Mode-Ikone Beth Ditto

Richtig daneben

02. April 2009, 17:00
  • Artikelbild: Derzeit ist die Sängerin öfter bei Modeschauen als auf der Bühne zu sehen.  - Foto: getty/Simone Joyner

    Derzeit ist die Sängerin öfter bei Modeschauen als auf der Bühne zu sehen.

Sie ist dick, lesbisch und rasiert sich weder Beine noch Achseln - Trotzdem ist die Sängerin Beth Ditto die neue Ikone der Modewelt

 Wie das möglich ist, fragt Stephan Hilpold.

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Es gehört zu den Eigenarten der Mode, dass sie in regelmäßigen Abständen neue Modeprinzessinnen kürt. Sie müssen frisch und unverbraucht sein und für einen besonderen Lebensstil stehen. Stilikone, sagte man früher zu ihnen, heute verwendet man das Wort It-Girl. Besondere Eigenschaften oder ein außergewöhnlicher Notendurchschnitt werden von ihnen nicht verlangt.

Es reicht, dass sie schön anzusehen sind und mit Jungdesignern um die Londoner Häuserblocks ziehen (Agyness Deyn), dass sie im richtigen Moment aus einer Torte hüpfen (Dita von Teese) oder wegen ihrer knochigen Hüften Magersuchtgerüchte nähren (Victoria Beckham). Nach einigen Saisonen verschwinden sie bei den Laufstegschauen wieder aus der ersten Reihe, und die Mode macht sich auf die Suche nach einem neuen Mädchen, auf das sie ihre Vorstellungen vom perfekten Stil projizieren kann.

Eichhörnchen zum Abendessen

In dieser Saison ist man bei Beth Ditto angekommen. Sie ist klein und dick, lesbisch und vorlaut, rasiert sich weder Beine noch Achseln und soll in ihrer Jugend in einer Wohnwagensiedlung in Arkansas auch schon einmal Eichhörnchen zum Abendessen verspeist haben. Wer nur ein Mal eine Modeanzeige in einem Hochglanzmagazin gesehen hat, weiß, dass die Frauenfantasien der Designer anders aussehen. Ganz anders.

Statt zur Ernährungsberatung geht Beth Ditto trotzdem zur Präsentation der schönsten Designerteile. Bei der Pariser Modewoche adelte die Frontfrau der Formation "The Gossip" die Modeschauen von Chanel genauso wie jene von Stella McCartney. Bei Fendi trat sie bei der Party nach der Show auf. Dabei riss sie sich die schöne weiße Lagerfeld-Robe vom schweißüberströmten Leib und rockte das Publikum in glitzernden Dessous. Die beste Party der Modewoche, hieß es nachher, und manch einer fragte sich, was bloß in die Modemenschen gefahren ist, deren Welt bei Größe 38 normalerweise zu existieren aufhört. Oder anders gefragt: Was hat Frau Ditto, was auch die Mode möchte?

Splitterfasernackt auf dem Cover von Magazinen

"Sie sagt Sachen, die daneben sind. Sie schaut daneben aus. Aber sie bringt uns zum Nachdenken, was richtig und was falsch ist." So begründete die in der Modewelt ziemlich wichtige englische Stylistin Katie Grand ihre Entscheidung, Ditto im Februar auf dem Cover ihres neuen Modemagazins Love zu zeigen. Splitterfasernackt posierte das Punk-Girl da in seiner ganzen Fleischespracht. Das hatte sie bereits einmal gemacht, für das englische Musikmagazin New Musical Express. Beide Male waren die Reaktionen überwältigend. In Blogs liefen die Diskussionen heiß, es wurde diskutiert, warum zwar jedes Speckröllchen, aber nicht die Nippel zu sehen sind, ob das jetzt eine Absage an die Size-zero-Mädchen wäre oder im Gegenteil eine Art Feigenblatt, mit dem die Mode ihr krankes Schlankheitsideal verdeckt. Am erstauntesten, so scheint es, ist die Modewelt selbst, dass es jemand wie Ditto in ihre eigenen Reihen schafft.

