
Viele Bauarbeiter haben dank Konjunkturpaket der Regierung auch in der Krise Arbeit. Viele Frauen-Jobs hängen aber in der Luft.
Wien - Konjunkturpakete haben gerade Hochkonjunktur. Die Regierungen, auch die österreichische, stellen viele Millionen Euro bereit für Sanierung und Renovierung von Straßen, Bahnen und Bauten, um die Wirtschaft am Laufen zu halten und den Arbeitsmarkt zu stützen. - Welchen Arbeitsmarkt?
Vorrangig den männlichen, kritisieren Wirtschaftsforscherinnen. "Es hat eigentlich niemand an die Frauen gedacht" , sagt Gudrun Biffl vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) im Standard-Gespräch. "Die offizielle Arbeitslosigkeit ist die der Männer. Die Frauen-Jobs haben wir sowieso schon verloren. Für sie müsste man etwas tun."
"Einfallslose" Politik
Zwar hat Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SP) für 20.000 Arbeitslose eine "regionalspezifische Qualifizierung" zu Fachkräften angekündigt. Und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) will laut Österreich 3000 arbeitslose Frauen zu Facharbeiterinnen qualifizieren. - Die Expertinnen aber fordern einen breiteren Ansatz.
Gabriele Michalitsch, Politologin und Volkswirtin an der WU Wien, kritisiert die bisherigen Konjunkturvorschläge als "ganz traditionelle, einfallslose Konjunkturpolitik. Warum wird beispielsweise jetzt nichts im Bereich Altenpflege gemacht, wo der Bedarf sehr groß ist?", sagt die Vorsitzende der Expertinnengruppe des Europarates zu "Gender Budgeting", der geschlechtsdifferenzierten Analyse der öffentlichen Haushalte.
Auch Wifo-Expertin Biffl nennt den Aufbau einer regionalen Altenpflegestruktur als einen zentralen Bestandteil eines frauenspezifischen Konjunkturpakets. Als die "zwei großen Probleme, die wir jetzt haben" , identifiziert sie die "Verknappung von Fachkräften" und das "Überangebot von unqualifizierten Arbeitskräften, häufig mit Migrationshintergrund".
Die Frauen seien in einer besonders problematischen Lage, da die Frauenbeschäftigung in Österreich seit 1995 stagniert - trotz steigender Bildungsbeteiligung der Frauen. Zudem sind viele weibliche Beschäftigte von Vollzeit auf Teilzeit umgestiegen - zum Teil auch quasi genötigt durch die Zuverdienstgrenze beim Kinderbetreuungsgeld, kritisiert die Wifo-Expertin.
"Hochqualifizierte Frauen wurden vom Arbeitsmarkt gedrängt, sie kommen später zurück und können, wenn sie einmal rausgekippt wurden, nicht in die Karriereschiene einsteigen. Das wird zwangsläufig einen Langzeiteffekt haben" , warnt Biffl. Dazu komme eine europaweit einzigartige "Stigmatisierung der Mütter. Aber Frauen qualifizieren sich nun mal, also muss etwas für sie getan werden."
Das Problem Teilzeit betont auch WU-Ökonomin Michalitsch: "Ein Konjunkturpaket ist ein einmaliges Maßnahmenbündel, aber im Hinblick auf Gleichstellung sicher nicht ausreichend." Es brauche "strukturelle Maßnahmen, die die atypische Beschäftigung, die für die Frauen große Probleme gebracht hat, betreffen" . In Kombination mit der "Zuweisung von unbezahlter Arbeit im privaten Bereich" ergebe das zwei zentrale Mechanismen, die "für unverändert massive Einkommensdifferenzen zwischen Frauen und Männern seit 30 Jahren verantwortlich sind" .
Erst jüngst belegte der Einkommensbericht des Rechnungshofes erneut, dass Frauen im Durchschnitt noch immer um 22 Prozent weniger als Männer verdienen. Und die Schere geht auf statt zu.
"Weil die Politik fast nichts dagegen tut" , kritisiert Michalitsch. Sie treibe die Deregulierung des Arbeitsmarkts mit der "Reservearmee Frauen" voran. Solange aber öffentliche Pflege und Kinderbetreuung nicht ausgebaut würden, werde sich an den Einkommensdifferenzen nichts ändern.
Wie also könnte den Frauen ein Konjunkturimpuls gegeben werden? Wifo-Forscherin Gudrun Biffl predigt schon lange ein "regionales Entwicklungskonzept für lernende Regionen" , das die großen gesellschaftspolitischen Herausforderungen (Kinder- und Altenbetreuung) mit emanzipatorischer Teilhabe von Frauen und Regionalpolitik verbindet. "Alle sagen immer, das ist Frauenpolitik. In Wirklichkeit ist es Gesellschaftspolitik."
