Rezension

Female Science Faction Reloaded

30. Juni 2009, 18:26
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    foto: festo

    Kaum zu glauben? Auch Mädchen haben Spaß an Technik und Naturwissenschaft. 

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    cover: promedia verlag

    Karin Ballauff, Helga Gartner, Roswitha Hofmann, Doris Nußbaumer (Hg.innen), "Female Science, Faction, Reloaded", Promedia Verlag, Wien 2008, EUR 15,90

Sammelband über Verhältnis von Frauen zu Naturwissenschaften und Technik

Gegen platte Klischees über Frauen und Technik anschreiben. Dies fordert der Lise Meitner Literaturpreis seit 1994 alle zwei Jahre in einer Ausschreibung. Gewinnerinnen des mit 2.200 Euro dotierten Preises können jene werden, die mit Erzählungen eine neue weitsichtige oder auch provokante Perspektive auf das Thema Geschlecht in Naturwissenschaften und Technik wagen. Die verstorbene österreichische Kernphysikerin Lise Meitner ist Namensgeberin für den Preis. Sie war die zweite Frau, die an der Universität Wien im Hauptfach Physik promovierte. 1933 wurde ihr die Lehrbefugnis aufgrund ihrer jüdischen Abstammung entzogen, nach ihrer Flucht konnte sie ihre Forschung in Schweden am Nobel-Institut fortsetzen. Gemeinsam mit Otto Frisch lieferte Meitner die erste physikalisch-theoretische Erklärung der Kernspaltung, die ihre Kollegen Otto Hahn und Fritz Straßmann 1938 entdeckten.

Das Buch "Female Science Faction Reloaded", das im Promedia Verlag erschienen ist und von Karin Ballauff, Helga Gartner, Roswitha Hofmann und Doris Nußbaumer herausgegeben wurde, präsentiert nun Texte darüber, in welcher Weise Frauen in Arbeitsfeldern und Ausbildungsbereichen wie Informatik, Maschinenbau oder Elektrotechnik mit den verschiedensten Vorurteilen und Hindernissen noch immer zu kämpfen haben. Die Herausgeberinnen wollten mit dem Buch dem Verhältnis „Frauen und Technik" literarisch nachspüren und bestimmte „Phänomene" aufzeigen, wie es im Vorwort heißt. Ein solches Phänomen war etwa, dass Lise Meitner irgendwie zur „Mitarbeiterin" Otto Hahns wurde, obwohl sie entscheidenden Einfluss auf Hahns Erkenntnisse hatte, den Nobelpreis nahm natürlich Hahn entgegen.

Siegerinnen-Texte

Der Sammelband präsentiert die Siegerinnen-Texte aus den Jahren 2003, 2005 und 2007 und andere Erzählungen. Preisträgerin (2003) Monika Vasik gewährt beispielsweise Einblick in Überlegungen und Umfeld einer Maturantin, deren Tante ihr gegenüber feststellt: "Du schlägst ganz aus der Art". Kommentiert hat die Tante damit die Erwägung der Schülerin, vielleicht "an der Technik" zu studieren. Aber nicht nur über die Tante muss sich die junge Frau empören. Auch von ihrer Professorin ist sie enttäuscht, die ihre Schützlinge kurz vor der Matura im Stich lässt um Drillinge zu bekommen. Eine Professorin, die ihr versicherte, dass sie an ihre Begabung und Intelligenz glaube. "Pah! alles Gelaber. wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich mich nicht für die mündliche Mathematik und Physikmatura angemeldet, niemals."

Wie sind Sie als Frau dazu gekommen?

Da Identifikationsfiguren für junge Frauen im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich selten sind oder eben abhanden kommen können, muss es auch ohne gehen. Über eine Heizerin, die in einem Museum die Arbeit als Schiffsheizerin nachstellt, nimmt das Erstaunen schier kein Ende: "Und wie sind Sie als Frau dazu gekommen, hier zu arbeiten?". "Hat ihr Vater in so einem Beruf gearbeitet, oder ihr Großvater?". Die Heizerin verneint. Und wieder "oh, eine Heizerin. Haha. Wie sind Sie als Frau dazu gekommen, das hier zu machen?" Antwort: "Ich wollte verstehen, wie das alles funktioniert." Und das Erstaunen scheint in Lisa Mandelartz Text "Die Wartung des Kessels darf nur zuverlässigen, gut ausgebildeten männlichen Personen über 18 Jahren übertragen werden" nicht mehr enden zu wollen.

