Nüchtern betrachtet

29. Juni 2009, 19:23
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  • Artikelbild: Mütter in Österreich entscheiden sich immer noch für lange Auszeiten vom Berufsleben, wenn sie ein Baby bekommen. - Foto: APA/dpa/Patrick Pleul

    Mütter in Österreich entscheiden sich immer noch für lange Auszeiten vom Berufsleben, wenn sie ein Baby bekommen.

Frauen bleiben wider besseren Wissens so lange wie möglich zu Hause bei den Kindern. Eine fortschrittliche Familienpolitik stößt damit an ihre systembedingten Grenzen - Kommentar

Die Autorität von Zahlen in der Politik war noch nie so groß wie heute. Für jede erdenkliche politische Entscheidung wird heute evidenzbasiertes Wissen herangezogen, um Meinungen von Tatsachen zu trennen, wie es so schön heißt. Manchmal dienen Statistiken aber auch einfach nur dazu, gesellschaftliche Realität zu demonstrieren, wo sie vielleicht sonst von vernunftgeleiteten Politiken gern übersehen wird. Zu letzterem gehört die aktuelle Auswertung der BezieherInnen des Kindergelds in Österreich: Die Zahlen für Mai 2009 zeigen, dass der Väteranteil bei den KindergeldbezieherInnen weiterhin bei sehr geringen 4,5 Prozent liegt. Darüber hinaus belegt die Statistik, dass die Mehrheit (79 Prozent) die längste Variante für den Kindergeldbezug gewählt hat (436 Euro für 36 Monate, 30 plus 6 für den/die andere/n PartnerIn). Auf die anderen beiden kürzeren Modelle mit höheren Zahlungen teilen sich die restlichen 20 Prozent auf.

Betrachtet man die Neuzugänge isoliert, also nur jene, die ab 2008 überhaupt erst die Möglichkeit hatten, zwischen den drei Modellen zu wählen, so zeigt sich, dass sich immer noch die Mehrheit, nämlich 64 Prozent aller BezieherInnen, für die längste Variante entscheidet (siehe Grafik links).

30 Monate indoor

Nicht nur, dass es weiterhin Frauen sind, die die Kinder aufziehen, nein, sie entscheiden sich außerdem trotz der nun vorhandenen Wahlmöglichkeiten dafür, die längstmögliche Bezugsdauer in Anspruch zu nehmen. Nur 19 Prozent der KindergeldbezieherInnen nehmen darüber hinaus die Möglichkeit eines regelmäßigen Zuverdienstes wahr (laut Statistik vom Mai 2009). Die Risiken in Bezug auf ihr berufliches und persönliches Fortkommen (verfallener gesetzlicher Kündigungsschutz, gesunkene Chancen am Arbeitsmarkt, geringere Pensionszahlungen, etc.) scheinen dabei in Kauf genommen zu werden.

Somit bleibt die Gewissheit, dass die Mehrheit der österreichischen Jung-Mütter zweieinhalb Jahre mit 436 Euro in der eigenen Geldtasche leben. In totaler Abhängigkeit von ihrem meist erwerbstätigen Partner. Ohne Anschluss an eine Erwachsenenwelt außerhalb des Kinderspielplatz-Universums. Und das auch noch freiwillig?!

Fakten kommen nicht an

Wenn die Politik versucht, Frauen durch diverse Anreize zu kürzeren Karenzzeiten zu bewegen, dann passiert das nicht aufgrund persönlicher Meinungen. Auch eine fortschrittliche Familienpolitik hat Fakten im Auge - etwa die Einkommensschere zwischen den Geschlechtern, die im Alter fehlende finanzielle Absicherung von Frauen oder ganz allgemein die nachlassende gesellschaftliche Teilhabe von Frauen durch eine Mutterschaft, die geprägt ist von Rückzug aus der Öffentlichkeit. Nur zeigt sich, dass diese Fakten bei den Betroffenen offensichtlich nicht ankommen, oder eben in Kauf genommen werden.

