Historisches Urteil: Indien erlaubt Homosexualität

Reuters/Red, 2. Juli 2009, 10:08

Gericht hebt seit der Kolonialzeit geltendes Verbot auf: "Widernatürlicher Geschlechtsverkehr" gehört Vergangenheit an

Neu Delhi - In einem historischen Urteil hat die indische Justiz am Donnerstag ein seit der Kolonialzeit geltendes Verbot Homosexualität betreffend aufgehoben: Das Hohe Gericht in Neu Delhi hat gleichgeschlechtlichen Sex zwischen Erwachsenen legalisiert. Die bisherige Bestimmung im indischen Strafrecht, die "widernatürlichen Geschlechtsverkehr" untersagt, sei diskriminierend und verstoße gegen den Grundsatz der Gleichheit und die Würde jedes Individuums, befand das Gericht in seiner 105-seitigen Urteilsbegründung.

Bislang mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet

Bisher konnte Homosexualität in Indien mit einer Geldstrafe und bis zu zehn Jahren Gefängnis bestraft werden. In der Praxis wurde das Gesetz zwar nur selten angewendet. Homosexuelle warfen der Polizei jedoch vor, den Paragrafen zu nutzen, um Homosexuelle zu schikanieren und einzuschüchtern. Gesellschaftliche Intoleranz gegenüber Homosexualität ist in Indien weit verbreitet: Bis heute sind selbst Umarmungen und Küsse unter Gleichgeschlechtlichen jedweder sexueller Orientierung in der Öffentlichkeit nicht toleriert, Übergriffe bei Zuwider Handeln keine Ausnahme. Viele InderInnen betrachten Homosexualität als Krankheit.

"Im 21. Jahrhundert angekommen"

Bis heute waren alle Petitionen, das Verbot aus dem Jahr 1861 aufzuheben, an der Regierung gescheitert. Nun, nach neun Jahren gerichtlicher Bemühungen von Homosexuellen-AktivistInnen, ist es geschafft: "Wir sind endlich im 21. Jahrhundert angekommen", meinte Anjali Gopalan von der "Naz Foundation", einer führenden Gay Rights-NGO. Er ist zuversichtlich, dass die Regierung das Urteil nicht übergehen kann.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch bezeichnete das Urteil als überfällig. Der Aktivist Gautam Bhan erklärte, die Richter hätten mit dem Urteil die Vision einer "offenen, toleranten Gesellschaft" in Indien entworfen. Die Bollywood-Schauspielerin Celina Jaitley sagte, sie sei "überwältigt".

Scharfe Kritik

Religiöse Gruppierungen kritisierten das Urteil dagegen scharf. Der Imam der größten Moschee in Indien, Ahmed Bukhari, bezeichnete das Urteil als "völlig falsch". "Wir werden ein solches Gesetz nicht akzeptieren", sagte der Vorbeter der Jama Masjid in Neu Delhi. Der Sprecher des katholischen Bischofskonferenz in Indien, Babu Joseph, sagte, das Urteil ändere nichts an der Einstellung der Kirche zu Homosexuellen. Homosexualität sei kein "akzeptables Verhalten".

Keine Stellungnahme von Seiten der Regierung

Die Regierung, die gegen das Urteil Berufung noch einlegen kann, äußerte sich zunächst nicht. Justizminister Veerappa Moily sagte, er müsse es erst einmal gründlich lesen.  (Reuters/APA/red)

Hans Gmasz
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Es entspricht nicht der Wahrheit, dass Umarmungen unter Gleichgeschlechtlichen in der Öffentlichkeit nicht toleriert werden. Umarmungen unter Männern gehören im Gegenteil zum alltäglichen Bild indischer Städte. (Küsse und andere Formen der Zärtlichkeit sind allerdings nach wie vor tabu.)

Ivan Fedorov
01
lustig das detail

das dieses gesetz von den europäern nach indien gebracht wurde.

G e o r g
02

Zur vorkolonialen Gesellschaft Indiens weiß ich zu wenig, aber zumindest gilt das für den arabischen Raum. Dazu gibt es ein interessantes Buch: Georg Klauda: "Die Vertreibung aus dem Serail. Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt."
Verlag: http://www.maennerschwarm.de/Verlag/ht... auda1.html
Mehr zum Inhalt: http://www.streifzuege.org/2009/die-... dem-serail

ameno
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hab schon amal mehr glacht.

ist ja nicht so, als hätten europäer sonst nur gute sachen in die welt getragen (eher im gegenteil).

atreyu71273
 
10
Ja!

Ich bin Halbinder, und kann deine Meinung absolut bestätigen.

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