Schöne neue Welt
Der Bund müsste jetzt "den Ländern Geld anbieten, damit diese kleinräumige Pflege- und Betreuungsstrukturen aufbauen" . Durch "die professionalisierte haushaltsnahe Versorgung mit Dienstleistungen" könnte man gleich mehrere Probleme entschärfen: In den Regionen blieben Arbeitsplätze erhalten, neue würden entstehen, die Frauen könnten ihren Beruf ausüben und wie die Männer auspendeln, die Abwanderung in die Städte würde eingebremst, so Biffl: "Absiedelung aus dem ländlichen Raum und Urbanisierung sind ja auch mit Kosten verbunden."
Bei Infrastruktur-Investitionen denkt Biffl an Technik für "virtuelle Pflege" (Hilfe per Knopfdruck). "Die Technisierung von Haushalten erspart mehr Pflegeheime. Das ist die schöne neue Welt." (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 5.1.2009)
Manchmal gibt es sie, diese Momente.
Wie zB wenn ein anderes Medium FAKTEN veröffentlicht, die der MEINUNG von "Expertinnen" den Boden unter den Füssen wegziehen:
http://tinyurl.com/8z27fm
Köstlich!
Negativbeispiel: Graz - Rund 90 Prozent der etwa 270 MitarbeiterInnen des Otto-Versandes in der Logistik-Niederlassung in Graz, die Anfang 2010 schließt, sind Frauen.
Ist Kapitalismus -gemäß Ihrer Definition, die Sie auch auf Statistiken der Genderforschung pauschal anwenden, siehe Postings before- auch Ideologie?
Was finden sie denn köstlich an dem Bericht?
Hier steht "abgesehen von der seit jeher wesentlich schlechteren Entlohnung, arbeiten Frauen wesentlich häufiger in Branchen, die von der Krise bisher nichts oder kaum etwas spüren."
Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen verdienen im Vergleich zu Leuten, die eine ähnlich lange Ausbildung, aber eben in Männerdomänen in der Tasche haben, sehr, sehr viel weniger.
Und natürlich werden keine Schulen geschlossen, wenn das Bankensystem krieselt - warum sie sich da so freuen, versteh ich nicht.
hama wieder tausende getrennte Väter, die die Mütter nur traktieren wollen und nicht zahlen wollen.
Wenn die Frauen doch jobmässig so benachteiligt werden und in synthetischen, nicht wettbewerbsabhängigen, "non profit" Bereichen beschäftigt sind.
Bleibt zu überlegen, was letztendlich lukrativer ist. Querfinanzierung oder Quote?
emotionsloser behandelt werden kann.
Und bei allem Verständnis für den Wunsch nach Gleichberechtigung, lässt sich der biologische Unterschied nicht wegdiskutieren. Allein durch die Fähigkeit der Frau Kinder auf die Welt zu bringen, wird es hier IMMER einen Unterschied geben.
Das es bei der Bezahlung, sprich gleiches Geld für gleiche Leistung, keine Unterschiede geben sollte ist auch klar.
Ein erzwungene Bevorzugung der Frau bei gleicher Qualifikation halte ich aber für problematisch, denn es gibt mehr als nur Hardfacts, die für die Auswahl eines Mitarbeiters gelten (Stichwort: social skills und die Frage: passt die Person auch in das bestehende Team?)
Sie meinen also, allein dadurch, dass Männer nicht dazu gezwungen werden, um 12Uhr mittags die Arbeit zu beenden, um die Kinder vom Kindergarten abzuholen, schlicht aus dem Grund, da sie nicht gebären und stillen können, werde (müsse) es immer Einkommensunterschiede geben?
Vielleicht haben Sie Recht! Vielleicht waren 40 Jahre Frauen-, also Gesellschaftspolitik einfach umsonst!
Vielleicht ist es wirklich so, dass weibliche Lehrlinge in von Männern dominierten Bereichen einfach nicht ins Team passen! Wahrscheinlich sind ihnen beim Kabel einziehen und Schaltkreise prüfen auch schlicht die Brüste im weg! Unglaublich, was ich mir da in österreichischen Leserforen im Jahre 2009 noch alles durchlesen muss. Ignoranz pur.
Eine der beiden "Expertinnen" bedient sich universitärer Pflichtlehrveranstaltungen (Grundzüge der Mikroökonomik), um f€m!n!st!$che !d€0l0gie zu verbreiten.
Daher bezweifle ich ihre Eignung als unvoreingenommene "Expertin" stark.
Diese Information nur, um den Artikel in den richtigen Kontext zu setzen.
Was liegt bloss ihrem Konzept zugrunde, wenn sie die gut belegte und durch zahlreiche Statistiken illustrierbare Annahme der Benachteiligung von Frauen bei Ausbildung, Jobsuche durch Doppelbelastung anzweifeln? Mit wievielen Frauen haben sie schon darüber diskutiert und aus welchen Gesellschaftsschichten kamen sie? Ob sie nun Biffl oder Michalitsch den Expertinnenstatus absprechen bleibt unklar- aber Ihre Attitüde erinnert an einen verzweifeltenen, alten Herren, der Angst hat, "seine" wissenschaftliche Definitionsmacht zu verlieren.
http://tinyurl.com/45w9jc
ebenso die, die nicht alles unreflektiert schlucken was man ihnen vorsetzt.
