Mehr Sein als schöner Schein

16. Dezember 2008, 18:38
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    Eine Frau auf der Messe "Beauty World" in Frankfurt/Main.

Um den gravierenden Folgen des Schönheits-Terrors entgegen zu wirken, bedarf es vor allem eines Wertewandels, war man sich beim Kongress "Der gemachte Körper" einig

"Zu keiner Zeit ist der Körper in seinem natürlichen Zustand belassen worden", postulierte der Philosoph Konrad Paul Liessmann in seinem Festvortrag "Über die Formbarkeit des Menschen" beim Kongress "Der gemachte Körper" im Wiener Rathaus. In einem Streifzug durch die Geschichte führte er aus, dass der Körper von jeher "Träger sozialer, erotischer und ästhetischer Botschaften" gewesen ist: "er wurde geschmückt und mit Ornamenten versehen, geformt, trainiert und verändert, verhüllt und enthüllt, in Szene gesetzt, dann wieder verborgen und nicht zuletzt operativen Eingriffen ausgesetzt".

Und obwohl die Vorstellungen der Körperformung nach Kultur und Epoche sehr variieren, würden sie nicht nur über ästhetische Normen Auskunft geben, sondern mehr noch über soziale Differenzen, Geschlechterordnungen und die Regeln des Begehrens. Übermittelt werde diese Normvorstellung vom idealen Körper heute naturgemäß durch die moderne allerorts anzutreffende Bebilderung. War der Mensch des Mittelalters in seiner bildlichen Vorstellung noch auf den eigenen Umkreis seiner Mitmenschen und Kunstwerke, auf denen auch Hässliche und Durchschnittliche dargestellt sind, begrenzt, findet er sich heute mit einer Bilderflut des "perfekten Körpers" konfrontiert, nach der er /sie sich selbst nicht anders als "defizitär" empfinden könne.

Der "Schönheit", so Liessmann, werde mehr denn je - beziehungs- arbeits- und markttechnisch - der höchste Stellenwert zuerkannt. Damit wirke die platonische Gleichung, wonach das Schöne auch das Gute sei, leider ungebrochen.

Möglichkeiten der Prävention

Was kann also getan werden, um der steigenden und gesellschaftlich konstruierten Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper Einhalt zu gebieten - oder noch besser - sie erst gar nicht entstehen zu lassen? Auf der Suche nach Möglichkeiten der Prävention waren sich die Vortragenden beim Kongress einig, dass die gesellschaftlichen Wertigkeiten geändert werden müssen. Eine Verlagerung von Außen nach Innen, weg von der Oberflächlichkeit der optischen Erscheinung hin zum Wohlfühlen und zur Gesundheit.

Greta Noordenbos drückte es in ihrem Vortrag "The construction of Thinness Mania: How to prevent the negative Consequences?" folgenderweise aus: "Es muss wichtiger werden, welche Gefühle wir haben als wie wir aussehen". Zuallererst müssten die kulturellen Körperideale auf ein realistisches Maß geändert werden, der gesellschaftliche Druck, abzunehmen, reduziert und gesund aussehende Models aller Altersklassen und aller Ethnien eingesetzt werden. Besonders den Mädchen sollte schon früh ein natürlicher Umgang mit Nahrung, Gewicht und Bewegung beigebracht werden. Außerdem sollte ihnen gesagt werden, dass die Model-Bilder fototechnisch verfälscht sind und auch Models von Natur aus nie so toll aussehen.

Die niederländische Essstörungsexpertin will außerdem Präventionsprogramme an Schulen entwickeln. Gemeinsam mit den Eltern sollen Diskussionen über die Wirkung von Modemagazinen, gesunde Mahlzeiten, genug Bewegung und ein positives Selbstbild geführt werden.

Konstruktion und Dekonstruktion

"Das Körperbild ist konstruiert" und das sollte allen bewusst gemacht werden, meinte Linda Smolak. Es entstehe immer im Kontext von Medien, Eltern und FreundInnen. Daher sei die positive Botschaft - "sei stolz auf deinen Körper" - bereits in jungen Jahren wichtig. Zur Prävention sei es unerlässlich, dass Schule, Familie und die Vermittlung feministischer Grundsätze zusammen wirken.

Susie Orbach, ebenso der Meinung, das gesellschaftliche Körperideal dringend dekonstruieren zu müssen und realistischer anzugehen, schließt bei präventiven Optionen auch gerichtliche Schritte gegen die Schönheitsindustrien nicht aus. Doch auch relativ harmlose Parameter wie der Body-Mass-Index, der in den vergangenen Jahren mehr und mehr reduziert worden sei, so dass ein BMI über 30 heute als Signum für Fettleibigkeit gelte - "übrigens hat George Cloony einen solchen Wert und man sieht es ihm nicht an", so Orbach - müssten geändert werden. Maßgeblich sei jedoch, die Mütter soweit zu sensibilisieren, damit sie ihre oft übertriebenen Ideale nicht an die Töchter weiter leiten. Ihnen müsse auch eindrücklich vermittelt werden, wie gefährlich Essstörungen und Schönheits-OPs sind und dass man/frau daran sterben kann.