Andere mussten sich dafür ganz schön verbiegen. Bevor die Rapperin Missy Elliott einer Modelinie bei Adidas ihren Namen lieh, hungerte sie ihre Kurven weg. Das würde Beth Ditto nicht einmal im Traum einfallen. Cellulite? Kein Problem. Ditto steht zu ihrem Körper. Mehr noch: Bei Konzerten zwängt sie sich in wurstförmige Kleider, sie trägt Minis und Leggings oder fallweise auch schon einmal gar nichts. Als sie die britische Modekette Topshop bat, genauso wie ihre Busenfreundin Kate Moss eine eigene Kollektion zu entwerfen, lehnte sie mit der Begründung ab, dass Mädchen wie sie bei Topshop nicht erwünscht seien. Sie würden in die angebotenen Kleider schlichtweg nicht hineinpassen.

Mittlerweile unterschrieb sie einen Vertrag mit Evans, einer Kette mit Mode für Übergewichtige. In Interviews spricht sie immer wieder davon, einen Stilratgeber für Übergewichtige zu schreiben. Keine Frage: Beth Ditto hat eine Mission. Sie ist ein Vorbild, auch wenn sie dieses Wort in Interviews weit von sich weist. Sie erzählt von ihrer schwierigen Jugend im Bible Belt, und wie allein sie sich als Lesbierin dort gefühlt hat, sie spricht von all den Burschen im Popgeschäft, die Frauen nicht so wirklich anerkennen würden, sie kritisiert den Magerwahn in unserer Gesellschaft, und sie war eine der prominenten Stimmen gegen George W. Bush.

Protesthymne gegen Ablehnung der Homo-Ehe

Mit der Protesthymne gegen ihn und die Republikaner, die die Homo-Ehe ablehnen, sind Beth Ditto und ihre Band auch im Mainstream bekannt geworden. "Standing in the Way of Control" heißt das Lied (und die Platte), mit denen Gossip den Sprung über den Atlantik und in die Heteroclubs schafften. Aus der Szenegröße wurde eine Große der Popszene. Das war der Moment, in dem die Mode auf sie aufmerksam wurde.

Anders als bei Amy Winehouse, die noch vor einem Jahr der Darling der Branche war und der Karl Lagerfeld sogar eine Kollektion widmete, ist der Protest bei Ditto mit Inhalten verbunden. Winehouse ist rotzfrech und nimmt Drogen. Recht viel mehr ist da nicht. Mit Beth Ditto bekommt die Mode selbst ein Anliegen. Das hat sie dringend nötig. Die Zeit der wandelnden Kleiderständer von Paris Hilton bis Mischa Barton ist vorbei. Die Modebranche befindet sich in der schwersten Krise, seit sie auf dem Laufsteg laufen lernte. Eine neue Ernsthaftigkeit greift um sich.

Da kommt ein kugelrundes, 1,60 Meter großes Mädchen aus Arkansas gerade recht. Seit Jahren ist sie mit Freddie zusammen, der oder die sich, was die geschlechtliche Zuordnung betrifft, nicht entscheiden will. Muss man ja auch nicht, sagt Beth Ditto. Jeder solle sich seine Freiheiten nehmen. In der von Normen dominierten Mode ist das eine kleine Revolution. (Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/03/04/2009)


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konski
15.04.2009 09:31
Die Gossip-Version

von Careless Whisper ist sehr geil!

konski
06.04.2009 20:13
Lesbierin

das wort ist doch schon gestorben oder?

Churchill, W.
06.04.2009 11:44
Experiment

Boah, die ist überhaupt nicht hübsch! Schlanke Frauen mit rassierten Achseln und Beinen sehen einfach eindeutig besser aus! Außerdem finde ich heterosexuelle Frauen als Mann interessanter.

fruling
11.04.2009 23:00
Rrrichtig ...

Lila Strumpf
06.04.2009 13:34
wen

interessiert ihre höchst stumpsinnige Meinung? Bitte Hand heben!

knurrhoernchen
09.04.2009 14:36
Mich interessiert es

Madonna und Hure.
Daheim hat er sein Vorzeigepupperl und hinterm PC lässt er die Sau raus... wetten?
Man müsste schon sehr uninteressiert sein, um nicht zu wissen, welche Angebote dicke Frauen oft von braven Pupperldaheimhabern erhalten. Zu heterosexuell... deshalb werden in der Werbung nie zwei sich liebkosende Fauen gezeigt :)
Zu rasierte Achseln und Beine: Deshalb köpfeln sich viele Männer, unrasiert zwischen die Beine ihrer Holden :)
Wer, vom Kollektiv vorgegebene "Ästhetik" mit sexueller Phantasie assoziiert, braucht a Brille :)

Churchill, W.
08.04.2009 21:42

Zum Glück ist die Ästhetik eine subjektive Angelegenheit. "Stumpfsinnig" nennst du wohl alles was nicht deine eigene Meinung ist.

