Eine Sekretärin ab 39 Euro/Monat

02. Juni 2009, 20:17
  • Artikelbild: So wirbt ebuero für seinen Telefonservice. - Foto: Montage/dieStandard.at

    So wirbt ebuero für seinen Telefonservice.

Kostenfrei zu testen und bei Zufriedenheit billigst zu haben - Die heutige Zitrone ergeht an ebuero AG für unreflektierte sexistische Geschlechtszuweisung

Was fällt Ihnen spontan zum Begriff "Sekretärin" ein? Eine Person, die ihrem zumeist männlichem Chef die zeitaufwendigen und langweiligen Arbeiten abnimmt?  Den eintönigen (elektronischen) Papierkram erledigt, seine Diktate in eine druckreife Form bringt? Alle Anrufe entgegen nimmt und ihn soweit abschottet, dass er bei den "wirklich wichtigen" Dingen nicht gestört wird? Ihn zwischendurch mit einem Lächeln und einer Tasse Kaffee aufmuntert? Die Geburtstage seiner Familie im Kalender notiert hat, ihn daran erinnert und nötigenfalls sogar die Geschenke besorgt?

Also eine Person, die neben ihren vielfältigen Sekretariatsagenden noch Psychoarbeit und Sozialdienst leistet? Und fällt Ihnen auch ein, dass diese Person, obwohl sie in den meisten Fällen viel und gut arbeitet, schlecht bezahlt wird? Könnte es sein, dass diese Person männlich ist? Nein?

Wenn Ihre Assoziationen zu einer "Sekretärin" den eben genannten Ausführungen ähneln, dann werden Sie die Telefonservice-Werbung von ebuero AG sicherlich nachvollziehen können. Was liegt also näher als diesen Service weiblich zu konnotieren: "Sekretärin ab 39 Euro/Monat - Jetzt kostenfrei testen"!

Die ebuero AG, die sich peinlicherweise "Büro der Zukunft" nennt, hängt in verwesten Geschlechtszuweisungen fest und kann somit gar nicht anders als ihren Service sexistisch zu bewerben. Denn einen Sekretär gibt es nur im Staatssekretariat oder es handelt sich um einen Schreibtisch. Na also! (dabu/dieStandard.at, 02.06.2009)

weitersagen:
drucken
Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 267
1 2 3 4 5 6
Chantal Krawall
17.09.2009 22:21
weiblich + Büro = Sekretärin

Natürlich mag dieser Artikel für manche Leute übertrieben erscheinen, ich kenne das Problem aber nur zu gut.

Als ich als Sachbearbeiterin gearbeitet und jemandem (egal ob der/die meine Ausbildung gekannt hat oder nicht) erzählt habe, dass ich im Büro, in der Firma und Abteilung "so und so" tätig bin, war sehr oft (fast immer) die Feststellung: "Aha, als Sekretärin." Natürlich ist am Sekretärinnensein nichts auszusetzen, Fakt ist aber: Ich war keine.

Es ist einfach diese Verallgemeinerung, die mich stört: weiblich + Büro = Sekretärin
Ich hätte genau so technische Zeichnerin, Ingenieurin, Buchhalterin oder sonst was sein können...

noracismonearth
29.07.2009 08:52
die.standard hat aber eine eigenartige ansicht was sekräterinnen machen

der artikel zu dieser werbung macht die zitrone lächerlich, weil es auch lächerlich ist. Alleine schon reinzuinterpretieren, dass die chefs männer sind und die sekräterin also quasi männern dient macht den artikel als ganzes lächerlich.

es ist nicht alles gold was glänzt, es ist aber auch nicht alles dreck was stinkt!

Veniamin Kostitsin-Teterin II  
22.07.2009 10:33
sie hätten halt das binnen-I verwenden sollen

damit wäre die schreiberin hier entmannt.

diskdusk  
18.06.2009 00:13
ziemlich konstruiert, diese Zitrone

Der Artikel geht nur so über vor Vorurteilen über einen Berufsstand - zum Glück kann man all diese Unterstellungen aber einem anderen Unternehmen unterschieben, aus dessen - relativ harmloser - Werbung diese Einstellungen vermeintlich extrapoliert wurden. Da hat sich ein einfaches Gemüt ausgetobt.

