HPV: Impfen oder nicht impfen?

Tombor, 28. Dezember 2008, 22:38
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    foto: apa/epa/mick tsikas

    HPV-Infektionen sind nicht Seltenes. Von über 100 Virenstämmen werden 13-15 als krebserregend angenommen. 90 von 100 Frauen heilen die auftretenden Infektionen unbemerkt von selbst aus. Die derzeit vorliegenden Studien zur HPV-Immunisierung belegen die Immunantwort auf zwei Virentypen, die in erkranktem Gewebe vorkommen. Nicht geklärt ist - unter anderem - die Auswirkung der Impfung auf die Immunantwort auf die restlichen Infektionen.

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    foto: apa/ap/charles rex arbogast

    Die HPV-Impfung wird demnächst wieder Thema im Gesundheitsausschuss sein. Aus jetziger Sicht soll die Impfung aber nicht ins Kinderimpfprogramm aufgenommen, dafür aber die Vorsorgeuntersuchung verstärkt werden.

Auch im neuen Gesundheitsministerium sieht man zu viele ungeklärte Fragen, um eine Aufnahme ins Kinderimpfprogramm zu befürworten - Dafür soll das Screening forciert werden

Gebärmutterhalskrebs ist kein sonderlich aggressiver Vertreter seiner Art. ExpertInnen nehmen einen Zeitraum von zehn bis zwanzig Jahren an, was seine Letalitätsentwicklung anbelangt. Zehn Jahre braucht es etwa, bis sich eine HPV-Infektion zur Krebsvorstufe auswachsen kann, zehn weitere, bis diese invasiv wird. Was bedeutet, dass mittels regelmäßiger Vorsorge das HPV-Gefährdungslevel einer Frau gut festzustellen ist - und nebenbei auch etwaige weitere Erkrankungen im Unterleib erkannt werden können. Auf 1000 Befunde beim PAP-Abstrich kommen etwa zehn Fehldiagnosen, was auch heißen kann, dass einer Patientin ein Krebsbefund mitgeteilt wurde, obwohl sie gesund war.

Hoffnungsträger - zurecht?

Die rückläufigen Zahlen bei der Sterblichkeit durch Gebärmutterhalskrebs bestätigen die Wirksamkeit der regelmäßig durchgeführten Abstrichuntersuchung. Aber schon der Einführung der einmal im Jahr von der Kassa übernommenen Früherkennungsmethode in den 80er Jahren wurde ein Rückgang der Erkrankung hierzulande wie generell in den Industrieländern Europas festgestellt, was auch auf die vermehrte Bereitschaft, Kondome zu verwenden, zurückgeführt werden kann. 2007 starben in Österreich 170 Frauen an Gebärmutterhalskrebs; zum Vergleich: über 1.100 an Lungenkrebs.

Dass ein Impfstoff, der diese vereinzelten schweren Erkrankungen erst gar nicht auftreten lässt, mehr als wünschenswert ist, steht außer Frage. Ob die schon seit 2007 erhältlichen Seren diese Hoffnung auch einlösen können, wird von immer mehr ExpertInnen in Zweifel gezogen.

Empfehlung ohne vorliegende Ergebnisse

So verabschiedeten erst kürzlich dreizehn deutsche Forscherinnen eine Erklärung, in der sie darauf hinweisen, dass "die entscheidende Frage der Wirksamkeit im Sinne einer Senkung der Neuerkrankungen an Gebärmutterhalskrebs bisher nicht ausreichend geklärt und Gegenstand unzutreffender Informationen" ist. In Deutschland ist im Gegensatz zu Österreich der HPV-Impfstoff, der von zwei führenden Pharmaunternehmen hergestellt und verkauft wird, bereits 2007 durch die Ständige Impfkommission empfohlen worden, und die Impfkosten werden zurückerstattet. Im Manifest weisen die WissenschafterInnen auf die irritierende Tatsache hin, dass zum Zeitpunkt der Empfehlung die Ergebnisse der entscheidenden Studien noch nicht publiziert waren.

Langfristige Gesundheitsrisken nicht absehbar

Bereits im Sommer haben zwei US-ForscherInnen im Fachmagazin "Science" auf die lückenhafte und nicht valide Ergebnislage bei den Studien zur Zulassung in den USA hingewiesen. Auch von Seiten österreichischer Forschungseinrichtungen wie dem Ludwig Boltzmann Instituts für Health Technology Assessment wurden kritische Stellungnahmen publiziert, die auch auf die Häufigkeit von Nebenwirkungen hinweisen, nicht zuletzt auf die im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung aufgetretenen Todesfälle junger Frauen - auch in Österreich. Es sei nicht gewiss, ob die Impfung längerfristige Gesundheitsrisiken in sich berge, so Brigitte Piso, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Boltzmann Institut.