Sterben - und nicht "unsterblich" werden, wie dies der moderne Mythos von ewiger Jugend und Schönheit zu suggerieren sucht. Es ist ernster, als wir denken. (dabu/dieStandard.at, 17.12.2008)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 60
1 2
LadyDoolittle
10
17.12.2008, 23:11
BMI

Wo immer etwas über den BMI geschrieben wird, fehlt der Hinweis nicht, dass Muskeln mehr wiegen als Fett und daher auf muskulöse Menschen nicht anwendbar ist. Wahrscheinlich ist Goerge Clooney eben gut trainiert, bei seinem Beruf ein Muss. Mit Bauch(ansatz) und Fettpopo wären die Filmangebote sehr gering. Im Show-Business muss man eben das Beste aus seinem Körper machen.

Und darum geht es auch im normalen Leben. Die Natur hat uns mit einem attraktiven Körper ausgestattet. Wenn er unschön wird, liegt es am Einzelnen. Fettwülste, Bierbauch und ein Hintern wie ein Noriker sind nicht notwendig, nicht gesund und nicht schön. Was fehlt ist Disziplin. Der Mensch hat das Gefühl verloren, mit wie wenig der Körpr auskommt.

Der Österreicher
00
19.1.2009, 17:12

Georbe Clooney ist ordentlich trainiert, so wie heutzutage fast alle Hollywood Schauspieler.

Wer dick sein will, soll dick sein, und wer schlank sein will soll nicht als Opfer der Schönheitsindustrie dargestellt werden.

Graph Bobby
01
17.12.2008, 14:48
Attraktivität ist ein gesellschaftliches Konstrukt

Kein Wunder, dass bei George Clooney trotz "zu hohem" Body-Mass-Index keiner an dessen Attraktivität zweifelt; schließlich ist es nichts Neues, dass Attraktivität nicht zuletzt auf einer Art "Kettenreaktion" beruht - Menschen orientieren sich daran, was andere Menschen attraktiv finden.
Da die breite Masse George Clooney, Brad Pitt oder Johnny Depp attraktiv findet, passt der Rest eben seine Meinung an diese Referenz an - auch wenn vermutlich hunderte andere unbekannte Männer/Frauen 'rumlaufen, die mindestens genauso gut aussehen.

die rote baronin
02
17.12.2008, 17:03

Das stimmt sicher, wobei ich finde, dass die Attraktivität von George Clooney vor allem auf seinem Auftreten und seiner Art beruht: er ist witzig, selbstsicher, lacht viel und wirkt sehr nett - da stören seine grauen Haare und seine Falten nicht.

pottery
10
17.12.2008, 22:38

Dem kann ich nicht zustimmen. Was ihn für mich "attraktiv" macht, ist seine (politische) Einstellung und in welche eigenen (Film)Projekte er das Geld, das er in Hollywood und bei Nespresso abzockt, reinsteckt, anstatt es nur auf seinem Konto zu lassen.

jumpingjack flash
00
17.12.2008, 23:41

eine entschuldigung für zitronenwerbung - wenn mit dem abgezockten geld was "gutes" getan wird?

presonic
00
17.12.2008, 17:09

da geb ich dir recht. ich muss dazu sagen, dass george clooney optisch gar nicht in mein "beuteschema" passt.
wer den typen allerdings mal bei jon steward gesehen hat, der ändert seine meinung.
für mich ist noch immer v.a. intelligenz und humor sexy.

jumpingjack flash
11
17.12.2008, 19:15
hätt ich nicht gedacht

dass sie grade mich sexy finden :-)

Pauli_und_Chilly
00

Das denken Sie doch immer, wenn Sie ehrlich sind. Umgekehrt wäre das eine Unterstellung.:)

presonic
01
18.12.2008, 11:38

hahaha. der war gut! ;-)

Lärmfahrer sind hörbarer
00
18.12.2008, 11:01
Jaja, das "beuteschema" der Frauen

immer wieder ein Erlebnis darüber zu lesen. :-)

jumpingjack flash
00
18.12.2008, 13:03

bin ja heilfroh kein mantismännchen zu sein!

Lärmfahrer sind hörbarer
00
18.12.2008, 15:56
Selbst da überleben die mantismännchen manchmal

wenn sie sich schnell genug aus dem Staub machen.

