklavin des Sexgeilen Mannes.
Das war nicht der Argumentationspunkt. Es ging um die Unterstellung, dass deshalb, weil durch ein Verbot eine Handlungsweise nicht völlig zum Verschwinden bringt, das Verbot abzulehnen sei. Und dieses Argument habe ich mit einem Gegenbeispiel kritisiert.
Um aber auf Ihr ANDERES Argument von der Gesundheitsgefährdung einzugehen: auch das ist kein Spezifikum der Abtreibung. Jeder Täter geht durch die Strafandrohung ein höheres Risiko (oft auch gesundheitlicher Natur) ein. das liegt in der Natur der Sache. Wäre beispielsweise Bankraub straffrei, dann würden viele Bankräuber, Polizisten und Geiseln noch leben, die beim Bankraub ihr Leben lassen mussten.
und woher wollen Sie das wissen?
So vollkommen sicher wäre ich mir da jetzt mal nicht. Was wissen wir denn was für ein System gerade herrschen würde, wenn nicht gerade das relativ schwache Christentum die dominante Religion wäre?
Wäre uns das Christentum erspart geblieben, könnte es durchaus sein, dass die Abtreibungsdiskussion nicht stattfinden würde, aber aus anderen Gründen wie Sie vielleicht denken...
Typisch Katholiken...diese Damen und Herren die da so strikt gegen Abtreibung sind wuerde ich doch den Weg in ein Kinderdorf, Waisenheim etc. empfehlen um dort selbst einige Kinder aufzunehmen. Oder einen Blik ueber die Grenzen zu werfen wo tausende Kinder auf den Strassen leben...anstatt Geld und Zeit fuer bloede Holzkreuze und Farbe zu verschwenden werden sie doch Pate fuer ein solches Kind.
Solche Narren...
statt einer antwort: http://tinyurl.com/5a45oa
Da gibts mMn aber reihenweise ERHEBLICH bessere, unproblematischere und verträglichere Methoden. Würden Sie mir jetzt gegenübersitzen, würd ich Ihner ein Kondom in die Hand drücken. Und ich bin übrigens katholisch.
Ich persönlich bin gegen ein Verbot, weils eben Situationen gibt, in denen eine Abtreibung das geringere Übel ist. Deshalb ist die Fristenlösung mMn auch gut.
Sie als normale Verhütungsmethode anzusehen (oder halt als probates Mittel zur Verhinderung von Strassenkindern) und nicht als letzte Möglichkeit, wenn alles andre versagt hat, find ich allerdings schon ziemlich jenseitig.
Bitte keine Aufklärung von wegen:
Die Frauen sind schwanger, der Mann ist nicht schwanger, u. ä. das weiß ich, aber:
Ein Kind entsteht durch Zusammenwirken Mann und Frau, also darf ich über unser gezeugtes Kind im "Bauch" "der Frau" wohl auch mitreden. Warum lassen die Frauen die Männer so schnell aus ihrer Mitverantwortung entkommen. Natürlich gibt es auch Frauen die Abtreibungsentscheidungen alleine treffen, aber warum rufen die Frauen nicht auch endlich die Männer zu ihrer Verantwortung auf. Wenn Männer leichtfertig die Tötung und die Konsequenzen der Frau überlassen. Wenn es spätere psychische Folgen für die Frau gibt, und ich bin überzeugt, dass es diese gibt, dann "bedaure" ich, dass Männer nicht auch davon "angesteckt" werden.
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