
Werkstätten-Expertin Gabriele Kordes: "Frauen wollen in der Autobranche genauso als Zielgruppe wahrgenommen werden wie Männer"
20 Minuten schlendert die Frau schon durch das Autohaus. Immer wieder sieht sie sich nach Beratung um, schließlich gibt sie auf: Auch nach 30 Minuten hat sich noch kein Verkäufer blicken lassen. Der "missglückte Autokauf" ist Teilergebnis einer Feldstudie in 25 Kölner Autohäusern, in denen verdeckt das Ansprechverhalten des Verkaufspersonals überprüft wurde, wenn sich Frau ohne Begleitung in den Verkaufsräumen umschaut. Fazit: In 63 Prozent der Fälle wurde die Testerin erst nach fünfzehn Minuten angesprochen - in drei Betrieben kam es selbst nach 30 Minuten zu keinem Verkaufsgespräch.
Frauen als Zielgruppe wahrnehmen
"Frauen wollen in der Autobranche genauso als Zielgruppe wahrgenommen werden wie Männer", betont Gabriele Kordes, Gründerin und Mitherausgeberin von "active woman mobil", dem ersten deutschen "'Alles-rund-um-das-Auto'-Magazin von Frauen für Frauen", das den Autohaus-Test durchführte. Die Kölner Marketingspezialistin und langjährige Co-Chefin einer Kfz-Werkstätte sammelte in der Praxis und in Frauen-Technikkursen Erfahrung, was Autofahrerinnen interessiert, welche Beratung sie sich wünschen, welche speziellen Bedürfnisse sie haben. Mit "active woman mobil", das im Dezember 2008 erstmals und erfolgreich erschienen ist und viermal pro Jahr herauskommt, will sie dem Anspruch der Fahrerinnen auf gezielte Information Rechnung tragen: "Die gängigen Automagazine werden von Frauen kaum gelesen, weil sie sehr techniklastig und großteils für ein männliches Fachpublikum geschrieben sind. In unserer Zeitschrift bringen wir deshalb viele Themen, die speziell Frauen rund ums Auto interessieren und die in keiner anderen Autozeitschrift zu finden sind oder über die sich noch keiner vorher Gedanken gemacht hat. Wir trauen uns, emotionaler zu berichten als andere, bringen aber genauso auch 'harte Facts'."
So werde zum Beispiel über Fahrängste, Hilfe beim Autokauf, Autofahren und Schwangerschaft sowie sichere Kinderautositze genauso geschrieben wie über Reifenwechsel, Gebrauchtwagenkauf und die neuesten Cabriomodelle. Fachlich aufbereitete Beiträge rund um Technik, Service, Wartung und Pflege finden sich ebenso im Heft wie Reportagen über Motorsport, Reiseinfos, Rechtsthemen und Tipps von Werkstattprofis. Unterstützung erhält die Redaktion dabei von zahlreichen Expertinnen aus dem Kfz-Bereich, die die Branche aus ihrer Sicht beschreiben, darunter etwa Rennfahrerin Ellen Lohr, die als bisher einzige Frau die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) gewann. Gelesen wird das Magazin aber bei weitem nicht nur von Frauen: 54 Prozent der LeserInnen sind Männer.
Langsame Reaktion
Gabriele Kordes ist es unverständlich, warum die Automobilbranche erst nach und nach auf die Zielgruppe der Autofahrerinnen reagiert, ist diese doch in Deutschland wie in Österreich beachtlich groß: Alleine in Österreich sind in der Altersgruppe zwischen 30 und 39 Jahren 88 Prozent aller Frauen selbst mit dem Auto unterwegs (bei Männern 92,5 Prozent); 91 Prozent leben in Haushalten, in denen zumindest ein Pkw vorhanden ist. 33 Prozent der 18- bis 60-Jährigen fahren einen Kompaktwagen, 35 Prozent einen Kleinwagen und 12 Prozent einen Mittelklassewagen. Hinsichtlich der Ausstattung wollen Frauen beim "Traumauto" folgende fünf Dinge: Platz und Flexibilität, Sicherheit, Komfort und Bequemlichkeit, Klima und Sportlichkeit. Wichtig ist ihnen zudem, dass das Auto klein, kompakt und wendig ist, aber auch Stauraum, Farbe und Design spielen eine Rolle.* Die Konsumforschung in Deutschland zeigt zudem, dass Frauen bei der Entscheidung für einen Autokauf zu 70 bis 80 Prozent beteiligt sind - und das "nicht nur bei der Farbe".
