"Quoten haben wir nicht nötig"

Beate Hausbichler, 20. Jänner 2009, 18:13
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    foto: frank augstein

    "Frauen wird es dann betreffen, wenn sich die Wirtschaftskrise auf das Konsumverhalten auswirkt, da Frauen mehr im Handel und im Dienstleistungsbereich arbeiten", so Fürntrath-Moretti.

Eine Diskussionsrunde stellte die Frage, inwieweit Frauen von der Wirtschaftskrise betroffen sind - Einschätzungen von Expertinnen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft

Die Diskussionsbeiträge einer Veranstaltung am 12. Jänner im Wiener Depot zum Thema Frauen und Wirtschaftskrise fokussierten sich vor allem auf die gegenwärtige Situation von Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Wie die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen verkleinert werden können, aber auch wie diese Unterschiede immer wieder reproduziert werden wurde unter anderem von Marion Breiter, Renate Csörgits und Ulrike Mühlberger erörtert. (Nachlesen: "Krise schon vor der Krise"). Auch die Positionen und Einschätzungen von Adelheid Fürntrath-Moretti, Bundesvorsitzende Frauen und Wirtschaft und Nationalratsabgeordnete der ÖVP und Erna Dittelbach von feminist-attac bezogen sich vor allem auf die aktuelle Lage von Frauen.

Selbst ist die Frau?

Adelheid Fürntrath-Moretti machte die Beobachtung, dass die unterschiedlichen Verdienste nicht zuletzt auf den Zugang von Frauen zu ihrem Beruf zurückzuführen sind. Während Frauen sich in erster Linie überlegen, "ob ich das kann" und erst in zweiter Linie an die Entlohnung denken, konnte Fürntrath-Moretti solche Prioritäten bei Männer bisher nicht beobachten. Für diese steht der Verdienst klar an erster Stelle, so Fürntrath-Moretti, "auch verfügen Männer über bessere Netzwerke." Frauen legte Fürntrath-Moretti nahe, sich diese Fähigkeit zur Vernetzung anzueignen und "weniger stutenbissig" zu sein, worauf sowohl im Publikum als auch auf dem Podium mit Kopfschütteln reagiert wurde. Was dieser Begriff eigentlich bedeuten soll, kam die Frage aus dem Publikum, auch war die Feststellung im Saal zu hören „ja klar, Frauen sind zickig und stutenbissig und Männer konkurrenzfähig." Fürntrath-Moretti konnte die Empörung nicht ganz nachvollziehen und ließ sich auch nicht weiter von den Kommentaren zu diesem Begriff irritieren.

Nicht nötig?

Auf den Vorschlag von Marion Breiter, auf "handfeste Maßnahmen wie Quoten", zu bestehen reagierte Fürntrath-Moretti mit Ablehnung. "Das haben wir doch gar nicht nötig" und dass in "demokratische Prozesse" nicht eingegriffen werden darf, zeigte sich Fürntrath-Moretti besorgt.
Insgesamt schätzte Fürntrath-Moretti die derzeitige Lage als nicht sehr drastisch ein. Sie als Unternehmerin konnte zwar im November und Dezember ein leichtes Wachstumsloch bemerken, die Skigebiete sind aber nicht nur von AusländerInnen bevölkert, "die sich dieses Freizeitvergnügen leisten wollen und können", sah es Fürntrath-Moretti positiv. Derzeit betrifft die Wirtschaftskrise vor allem Männer auf Grund der Auswirkungen der Krise auf den Industriebereich, so ihre Einschätzung. "Frauen wird es dann betreffen, wenn sich die Wirtschaftskrise auf das Konsumverhalten auswirkt, da Frauen mehr im Handel und im Dienstleistungsbereich arbeiten". "Letztlich ist es aber wichtig positiv zu denken, den Krise bedeutet auch immer eine Chance" riet Fürntrath-Moretti ebenso wie "flexibel sein".