Sie stellen auch die politischen Verantwortlichen vor eine heikle Grenze: Wie eine fortschrittliche Familienpolitik umsetzen, wenn sie von den Frauen nicht angenommen wird? Für die Frauen- und Familienpolitik ist es zentral, herauszufinden, warum sich ihre Wählerinnen in der Phase der Mutterschaft so beratungsresistent gegenüber ihrem eigenen Schicksal erweisen: Können sie ihren Job nicht leiden, vertrauen sie ihrem Partner mehr als sich selbst, mangelt es an Kinderbetreuung, gibt es nicht genügend Jobs für sie oder haben sich Frauen quer durch alle Bildungsschichten einfach noch nicht gelöst von den traditionellen Ansprüchen einer Mutterschaft "made in Austria"? Gerade jetzt, wo bereits die vierte Variante des Kindergeldes in Arbeit ist, sollte endlich Klarheit darüber geschaffen werden, welche komplexen gesellschaftlichen Vorgänge Frauen so zählebig von einer nüchteren Betrachtung ihrer prekären Situation abhalten. (freu, dieStandard.at, 29.6.2009)

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Ndugu
14.07.2010 10:05
Nüchtern betrachtet, sollten wir Frauen uns sehr wohl ernsthaft Gedanken machen.

Natürlich möchten die meisten Mütter so lange wie möglich bei ihrem Kind / Kindern bleiben - das ist verständlich, und für die Kinder gut.
Leider werden Kinderzerziehungszeiten nach wie vor nicht wie Vollarbeit für die Pension angerechnet.
Leider kommt der Moment, wo der Wiedereinstieg in den Beruf nach einer langen Auszeit sehr schwierig ist.
Leider gibt es nach wie vor viel zu wenig Flexibilität im Berufsleben / Kinderbetreuungsmöglichkeiten etc.
Leider zerbrechen sehr sehr viele Partnerschaften, und dann stehen viele Frauen ohne Einkommen da.
Ist das auch so gut für die betroffenen Kinder?

Ndugu
31.03.2010 16:02
Es ist schwierig, sich als junge Mutter die Langzeitfolgen

von jahrelangen Auszeiten vorzustellen (was passiert, wenn die Partnerschaft nicht hält, geringe Pension, etc.). In der Situation hat das Kind / die Kinder Vorrang, und die österr. Gesellschaft redet Müttern halt immer noch ein, dass es besser ist, Vollzeit zu Hause zu sein, lässt sie dann aber allein, wenn's um den Widereinstieg geht, bzw. wertet die Arbeit einer Mutter nicht entsprechend auf. Außerdem mangelt es nach wie vor an guten Kinderbetreuungsplätzen, und das nach 25 Jahren Diskussion. Es wunder mich langsam nix mehr.

Ernst Hirschmugl  
09.09.2009 17:33
wider besseren Wissens ...

Also, ihr Frauen, richtet euer Leben nicht so ein, wie ihr es für vernünftig haltet, denkt daran, ihr habt kein Wissen, das haben andere, und denen sollt ihr gefälligst folgen.
Was wird denn da für ein "Wissen" angesprochen? Etwa, daß es für Kinder nicht besser ist, eine Mutter ständig zuhause ansprechen zu können, eine Mutter, die immer Zeit hat, sondern schlechter?
Nochmal ihr Frauen und Mütter, geht also arbeiten, damit ihr euch das Arbeitengehen und die Kinderbetreuung etc. leisten könnt.

wonderbrass0
07.09.2009 22:50
Kömma vielleicht als erstes einmal die richtigen Fälle verwenden?

Wider verlangt den 4. Fall. Daher: Wider besseres Wissen. Bitte!!!

eze eze 
07.09.2009 21:19

Vielleicht ist sie eben gerade nicht fortschrittlich? Die Schweden z.B. scheinen das Problem viel besser gelöst zu haben.

strangerinastrangeland  
11.11.2009 22:04

Das liegt vermutlich daran, dass die schwedischen Frauen anders sind. Meine Frau jedenfalls hat mein Angebot in Karenz zu gehen, glattweg abgelehnt.
Ihren Job ist sie inzwischen los...

jokergirl
06.12.2009 14:36

In Schweden ist die Gesetzeslage eindeutlich familienfreundlicher und geschlechterneutraler. Und das Angebot wird auch von beiden Geschlechtern gleichermassen wahrgenommen.

