OECD: Wirtschaftskrise droht Tendenz noch zu verstärken - Besonders betroffen: Frauen, Jugendliche und ältere Menschen
Paris - Die Zahl der Beschäftigten ohne jede soziale Absicherung hat weltweit Rekordstände erreicht und droht in Folge der Wirtschaftskrise noch dramatisch zu wachsen. Derzeit arbeiten weltweit 1,8 Milliarden Menschen ohne regulären Anstellungsvertrag, das sind 60 Prozent aller Erwerbstätigen. Dies geht aus einer Studie der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor. Besonders betroffen von dieser Entwicklung sind Frauen, Jugendliche und ältere Menschen.
OECD fordert "unkonventionelles" Gegensteuern
Bis zum Jahr 2020 könnte der Anteil der informell Beschäftigten auf zwei Drittel steigen, warnen die ExpertInnen. Durch die derzeitige weltweite Wirtschaftskrise droht sich die Tendenz noch zu verstärken, weil reguläre Jobs wegfallen und ArbeitsmigrantInnen in ihre Heimat zurückkehren müssen.
"Schon in guten Zeiten nimmt die irreguläre Beschäftigung in vielen Entwicklungsregionen zu", sagte Co-Autor Johannes Jutting in Paris. So seien in Indien trotz Wachstumsraten von fünf Prozent im vergangenen Jahrzehnt derzeit 370 Millionen Menschen ohne jede soziale Absicherung, das sind neun von zehn Beschäftigten.
700.000 Menschen ohne reguläre Arbeitsverträge müssen gegenwärtig mit weniger als einem Euro pro Tag zurechtkommen, 1,2 Millionen Menschen haben weniger als 1,50 Euro zum Leben.
Um die Entwicklung zu stoppen, müssten die Verantwortlichen rasch "unkonventionelle" Maßnahmen ergreifen, fordert die OECD. Dabei sollten die Staaten nicht nur "gute" Arbeitsplätze im formellen Sektor fördern. Auch informell Beschäftigte müssten abgesichert werden, sagte Mitautor Jutting. (APA/ag.)