Alleinerziehende: 1.300 Euro netto müssen oft reichen

17. September 2008 12:43
  • Artikelbild
    Foto: APA/Fohringer

    42 Prozent der alleinerziehenden Frauen mit zwei Kindern liegen deutlich unter der Armutsgefährdungsschwelle von 1.429 Euro monatlich, weitere 27 Prozent mit 1.600 Euro nur knapp darüber.

Salzburger Befragung zeigt drastische Situation speziell von Frauen mit mehr als einem Kind - Bedarf an ganztägiger Kinderbetreuung steigt

Salzburg - Alleinerziehende sind mit 16,8 Prozent bereits die zweithäufigste Familienform in Österreich. Viele - vor allem Mütter - befinden sich auf einer ständigen Gratwanderung zwischen Leben und Überleben. Besonders eine hohe Armutsgefährdung sei gegeben, daneben sei ein Rückgang der Vollzeit-Erwerbstätigkeit festzustellen: Das sind Eckpunkte einer Befragung unter Alleinerziehenden, die vom Verein Alleinerziehender Mütter und Väter in Salzburg 2008 durchgeführt wurde und von der Geschäftsführerin des Vereins, Astrid Lüttich, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Salzburg vorgestellt wurde.

Qualifiziert und dennoch finanziell arm dran

40 Prozent der Befragten müssten mit einem Monatsbudget von unter 1.300 Euro netto (inklusive aller Transferzahlungen wie Familienbeihilfe oder Alimentationszahlungen) auskommen, ein weiteres Viertel mit unter 1.600 Euro pro Monat - und das, obwohl sie hoch qualifiziert seien, so Lüttich. Noch deutlicher werde die finanziell angespannte Situation der Alleinerziehenden nach Haushaltsgröße: 18 Prozent der Alleinerziehenden mit einem Kind haben ein Einkommen von bis zu 1.000 Euro pro Monat und lägen damit deutlich unter der Armutsgefährdungsschwelle von 1.161 Euro für 2005. Weitere 24 Prozent lägen mit bis zu 1.300 Euro nur knapp darüber, fast die Hälfte der befragten Mütter mit einem Kind sei arm oder armutsgefährdet, unterstrich Lüttich.

Armut(sgefährdung)

Noch drastischer sei die Situation der Frauen mit zwei Kindern: 42 Prozent lägen deutlich unter der Armutsgefährdungsschwelle von 1.429 Euro monatlich, weitere 27 Prozent mit 1.600 Euro nur knapp darüber. 69 Prozent der befragten Mütter seien arm bzw. nahe der Armutsgefährdungsschwelle.

Kinderbetreuung und Haushalt bedingen Teilzeit

Der Anteil der Vollzeitbeschäftigten sei im Vergleich zu 2004 deutlich zurückgegangen, und zwar von 42 auf 27 Prozent. Etwas mehr als die Hälfte (52 Prozent) arbeiteten Teilzeit zwischen 20 und 34 Stunden. Es sei anzunehmen, dass Frauen sich für eine Teilzeitbeschäftigung entscheiden würden, um den Alltagsdruck aus Beruf, Kinderbetreuung und Haushalt zu entkommen.

Bedarf an ganztägiger Betreuung

Alleinerziehende Frauen seien, um ihrer Arbeit nachgehen zu können, auf Kinderbetreuung angewiesen, die jedoch ein wesentlicher finanzieller Belastungsfaktor für den Ein-Eltern-Haushalt wären. Ein Viertel der Mütter zahle bis zu 20 Prozent ihres Einkommens, 28 Prozent bis zu zehn Prozent. "Sozial gestaffelte Kosten für die Kinderbetreuung sind daher für 43 Prozent der Befragten sehr wichtig. Durchgehende Ferienöffnungszeiten stehen ebenfalls für 43 Prozent ganz oben auf der Wunschliste der Mütter. Gestiegen ist auch der Bedarf nach ganztägigen Öffnungszeiten von 18 Prozent im Jahr 2004 auf 22 Prozent im Jahr 2008", sagte die Geschäftsführerin des Vereins.

Salzburg rüstet auf

Die Stadt Salzburg habe Maßnahmen zur Verbesserung der Lebenssituation Alleinerziehender getroffen, hielt Bürgermeister Heinz Schaden von der SPÖ fest. Mit Herbst 2008 werde das Angebot im Kindergartenbereich um 50 auf nunmehr 2.172 Plätze erhöht, Hortplätze stünden 869 zur Verfügung. Zudem wurden 31 neue Planstellen für KindergartenpädagogInnen geschaffen. Ein Kindergartenplatz für ein Kind kostet monatlich 90 Euro zuzüglich 47 Euro Essensbeitrag, der Hortbeitrag für ein Kind beträgt 74,50 Euro. "Ermäßigungen und Befreiungen vom Besuchsbeitrag werden abhängig vom Einkommen auf Antrag gewährt, und berufstätige Alleinerziehende werden bei der Platzvergabe vorgereiht", so Schaden.