;)

kasperl-und- Petzi
20.08.2009 05:35

Schlechter und du**er Artikel.
Generel moechte ich anmerken das diestandard von Zensur und schlechten Artikeln nur so strotzt. Wie waere es die Meinung der Leute gelten zu lassen und keine Posting freien Tage einzufuehren.
hat diestandard Angst vor der Meinung der Leute?
Oder sind gewisse Meinungen gleicher als andere. Mit dieser Art und weise werden genau die Methoden angewandt gegen die diestandard auftritt. Na ja ich denke mal auch dieses Posting wird geloescht werden da es nicht der Meinung von diestandard entspricht.

jokergirl
17.07.2009 13:23

"Frauen bleiben wider besseren Wissens so lange wie möglich zu Hause bei den Kindern."

Vielleicht haben die Frauen in dem Fall besseres Wissen?
...davon, dass die frühe Kindheit die wichtigsten Jahre für eine Mutter-Kind-Beziehung sind
...davon, dass diese Jahre nie wieder zurückkommen
...davon, dass sich mit dem eigenen Kind beschäftigen für manche Leute ein persönlich wichtigeres Ziel ist als die Karriere in dem Moment.

Und vielleicht, vielleicht, würden viele Männer das auch gerne ausnutzen, wenn sie die gleiche Möglichkeit hätten (in Schweden geschieht das bereits).

;)

Eva Morocutti
15.07.2009 19:16

das ist ziemlich nüchtern betrachtet. denn in manchen fällen geht es einfach nicht anders als dass mami beim kind bleibt. dem staat ist es scheinbar wurscht wenn talente und arbeitskraft und hochmotivierte (junge) frauen zu hause bleiben. mich kotzt es hochgradig an, dass ich weder förderung für weiterbildung bekomme aufgrund meines "unklaren status'" (waff), fakt ist, ich bewege mich in einer grauzone, in der ich eigentlich gar nicht existiere. und beruflich muss ich, wenn ich ab wegfall des KBG ende august (variante 30+, partner bezieht nichts) mit einem job außerhalb meiner ausbildung rechnen, wenn ich überhaupt einen bekomme. sonst ist notstand angesagt. da nützt der schönste magistratitel nichts.

Rosa Stahl
20.07.2009 10:06

was habens denn studiert?

rinius ante portas 
12.07.2009 11:03
@freu

"Frauen bleiben wider besseren Wissens so lange wie möglich zu Hause bei den Kindern. Eine fortschrittliche Familienpolitik stößt damit an ihre systembedingten Grenzen."

Schon der Eingangssatz ist eine unglaublich arrogante Anmaßung, "freu"!
Alle Frauen, die "wider besseren Wissens" zu Hause bleiben, sind also rückständig und dumm, die Autorin allerdings weiß natürlich, was "fortschrittliche" Familienpolitik ist. Und da wundert SIE sich, dass IHRE "fortschrittliche Familienpolitik" von den Frauen nicht angenommen wird?
Von jemanden wie der Autorin, die alles besser weiß, solch einen Kommentar schreibt und ihn mit einseitigen "Fakten" unterlegt, wird sich kaum jemand "belehren" lassen wollen.
Dumm sind übrigens auch Engstirnige wie "freu"!

Franzine
08.07.2009 16:56

Eine Familienpolitik, die die Interessen der Wirtschaft und nicht die des Kindes vertritt verdient nicht unbedingt die Bezeichnung fortschrittlich.

Nagl11
06.07.2009 17:21

"Und das auch noch freiwillig?!"

Und was genau ist daran falsch, wenn sich Frauen für ein solches Modell entscheiden? Warum versucht uns die linksfeministische Gehirnwäsche immer einzutrichtern, es wäre etwas Schlechtes, wenn eine Frau zu Hause bei den Kindern bleibt?

coder24
03.07.2009 23:50

"Frauen bleiben wider besseren Wissens so lange wie möglich zu Hause bei den Kindern. "

Muss man Frauen eigentlich für dumm halten, wenn sie lieber bei ihren Kindern sind und nicht darauf fixiert sind, möglichst bald wieder ein Nettozahler im Steuersystem zu werden?

derEismann
07.07.2009 19:37

Mir kommt diese Bewegung (unter anderem) eh wie der Handlanger für die Wirtschaft vor.

g'stieß
05.07.2009 12:44

wie ich von bekannten weiss, die bei der pva arbeiten, sind vor allem frauen vom geringen ausmaß ihrer pensionen schockiert - bis zu weinkrämpfen. wenn man sich den versicherungsverlauf und die bemessungsgrundlagen ansieht, sieht man die langen unterbrechungen und die niedrgen einkommen in jahren mit teilzeitarbeit.daran wird sich nichts ändern, solange die elende familienideologie in ö so bleibt, wie sie ist.

