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In Südafrika zeichnet die Zoologin Monika Eberhard Morsecodes von Fersenläufern auf.
"Mantophasmatodea": Mehrmals während des Gespräches verwendet Monika Eberhard den Begriff und stolpert nicht einmal über den lateinischen Zungenbrecher. Die Zoologin schreibt ihre Dissertation über Anatomie, Physiologie und Kommunikation mit Klopfzeichen bei einer erst 2002 entdeckten Insektengruppe.
Die Mantophasmatodea, zu Deutsch "Fersenläufer", fielen erstmals dem deutschen Doktoranden Oliver Zompro auf, der einige Fossilien nicht zuordnen konnte. Weil die von ihm aufgestöberten Museumsexemplare aus Südafrika stammten, wurde dort nach lebenden Tieren gesucht und schließlich nach 87 Jahren erstmals wieder eine neue Ordnung im Insektenreich beschrieben. Ein meist weggestrecktes letztes Fußglied (Tarsus) wurde namensgebend für die Gruppe.
Monika Eberhard, Zoologin an der Uni Wien, ist eine von rund zehn Forschern und Forscherinnen weltweit, die sich mit Mantophasmatodea beschäftigen. Arbeit und Lebensunterhalt bestreitet sie derzeit mit einem L'Oréal-Stipendium "For women in Science", denn eine Anstellung gibt es für sie nicht. Was auf den ersten Blick wie ein "Orchideenthema" wirkt, hat jedoch weitreichende Anknüpfungspunkte und führte die 27-jährige Afrikabegeisterte nicht zuletzt nach Kapstadt.
Die im Schnitt nur zweieinhalb Zentimeter langen und flügellosen Fersenläufer kommen heute nur in Südafrika und Namibia vor, wo sie im dortigen Winter in kleinen Dornbüschen oder Grasbüscheln sitzen und noch kleinere Insekten fressen. Um einen passenden Partner zu finden, klopfen die mobileren Männchen mit dem Hinterleib auf den sprichwörtlichen Busch und warten auf ein artspezifisches, weibliches Antwortsignal. An jeder Weggabelung legt das Männchen je ein Bein auf die abzweigenden Ästchen und spürt, aus welcher Richtung die Antwort kommt.
Die Zoologin zeichnete die Morsecodes auf und machte Paarungsversuche, "um zu sehen, ob sich verschiedene Arten verstehen". In Ulm untersuchte sie im September die Funktion des Scolopodialorgans. Mit diesem Schwingungsrezeptor unter jedem der sechs Knie nehmen die Fersenläufer Vibrationen wahr. Die Elektrophysiologie an kurzen Beinen kleiner Insekten "war nicht ganz einfach".
Das fachliche Spektrum der Niederösterreicherin - von Anatomie bis Verhaltensbiologie - lässt sich auch auf andere Insekten übertragen. Die Kerbtiere machen immerhin mehr als die Hälfte aller beschriebenen Arten aus: "Wir könnten ableiten, wie sich Kommunikation bei Insekten allgemein entwickelt hat. Vibration ist ein simples Signal und steht wohl eher an der Basis." Für Fersenläufer ist es jedenfalls unverwechselbar, und so wird in der Kommunikation weder Zeit noch Energie verschwendet.
Seit 2003 hält die Biologin mit großer Begeisterung Tutorien und findet es schade, dass man in Österreich während der Dissertation kaum in den Lehrbetrieb eingegliedert ist, trotz Mangels an Lehrpersonal. Für die Sicherung einer Postdoc-Stelle bewirbt sie sich jedenfalls um ein FWF-Einzelprojekt. (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Printausgabe 14.01.2009)
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