Wenn noch immer kleine Kinder aufgeregt auf Frauen in bestimmten Berufen zeigen und rufen "Papa, das ist eine Frau!", scheint es nicht verwunderlich, dass es zu dem Selbstverständnis für Frauen und Mädchen, aus einer umfangreicheren Palette an Berufen zu wählen, noch weit ist. Dass es in den verschiedensten naturwissenschaftlichen und technischen Studienrichtungen und Arbeitsfeldern an Frauen mangelt, wissen wir. Über die vielen "Phänomene", die strukturellen und gesellschaftlichen Traditionen und kulturellen Erzählungen, die auch nicht durch einschlägige Förderungsmaßnahmen so einfach beseitigt werden können, geben aber Erzählungen, wie die in "Female Science, Faction, Reloaded" wichtige Aufschlüsse. (beaha, dieStandard.at, 30.6.2009)

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13 Postings
Schemieschenie
00
Prinzipiell, sehr guter Ansatz

, man muss es schaffen auch Frauen für Naturwissenschaften und Technik zu interessieren, man sollte es generell schaffen junge Leute mehr für diese Bereiche zu begeistern.

Obwohl ich denke dass der Bericht ein wenig zu einseitig dargestellt, ich arbeite in einem sehr männdomminierten Beruf, dennoch werden hier Frauen vollkommen gleich behandelt und niemand "zeigt mit dem finger" auf sie

Samthand Schuh
81
Echt nicht bös gemeint, aber...

wie viele Frauen wissen, wofür die Abkürzung HTL steht?
Freilich weiß ich das = rotes Stricherl
Keine Ahnung = grünes Stricherl

MBR
10
mein rotes stricherl

steht für "unnötig"

Tethys
13

Geht's noch??

Lila Strumpf
11

und wofür steht I.D.I.O.T ?
hm....

Gefräßige Gebärmutter
00

Immer diese irrsinnig obergescheiten Trolle?

Lila Strumpf
00

ja stimmt! ;-)

Samthand Schuh
32
Für Frauen gibts ja nur die Kultur!

Tatsächlich habe ich einmal eine HTL-Absolventin kennen gelernt. Superintelligent und Power-Frau - eine von der man/frau gedacht hätte, sie könnte einmal ein Atomkraftwerk oder einen Hochgeschwindigkeitzug bauen. Nach der Matura hat sie sich dann für ein Völkerkunde-Studium entschieden (wobei Völkerkunde super ist). Die meisten Frauen zieht es halt immer zur "Kultur". Nur diese wird den weiblichen Ansprüchen gerecht. Die Errichtung von Infrastruktur gehört nun mal zu den niederen Dingen und wird den Männern überlassen. Die machen das schließlich sowieso! Besonders anerkennenswürdig ist es für Frauen aber nicht. Da steht die Hochkultur immer über dem Tiefbau.

jokergirl
00
11.12.2009, 13:12

Das hat aber nicht mit Frauen zu tun, sondern generell mit der Kultur in Österreich.
"Technisch" wird leider immer noch mit "Hilfsarbeiter" gleichgesetzt und nicht mit "wissenschaftlich". Und HTL wird mit "direkt ins Arbeitsleben" gleichgesetzt.

Die wenigen, die es schaffen, beide Klischees zu umschiffen, gehen dann auf die NaWis (AHS-Absolventen, die sich nicht für Humanistik interessieren - Klischee 1, und HTL-Absolventen, die sich die Uni leisten können - Klischee 2).

;)

nina yankow
01

meine tante hat eine htl besucht, und war eine von vielen, die mir davon abgeraten hat, als ich mit meinen mathe-, physik- und DG-einsen und generellem technikinteresse an die htl wollte, weil selbst unter den lehrern frauenfeindliches "mobbing" nicht ungewöhnlich war.
weibl. kultur/sozialinteresse kriegt mehr förderung als weibl. technikinteresse. fängt beim spielzeug an und zieht sich durch die gesamte schulzeit. o-ton praxislehrer an einer HS im technischen werkunterricht: "die mädels brauchen keine weitere hilfe, die machen später eh nix technisches"
wenn ein bursch sich für eine lehre entscheiden, drängen eltern und freunde meist in richtung technik, während ein mädel allen erwartungen gerecht wird, wenn sie frisöse wird.

Tethys
11

"Tatsächlich habe ich einmal eine HTL-Absolventin kennen gelernt. "
Tatsächlich? Wow! EINE! Super! Na von einer schließen wir doch gleich auf alle!

"Superintelligent und Power-Frau - eine von der man/frau gedacht hätte, sie könnte einmal ein Atomkraftwerk oder einen Hochgeschwindigkeitzug bauen."
Schlimm. Hat sie ihre Intelligenz beim GeWi-Studium eingebüßt?

"Die Errichtung von Infrastruktur gehört nun mal zu den niederen Dingen und wird den Männern überlassen."
Da erübrigt sich wohl ein Kommentar.

Lila Strumpf
12

tja wer eine Frau kennt, kennt bekanntlich alle ;-)

Mac Smith
22
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