Unbezahlte Vor- und Nacharbeiten

Erna Dittelbach von feminist-attac signalisierte ein ganz anderes Verhältnis zur „Flexibilität". Sie sprach von einem immer größer werdenden "Zwang zur Flexibilität". Ebenso ist es zunehmend üblich, dass diverse Vor- oder Nacharbeiten gar nicht mehr bezahlt werden, so Dittelbach. Auch die Antwort auf die Frage, welche Gruppe von Frauen am meisten von der Wirtschaftkrise betroffen sein könnten, klang alles andere als positiv: "Für Frauen an der Armutsgrenze ändert sich nichts, die bleiben, wo sie sind". Bedenklich fand Dittelbach auch, dass trotz Krisenzeiten weder Konzepte gegen die Schere zwischen Arm und Reich, noch neue Maßnahmen gegen die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen vorliegen. Auch könnte beispielsweise jetzt der nötige Ausbau des Pflege- und Versorgungsbereiches stattfinden und vorgenommene Konjunkturmaßnahmen müssen viel stärker auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden, schlug Dittelbach vor.

Machtfrage verschwiegen

Dass "wir Frauen" Quoten nicht nötig haben, wollte Dittelbach nicht unkommentiert stehenlassen. Fürntrath-Morettis Argumentation gegen Quoten impliziert, dass Frauen selbst schuld sind, wenn sie es nicht in bestimmte Positionen schaffen, warf Dittelbach ihrer Mitdiskutantin vor. Damit wird die Machtfrage und die ungleiche Verteilung der Versorgungsarbeit verschwiegen und suggeriert, dass es "natürlich" ist, dass Frauen mehr unentgeltliche Arbeit leisten, so Dittelbach. "Eine Argumentation gegen Quoten ist eine Argumentation gegen Frauen", meinte sie.

Konsens zwischen allen Diskutantinnen schien zu sein, dass sowohl die Schwierigkeiten als auch die Verbesserungsmöglichkeiten für Frauen auf dem Arbeitsmarkt vielfältig sind - Krise hin oder her. (beaha, dieStandard.at, 20.1.2009)

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Posting 1 bis 25 von 56
1 2
grauekatze
43
21.1.2009, 21:09
ich empfehle die von mir sehr verehrte fr. hammerl

http://tinyurl.com/9faswq

hatte schon mal einen genialen artikel dazu, ist aber schon länger her.
weiter tee trinken :)

Fanden
31
21.1.2009, 20:43
Nun ja


Quoten werden in unserer ach so modernen Zeit leider allzu oft für politische bzw. ideologische Ziele missbraucht. Quoten nur dort einzuführen, wo es den Feministinnen genehm ist, lässt nur deren Opportunismus deutlich erkennen. Nur dort Gleichstellung zu fordern, wo es nicht weh tut, derjenige diskreditiert sich selbst und das ganze Anliegen.
Nebenbei noch alte, sehr genehme Zöpfe mit allen Mitteln zu verteidigen, und je nach Bedarf die Opferkarte auszuspielen und Täterinnen mit allen Mitteln zu verharmlosen, nun ja, was kann man da noch zu sagen.
Lg Fanden

Gefräßige Gebärmutter
02
22.1.2009, 13:22
Genau.

Quoten werden missbraucht, Toleranz wird missbraucht, Rechte werden missbraucht.

Darum alles abschaffen, jede/r gegen jede/n, i bin i.

Sonst noch was?

Mentos666
14
21.1.2009, 15:41
Argumente gegen die Quote:

- sie kommt nur ohnehin privilegierten Frauen zu gute. Die Durchschnittsfrau kämpft weiterhin mit ihren Altagsproblemen.
- sie verhärtet die Fronten - so wird jede Frau automatisch zur Quotenfrau und hats noch schwerer sich Durchzusetzen
-sie ist Symptom- und keine Ursachenbekämpfung. Die waren Probleme liegen in der Karenzverteilung, den fehlenden (flexiblen) Kinderbetreuungsplätzen usw. - Symptombekämpfung verkompliziert oft eine Erkrankung.
-Quotenregelungen sind diskriminierend.
-will man einen Durchschnitt von 40% erreichen muss es auch nach unten einen Spielraum geben.

muss jetzt leider gehen ;-)

presonic
01
21.1.2009, 17:46

und deine argumente gegen die herrschende lage und die verbesserungsvorschläge?

eine quote wäre eine vorübergehende lösung, die in vielen ländern schon tolle erfolge gebracht hat und das denken der menschen verändert hat. (darum gehts ja im endeffekt)

Mentos666
12
22.1.2009, 07:21
sinnvolle langfristige Vorschläge:

