IVF

Je mehr Embryos, desto schlechtere Chancen auf gesunden Nachwuchs

28. März 2009, 08:39

Studie finnischer ForscherInnen zeigt, dass Einpflanzen einer einzigen Eizelle erfolgversprechender ist

Paris - Bei künstlichen Befruchtungen ist anders als bisher angenommen das Einpflanzen eines einzigen Embryos offenbar erfolgversprechender als der Versuch mit mehreren Eizellen. Zudem ist das Einpflanzen von nur einem Embryo für die Gesundheit weniger gefährlich und außerdem kostengünstiger, wie finnische WissenschaftlerInnen in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie feststellten.

Die ForscherInnen aus Oulu erhoffen sich nach eigenen Angaben, dass auch PolitikerInnen die Ergebnisse in Hinblick auf die Diskussion um Mehrlingsgeburten zur Kenntnis nehmen. In den Vereinigten Staaten hatte eine Frau im Jänner Achtlinge geboren und eine hitzige Diskussion ausgelöst. 

Fünf Prozent höhere Chance

Die Forschungsgruppe untersuchte rund 3.600 künstliche Befruchtungen. In einer ersten Zeitspanne zwischen 1995 und 1999 bekamen vier Prozent der Frauen einen einzigen Embryo eingepflanzt, allen anderen wurden zwei befruchtete Eizellen eingesetzt. In einer zweiten Untersuchung zwischen 2000 und 2004 wurde es bei 46 Prozent der Frauen mit nur einem Embryo versucht.

Der Studie zufolge war die Chance, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen, bei den Frauen mit nur einem eingepflanzten Embryo um fünf Prozent höher. "Die politischen Entscheidungsträger sollten unsere Ergebnisse genau beachten", erklärte die Wissenschaftlerin Hannu Martikainen zur Veröffentlichung der Ergebnisse. 

In den USA unreguliert

Mehrlingsgeburten sind äußerst umstritten, da sie die Gesundheit der Mutter gefährden und oft mit Entwicklungsstörungen der Kinder verbunden sind. Viele Länder schreiben daher vor, wie viele Embryonen einer Frau höchstens eingepflanzt werden dürfen. Nach dem Embryonenschutzgesetz in Deutschland dürfen innerhalb eines Zyklus maximal drei Embryonen eingepflanzt werden. In Großbritannien sind nur zwei Embryonen erlaubt, ab übernächstem Jahr soll sogar nur noch einer sein. In den USA gibt es keine Begrenzungen für die Anzahl der Embryonen. (APA/Ag.)

trace route
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30.3.2009, 15:51
Medizinische Artikel erfordern meiner Ansicht nach häufig eine Interpretation bzw kritische Hinterfragung, zu der reine Journalisten die nicht gleichzeitig auch ein Medizinstudium absolviert haben, leider nicht in der Lage sind. Hier mein Versuch...

einer kritischen Analyse dieser Studie seitens meiner Wenigkeit (Ärztin in Forschung):

Das Ergebnis der Studie ist interessant, weil es widersprüchlich ist: Das Einpflanzen eines einzigen Embrys (in der Fachsparche übrigens „Single Embryo Transfer“ (SET) genannt, führte zu einer 5% höheren Chance auf eine Schwangerschaft als das Einpflanzen mehrerer Embryonen. Dies erscheint paradox. Sollte nicht "mehr Embryos" auch "größere Chance" bedeuten? Falls es sich um ein generelles Phänomen handeln sollte, wäre dies „gefundenes Fressen“ für konservative Politiker und für die Kirche, die ohnehin immer schon forderten, dass „so wenig wie möglich Embryonen“ verwendet werden.

Aber können die Ergebnisse wirklich als "gesichert" betrachtet werden?

trace route
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30.3.2009, 17:27
Meiner Ansicht nach nein! Denn die Studie weist doch einige Probleme auf:

Insbesondere wurden hier die Ergebnisse von zwei völlig unterschiedlichen Studienzeiten verglichen, einerseits 1995 bis 1999 und andererseits 2000 bis 2004.

Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass dieses Resultat in Wahrheit nicht darauf zurückzuführen ist, dass "ein Embryo besser ist als mehrere", sondern dass einfach irgendetwas in der Methodik der IVF zwischen 2000 und 2004 besser wurde als es vorher war.

Ich habe das paper heruntergeladen. Darin finde ich auch schon eine potentielle Erklärung: Und zwar war die Erfolgsrate bei "frozen embryos" in den Jahren 2000 bis 2004 deutlich höher als in den Jahren zuvor. Möglicherweise hat diese Verbesserung zu dem beobachteten Effekt zumindest beigetragen!

