Textilfabrik in Bangladesch: Frau zu Tode geschunden

13. Mai 2009, 13:54

18-Jährige reinigte in Zulieferbetrieb für "Metro" Jeans - Handelsriese reagiert mit Vertragskündigung

Dhaka - In einer für den deutschen Handelskonzern Metro produzierenden Textilfabrik in Bangladesch hat sich eine junge Frau laut einer Hilfsorganisation unter dem Druck ihrer Chefs zu Tode geschuftet.

Schläge und Zwang

Die 18-jährige Fatema Akter sei im Dezember während ihrer Schicht tot zusammengebrochen, berichtete die US-Organisation National Labor Committee (NCL). Demnach musste sie an sieben Tagen in der Woche 13 bis 15 Stunden in der Textilfabrik in der Hafenstadt Chittagong arbeiten und pro Stunde bis zu hundert Jeanshosen reinigen. Der 18-jährigen wurde dem zu Wochenbeginn veröffentlichten NLC-Bericht zufolge trotz Erschöpfung und Schmerzen in Brust und Armen ein freier Tag zur Erholung verweigert. Stattdessen habe der Vorgesetzte das Mädchen hart ins Gesicht geschlagen und ihr befohlen, ihre Arbeit fortzusetzen. Demnach waren für die ArbeiterInnen in der Fabrik 14-Stunden-Schichten ohne Pause, erzwungene Überstunden und Schläge an der Tagesordnung. 

Metro kündigt Vertrag

Rund 80 Prozent der in der Fabrik hergestellten Textilien wurden laut NCL für den deutschen Handelsriesen Metro produziert. Der Konzern bedauerte den Todesfall der 18-Jährigen in einer Erklärung "zutiefst" und kündigte den Vertrag mit dem für die Fabrik verantwortlichen Hersteller in Bangladesch mit sofortiger Wirkung. 

Unmenschliche Arbeitsbedingungen

Menschenrechtsgruppen hatten in der Vergangenheit wiederholt die Arbeitsbedingungen in Bangladesch kritisiert. In tausenden Textilfabriken in dem südasiatischen Land werden zu Billiglöhnen Waren für den Weltmarkt hergestellt. (APA/Ag.)

Link

Interview mit Kalpona Akter, Arbeitsrechtlerin aus Bangladesch: "Boykott ist keine Lösung"

Kommentar posten
10 Postings
Mork vom Ork
00
31.5.2009, 23:29

blöd nur ... jetzt sind alle arbeitslos

mcmitsch
00
14.5.2009, 11:05

Ich bin auch der Meinung, dieser Beitrag sollte nicht "nur" auf diestandard kommen. Ein interessantes Gespräch mit einer Bangladeschi-Gewerkschafterin findet man auch im diesmonatigen Südwind-Magazin (www.suedwind-magazin.at). Sie war vor kurzem für die Clean Clothes Kampagne da: http://www.cleanclothes.at/start.asp... ID=227227.
Da gibt es auch eine extrem geniale prämierte Radiosendung zu hören: http://www.cleanclothes.at/start.asp?ID=226875

cash cow1
01
14.5.2009, 08:34

liebe red.
bitte nicht nur in diestandard veröffentlichen, ich glaube da lesen viele männer nicht so genau.

Kubi80
00
14.5.2009, 10:23
doch

ich hab ihn gelesen.
ich verstehe nur Ihre anspielung auf die männer nicht.
oder sind Sie der ansicht, in solchen fabriken arbeiten ausschliesslich frauen?
es gab doch vor kurzem einen ähnlichen artikel über einen mann der lungenkrebs von dieser arbeit bekam.

Kathi1609
 
09
13.5.2009, 23:44
indem metro den vertrag kündigt,

wäscht der konzern sich nicht von der mitverantwortung für solche praktiken rein.
der tod dieser frau ist nur die spitze des eisbergs.
erstens wird es in anderen fabriken, die für metro (und andere, bei weitem nicht nur diskonter) produzieren, nicht anders zugehen.
zweitens macht diese fabrik jetzt wohl dicht und die leute stehen auf der straße. das kann nicht die lösung sein.
verbindliche pflichten für jede firma, dass in all ihren fabriken arbeits- und menschenrechte eingehalten werden, samt strenger kontrolle, gehören her. dann haben die leute arbeit und müssen nicht drunter leiden.

Art Vandalay
00
14.5.2009, 11:26

Ich finde die Vertragskuendigung eher positiv, da das vermutlich die einzige Moeglichkeit ist auf andere Firmen Druck zu machen.

baby jane hudson
02
13.5.2009, 20:01
egal was man in dieser beschi**enen fetzenbranche kauft

es klebt blut, schweiss und tränen dran.
habe letzte woche im sogenannten schwarzbuch gelesen, da wird einem schlecht.

Mann40
00
14.5.2009, 11:09

wie heisst dieses Buch? Danke

Mann40
00
14.5.2009, 14:20

herzlichen Dank

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.