Rosa Stahl
06.07.2009 10:25

nicht die familienideologie ist elend, sondern das offenkundige Unvermögen (laut Berichten ihrer Bekannten) mancher Frauen, einfach mal nachzurechnen eine gute Zeit BEVOR sie in Pension gehen wollen.

Nagl11
06.07.2009 17:27

Nein nein, es ist doch viel einfacher, alles dieser "rückschrittlichen" Familienpolitik in die Schuhe zu schieben.

Frank Duval
03.07.2009 22:58

Mir ist der Feminismus sehr sympathisch, weil er Frauen endlich eine Stimme gibt. Quer durch unsere Geschichte kamen Frauen kaum vor, was eine Schande ist. Was ich nur grundsätzlich nicht verstehe - und das kommt in dem Kommentar gut zur Geltung - ist, dass per se weibliche Stärken wie etwa Mutterschaft als Manko angesehen werden.
Diese Funktion ist für eine Gesellschaft schlichtweg überlebenswichtig. Deshalb bin ich übrigens auch für das strengste Alimente-Gesetz, das man sich vorstellen kann, da die Frau unmöglich alleine gelassen werden darf.
Aber ich finde, das männliche Lebensmodel auf Frauen zu übertragen und sie in diese in dieses Korsett zu zwingen, zutiefst sexistisch, weil es Frauen abwertet.

dieWolfsmutter  
03.09.2009 15:51
Ich

bin nicht so ganz deiner Ansicht, was diese Alimente-Geschichte angeht.

Wenn eine Gesellschaft Kinder möchte und propagiert - haben sie auch von dieser Gesellschaft versorgt zu werden.

Was heißt das:
1. es ist für Ernährung, Kleidung, Bildung, und die Struktur aufzukommen.
2. wenn sie die Mutter dafür entscheidet, die Kinder hauptberuflich zu betreuen, hat sie dafür gefälligst auch Anspruch auf Ernährung, Kleidung, die Struktur und Weiterbildung.
3. wenn die Mutter sich dagegen entscheidet, die Kinder hauptberuflich zu betreuen, sind Kinderbetreuungseinrichtungen zu stellen - kostenfrei und zeitmäßig auf die Arbeitszeiten der Eltern abgestimmt.

Nur: so läuft das nicht. Was heißt das also: Mütter/Eltern haben die Arschkarte.

Lectrice
15.07.2009 11:25
Ich finde nicht, dass Mutterschaft als Manko angesehen wird. Ein Manko ist, dass Frau auf Muttersein reduziert wird.

Frauen haben immer gearbeitet. Das ist ja nichts neues. Was ist ein männliches u. ein weibl. Lebensmodell? Hat man Kinder sollten beide dafür verantwortlich sein. Und auch jeder sollte seinen Lebensunterhalt bestreiten können. Das kann ja nicht so schwer sein.

Ich finde es nicht sexistisch, dass ich arbeite und e. gute Berufslaufbahn habe - im Gegenteil. Sexistisch würde ich es finden, wenn ich diese Möglichkeit nicht hätte. Muttersein ist ja kein lebenslanger Beruf und es ist grotesk Frauen wegen e. paar Jahren kinderbetreuungsintensiver Zeit für's weitere Leben auf die Mutterschaft zu redzuieren u. damit die Möglichkeit a. finanzielle Selbständigkeit zu nehmen.

Thomas Felder
10.07.2009 16:43

Sie wissen schon, dass dieses strengste alimente gesetz auch dann Frauen trifft, wenn die männer die kinder zugesprochen bekommen ?

Rosa Stahl
03.07.2009 15:56

Umgekehrt: Frauen bleiben AUFGRUND besseren Wissens so lange als Möglich bei den Kindern zu Hause.

jana_einsteinova
28.07.2010 10:33

nachdem wir alle eh keine pension mehr kriegen werden .. hausfrauen oder leute, die 45 jahre arbeiten..

kann man sich auch daheim ein schönes leben machen...

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