Da liegt was in der Atemluft

26. Mai 2009, 17:27
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    Ingrid Kohl hatte keine Aussicht auf eine Uni-Karriere.

Die Chemikerin Ingrid Kohl sucht Brustkrebs-Marker mit neuartigen Methoden

Irgendwann werden Ärzte zu Patienten sagen: "Blasen Sie in dieses Röhrchen!" Und sie werden keinen Lungenfunktionstest machen. Die Ausatemluft wird dann wie Blut und Urin zur Diagnose und Früherkennung von Krankheiten verwendet.

Die Firma Ionimed Analytik in Innsbruck beschäftigt sich seit 2005 mit dem Nachweis und der Quantifizierung von hunderten Komponenten in der Ausatmenluft. "Wir weisen auch kleinste Mengen chemischer Substanzen mittels Massenspektroskopie nach", sagt die wissenschaftliche Leiterin Ingrid Kohl des Spin Offs vom Institut für Angewandte Physik und Ionenphysik der Uni Innsbruck. Im Forschungsverbund zur personalisierten Krebsmedizin Oncotyrol beteiligt sich Ionimed Analytik nun an der Suche nach Biomarkern für Brustkrebs.

"Wir haben eine maßgeschneiderte Analysetechnologie: Von der Probennahme über die Analyse bis hin zum Datenmanagement", so die 39-jährige Chemikerin. Proben identer Patienten werden im Oncotyrol-Verbund auch von Medizinern, Molekularbiologen und Mathematikern untersucht, Expertisen zusammen geführt und so entsteht eine neue Qualität von Ergebnissen.

Ingrid Kohl schätzt genau diese Teamarbeit. Nach dem Chemiestudium in Innsbruck absolvierte die Oberösterreicherin den PostDoc mit einem Erwin Schrödinger Stipendium am MIT in Boston. "Es ist wichtig einmal Ausländer zu sein, beruflich wie persönlich", betont sie. Im Labor des Nobelpreisträgers Mario Molina profitierte sie "vom schier unerschöpflichen Wissen ihres Professors, von den fachlichen Diskussionen und der selbständigen harten Arbeit". Methodisch vertiefte sie sich während dieser Zeit in die Massenspektrometrie zur Messung organischer Spurengase, die auch bei Ionimed zum Einsatz kommt.

Nach ihrer Rückkehr aus den USA war Ingrid Kohl APART-Fellow der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und arbeitete an der Universität Innsbruck weiter an einer akademischen Karriere - leider ohne Aussicht auf eine Uni-Stelle. So nahm sie 2005 gerne das Angebot von Ionimed an und konnte die Entwicklung der Firma wesentlich mitgestalten. Seit 2008 leitet sie die Forschungsagenden der Firma, steht aber - wenn etwas Neues begonnen wird, bis es Routine ist - immer noch sehr gerne selbst im Labor.

Den Aufstieg zur Abteilungsleiterin meisterte sie "durch konsequente Arbeit und Zielstrebigkeit". Wichtig sei, sich von Unkenrufen nicht verunsichern lassen, sagt Kohl. Besonders Frauen empfiehlt sie "selbstbewusst um die eigene Leistung Bescheid zu wissen und diese auch zu betonen". Die Auszeichnung als FemTech-Expertin des Monats September 2008 sieht Ingrid Kohl, Mutter zweier Söhne, als Anerkennung ihrer Arbeit. Die Urkunde schmückt ihr Büro. Besonders wichtig waren ihr aber die persönlichen Treffen und Kontakte zu anderen Forscherinnen im Rahmen dieses Programms. (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Printausgabe 27.05.2009)

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