Dass im Rahmen der Zulassung Studienresultate über nur sechs Jahre vorliegen sowie die Alterdifferenz der Probandinnen und der Zielgruppe, an die die Seren primär verabreicht werden sollen, sind weitere Punkte, die die Forscherin alarmiert haben: So wurden die letzten Jahre 20.000 Frauen zwischen 16 und 25 getestet, 9- bis 14-Jährige stellen jedoch die eigentliche Immuniserungsgruppe, da die Impfung bestmöglich vor dem ersten Geschlechtsverkehr passieren soll. Bei den Jüngeren sei nur die Bildung von Antikörpern nach der Impfung, nicht aber die Schutzwirkung untersucht wurden, verwies Piso auf ein weiteres Datenmanko.

Alternative Vorsorge

Angesichts der unschlüssigen Situation haben sich Frauengesundheitsnetzwerke und -zentren mittlerweile zur Aufgabe gemacht, Mädchen und Frauen verstärkt über das Thema HPV und in diesem Zusammenhang über Vorsorge weniger als unterstützende Maßnahme zur Impfung denn als sicherere Alternative zu informieren - auch als Gegenpol zu den medialen Impf-Offensiven, die meist verkürzte und mitunter irreführende Inhalte böten. So kursierten zuletzt Angaben, was die Schutzwirkung der Seren anbelangt: Die Virentypen 16 und 18, gegen die beide Impfstoffe immunisieren, wurden in 70 Prozent der untersuchten krankhaften Gewebeproben von Probandinnen gefunden - woraus aber nicht sicher zu schließen ist, dass, wie es hieß, ein sicherer Schutz von 70 Prozent vorliegt. Alle etwaigen krebsauslösenden Faktoren sind noch nicht identifiziert, aber bekannt ist, dass neben den beiden Virentypen auch ein weiteres Dutzend krebserregend sein kann.

Keine Aufnahme ins Kinderimpfprogramm

Dass die HPV-Impfung demnächst auch wieder Thema der österreichischen Politik sein wird, hat dieStandard.at aus dem Gesundheitsministerium erfahren: Der Gesundheitsausschuss hat die Impfung auf die Agenda reklamiert. Das Ergebnis wird abzuwarten sein, aber aus jetziger Sicht soll die Impfung nicht ins Kinderimpfprogramm aufgenommen werden. Von anderen Impfungen wäre man schon überzeugter gewesen, da der derzeitige Stand der Forschung zu viele offene Fragen aufwerfe, so der zuständige Sprecher Dr. Klein gegenüber dieStandard.at.

Eine individuell gute Verträglichkeit würde keine allgemeine Impfpflicht rechtfertigen, vor allem, da erst in 30 Jahren valide Ergebnisse zur Wirksamkeit der Impfung zu erwarten seien, so Klein, der auch auf die Umstrittenheit des Themas in der Bevölkerung hinwies und glaubt, dass die Beteiligung am Impfprogramm keine 60 Prozent erreichen würde. Knaben nicht mitzuimpfen sei ein weiterer Punkt, der noch zu klären sei. Auch punkto Budget sieht Klein ein großes Hindernis: 90 Euro pro Dosis im Großeinkauf seien zu viel - und die Herstellerfirma rühre keinen Finger beim Preis. In Deutschland war eines der beiden HPV-Seren 2007 bereits der zweitstärkste Posten bei Kosten für Arzneimittel. Auch aus diesem Grund werde man eher Prioritäten bei anderen Impfungen setzen, wie gegen Pneumokokken. Was jedoch passieren soll, ist die Ausweitung des Screeningprogramms für die Krebsfrüherkennung - womit das Gesundheitsministerium weiterhin auf der Linie der Ex-Chefin Kdolsky fährt. (bto/dieStandard.at, 29.12.2008)

Hintergrund

Die Pharmakonzerne Sanofi Pasteur MSD und GlaxoSmithKline haben mit Gardasil bzw. Cervarix zwei Impfstoffe gegen vier bzw. zwei Humanpapilloma-Virenstämme entwickelt und nach den Zulassungsverfahren auf den Markt geworfen. Die Virentypen 16 und 18, bei welchen beide Seren Immunantworten hervorgerufen haben, wurden in 70 Prozent der untersuchten Gewebeproben von Krebspatientinnen gefunden. Gardasil schützt außerdem gegen zwei weitere HPV-Typen, die Genitalwarzen verursachen können. Beide Impfstoffe zeigen sich nur dann wirksam, wenn noch keine Infektion vorliegt.