überbezahlter quotenmann mit viiiel freizeit :-)
17.06.2009 20:29
schönes bild hat frl dabu von sekretärinnen

1. nenne sich solche jobs assistant (engl. daher kein "In")
2. die angeführten aufgaben mögen evtl vor 30 jahren gegolten haben heute ist das ein beinhater job, der geschicktes zeitmanagement, ausgezeichnete SW kenntnisse (nicht nur wie öffne ich word und knall moorhühner ab, solche gibts natürlich auch) einige bei uns in der firma können auch gut mit vba umgehen (wasn dassss...?) um sich einiges an arbeit zu sparen.
3. das bild der sekretärin vom autor/in ist in meinen augen 6istischer als die werbung.
basta

nina yankow
26.06.2009 12:59

nix verstanden. der artikel spricht das klischee von sekretärinnen an, das manche haben, schließt keineswegs aus, dass die arbeit anspruchsvoll ist, und läuft nur daraufhinaus, dass der sekretärsberuf nicht zwanghaft weiblich ist, während in der werbung explizit von einer sekretärin die rede.

du kannst es gern auch als benachteiligung von männern sehen, dass hier suggeriert wird, diese arbeit würde nur von männern erledigt werden (vermutlich nimmt die firma auch tatsächlich nur weibliche telefonistinnen an), in jedem fall ist es sexismus, wenn einem beruf ein geschlecht zugewiesen wird, und darum geht es hier, nicht um frauenbenachteiligung oder was immer du hier fehlinterpretiert hast.

Sägnüt 
04.07.2009 12:07

Wäre ein Mann dargestellt, und würde die Bezeichnung "Sekretär" lauten, wäre die Aufregung wegen Sexismus gleich groß?
Wohl kaum.
Das Problem für die Zitronisten liegt darin, dass sie selbst sexistisch rezipieren ( man betrachte nur die Einfälle von dabu zum Thema Sekretariatswesen) beziehungsweise eine solche Rezeption der Gesellschaft unterstellen.

Feindbild
26.06.2009 15:39
Wie sollte die Werbung den geschlechtergerecht formuliert werden?

Welches Sujet soll verwendet werden? - das eines geschlechtslosen Menschen?

nina yankow
27.06.2009 13:29

SekreträrIn, oder Sekretär (maskulinum generikum), oder ehrlicher: telefondienst!

Mahnende Stimme
22.07.2009 20:33
Offizielle Rechtschreibung?

Wo finde ich bitte SekretärIn in der offiziellen deutschen Rechtschreibung?
Eine ziemlich schlechte Sekretärin, bzw. ein ziemlich schlecht ausgebildeter Sekretär, welcher SekretärIn schreibt.

LeO Gscheit 
17.06.2009 09:44
Leider gibt es die Werbung nicht mehr ...

denn für 39 EUR hätte ich die Sekräterin auch gerne ein Monat getestet.

Ein Schelm ist, wer hier schelmisch denkt ;)

Aber noch schelmischer ist da, der Zusatz 'Testsieger 2006 im Vergleichstest' Würde mich echt interessieren, wie da ein Monat ein Vergleichstest abgelaufen ist. Ich wäre auch gerne dabei gewesen ;D)))

Die Werbung hat für mich gute Chancen zur Zitrone 2009 aufzusteigen.

Und zwecks Sprache, wäre ja auch möglich von 'Sekrätariatstätigkeiten', 'Unterstützung im Sekrätaritat', oder ähnlichem zu sprechen. Das hätte zumindest die Schärfe rausgenommen.

Colette
10.06.2009 12:52
Mein Chef hat einen Sekretär

der heißt Assistent!

Der Österreicher 
06.06.2009 12:54

Die Werbung ist extrem sexistisch, keine Frage.

Aber irgendwoher müssen ja die Jobs für ein Callcenter kommen.

Letztendlich schafft die Werbung also Aufträge und Arbeitsplätze und vorallem PR.

Mit Sex kann man immer gut provozieren und auffallen, deshalb wird es verwendet.

Feindbild
10.06.2009 10:48
Warum ist die Werbung extrem sexistisch?

nina yankow
26.06.2009 13:04

weil von "sekretärIN" die rede ist. es gibt auch sekretäre und telefonisten (hier geht's um telefondienste)

Feindbild
26.06.2009 13:31
Denkens doch mal ein bissi praktischer...


Sie gestalten ein Plakat und möchten einen Menschen abbilden - also müssen Sie sich entscheiden, ob Sie eine Frau oder einen Mann darstellen.

Wofür werden Sie sich entscheiden, wenn für die beschriebene Positon in Ihrem Unternehmen überwiegend mit Frauen besetzt ist?