-stärkerer Ausbau der Karenzteilung
-Ausbau und Flexibilisierung der Kinderbetreuung
-umfangreiche Ausbildungs- und Berufsberatung für ALLE Jugentlichen (finanziert durch die Streichung sämtlicher öffentlich finanzierter Gender-Sensibilisieruns-blabla-Projekte)
- Abhängigkeit der Höhe des Karenzgeldes von der Höhe des letzten Gehalts
-Wehr- und Zivildienstpflicht für ALLE Österreicher (zwecks Akzeptanz)
-Abschaffung des Frauenministeriums (sind Frauen wirklich so schwach, dass sie ein eigenes Ministerium brauchen
-Transparents bei der der Vergabe von Vorstandsposten

Der Gendermainstream-Quoten-Schwafu ist doch purer Populismus, basierend auf einer fragwürdigen, einseitgen, sich oft widersprechenden Ideologie

grauekatze
01
22.1.2009, 13:34
ihre vorschläge

sind schon interessant und auch grösstenteils zu befürworten, mir gefällt allerdings nicht dieser beleidigte "wir armen, armen, armen benachteiligten (und armen) männer die wehrdienst machen müssen".

wie soll man solche vorschläge in einer gesellschaft, die eben noch nicht diese leitbilder hat, durchsetzen? zuerst muss bewusstsein geschaffen werden! ich befürworte auch nicht alle genderideen, manche sind tatsächlich ein wenig fragwürdig, würde aber niemals die allgemeine existenzberechtigung zb eines frauenministeriums anzweifeln, dafür lebe ich zu sehr in der wirklichkeit.

presonic
01
22.1.2009, 12:13
deine vorschläge sind gut.

aber wie genau willst du die karenzteilung ausbauen?

dass die frauen heute überhaupt zum bundesheer dürfen, verdanken wir nur den echten kampfemanzen.
beim bundesheer spielen aber auch noch andere dinge mit: die wehrhafte frau mit der waffe in der hand entspricht nicht dem frauenbild in österreich. da müsste sich was ändern. frauen gehören auf jeden fall ermutigt, zum bundesheer zu gehen.

ein frauenministerium ist so lange notwendig, so lange frauen aufgrund ihres geschlechts benachteiligt werden. sollte das irgendwann nicht mehr der fall sein, kann es gerne abgeschafft werden.

ShockAndAwe
11
23.1.2009, 14:59
"ihres geschlechts benachteiligt werden"

Welche Benachteiligungen?

Wehr/Zivildienst?
Pensionsantrittsalter?
"Ladies free entry"-Lokale?

presonic
00
26.1.2009, 16:43
"Ladies free entry"-Lokale?

in welcher welt lebst denn du???

Mentos666
01
23.1.2009, 09:59
Schön, dass Frauen zum Bundesheer dürfen, während Männder MÜSSEN!

Entweder gleiche Rechte UND Pflichten oder man muss sich eben den berechtigten Vorwurf der "Rosienenpickerei" gefallen lassen!

Das von ihnen aneprangerte österreichische Frauenbild (dass meiner Meinung nicht ganz so konservativ ist, wie sie es darstellen) kann eher durch Taten verändert werden als durch Diskussionen!

Eine feministische Bewegung, die endlich auch mal die Gleichstellung bei den (gesetzlich verordneten!!!) Pflichten verlangt und nicht nur bei den Rechten würde eine breitere Akzeptanz, auf der ganzen Linie erhalten, als es zur Zeit der Fall ist.

Dss Frauenminist. erfüllt einen rein künstlich geschaffenen Sinn. Gleichberechtigung ist resortübergreifend und gehört nicht in irgendeinen "Frauenminist.-Ecke" gestellt!!!

presonic
00
23.1.2009, 14:30

leider enthält dein posting keine antwort auf meine frage. schade.

Mentos666
00
23.1.2009, 15:43
Sry...vom hundertsten ins tausendste ;-)

Seit kurzem gibt es 3 kinderbetreuungsgeld-Modelle, die eine Teilung der Karenz zwischen den Eltern mit einer Verlängerung der Gesamtdauer um 2, 4, bzw. 6 Monate belohnen.

Dieser sinnvolle Schritt, der bereits gesetzt wurde sollte meiner Meinung nach weiterentwicklet werden.