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03
Eine für alle verpflichtende Impfung ist auch aus folgenden Gründen unsinnig: 1) weil es neben den Typen der HPV Viren, bei denen die Impfung überhaupt wirkt, auch andere HPV Typen gibt, welche Gebärmutterhalskrebs auslösen!

2) weil daher der regelmäßige PAP-Abstrich auch in Zukunft unverzichtbar sein wird. Wenn 100% aller Frauen regelmäßige PAP-Abstriche machen würden, könnte jeder Gebärmutterhalskrebs im Vor(!)stadium entdeckt werden, und niemand bräuchte die Impfung!

3) weil Kondome genauso schützen, und zwar vor allen HPV Krebsviren und zusätzlich auch noch vor HIV!

4) Es besteht die Gefahr, dass geimpfte Frauen es mit dem PAP-Abstrich bzw Kondom-Gebrauch des Partners weniger genau nehmen. Bei diesen Frauen wird die Impfung künftig sogar zu einem Anstieg an Gebärmutterhalskrebs führen, und zwar mit HPV-Typen gegen die die Impfung nicht schützt.

5) Die Impfung hat, wie jede Impfung, ein Risiko (Verdacht einzelner Todesfälle durch Guillain-Barre Syndrom)!

presonic
00
10.1.2009, 16:28

schön zusammengefasst!!

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00
11.1.2009, 01:29
Danke...

... für die Blumen.

presonic
00
danke frau kdolsky!

das hat die frau ex-gesundheitsministerin sehr gut gemacht.
möcht nicht wissen, warum sie genau abgesägt wurde.... aber ich glaub, sie hat zu viel für das volk und zu wenig für die pharmalobby getan.

übrigens: ein sehr guter artikel!!!!

Petrinchen
00
30.12.2008, 19:48

danke für den ausgezeichneten artikel. ich fühle mich sehr gut über alle pro's und kontra's informiert!

Mike 23
12
30.12.2008, 10:45
Jedes Jahr sterben weniger als 10 Österreicher

an Hodenkrebs. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ein ähnliches Gezeter geben würde, wenn man mit einer Impfung für Männer die Möglichkeit hätte, Hodenkrebs zu verhindern.
Was würden wir Männer nicht in Kauf nehmen, um "unser bestes Stück mit Anhang" vor dem ach so geringen Risiko zu bewahren.
Bei Frauen ist das anscheinend anders. Hier gilt der operative Eingriff beihnahe als Vorbeugemaßnahme - bei Männern undenkbar.

Die Diskussion sollte meiner Meinung nach nicht nur darüber geführt werden, ob Frauen geimpft werden sollen, sondern genauso, warum nicht die Überträger (die Männer) ebenso geimpft werden müssen.
Michael

presonic
11

wenn männer an der impfung gestorben wären, zahlreiche andere schwerste nervenstörungen als nebenwirkung gehabt hätten, dann wäre das gezeter auf jeden fall genauso groß.

Killa vomBilla
21
30.12.2008, 01:41
Komisch

Das es in der kuhmilch ein hormon gibt das den gebärmutterhals krebs förmlich einladet
wird nicht erwähnt.

Ja die wirtschaft und die pharmaindustrie wollen leben.

E. Pagliacchi
00
14.8.2009, 15:14

Elvis lebt. Zweifellos. Aber warum schweigt er?

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01
Und wenn man 3 Hemdknöpfe in ein Glas Kuhmilch wirft, und dann dieses bei Vollmond auf einen Wiese mit Gänseblümchen vergräbt,...

... dann wirkt das besser als jede Impfung!

Ehrenwort!

Kämpfen wir gemeinsam gegen die verbrecherische Pharmaindustrie! Dieses wunderbare Naturheilmittel wird von Wirtschaft und Pharmaindustrie natürlich ebenso wenig erwähnt...

presonic
00
11.1.2009, 15:44

nur so eine frage...
in europa isses ja ein wenig anders als in den USA, aber dort dürfen den kühen hormone gespritzt werden, die sie länger milch geben lassen und genau diese hormone finden sich dann in der kuhmilch, die man trinkt, auch noch.
hältst du das wirklich für unbedenklich?

ich frag jetzt, weil du das posting des vorposters total ins lächerliche ziehst.

presonic
12

und dass die pille und andere hormonelle verhütungsmittel brust- und gebärmutterhals fördern, wird auch nicht erwähnt.

der artikel ist aber sehr gut und kritisch geschrieben.

trace route
01
11.1.2009, 01:33
Sorry, in diesem Punkt muss ich widersprechen.