Entlastung

In der schulischen Nachmittagsbetreuung sei der Anstieg an Angeboten am deutlichsten: 2004 gab es 735 Plätze, 2007 bereits 1.115 - ein Anstieg von 52 Prozent. Auch hier seien die Tarife sozial je nach Einkommenssituation gestaffelt (bis zu 100 Prozent Kostennachlass): Alleinerzieherinnen müssen erst ab einem Netto-Jahreseinkommen von 18.400 Euro (1.533 Euro monatlich) den vollen Beitrag von monatlich 74,50 Euro entrichten: Verdient die Alleinerzieherin weniger als 11.474 Euro im Jahr (956 Euro netto monatlich), ist überhaupt kein Betreuungsbeitrag zu entrichten, erläuterte der Bürgermeister. (APA)

Link

Weitere Ergebnisse der Befragung unter Salzburg/Frauen

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 156
1 2 3 4
anne.sche
29.09.2008 13:18
und warum bitte

sind all die armen alleinerzieherinnen denn alleine?

ich lebe und verdiene mit meinem mann zusammen und wir teilen einkommen und verpflichtungen

daran muss man arbeiten

Frau98
23.09.2008 11:55
na welch überraschung das ich bei 20 Stunden

Teilzeitbeschäftigung wenig Geld verdiene. Also DAS ist jetzt aber auch überraschend - oder?

Tja, ich bin verheiratet und ich könnte mir keinen Teilzeitjob leisten, da würden uns im Familienbudget einfach zuviele EUROS fehlen = Konsequenz? Vollzeit arbeiten gehen.

Liebe Alleinerzieherinnen - wenn ihr Vollzeit arbeiten geht und dann inkl. Alimente und Fam.bhf. Armutsgefährdet seid, dann mein Mitgefühl - da hoffe ich das euch geholfen wird.

An alle anderen: hackeln gehen.

AlBundyFan
 
19.09.2008 14:10
hoch qualifiziert? wie ist die definition von diesem wrot

ich bezweifle, daß diese alleinerziehenden mütter alle hoch qualifiziert sind.

ich schätze den anteil der hoch qualifizierten österreicher insgesamt(männer+frauen) auf ca. 5% ein....
der rest hat halt irgendwas gelernt oder studiert und kann in diesem bereich arbeiten....aber hoch qualifziert ist dann doch was anderes

1975er Querdenkerin
18.09.2008 13:10

Und wieviel Geld haben die, in den ersten beiden Absätzen noch erwähnte, dann leider ignorierte, alleinerziehenden Väter zur Verfügung?

Oder haben die etwa keine (finanziellen)Probleme?

linuxforeverlinux
18.09.2008 12:12
auch so eine statistik die nur der glaubt der sie selber erstellt hat

durchschnittsverdienst enier frau, die schon ein paar jahre arbeitet liegt zwischen 1500 - 2000 euro.
dazu kommen dann die alimente die der mann abtreten darf, obwohl in manchen faellen die frau das eheversprechen gebrochen hat.
die alimente richten sich nach dem einkommen des mannes. da koennen schon 500 euro locker zusammenkommen.
ergo: minimum 2000 euro einkommen / monatlich fuer die frau!

Rosa Stahl
19.09.2008 23:01

Das Medianeinkommen beträgt 1700 Euro. Das gilt für beide Geschlechter zusammen. Wenn sie jetzt unter Kenntnisnahme der Tatsache, dass Frauen, warum auch immer, weniger verdienen als Männer können Sie leicht errechnen, dass die 2000 Euro Utopie sind. Und dann schauen Sie mal auf eine HP, wo die Richtsätze für Kindesalimente angegeben sind und dann rechnen Sie nochmals.

Nur zum Verständnis der Kindesalimente: Die gehören den Kindern, nicht der Frau ganz unabhängig, was sie vielleicht in der Ehe verbrochen hat.

Aber ich kenn die Debatte- auch mein Ex kriegt aus seinem Hirn nicht raus, dass er das Geld für mich bezahlt und ich auf seine Kosten lebe.

F. Sterer
30.09.2008 17:29

"Nur zum Verständnis der Kindesalimente: Die gehören den Kindern, nicht der Frau ganz unabhängig, was sie vielleicht in der Ehe verbrochen hat."

Nein, man kann sie auch zur Schuldentilgung verwenden da das auch den Kindern zugute kommt. Unglaublich aber wahr.

das böse Binnen-I
18.09.2008 14:59
Schöne Phantasiezahlen haben Sie sich da ausgedacht!

Können Sie beweisen, dass Ihre Zahlen stimmen? Und widerlegen, dass die oben genannten Zahlen falsch sind?

das böse Binnen-I
18.09.2008 15:06
Widerlegen, dass sie richtig sind, natürlich.

F. Sterer
30.09.2008 17:32
Sozialberuf, was?

Haben Sie nix zu tun, den lieben langen Tag?

Das gesuderte Übliche
18.09.2008 15:46

Nein, jeder hat nur einen Versuch, Pech gehabt! ;-)

das böse Binnen-I
18.09.2008 23:35
Ich bin aber nicht jede!