Für die Kundin Zeit nehmen
Ob sich Autofahrerinnen auch für das "Drumherum" interessieren, hänge sehr stark von der zielgerichteten, ansprechend aufbereiteten Information ab, betont Kordes. "Gut informierte Autofahrerinnen sind auch eher bereit, in zusätzlichen Service oder neue Produkte zu investieren", weiß die Werkstätten-Expertin: "Wenn ich zum Beispiel der Kundin nach dem Service die Rechnung aufschlüssle, ihr bei Bedarf technische Details erkläre und sie dann nachvollziehen kann, warum bestimmte Reparaturen nötig waren, dann spielt der Endpreis meistens keine Rolle. Wenn ich hingegen ohne Erklärung nur 'Achsmanschette' und den Preis hinschreibe, mir keine Zeit für die Kundin nehme und denke 'Die kapiert das eh nicht', dann muss ich mich nicht wundern, wenn sie die Rechnung in Frage stellt."
Ausgezeichnetes Service
Während ihrer langjährigen Tätigkeit in der Autowerkstätte hat Gabriele Kordes ein speziell auf Frauen zugeschnittenes Werkstätten-Service entwickelt, für das sie bereits mehrfach ausgezeichnet wurde. Die gezielte Ansprache von Frauen sowie ein "Express-Kinder-Service", bei dem das dringend benötigte Auto vor dem Kindergarten vorbeigebracht und danach abgeholt werden kann, gehören da genauso dazu wie angebotene Frauen-Technikkurse, eine Kinderspielecke oder eine Wickelkommode.
"Frau ist mobil"
Vor einigen Jahren kam die Mutter zweier Kinder schließlich auf die Idee, ein Netzwerk von frauenfreundlichen Werkstätten und das Internetportal "Frau ist mobil" aufzubauen und ihre Erfahrungen an andere Betriebe weiterzugeben, die sich aktiv mit dem Thema "Frau und Auto" auseinandersetzen. Zudem ist sie auch als Werkstätten-Testerin für „active woman mobil" unterwegs. Worauf es ihr beim Service besonders ankommt: „Dass Frauen mit ihren Fragen vom Werkstattpersonal ernstgenommen werden, dass auf ihre persönliche Situation eingegangen wird, dass man sich für ihr Anliegen und für Erklärungen Zeit nimmt und die Kundin nicht einfach schnell abfertigt, weil 'die sich ja eh nicht auskennt'." (isa/derStandard.at, 18.6.2009)
* Quellen: bmvit, Statistik Austria, ÖAMTC
Zur Person:
Gabriele Kordes (45) hat Bürokauffrau im elterlichen Kfz-Betrieb gelernt und als Marketingspezialistin mit ihrem Mann viele Jahre eine Kfz-Werkstätte betreut. Als Expertin in Sachen "Frau und Auto" wurde sie mehrfach ausgezeichnet, darunter als erste Frau mit dem "Special Award für besondere Leistungen im Handwerk" (2000), als "Meisterfrau des Jahres" (2001) und als "erste Frau im Kfz-Gewerbe als Führungskraft" (2006).
Zum Magazin:
Das Magazin "active woman mobil" wurde im Dezember 2008 gegründet, erscheint derzeit viermal pro Jahr als Beiheft zur Sport-Zeitschrift "active woman" und ist auch im österreichischen Zeitschriftenhandel erhältlich.
Link:
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sorgt diese Aktion dann auch dafür, dass Autos gebaut werden, die den Bedürfnissen von Frauen entsprechen wie barrierefreies Beladen des Kofferraums. Bzw. die Infos, welche Autos welchen praktischen Kriterien entsprechen, damit Frau nicht immer den gesamten Markt durchsuchen muss und sich mit unzähligen Macho-Verkäufer-Idioten herumschlagen muss um einen mit Verstand zu finden, der in seiner SelbstHERRlichkeit nicht nur schwafelt, sondern zuhört.
...vor allem weil es ihnen ja wurscht sein kann, ob sie auch an Frauen Autos verkaufen können.
Dass Frauen erst nach 15-30 Minuten in einem Autosalon angesprochen werden, sagt doch in Wirklichkeit garnichts aus. Wurden auch Männer als Lockvögel geschickt? Wie schnell wurden die angesprochen?
Wenn Sie in einen Autosalon gehen, werden Sie sich vermutlich auch erst in Ruhe umsehen wollen. Genau darauf nehmen Verkäufer vermutlich Rücksicht!
Also bitte - nicht überall wo "die Standard" Sexismus wittert, ist es auch angebracht, diesen Vorwurf ernstzunehmen. - Auch feministische Meinungen dürfen hinterfragt werden!
"mehr Zeit damit lassen" nannte man früher "ignorieren". Und ja, auch als Mann wird man oft ignoriert, wie ich spaßeshalber oft in irgendwelchen Autohäusern ausprobiere. Zumindest eine Begrüßung (ah, ein potentieller Kunde!!!) und ein: "Wenn Sie Fragen haben, wenden Sie sich nur an mich - ansonsten schauen Sie sich ruhig um!" würde ich schon erwarten.
Mann von Martha
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