Ich wette wenn ich das Gegenteil gepostet hätte hätts nur Grün gehagelt. :b

leitfaden
06.04.2009 13:29
und das interessiert hier exakt niemand.

wirklich unglaublich
06.04.2009 07:18
aber da hier jemand schrieb,

dass es eher nicht um dickleibigkeit ginge, muss ich widersprechen: selbstverständlich geht es neben lesbentum und revolution gegen enthaarung auch um dickleibigkeit. dass sie gut singen kann ist aus der headline nicht wirklich ersichtlich.

dazu festgestellt: dick ist einfach ungesund, wird jeder arzt oder ärztin bestätigen. dies jetzt als den mainstream schlechthin zu bejubeln, ist, das sagt ja schon der begriff, leider schlecht, da hier maximal die junkefoodindustrie einen nutzen daraus zieht. die immer mehr zum schweren übergewicht neigende bevölkerung in den industrieländern versucht durch ikonisierung etwas zu rechtfertigen, was nicht zu rechtfertigen ist.

und bejubelt wird ihr gewicht meistens durch menschen..........ja, genau.

presonic
12.04.2009 17:46

... die intelligent und menschenfreundlich sind. ja.

Susi Stattnam
05.04.2009 20:11
JA!!!!!!!!!!!!!!!!!! Wunderbar!!!! ENDLICH!

fruling
06.04.2009 11:51
Sie sind ekelhaft!

Christian Müllner
05.04.2009 22:00

Stimmt genau. Diese Frau hat einfach eine wahnsinnig tolle Bluesstimme und kann dazu auch noch gut tanzen. Ich hab The gossip in Wien vor ein einhalb Jahren gesehen: ein grandioses Konzert war das. Also Frau Ditto weiter so!

presonic
06.04.2009 14:28

nicht zu vergessen. diese frau hat hirn (was sich in den texten äußert) und eine meinung, die sie auch noch lautstark äußert (singt und ausspricht)!

kann nur bestätigen, was du hier schreibst.

33O1
04.04.2009 18:43
na bitte , da war unsere jazzgitti aber um jehrzehnte voraus

mindestens so wild und extrem !
das aber zu zeiten , in denen man sehr viel mehr mut aufbringen musste für derartige aktionen .
nur den achselhaargraus hat sie nicht mitgemacht (soviel ich weiss ;-) , ugw

elisabeth harrer
06.04.2009 15:05
jazz-gitti 4ever!

mit oder ohne achselhaar.

Gefräßige Gebärmutter
06.04.2009 14:39
Zu Jazz-Gittis Drahdiwaberl-Zeiten hat sich in unseren Breitengraden noch keine Frau die Achseln rasiert ... ;-)

Mann m. Stiel und Nivea
11.04.2009 18:01
Meine Miezen schon.

Einigen habe ich das zwar erst beibringen müssen - die Damen verehren mich heute noch wie einen Heiligen; kein Wunder, wegen mir waren sie ihrer Zeit weit voraus!

presonic
04.04.2009 15:05
die frau ist großes kino!

sie ist die moderne verkörperung von zivilcourage, mut und intelligenz. und sie hat dabei noch eine großartige stimme und einen sinn für mode.
auf so was musste die (mode-)szene lange warten....

ih wünsche mir, dass ihr mut ansteckend wirkt.

fruling
11.04.2009 22:57
Das Frl. Stattmann hat sie schon angesteckt

Siegfried Siegl
13.04.2009 02:45
Haben Sie das Photo da oben gesehen?

Wahnsinn wie fett die Frau ist...direkt ungustiös.

Ist die Frau S. auch so...stattlich?

presonic
12.04.2009 17:43

wieder mal eine seltsame ausgeburt des glaubens an die ansteckung..... :-/

her wig
04.04.2009 08:22

Quereinsteigerin.

annerl 
03.04.2009 20:18
Extreme

nein, nein ich verstehe das nicht. Da wir ein Mädchen gehypt, das offensichtlich fettleibig ist. Von einem Extrem ins Andere?

das böse Binnen-I
06.04.2009 21:58
Mädchen?!?? Das ist eine erwachsene Frau.

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