Es wäre also meiner Meinung nach wichtig zu erruieren, in welchem Umfang das derzeitige Modell eine Änderung der Karenzverteilung zwischen Mann und Frau bewirkt hat. Daraus kann geschlossen werden, in welchem Umfang eine Weiterentwicklung dieses Anreizsystems sinnvoll wäre.

presonic
00
26.1.2009, 16:45

das ist ein schönes anliegen. aber es gibt doch schon beispiele, wie man das weiterentwickeln kann und wohin es führt. z.b. schweden.
warum es nicht gleich nachmachen, wenn man sieht, dass es toll ist? warum alles selber eruieren zu lasten der bürger?

Der Unkurze
00
21.1.2009, 22:06

-anpassung der karzen, des pensionsabtrittsalters -und der wehrpflicht
-bereitstellung von günstigen flexblen kinderbetreuungsplätzen

presonic
01
22.1.2009, 12:15

was ist mit den privaten pflegebedürftigen, die derzeit fast zu 100% unentgeltlich von frauen betreut werden?

die anpassung des pensionsantrittsalters wäre eine weitere beseitigung einer benachteiligung für frauen, also das sollte schleunigst durchgesetzt werden.

Fanden
21
21.1.2009, 20:58

Als ob Argumente etwas bringen würden. Argumente sind massgeblich, wenn zumindest etwas Logik als Grundlage akzeptiert wäre, aber diese Forderungen sind rein geschlechterpolitisch und für die Wirtschaft in ihrer heutigen Situation nur noch ein Mühlstein mehr am Halse.
In Deutschland werden die bezahlten Jobs der Gleichstellungsbeauftragten in kleinen Portionen umgewandelt in Halbtagesstellen oder ehrenamtliche Posten. Ist ja auch oftmals nichts mehr zu tun, entgegen aller Polemik. Wo sollen diese Damen hin ohne Quote?

haudi
00
21.1.2009, 15:38
Bild:

Helga R. beim shoppen: "Das ist so anstrengend"

frachter
02
21.1.2009, 10:41

Menschen bewegen sich zumeist in vorgegebene Richtungen, da es für gewöhnlich der einfachere Weg ist.

Schon mal überlegt: Warum sind grad Frauenberufe schlcht bezahlt????
Weil Frauen nicht weniger dabei leisten sondern weil es als weniger Wert angesehen wird!!!!!!!!!!

Daher gibt es auch die ewigen Schlagzeilen: bei gleicher Arbeit veridenen Männer mehr.
Da sitzt in der Personalabteilung ein mann, der auch meint, Frauen sind an Ihrer misere 100% selbst Schuld, die können sich nicht durchsetzten, der zahl i sicher net glei viel

Mentos666
01
26.1.2009, 08:37
"Da sitzt in der Personalabteilung ein Mann..."

ein bisschen einfach gestrickt - Ihr Weltbild!!!

Liegt die verhältnismäßig schlechtere Bezahulung wirklich daran, dass manche Berufe als typisch weiblich abgestempelt sind?

Ein Beispiel: Piloten verdienen bei gleicher Seniorität deutlich mehr als Flugbegleiter. Liegt das wirklich daran, dass der Beruf des Flugbegleiters als Frauenberuf gilt, während der Beruf des Piloten ein Männerberuf ist?

Sollte die Konsequenz aus dieser eigenartigen Rollenverteilung nicht vielmehr sein, dass sich mehr Frauen für eine Pilotenausbildung bewerben, als dass Flugbegleiter das gleiche Gehalt wie Piloten beziehen?

Alkolix
00
21.1.2009, 11:50

was sind typische frauenberufe?

Der Unkurze
00
21.1.2009, 11:57

friseuse, kindergärtnerin, flugbegleiterin, supermarktkassiererin (bzw einzelhandslkauffrau) hotelfachkraft, sekretärin, krankenschwester, lehrerin (vorallem volksschule und unterstufe)

die würde ich zumindest als typische klischeebedingte frauenberufe ansehen

presonic
01
21.1.2009, 17:47

und es ist wirklich tragisch, dass schwerarbeiterberufe wie die in pflegeberufen so unterbezahlt sind....

Der Unkurze
21
21.1.2009, 22:07

ja weil sichs sonst niemand leisten könnte, das können heute schon zu wenige

und schwerarbeit ists nr bedingt

presonic
11
22.1.2009, 12:16

wie wäre das erst, wenn alle frauen, die privat pflegebedürftige betreuen, geld für ihre arbeit bekommen würden?

schwerarbeit ist das nur bedingt? komm mal in ein pflegeheim....

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