Ohne Krisen beim "Fest der Liebe"

17. Dezember 2008, 13:44
  • Artikelbild: Margit Picher ist Obfrau des Patchwork-Familien-Services, Sozial-und Berufspädagogin, Familienberaterin und Sachbuchautorin

    Margit Picher ist Obfrau des Patchwork-Familien-Services,
    Sozial-und Berufspädagogin, Familienberaterin und Sachbuchautorin

Margit Picher, Obfrau vom Patchwork-Familien-Service Graz, gibt Tipps, wie den enormen familiären Anforderungen und Überforderungen zu Weihnachten entkommen werden kann

Für viele Familien scheint das Weihnachtsfest alles andere als das "Fest der Liebe" zu sein. Denn gerade "nach den Feiertagen verdoppeln sich bei uns die Anfragen nach juristischer Scheidungsberatung und psychologischen Beratungen", berichtet Margit Picher, Obfrau vom Patchwork-Familien-Service Graz. Offenbar räche sich unter dem Tannenbaum der Stress der Vorweihnachtszeit als Auslöser und ende in einem Gefühlscocktail von überzogenen Erwartungen, Harmoniebedürfnis und Familienidealen, denen frau/man meist nicht standhalten kann.

"Viele Eltern sind grundsätzlich überfordert. Das hat oftmals viel weniger mit dem eigenen Versagen zu tun, sondern mit den immer höheren Anforderungen, denen Eltern ausgesetzt sind. Der Leistungsanspruch an den Arbeitsplätzen ist  enorm gestiegen. Immer bessere Ergebnisse mit immer weniger Ressourcen sollen erbracht werden. Verstärkt wird dieser Druck durch Ängste vor dem Arbeitsplatzverlust. Die derzeitige Finanzkrise tut noch ihr übriges", erklärt Picher.

Hinzu komme sehr häufig der Anspruch eine "perfekte Mutter" und ein "toller Vater" zu sein. Wenn der Anspruch dieses Familienideals, das vielen Eltern tagtäglich durch ExpertInnen, Politik, Medien und Werbung vor Augen geführt wird, nicht gelingt, würden Schuldgefühle ausgelöst.

"Das Grundgefühl, den äußeren Erwartungen am Arbeitsplatz in unserer leistungsdominierten Gesellschaft nicht gerecht zu werden, bewirkt bei vielen Menschen Versagensgefühle". Und steigere die Erwartung zumindest in der Familie Zufriedenheit zu finden. "Daher besteht die Gefahr überzogene Erwartungen an die Partnerschaft zu stellen. Das ist vielen Menschen gar nicht bewusst",  meint Picher weiter. Und dann solle das Weihnachtsfest all das wett machen, was sich im Laufe des Jahres an Unzufriedenheiten aufgestaut hat.

Um die Situation zu Weihnachten zu entschärfen, hat Familienberaterin Picher einige Tipps parat:

  • Kurze Auszeit nehmen

Durchatmen und im Weihnachtstrubel etwas Abstand gewinnen. Zum Beispiel eine Stunde in der Natur oder im Park spazieren gehen. Den Kopf frei bekommen und sich bewusst werden, dass die hohen Anforderungen und dementsprechenden Erwartungen oftmals Auslöser für Krisen sein können. Nehmen Sie sich die Freiheit die Weihnachtsfeiertage auch mal anders zu gestalten und zum Teil für ein Wellness-Programm zu nutzen. Kinder lieben immerwährende Rituale, aber auch Abwechslung.

  • Innere Antreiber erkennen

Sich überlegen: Welcher Leistungsdruck wird mir von außen auferlegt und welchen mache ich mir selbst?

  • Prioritäten setzen

Zeit miteinander zu verbringen ist wertvoller als das perfekte Geschenk zu finden. Gutscheine tun es auch!

  • Konflikte von Krisen unterscheiden

Sind die Unzufriedenheiten verursacht durch zu hohe Ansprüche und Stress oder ist es tatsächlich eine Krise, die sich bereits über längere Zeit hinzieht? Nicht immer ist die Partnerschaft für die eigene Unzufriedenheit verantwortlich.

  • Erwartungen reduzieren

Es kommt nicht darauf an, dass wir immer bekommen was wir wollen, sondern wie gut wir nützen, was wir bereits haben! Dann klappt es auch mit dem "Fest der Liebe!" (red)

Links

Das Patchwork-Familien-Service - Verein für Elternteile & Familien im Wandel - bietet k o s t e n l o s e juristische und psychologische Onlineberatungen und ab Jänner 2009 auch Sozialberatung und Online-Mediation in Echtzeit.

Leseprobe aus Pichers Buch "Einladung zum persönlichen Erfolg - Finden Sie vom Broterwerb zu Ihrer Berufung & Lebensbalance"

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