Pflegerin im Stammzellen-Zoo

6. Mai 2009, 12:06
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    foto: privat

    Arabella Meixner bekam für ihr Stammzell-Projekt den Theodor-Körner-Preis 2009.

Die Biochemikerin Arabella Meixner reprogrammiert Körperzellen zu Stammzellen

"Stammzellen brauchen viel Aufmerksamkeit", betont Arabella Meixner. "Sie wollen gehegt und gepflegt werden. Da sie nicht sehr robust sind, muss man ständig ihre Entwicklung beobachten. Auch manchmal am Wochenende." Dass die Zellkulturen, die sie züchtet und testet, ähnlich wie ein Haustier eine Menge Zuwendung brauchen, scheint der Leiterin des Stammzell-Zentrums am Institut für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (IMBA) nichts auszumachen.  Im Gegenteil - wenn sie über ihre Arbeit spricht, ist die Begeisterung unüberhörbar.

Deshalb war es auch eine "schöne Überraschung" für die 40-jährige Biochemikerin, als sie Ende April für ihr Projekt zu sogenannten induzierten Stammzellen bei Mäusen mit dem Theodor-Körner-Preis 2009 ausgezeichnet wurde. "Das gibt Motivation und zeigt, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe", freut sie sich. Das mit dem Preis verbundene Projektfördergeld in Höhe von 1500 Euro wird sie denn auch in Plastikschalen und Nährstoffcocktails für Zell-experimente investieren.

Für ethische Diskussionen zu Stammzellforschung ist die Biochemikerin bestens gerüstet. Denn Ziel ihres Projektes ist es, mithilfe umfassender Tests eine Technologie in Österreich zu etablieren, die nicht auf embryonales Gewebe angewiesen ist. Induzierte pluripotente Stammzellen (ipS) werden aus Körperzellen, zum Beispiel aus Hautgewebe, gewonnen und dann durch gentechnische Verfahren zurückprogrammiert. In vitro lässt sich mit ipS-Zellen jedes beliebige Körpergewebe züchten. "Der Vorteil ist, dass diese Zellen körpereigenes Erbgut besitzen und daher vom Organismus nicht abgestoßen werden", erläutert Meixner.

Bis das Verfahren in der Humanmedizin eingesetzt werden kann, wird aber noch viel Zeit vergehen, schätzt die Forscherin. Zunächst sollen genetisch defekte ipS-Zellen von Mäusen repariert und in gesundes Gewebe verwandelt werden. Außerdem erhofft sich Meixner, die auch das Netzwerk für funktionelle Mausgenomik (Austromouse) koordiniert, Erkenntnisse bei der Analyse von Krankheiten und deren Entstehung.

Als "Durchbruch" in ihrer Arbeit bezeichnet Meixner, dass die Faktoren, die bei der Reprogrammierung der Zellen eingesetzt werden, nicht mehr auf DNA-Ebene, sondern über Proteine eingeschleust werden können, wodurch die Genmanipulation gezielter und mit weniger negativen Effekten vonstatten geht. "Die Ausbeute an Stammzellen ist sehr gering", räumt Meixner ein. Immerhin bleiben von Milliarden Zellen, die in Kolonien gezüchtet, reprogrammiert, selektiert und geklont werden, nur ein bis drei brauchbare Stammzellen übrig. Umso wichtiger ist es, dass die Zellen, "die sich individuell sehr unterschiedlich verhalten", möglichst stressfrei gedeihen können.

"Man weiß nie, was am nächsten Tag herauskommt", beschreibt die leidenschaftliche Golfspielerin und Hobbymalerin das Spannende an ihrem Job. "Mal freut man sich, mal ist man zu Tode betrübt."

Die Wienerin, die 1999 das Studium der Biochemie abschloss und danach bei Erwin Wagner am Institut für Molekulare Pathologie (IMP) und bei Josef Penninger am IMBA postdoktorale Ausbildungen absolvierte, wollte ursprünglich Kunst oder Medizin studieren. In der Biochemie haben schließlich beide Interessen zusammengefunden. "Wie in der Kunst muss man auch im Labor kreativ sein. Nur werden die Ideen nicht auf eine Leinwand, sondern in eine Zellkulturschale projiziert." (Karin Krichmayr/STANDARD, Printausgabe, 6.5.2009)

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