Und schon gar nicht jeder! ;-)

Das gesuderte Übliche
18.09.2008 23:44

Ich habe ja auch lange gerätselt wo im Wort "jeder" das Binnen-I hinkommt, entschuldigung ;-)
Also: Keine zweite Chance für JedIn!

das böse Binnen-I
19.09.2008 14:05
Uhh, nein, leider daneben. JedE wär's gewesen, ganz einfach.

Aber leider hat ja jede/r nur einen Versuch, gell... ;-)

Das gesuderte Übliche
19.09.2008 14:14
Moment mal!

JedE ist doch Männerdiskriminierung pur!
Ich muss mich sehr wundern ;-)
Also dann ein geschlechtssensibles: Jed???? hat nur einen Versuch!

das böse Binnen-I
19.09.2008 22:37
Auch da gibt's schon eine Lösung: jede/r

Wie oben angeführt.
Es scheint für manche (Männer?) ja wirklich schwer zu sein mit dieser geschlechtersensiblen Sprache, das sehe ich ein. Aber ich habe einen Rat: üben, üben, üben! Und bei Fragen einfach an mich oder andere Frauen hier wenden. Wir helfen gerne weiter!
;-)

Das gesuderte Übliche
19.09.2008 22:43
Ach was!

Ich erfind mir meine eigene geschlechtersensible Sprache und ersetze einfach jeden "verdächtigen" Begriff durch xy. Wer kann mir das verwehren? ;-)
Und wenn jemand was dagegen sagt, schreie ich Diskriminierung wie ein kleines Mädchen! ;-)

Rosa Stahl
18.09.2008 01:50

Ist halt doch nicht sooo toll, das Alleinerzieherinnen-Dasein. Abseits tatsächlich tragischer Fälle, in denen eine Scheidung unumgänglich ist, zeugt manches doch für Verantwortungslosigkeit. Da wird der Ehemann wegen nix verlassen, oder Frau glaubt zeitgeistig, dass sie sowieso kein Mannsbild zum Kind braucht...

Winni Wahn
18.09.2008 13:10
was soll dieser zynismus angesichts der oben genannten daten?

Sie können nicht einfach von außen beurteilen, warum die 16% alleinerziehend sind. es gibt vielfältige ursachen.
und im gegensatz zu früheren zeiten, wo eine ehe unter allen umständen aufrecht erhalten werden musste, kann heute durch eine trennung allen beteiligten viel leid erspart werden.

Rosa Stahl
19.09.2008 22:51

Nona kann durch eine Trennung viel Leid erspart werden wenn es sich um Gewalt, Alkoholismus udgl. handelt. Nur leider ist es leider nun mal so, dass vielen Damen plötzlich der Selbstverwirklichungswahn oder der jugendliche Lover über den Weg laufen oder dass die Herren meinen, die Alte hätten sie schon lange genug gehab, jetzt muss eine Neue her.
Leidtragende sind da immer die Kinder, die die Instabilitöät der Eltern aushalten müssen.

a z
18.09.2008 12:02

Eine Gesellschaft wird geformt. Ob der einzelne das will oder nicht. Und wenn die Wirtschaft (aus Konsumtechnischen gründen) das Singeldasein und Alleinerzieherdasein massiv fördert, dann ist es nicht verwunderlich, dass selbiges auch massiv ausgelebt wird. Zumal Frau aus diversen Gründen in der patriachalen Epoche keine Chance dazu hatte.
M.E. jedenfalls verständlich das diese Möglichkeit auch ausgenutzt und probiert wird. Auf längere Frist würde ich mir auch Vernunft und Verantwortungsbewusstsein, den Kindern zu liebe, wünschen.

Rosa Stahl
19.09.2008 22:49

Konsumtechnisch habe ich allerdings nicht den Eindruck, dass es den mehreren Frauen als Alleinerzieherinnen soooo gut geht.

Chris Quast
18.09.2008 11:26

zwar ein bissal zynisch, dachte nicht so was von ihnen zu hören.

aber ganz checken tu ich diese in-trend auch nicht.

Böses Mädchen
18.09.2008 11:01
"Ist halt doch nicht sooo toll, das Alleinerzieherinnen-Dasein"

Alles hat Vorteile und Nachteile im Leben, jeder Mensch muss eben abwägen, womit er am besten zurecht kommt.

Aber wäre es nicht schön, wenn offensichtliche "Nachteile" (das Kind braucht beide Elternteile) nicht potzentiert würden, indem Vätern die Besuchsrechte erschwert, Mütter finanziell darben, Kinder keine Betreuungsstätten haben?

Rosa Stahl
19.09.2008 22:53

Kinder brauchen in erster Linie ein zu Hause und Eltern, nicht irgendwelche Betreuungsstätten. Und dass es sich zu Zweit meist leichter finanziell ausgeht, als wenn einer alleine für alles zuständig ist, sollte schon irgendwie vorstellbr sein.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 156
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.