Die Datenlage ist bezüglich dieser Frage nämlich klar:

Die Anti-Baby "Pille" steigert *nicht* das Risiko für Brustkrebs. Und das Risiko für Eierstock-Krebs wird durch die "Pille" sogar gesenkt. Letzteres ist ebenso ganz klar belegt.

Auf was Sie höchstwahrscheinlich Bezug nehmen, ist die sogenannte "Hormonersatztherapie", welche bei Frauen nach der Menopause bis vor einigen Jahren sehr beliebt war. Diese steigert das Brustkrebsrisiko um ca 30-40% und ist seit Bekanntwerden dieser Zahlen verständlicherweise ziemlich unbeliebt geworden...

E. Pagliacchi
00
14.8.2009, 15:16

Und diese Therapie war sogar als Vorbeugemaßnahme gedacht!

presonic
00
11.1.2009, 17:21
zur hormonspirale ist dieser artikel besonders interessant.

viele frauen stören sich an hormonellen verhütungsmitteln nicht wegen des risikos, das sie auf sich nehmen.
sie stören sich daran, dass sie nicht über die risiken aufgeklärt werden und oft jahrelang umsonst leiden.
http://www.fgz.co.at/fileadmin... 2.2007.pdf

presonic
00
11.1.2009, 17:15

sorry, es war gebärmutterhalskrebs, nicht brustkrebs.
die studie erschien im lancet, nov 2007.

trace route
00
11.1.2009, 19:33
Okidok, damit ist das geklärt...

... und wir sind uns wieder einig ;-)

presonic
00
11.1.2009, 15:49
übrigens, weil wir grad über hormonbehanldung von frauen sprechen.

http://diestandard.at/?id=1231151395634

kein funke über irgendwelche nebenwirkungen.....

trace route
00
11.1.2009, 20:19
Das Risiko von Eierstockkrebs ist durch Hormonersatztherapie sehr wohl erhöht - siehe beispielsweise http://tinyurl.com/72ljtq

Der verlinkte Standard-Artikel ist leider etwas missverständlich. Die dort beschriebene Studie besagt nur, dass bei Frauen welche Hormonersatztherapie nehmen (die also ein erhöhtes Risiko haben!) das Risiko durch Übergewicht nicht noch weiter steigt.

presonic
00
12.1.2009, 14:23

danke fürs schicken des links.
ja, das meinte ich.
blöd ist nur, dass übergewicht ja auch zu einem großen teil in den genen liegt.

hatte darwin recht? wenn man diese gedanken weitergeht, kommt man in eine richtung, in der ich mich nicht besonders wohl fühle.... :-(

presonic
01
11.1.2009, 12:26

nein. ich spreche von der anti-baby-pille. ich muss nachschauen, wo ich die studien dazu hab.
leider ist das auch bei der hormonspirale so.

die hormonersatztherapie ist sowieso noch mal ein eigenes kapitel... ziemlich krass, was da alles verschwiegen wurde. (wobei mir da scheint, solche "therapien" dienen sowieso wenig der gesundheit und mehr dem jugendwahn in unserer gesellschaft. aber das ist ein anderes kapitel)

helicopter.pylori
01
29.12.2008, 21:24
Lohnt sich zu lesen und gut nachzudenken ...

Lohnt sich zu lesen und gut nachzudenken!
Einerseits gibts ohne Risiko nichts Neues, aber ... interessant zu lesen:
"...bis zum Jahre 2060 nur 10% weniger Neuerkrankungen und 13% weniger Todesfälle..."
http://www.impfschaden.info/impfen/hp... pfung.html

presonic
00

13% weniger von derzeit ca. 160 toten... das ist keine besonders gute aussicht.

Bernhard Kubicek
01
29.12.2008, 18:54
vielleicht weiß mitlerweile

wer antwort:
Ist eine HPV Impfung auch für Männer sinnvoll und wirkend?

helicopter.pylori
00
29.12.2008, 21:39
Gute Überlegung

die Frage finde ich durchaus gut und begründet ...

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