Schon mal daran gedacht, dass dieses Unternehmen vielleicht wirklich nur Frauen für den Telefondienst angestellt hat? Vielleicht bewerben sich fast nur Frauen für diesen Beruf? Vielleicht wünschen die Kunden weibliche Sekretärinnen?

Aber Hauptsache gleich laut "Sexismus" schreien!

Der Österreicher 
12.06.2009 17:09


Der Satz: "Jetzt kostenfrei testen" hat es in sich.

Feindbild
12.06.2009 18:21
Wenn man nur will, kann man natürlich überall Sexismus hineininterpretieren.


Hier handelt es sich um eine ganz normale Dienstleistung, die man anscheinend zeitlich begrenzt gratis testen kann. Wo liegt jetzt der Sexismus?

Dieser Sekräterinnen-Dienst beschränkt sich übrigens auf reine Telefondienste - eine Art externe Hotline - nicht mehr.

nina yankow
26.06.2009 13:06

und für diese telefondienste rekrutiert das unternehmen nur frauen? wenn ja, ist deren einstellungsphilosophie sexistisch. wenn nein, ist die werbung sexistisch, weil das klischee der sekretärIN bemüht wird.

Der Österreicher 
13.06.2009 13:27

Dann müsste es heissen Telefondienst testen, und nicht Sekretärin testen.

Daft Punk
03.06.2009 17:33
liebe diestandard.at,

österreich ist leider noch nicht so weit um diese werbung als sexistisch zu erkennen.
wenn ich unten so lese: schwächste zitrone seit langem, das ist nicht so spektakulär,... usw.

muss denn unbedingt eine nakte frau sein, damit es empört?

gerade diese darstellung ist gesellschaftlich viel tiefgreifender. es zeigt geschlechtsspezifische arbeitsteilung, hierarchie und ist ein hinweis für schlecht bewertete frauenarbeit...

dies sind aber solche bestandteile unseres denkens, dass wir sie nicht mal als sexismus entlarven. es fällt nicht mal auf und wenn man darauf hinweist, berührt es keinen...

traurig, wirklich traurig...

Feindbild
04.06.2009 10:59
Wenn - so vermute ich mal - ein überwiegend große Anteil der Sekrätere in Österreich weiblich ist, ist es dann wirklich sexistisch eine Frau auf dem Plakat als Sekräterin darzustellen?


Das ist die Realität und kein Vorurteil - und bitte bedenken Sie: Wenn man einen Menschen auf einem Plakat abbilden will hat man in der Regel nur 2 Geschlechter zur Auswahl!

nina yankow
26.06.2009 13:14

der punkt ist: es ist auch gezielt von sekretärIN die rede. und da es hier nicht wirklich um sekretäre, sondern um telefondienste geht, und in callcentern männer üblicherweise sehr gut vertreten sind, ist diese werbung eindeutig sexistisch (oder die einstellungspolitik des unternehmens, falls tatsächlich nur frauen angeheuert werden).
außerdem gibt es auch sehr viele sekretäre, die jedoch oft genug stattdessen "assistent" genannt werden. "sekretär" scheint für manche vor lauter klischees ein ebenso komisches wort zu sein wie "host" als männliche form für "hostess", obwohl im sekretärsberuf längst nicht mehr so deutlich mehr frauen arbeiten bzw. eingestellt werden wie als hostessen.

Feindbild
26.06.2009 15:36
Fällt Ihnen eigenltich auf über was für Kleingram wir uns hier unterhalten?


Assistenten gibts, ja - aber keine Assistentinnen?

Mit Sekräter verbinden die meisten Österreicher übringens ein Möbelstück - auch nicht sehr nett, oder?

Wissen Sie wieviele Frauen in DIESEM Callcenter arbeiten oder gehen Sie einfach davon aus, dass hier auch Männer gut vertreten sind? Und selbst wenn es so wäre, hier gezielten Sexismus zu unterstellen ist einfach nur paranoid.

Es gibt auch keinen Krankenbruder und keinen Hebammer.

Dass der Begriff Assistent höherwertiger sein soll, als am Begriff Sekräter, kann ich nicht nachvollziehen.

Doch dieses Beispiel illustriert sehr gut: Sprachliche Diskriminierung (ob als Opfer oder Täter) entsteht im Kopf.

Himbär mit Ketchup
03.06.2009 18:19
Wie kommen Sie auf schlecht bewertet?

Niemand hier findet, dass Sekträterinnen einen "weniger guten" Job machen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 267
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.