
Schlägt man Anna ein blaues Auge und eine geschwollene Lippe bekommt man viele Punkte, denn "am meisten Punkte kriegst, wenn'st die Anna" triffst". "Gekrönt" wird das "Spielvergnügen" mit einer nackten verprügelten Anna.
Es ist ja eigentlich nichts Neues: Ob Schlagerparade oder Musikantenstadl - für die deutschsprachige Volksmusikszene braucht eine schon einen verdammt guten Magen. Sexismen sind in dieser "unserer abendländischen Kultur" alles andere als knapp gestreut. Jede Gelegenheit wird für letztklassige Pauschalisierungen, die Spaß machen sollen, wahrgenommen: Männer saufen, Frauen warten deshalb mit dem Nudelholz hinter der Haustür, "Schwiegermütter"-Scherze usw. Ein Schenkelklopfer folgt dem nächsten und oans, zwoa: Gsuffa! Das alles wird natürlich mit einem Hohelied auf Land und (wohl nur die "eigenen") Leute begleitet.
In einem Genre, in dem Untergriffigkeiten zum guten Ton gehören, schaffen es allerdings die "Ursprung Buam" dennoch noch, unangenehm aufzufallen, wie uns eine Userin per Mail berichtete. Sowohl auf der Homepage der "Buam" als auch in Liedtexten wimmelte es nur so vor ungezügeltem Frauenhass und Rassismus, dass einer beinahe die Worte fehlen: Chauvinistisch, vor sexueller Gewalt triefend und schlichtweg Grausiges geben diese Musikanten von sich.
Aber nicht nur die "Ursprung Buam" schunkeln auf dem Rücken von Frauen und MigrantInnen: Bei dem Lied "Achmed" schwingen TänzerInnen zu Textzeilen wie folgende ihre Tanzbeine: "Es bleib'n doch zurück deine Frauen, die dann warten, im heißen Sand im Seideng'wand, ja Achmed, du lieber Achmed, du Saudi-Arabier lach' net, von uns und unseren Frauen kannst du nur träumen im Wüstenland." Oder: "Ja Achmed, lieber Achmed... verlass'n Heimat (gemeint ist "Achmed" und sein Cousin, Anm.), Frau und Kind und alles da drunt'n, drei Tage fliegen sie nur im Kreis, da fällt der Motor aus, sie landen sanft im Wüstenland, jetzt sind sie wieder z'haus'". Der Titel ihrer CD "Hereinspaziert ins Zillertal" gilt also nicht für alle.
Nicht genug
Doch das scheint noch nicht zu reichen: Auf der Homepage der "Urspruch Buam" muss noch mal der Tatsache ins Auge geblickt werden, was alles als "Gaudi" durchgeht. Denn dort kann man das lustige "Triff der Anna ihre Äpfel. Andere Sache koansch a no treffe'n"-Spiel spielen. Und das geht so: Mit einer Steinschleuder (wie "die Lausbuben halt") kann - wahrscheinlich Mann - auf die Kellnerin hinter der Theke schießen. Getroffen werden kann ein Apfel auf ihrem Kopf, geht der Schuss auf die Brüste entblößen sie sich. Auch ein blaues Auge und geschwollene Lippen kann man der Anna verpassen. Zwischendurch wird mit "Am meisten Punkte kriegst, wenn'st die Anna" triffst" angefeuert und die Spielzeit wird mit sich leerenden Bieren angezeigt. Ein Meisterschütze ist man dann, wenn man auf die Genitalien trifft - dann ist die Anna plötzlich völlig nackt und von unten springen die Köpfe der drei "Ursprung Buam" hervor, die den Spielstand mit "Sauber!" kommentieren und vorschlagen, doch einen Freund zu einer nächsten Runde herauszufordern.
Spaß?
Was bleibt da zu sagen? Begreifen sie es wirklich nicht? Haben sie nie über den Tellerrand der Mehrheitsgesellschaft, der sie angehören, hinausgeblickt und haben nicht den Hauch von einem Schimmer, was kein "Spaß" mehr ist, sondern (symbolische) Gewalt, Verletzung und Erniedrigung? Soweit die wohlwollende Interpretation. Oder, man weiß sehr wohl um die erniedrigenden Komponenten, hat damit aber kein Problem und putzt sich mit einem "ist doch alles nur Spaß" ab. Für diese Ansicht verdienen sich nicht nur die "Ursprung Buam" eine Zitrone, sondern auch alle jene, die an solchen "Produkten" mitarbeiten: WebdesignerInnen, das Hotel im Zillertal, das gerne ein Zimmer für das "Triff die Anna"-Gewinnspiel verlost oder auch die lustigen TänzerInnen im Bierzelt. (beaha, dieStandard.at, 16.6.2009)
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