And I am a material girl

06. März 2009, 19:00
  • Artikelbild: Margit Schratzenstaller ist stellvertretende Leiterin des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo).    - Foto: STANDARD/Cremer

    Margit Schratzenstaller ist stellvertretende Leiterin des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo).

Die Steuerreform weist eine Reihe zum Teil widersprüchliche Gender-Wirkungen auf - Kommentar von Margit Schratzenstaller

Pünktlich zum Weltfrauentag wurde Österreich erneut ein Rückschritt auf einem wichtigen gleichstellungspolitischen Gebiet bescheinigt: Beim geschlechtsspezifischen Lohngefälle ist Österreich innerhalb der EU auf den vorletzten (den 26.!) Platz abgerutscht; Frauen verdienen um gut ein Viertel weniger als Männer. Dieser wachsende Gender-Pay-Gap hat nicht nur den direkten Effekt, dass die materielle Situation von Frauen und Männern immer mehr auseinanderdriftet, indirekt bewirkt er darüber hinaus, dass formal neutral formulierte wirtschaftspolitische Maßnahmen Frauen und Männer de facto unterschiedlich betreffen. Und umgekehrt wirft die - in Österreich anders als in den meisten anderen europäischen Ländern steigende - Einkommensdifferenz zwischen den Geschlechtern die Frage auf, inwieweit sie auch durch die Wirtschaftspolitik mit verursacht ist.

Umso erstaunlicher ist es, dass geschlechtsspezifische Aspekte in der öffentlichen Debatte über die aktuellen steuerpolitischen Maßnahmen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Auch in der öffentlichen Anhörung im Finanzausschuss vor wenigen Tagen thematisierten die (im Übrigen ausschließlich männlichen) Experten mögliche genderrelevante Wirkungen der Steuerreform 2009 nur am Rande.

Dabei weist die Steuerreform eine Reihe von zum Teil widersprüchlichen Gender-Wirkungen auf. Zunächst sind die Verteilungswirkungen von Interesse. Da höhere Einkommen eine deutlich größere absolute Entlastung erfahren als niedrigere Einkommen, profitieren Männer von der Senkung der Lohn- und Einkommensteuer, absolut betrachtet, stärker als Frauen. Die relative Entlastung ist dagegen bei den niedrigeren Einkommensgruppen - in denen sich Frauen stark konzentrieren - höher. Die Steuerreform trägt damit zur Verringerung des Gender-PayGap bei.
Allerdings bleiben von den Entlastungen jene Steuerpflichtigen ausgeschlossen, deren zu versteuerndes Jahreseinkommen mit bis zu 10.000 Euro so gering ist, dass sie ohnehin keine Steuer bezahlen. In der Mehrzahl sind dies Frauen; sie kann man nur durch eine Reduktion der Sozialversicherungsbeiträge entlasten. Dass im Rahmen der Steuerreform 2009 hierauf verzichtet wurde, hat auch verteilungspolitische Implikationen. (DER STANDARD, Print, 7./8.3.2009)

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No Lane
09.03.2009 12:04
Frauen haben trotz geringerem Einkommen mehr Geld


Aber sie sind im Schnitt fachlich geringer qualifiziert, suchen sich "angenehme" aber witschaftlich uninterressante Jobs aus, arbeiten mehr in Teilzeit und haben wegen der Kinderpausen im Schnitt weniger Berufserfahrung. Und trotz ihres geringeren Einkommens haben sie mehr Geld.

Wie das geht?

Ganz einfach: sie bekommen vom Staat und von den Männern Unterstützung (Familienbeihilfe, Alimente, Wohnungen im Scheidungsfall). Sie konsumieren zwei Drittel - also doppelt so viel wie die Männer - der Sozialausgaben. Und damit dieser Vorteil noch verstärkt wird, leisten sie keinen Präsenzdienst und gehen trotz höherer Lebenserwartung früher in Pension.

Und das bei mehr Freizeit und mehr Kontakt zu ihren Kindern.

Neoliberaler Gutmensch
08.03.2009 22:38
Wie wärs damit ...

... Frauen zahlen in Summe weniger Steuer als Männer. Sofort gleichstellen?

friedrich wilhelm voigt
08.03.2009 15:22
wer keine steuer zahlt, profitiert nicht von der steuerreform.

wie unfair!

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