Clara Luzia veröffentlicht mit ihrer Band das Album "The Ground Below" und geht damit auf Tour. Sie spielt Popmusik, der die österreichische Provinzialität gänzlich fehlt
Wien - Restlos überzeugt wirkt Clara Luzia nicht von ihrem neuen Album. Da
hilft auch ein der Begrüßung nachgereichtes Lob - "Es ist super
geworden!" - nur wenig. "Ja, danke, aber die Trommel im dritten Lied,
die ist nicht fett genug ..." Clara Luzia ficht einen aussichtslosen
Kampf, zumal ihr Album The Ground Below fertiggestellt und
gepresst ist und diese Woche erscheint. Und auch wenn sie als
Involvierte mit einigen Details unzufrieden sein mag, ihr dritter
Longplayer ragt aus den heimischen Veröffentlichungen der letzten Jahre
weit heraus.
Wenn man davon ausgeht, dass 95 Prozent aller österreichischen
Popmusikversuche Kopien internationaler Vorbilder sind, bleibt außer
volksdümmlichem Schlager oder Austropop-Fossilien als originärem
Auswurf nicht viel über. Wem das übel "pronaunziäschte" Gütesiegel "I
am from Austria" deshalb auch eher als Stigma erscheint, wandert
entweder aus oder versucht diese das ganze Land in Beschlag nehmende
Provinzialität zu umgehen, zu überwinden.
Clara Humpel alias Clara Luzia gelingt das ganz vorzüglich. Luzia
handhabt zwar bekannte Spielformen, die gerne unscharf unter
US-amerikanisch geprägtem Independent-Rock schubladisiert werden, doch
ihre Resultate lassen die üblichen, schon von einer gewissen
Mieselsucht durchwirkten Einschätzungen - "für Österreich gar nicht so
schlecht ..." - erst gar nicht aufkommen.
Mit The Ground Below platziert sich Clara Luzia souverän
neben großen Namen des Fachs wie die Decemberists, Regina Spector oder
anderen Formationen, die den leidlich strapazierten Begriff Indie-Pop
mit diversen Kunstgriffen formal originell erweitern.
Alles schon gesagt
Luzia: "Ich glaube ja auch, dass im Pop schon ziemlich alles gesagt
worden ist. Aber wo noch Spielraum besteht, ist in den Kombinationen.
Oder wie man ein Thema abhandelt. Da kann man schon noch einmal hundert
Liebeslieder schreiben. Auch wenn ich es manchmal selbst ermüdend finde
- wahnsinnig innovativ kann man von der Thematik her nicht sein. Die
Menschen haben halt ihre Grundthemen."
Den musikalischen Transport nämlicher Sujets verlagert die in Wien
lebende Niederösterreicherin weg vom männlich-rockistischen Indie-Pop
hin zu einer erleseneren Instrumentierung, mit der sie Salz und Pfeffer
in die Grundthemensuppe streut. "Mit Bass, Gitarre und Schlagzeug
klingt man wie viele andere. Mit Cello, Bläsern oder Quetsche eröffnen
sich aber neue Möglichkeiten."
Mit einer derartigen Instrumentierung verleiht Clara Luzia ihren
Songs nicht nur eine unterschwellige Eleganz. Auch ihre Auslassung
zeitigt herausragende Ergebnisse: Etwa das Stück Faces, das lediglich
auf einer durchmarschierenden Basstrommel aufbaut und nach dem ersten
und zweiten Song gleich noch den dritten Höhepunkt des Albums markiert
- ob die Basstrommel nun fett genug ist, oder nicht.
Clara Luzia, die unter der Woche zwei Tage für die Austria Presse Agentur
jobbt ("Damit ich ein Grundeinkommen habe und - zwinker! - immer top
informiert bin") zählt zu den Qualitätsgaranten einer Szene junger
Bands, die auch außerhalb Österreichs wahrgenommen werden, was
internationale Touren mit sich bringt.
Ab wann registrierte sie für sich so etwas wie Erfolg? Luzia: "Für
mich war's das Größte, Radioairplay zu kriegen. Also rotationsmäßig und
nicht bloß irgendwann um zwei Uhr nachts gespielt zu werden." Es folgte
der Musikpreis Amadeus: "Das war schon eine schöne Bestätigung, weil ich da ja von Hörern gewählt worden bin. Den Amadeus an sich, den finde ich in der Form nicht gut."
Ansonsten hadert sie ein wenig damit, dass ihre Texte zu
autobiografisch sind ("aber ich komme langsam eh weg davon"), oder mit
dem Umstand, eine zusehends öffentliche Person zu werden: "Mir wäre es
lieber, meine Lieder wären statt mir bekannt. Ich stelle mich zwar auf
die Bühne und ziehe mich in den Texten relativ aus, aber mir wird's
auch schnell zu viel. Das ist eine Gratwanderung."
Solange dabei Alben wie The Ground Below abfallen, ist alles gut. Schwelgerische und gleichzeitig stringente Folksongs wie All I Wish For You gehören ebenso zu Luzias Kunst wie das mehrdeutige The Gardener Of The Ground Below, das hübsch ermattete Tired City oder das mit großer Geste inszenierte Here Comes.
Auch wenn im Pop alles schon gesagt worden ist, so gut hat es selten
geklungen. (Karl Fluch/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.4.2009)
Termine: Clara Luzia live
16. 4., WUK, 1090 Wien, Währinger Str. 59, 20.00
17. 4., Arge Kultur Salzburg, Josef-Preis-Allee 16, 21.00
24. 4., Volxhaus Klagenfurt, Südbahngürtel 24, 21.00
Link
www.claraluzia.com