Untergewicht bei Französinnen am häufigsten

Nur die Hälfte der Betroffenen sieht sich selber als zu dünn - Experte sieht gesellschaftlichen Zwang

Paris - Frankreich hat den größten Anteil untergewichtiger Frauen in Westeuropa. Aber nur die Hälfte der Betroffenen glaubt, dass sie wirklich zu dünn sind, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des französischen Instituts für Bevölkerungsforschung (Ined). Damit unterscheide sich Frankreich deutlich von anderen EU-Staaten: In Großbritannien, Spanien und Portugal sei die Zahl der Frauen, die sich als zu dünn einschätzten, deutlich größer als die tatsächliche Zahl untergewichtiger Frauen. In Österreich ist die Bevölkerung zufriedener mit dem Gewicht als die Französinnen und Franzosen.

6,7 Prozent der Fränzösinnen untergewichtig

"Menschen in Frankreich setzen das Idealgewicht niedriger an als in anderen Ländern", sagte Studienautor Thibaut de Saint Pol. Er sieht darin eine Art gesellschaftlichen Zwang. "Wenn ein Franzose, der sich dick fühlt, in die USA gehen würde, würde er sich wahrscheinlich nicht mehr für fett halten." Den Anteil untergewichtiger Frauen in Frankreich beziffert die Studie mit zuletzt 6,7 Prozent nach Daten aus dem Jahr 2003. Er sei damit seit Anfang der 80er Jahre gesunken, als noch 8,5 Prozent als untergewichtig eingestuft wurden. Bei Männern sind es über Jahrzehnte unverändert zwei Prozent.

Makel oder Zier

Als untergewichtig gelten nach dem Standard der Weltgesundheitsorganisation Menschen mit einem Body-Mass Index (BMI) von weniger als 18,5. Während Männer Untergewicht als Makel und Zeichen fehlender Stärke empfinden, sehen Frauen "oft kein Problem", weil das vorherrschende Schönheitsideal Schlankheit vorgebe, sagte Saint Pol. (APA/Ag.)

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