In der Drehbuchwerkstatt können migrantische und nichtmigrantische Frauen 40 plus Themen wie die "Kopftuch"-Frage gemeinsam künstlerisch aufarbeiten
Die Drehbuchwerkstatt Salzburg hat ein interkulturelles Projekt für Frauen gestartet: Hauptaugenmerk beim "Brückenbau" gegannten Projekt ist
die unterstützende Arbeit im Rahmen des kulturellen und sozialen Lebens für
Frauen in Österreich, über 40, am Land, mit (und auch ohne)
Migrationshintergrund - also jene Gruppe, die am allerwenigsten
Aufmerksamkeit und Zugang zu Öffentlichkeit oder Medien hat. Eine
Gruppe, die fast niemand hört oder sieht und von vorn herein kaum Chancen
auf Gehör von kreativen Ausdrucksweisen hat.
Kulturelle Vernetzungsarbeit
Die Drehbuchwerkstatt ist EU-weit vernetzt, hat Dependancen in Rijeka,
Wien, Berlin, Trabzon und Banja Luka: "Wir kennen die Vorteile und auch
die Schwierigkeit der Kommunikation verschiedener Kulturen miteinander
und sehen unsere Aufgabe auch als Initiator und Impulsgeber neuer,
offener Formen von Kommunikation, Kunst und kultureller
Vernetzungsarbeit." Mit dem von Shirin Rahmat, Gabriele Neudecker und Veresa Radosawljewitsch auf die Beine gestellten Projekt spricht die Drehbuchwerkstatt
unterschiedlichste Frauen an, vernetzt und bietet Raum für künstlerische
Ausdrucksweisen. Das Projekt Brückenbau wurde ehrenamtlich und kostenlos durchgeführt und betreut: "Es ist aus dem
Bauch heraus, aufgrund eines gefühlten Mangels, entstanden, und es ist
gut geworden."
Thema Kopftuch
"Brückenbau"
wurde seit Februar 2009 konzipiert und vorbereitet, im Mai 2009 gab es
das erste gemeinsame Treffen zum Thema "Kopftuch", jenes umstrittene Stück Stoff, das mit Frauenunterdrückung zu tun hat und deren Trägerinnen ihrerseits oft wieder vor Diskriminierung geschützt werden müssen – ein Symbol, das sowohl persönliche Freiheit als auch Unfreiheit bedeuten kann.
22 Frauen mit und fünf Frauen ohne Migrationshintergrund aus ländlichen Gemeinden kamen dazu zum gemeinsamen Spaziergang ins Naturschutzgebiet am Wallersee. Spätestens beim gemeinsamen Picknick am Ufer des Sees wurde Scheu voreinander abgelegt und es ergaben sich bereits rege Diskussionen rund um das Thema Kopftuch. "Unsere künstlerische Leiterin Gabriele Neudecker erwies sich als sehr sensible Impulsgeberin, moderierte die unterschiedlichen Meinungen, ermutigte die Frauen und führte vor Augen, dass Emotionen kreativ und künstlerisch ausgedrückt werden können", erzählen die Frauen der Drehbuchwerkstatt. "So ergaben sich erste literarische Zeilen zum Thema Kopftuch – eine vierfache türkische Mutter beispielsweise berichtete von der Ambivalenz des Kopftuchs: dass 'die Tochter daheim in der Türkei ihr Kopftuch aus Protest niemals aufsetzt, hier in Lochen schon, ebenfalls aus demselben Grund, aus Protest.'" Mit einigen Frauen wurden am nächsten Tag in der Drehbuchwerkstatt Fotos zum Thema Kopftuch erarbeitet (siehe Foto links).
Das Fazit der ersten Zusammentreffen war die Feststellung, dass es richtig war, dieses provokative Thema gleich an den Anfang des Projekts zu stellen, damit es diesbezüglich keine unausgesprochenen Barrieren mehr gibt zwischen jenen Frauen, die ihr Kopftuch tragen, und solchen, die es ablehnen oder Bedenken haben oder damit überhaupt nichts anfangen können.
Nächste Treffen
Beim nächsten Treff steht das Thema "Mütter und Töchter" zu Diskussion. Mit interessierten Frauen soll ein Dramolett zum Thema erarbeitet werden, das im Herbst 2009 als Lesung aufgeführt wird.
Die Thementreffen zum "Brückenbau" sollen künftig mindestens sechs Mal pro Jahr stattfinden.
Weitere geplante Themenschwerpunkte für 2010 sind "Wozu Politik – ist Politik Männersache" und "Ein Zimmer für mich allein". (red)
Link
Drehbuchwerkstatt
Jede/jeder, der die Projekte der Frauen finanziell unterstützen möchte,
kann dies gern unter der Kontonummer der Drehbuchwerkstatt 49601 bei
der Raiba Köstendorf bei Salzburg, BLZ: 35021 - Betreff Brückenbau, tun.