Lady Prudence of Fairfax
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30.3.2009, 22:52

nichts für ungut, aber auf die idee, dass es vielleicht an einer verbesserten methodik liegt, wäre selbst ich als laie gekommen...

trace route
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30.3.2009, 23:58
Gut. In diesem Fall ist ein wesentlicher Teil der Problematik auch Laien erkennbar. Bei anderen Studien ist es oft viel schwieriger, einen potentiellen bias (Verzerrung) zu erkennen. Mit meinem Posting will ich aufmerksam machen, dass medizinische...

Artikel eigentlich von ÄrztInnen verfasst werden sollten. Denn solche Artikel sind ähnlich zu werten wie die Infos, die Ärzten an Patienten geben. Nicht korrekte Interpretation medizinischer Information kann gefährlich werden!

Übrigens: Haben Sie auch

1) das paper heruntergeladen? (Haben Sie überhaupt Zugriff darauf, wenn Sie nicht auf einer Uni tätig sind, müssen Sie für das Downloaden des Artikels bezahlen)

2) beim Lesen des papers auch die potentielle Ursache für den "bias" entdeckt, nämlich dass die Erfolgsrate bei den "frozen embryos transfers" in den beiden Zeiträumen total unterschiedlich war?

3) entdeckt dass das paper eigentlich vom Vergleich zweier Zeiträume spricht, der Std-Artikel jedoch von "one egg" vs "mehr eggs" spricht?

Lady Prudence of Fairfax
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nach einer gründlichen CDA (Critical Discourse Analysis - Kritische Diskurs Analyse) wurde mir klar, dass ich sie gekränkt habe, das tut mir leid.

es geht nicht darum WER etwas schreibt, sondern um den INHALT. und die "fachkenntnisse" von ärzten/ ärztinnen können sehr divergent (verschieden) sein. weswegen man sich bei einem problem in der regel immer mehrere meinungen einholt. Gar nicht selten sind auch ganz groteske med. meinungen dabei...

also auch leute, die nicht vom fach sind, sollen sich äußern dürfen, wenn sie sich in eine thematik vertiefen und einen kritischen zugang haben.

und mal ehrlich, finden Sie mein posting sympathisch? in dem ich mit klammern meinem gegenüber suggeriere unwissend zu sein?
augenhöhe schafft vertrauen

trace route
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Herzlichen Dank für Ihre Klarstellung.

Selbstverständlich dürfen sich auch Leute die nicht vom Fach sind äußern, wobei es hilfreich ist wenn zu erkennen gegeben wird wenn sich jemand in die Materie vertieft hat und wie Sie sagen einen kritischen Zugang hat. Mit letzterem tun sich möglicherweise Außenstehende, die nicht "im System gefangen" sind, sogar leichter... Ihre Aussage mit den Klammern habe ich jedoch nicht verstanden, meinen Sie damit das in Klammern gestellte (Critical Discourse Analysis)? Damit geben Sie meiner Ansicht nach eher zu verstehen, dass Sie über Diskursanalyse bescheid wissen. Der Aussage "Augenhöhe schafft Vertrauen" stimme ich wieder zu. Das "über den PatientInnen schweben" mancher KollegInnen kritisiere ich in der Klinik immer wieder...

Lady Prudence of Fairfax
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ich reagiere stark allergisch darauf, wenn ich das gefühl habe menschen stellen sich aufgrund ihrer gesellschaftlichen position, ihrer bildung, herkunft etc. über andere. ihre vorhergehenden postings machten, aufgrund der erläuterungen in klammern und die erwähnung ihres berufs, auf mich diesen eindruck, das wollte ich ihnen in meinem letzten posting sagen.

nachdem sie mich mit meinem zynismus auf wunderbare art und weise anrennen ließen und ich nun verstanden habe, dass das ihre art des diskurs ist, ohne absicht darauf sich zu erheben, bin ich versöhnt. ;o) also falls wir uns wieder begegnen sollten, werde ich über die klammern einfach hinwegsehen. ;o)

PostIt
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28.3.2009, 14:32
versteh ich nicht ganz

vergleicht man hier daten verschiedener jahrzehnte? außerdem werden mehrere embryonen oft erst dann "eingesetzt", wenn vorherige versuche mit einem gescheitert sind.

Zinnmo
 
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29.3.2009, 16:28

Wo vorher selektiert wird, genügt meistens ein (gesunder) Embryo. Nur wenn man ohne Ansehen einsetzt, muß man zur Sicherheit mehrere einsetzen, weil die Wahrscheinlich, daß das Einsetzen schief geht, und einer der Embryos sich nicht einnistet, sehr hoch ist. Gerade diese Embryoselektion ist aber in Österreich verboten, was dazu führt, daß oft mehrere Embryos (3-4) eingesetzt werden und im unwahrscheinlichen Fall, daß sich alle einnisten muß dann selektiv abgetrieben werden, damit die Schwangerschaft nicht ein extrtem hohes Risiko hat etwas später schiefzugehen.

Das Gesetz zum Verbot der Embryoselektion ist absolut abzulehnen.

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