Zusammenhang zwischen Immunisierung und Sterbefällen sei ausgeräumt - 40 Millionen Mal wurde weltweit ohne schwere Zwischenfälle geimpft
Genf -
In Großbritannien führten Meldungen über eine Verbindung zwischen der Masern-Mumps-Röteln-Impfung und Autismus zu großer Beunruhigung, in anderen Staaten überhaupt nicht. In Frankreich wiederum sorgten sich die Menschen phasenweise über eine angebliche Gefahr durch Multiple Sklerose infolge der Hepatitis B-Impfung.
Aufregung um Todesfälle nach Impfung
Unter weltweite Kritik geriet vor eineinhalb Jahren auch die neue Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs, welche Infektionen mit dem HPV-Virus vorbeugen soll. 70 Prozent der jährlich rund 550 Zervixkarzinom-Erkrankungen in Österreich, 70 Prozent der jährlich etwa 150 Todesfälle und ebenfalls 70 Prozent der jährlich 5.000 bis 6.000 gynäkologischen Eingriffe bei Frauen wegen Karzinom-Vorstufen könnten damit verhindert werden, meinen ExpertInnen.
Österreich hat die Impfung bisher nicht in das von der öffentlichen Hand finanzierte Kinder-Immunisierungsprogramm aufgenommen. Meldungen über Kreislaufkollaps-Fälle nach der Impfung von Mädchen und einige Todesfälle im zum Teil großen zeitlichen Umfeld der bisher weltweit verabreichten rund 40 Millionen Impfungen sorgten für Aufregung.
"Keine nachweisbare Verbindung"
Doch die HPV-Impfung sei eindeutig sicher, sagt John Iskander vom Impfsicherheits-Büro der US-Zentren für Krankheitskontrolle (CDC): "Wir haben in den USA mehr als 23 Millionen der weltweit 40 Millionen Verabreichungen dieser Vakzine beobachtet. Wir haben in einer Studie mehr als 350.000 dieser Teilimpfungen mit dem HPV-Impfstoff bei Jugendlichen zwischen neun und 17 Jahren und von mehr als 150.000 Teilimpfungen bei Erwachsenen zwischen 18 und 26 Jahren auf eine ganze Liste von möglichen Nebenwirkungen zwischen August 2006 und Juli 2008 untersucht. Es gab keine nachweisbare Verbindung zu schweren Ereignissen. Und von allen Meldungen waren 94 Prozent solche von möglichen leichten Nebeneffekten."
Kreislaufkollaps-Fälle gäbe es genauso häufig bei anderen Impfungen. Widerlegt sind alle Verdachtsmomente bezüglich der Todesfälle, so Iskander.
In den USA werden zunehmend Web-basierte Informationssysteme aufgebaut, mit denen sich die Behörden binnen kurzer Zeit bei auftretenden Verdachtsfällen ein Bild machen können. Doch oft helfen nicht einmal offene Vorausinformationen der Behörden. Brigitte Keller-Stanislawski vom deutschen Paul-Ehrlich-Institut in Langen bei Frankfurt: "Wir hatten in Deutschland alle Informationen über zwei Todesfälle von HPV-geimpften Frauen in unserer offen zugänglichen Datenbasis. Es war binnen Tagen klar, dass die Impfung nicht mit deren Ableben in Verbindung stand. Trotzdem konnten wir weder die Medien noch einige Fachleute davon überzeugen."
(Fast) Alles Relevante geklärt
Die Genfer Expertin Claire-Anne Siegrist meint: "Bei der HPV-Impfung müssen wir uns nach 40 Millionen Immunisierungen bereits fragen, was wir in zehn Jahren überhaupt noch mehr wissen sollten als jetzt. Die einzige Frage, die dann beantwortet sein könnte, ist die, ob man (für den lebenslangen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs, Anm.) nach der ersten Impfung später noch eine Auffrischung benötigt oder nicht." Alles andere sei geklärt. (APA)