Duskson 81
 
02
17.12.2008, 13:02

Also wenn man einen Kongress machen muss damit man so ein ergebniss bekommt, wundert mich nicht das sich da noch in 1000 jahren nix dran ändern wird (ausser halt das Ideal selbst).

grgr grn
01
17.12.2008, 10:48
vorgabe: 50% der veröffentlichten Bilder müssen die Durchschnittsbevölkerung darstellen.

Ganz einfach: Quotenregelung für Bildermedien: Die dargestellten Personen müssen der Durchschnittsbevölkerung entsprechen, und zwar in Bezug auf Alter und (Körper-) Masse (kg). Die Medien selbst wollen doch die Wirklichkeit abbilden und ihre Konsumenten nicht belügen; oder?

Peter Richter
26
17.12.2008, 08:45

Warum sehen sich F als Opfer des Schönheits-Terrors? Müssen F ihn mitmachen? Müssen F sich unters Messer legen? Können Sie der ach so großen Erwartungshaltung der M nicht widerstehen und sind deshalb Opfer ihrer selbst?
Bitte um Erklärungen.

María José
01
18.12.2008, 10:47
einige Erklärungen (unvollständig)

1.) Die meisten F ertragen es nur äußerst ungern, mit einem ähnlich attraktiven, intelligenten, erfahrenen, entscheidungsfreudigen und erfolgreichen Partner, wie sie es selber sind, zusammenleben zu müssen. "nach unten" heiraten ist sowieso für die meisten F ein Tabu.
Und damit das nach oben heiraten besser klappt, versuchen einige F eben sich in den Eigenschaften zu ver(schlimm)bessern, welche am einfachsten geändert werden können. Eine OP tut anscheinend weniger weh als das Nachholen von Matura bzw. Studium (mit guten Jobaussichten - nicht Kunstgeschichte) oder viele Überstunden im Job.

2.) F orientieren sich stärker an ihrer Umgebung und wollen überdurchschnittlich sein und ihre Freundinnen übertrumpfen - auch in der Attraktivität.

María José
00
18.12.2008, 10:54
Nachtrag:

Bei M gibt es das Phänomen natürlich ebenso. Darum fahren so viele einen BMW, den sie sich eigentlich gar nicht leisten können. Ist halt einfacher als ein Studium oder regelmäßiges Fitnesscenter - und kommt bei F (insbesondere den "Schönheitsoperierten") auch VIEL BESSER an.

Pauli_und_Chilly
00

BMWs werden auch alt und als Kombi sind sie fast wie ein Traktor zu benutzen.

jumpingjack flash
00
17.12.2008, 19:31

männer spinnen ein bisserl, frauen spinnen ein bisserl mehr - erklärbar ist das bisserl aber kaum - manche geben der evolution die schuld - ständiges verbessern von sich selbst nur um den besten partner (vater) abzubekommen -

Colette
00
17.12.2008, 17:26

Frauen wollen Männern gefallen, das ist normal. Aber der Punkt ist der, dass das Ideal nicht mehr real ist, und die Männer sich daran orientieren. Sah letztens Nacktfotos von Romy Schneider. So einen Busen sieht man heute im Showbusiness nicht mehr: Ganz normal für eine Frau von Mitte 30, hängt ein bisschen, ist nicht kugelförmig sondern eher birnenförmig, auch nicht riesig... Damals hielt man sie für eine schöne Frau, wenn man sie heute ohne Kopf abbilden würde, würde jeder sagen, um Gottes Willen, flachbrüstige Alte ;-)

jumpingjack flash
00
17.12.2008, 19:38

nur die war filmschauspielerin - und "trotz" eines eventuellen "hängebusens" eine schönheit mit ausstrahlung - was sie dafür alles gemacht hat, weiss ich nicht - heut gibt es jedenfalls auch "irreale" mittel um "schön" zu werden - vom angebot bei bipadm über studios, solarien bis zu einer immer besser werdenden medizin - es wird halt immer unser ganzer wissensstand genützt - früher wie heute

presonic
11
17.12.2008, 17:11
ein vorschlag:

beobachten sie einfach, wie unsere gesellschaft mit einer frau umgeht, die absolut nicht dem schönheitsideal entspricht.

metall81
00
18.12.2008, 13:29
Komisch, vor ein paar Wochen...

...haben Sie gepostet Sie würden selbst unter Repressalien leiden, GERADE WEIL Sie dem gängigen Schönheitsideal entsprechen.

María José
11
18.12.2008, 10:38
ein Gegenvorschlag:

Beobachten Sie einmal, wie unsere Gesellschaft mit kleingewachsenen, übergewichtigen, glatzköpfigen Männern am unteren Ende der Einkommenspyramide umgeht.

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