Ihre Herangehensweise, Ihr Posting mit einem halblustigen Wortspiel auf meinen Nickname zu beginnen und mit vorurteilsbeladenen (und noch dazu in keiner Weise zutreffenden) Spekulationen über mein Alter, meine Motive und meine Befindlichkeit zu beenden bringt mich zu dem Schluss, dass Sie weniger an einer ernsthaften Diskussion als vielmehr an persönlichen Diffamierungen und Pauschalisierungen interessiert sind.
Da Sie sich ergo durch Ihre Formulierung selber disqualifiziert haben, muss ich eine weitere (fachlich sicherlich interessante) Diskussion mit Ihnen leider ablehnen.
PS: wenn Sie den Artikel etwas genauer lesen, wissen Sie, um wen es sich handelt.
Die Metapher des "alten Herren" betrifft ihre Sprechweise, nicht ihr reales Alter, dass ich auf unter 35 schätzen muss- ansonsten wären Sie wohl nicht in den Genuss der Lektüre von Frau Michalitschs Unterlagen gekommen. Sie haben Sie doch gelesen, oder?
Statistiken der letzen 30 Jahre Frauen(beschäftigungs)forschung können nicht als "Ideologie" bezeichnet werden, da haben Sie entweder in Wissenschaftstheorie I u/o Statistik nicht aufgepasst.
das wass männl professoren von sich geben ist alles als subjektiv gemarkt oder objektiv?
mir fällt da ein prof ein, und die behauptung, dass frauen in der naturwissenschaft nichts verloren hätten....
also wenn dann!
dann schauen wir uns aber auch die vergabe der professuren an!
Zwischen "Sicht der Dinge" (persönlicher Standpunkt) und "Ideologie" (allumfassende Weltanschauung mit alleinigem Wahrheitsanspruch inkl. Anfeindung und Diffamierung aller Gegner) ist ein kleiner Unterschied.
Und wer in Pflichtlehrveranstaltungen fachlich irrelevante Ideologien aktiv vertritt, outet sich mMn als befangen.
Fortsetzung: Den Ergebnissen zufolge scheint es in allen untersuchten 15 europäischen Ländern Pfadabhängigkeit zu geben. Kasy: „Weitere Untersuchungen deuten zudem darauf hin, dass ihr Ausmaß bei Frauen höher ist als bei Männern. Das könnte etwa damit zu tun haben, dass Frauen, wenn sie ihre Arbeit verlieren, schneller in andere soziale Rollen abgedrängt werden.“ (ganzer Artikel siehe unter http://diepresse.com/home/tech... simarchiv)
Diese "sozialen Rollen" zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie als "nicht qualifiziert" gelten und meist unentgeltlich stattzufinden haben.
Auch in einer aktuellen Arbeit des Phd.Studenten Max Kasy finden sich ähnliche Ergebnisse, wie sie Sie vermutlich auch in Thesen oder Statistiken von Frau Michalitsch gehört haben. Kurz:
„Im Fall einer Pfadabhängigkeit gibt es zusätzliche Gründe, mehr Mittel für die Glättung des Konjunkturzyklus zu verwenden. Denn bei einem Abschwung werden mehr Personen arbeitslos und tun sich dann mit dem Wiedereinstieg in eine Beschäftigung schwerer, was die Arbeitslosigkeit dauerhaft, über den Zyklus hinaus, erhöhen würde.“
Hab ich damals eh gemacht - beim damaligen Institutsvorstand, der mittlerweile OeNB-Gouverneur ist... ;-) Der hat sich auch bei mir (stellvertretend für die Teilnehmer der LV) entschuldigt.
Aber da dürfte dann nichts weiter passiert sein, und der besagte Professor ging dann recht bald in die Privatwirtschaft, und ich habe das dann ehrlich gesagt auch nicht weiter verfolgt.
Aber offensichtlich sieht man sich immer 2x im Leben!
Wie kann sich ein Bankenschef bei Ihnen dafür entschuldigen, dass Sie sich mit Frauenforschung und Frauenarbeitslosigkeit beschäftigen mussten?
Gibt es nun ein Grundrecht für BWL-Studenten, sich für Geistesgeschichte und Genderstudies entschuldigen lassen zu dürfen?
http://tinyurl.com/45w9jc
Dann haben Sie den Job mit Sicherheit. Von Ihrem Weltbild sollten Sie dann aber Abschied nehmen.
Wenn Sie schon einmal mit Ausbildnern von Siemens oder der Metallbranche gesprochen hätten, wüssten sie, warum junge Frauen es noch immer nicht schaffen, ihre Lehren dort zu absolvieren.
Ich könnte Ihnen das mit einigen Fällen illustrieren,
aber unbezahlte Nachhilfe geb ich nicht.
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